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Nachsaison II
Eingestellt am 19. 03. 2014 13:20


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Karinina
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Nachsaison II

Der Sommer war kalt und es regnete bis zum Herbst.
Dann kamen ein paar Tage, an denen der Regen nachlie├č und der Himmel voll wei├čer Wolken stand. Sie schwebten sehr langsam von S├╝den herauf und bedeckten den Himmel wie leuchtende T├╝cher, die ausgebreitet zum Bleichen auf gr├╝ner Wiese liegen und den Augen weh tun in der Sonne...

Es waren so helle Wolken und die Luft war so seidig, ein bisschen k├╝hl zwar, dass man an Fr├╝hling erinnert wurde und an die ersten Tage nach der Schneeschmelze, und die trocknende Erde roch stark.

Ende September wurde der Himmel farblos vor Hitze. Vereinzelt hingen die bunten Sonnenschirme schr├Ąg gegen Mittag ├╝ber den Balkons des Ferienheimes, und manchmal schwang eine Kofferradiomelodie , um die sich niemand k├╝mmerte, in die Stille.

Die wenigen G├Ąste verloren sich in dem gro├čen Speisetrakt und Anna war viel allein. Wenn sie ├╝ber die leeren Tische sah, dachte sie, was f├╝r eine Erleichterung es w├Ąre, k├Ânnten die acht Rentner aus ihrem Hause hier versorgt werden oder wenigstens das Mittagessen bekommen: Von den drei Gro├čeink├Ąufen in der Woche bliebe dann vielleicht ein einziger ├╝brig, der f├╝r sie selbst.

├ťber den Tischen hingen Glasleuchten mit orangenen Fl├╝geln, die aussahen wie orientalische Sommerfalter. Anna erinnerte sich daran, dass damals, als man sie f├╝r dieses Ferienobjekt in ihrem Betrieb angefertigt hatte, niemand glaubte, sie k├Ânnten jemals irgendwo gebraucht werden. Und nun hingen sie doch und sie gefielen Anna sehr.

An der langen Wand gegen├╝ber der gl├Ąsernen Verandafront waren in sechs gro├čen schwarzumrandeten Glask├Ąsten Falter, Raupen und Puppen auf Nadeln aufgespie├čt.
In den Korridoren hingen K├Ąsten mit K├Ąfern, und in Annas Zimmer Nachtfalter, deren fades Wei├č im Dunklen silbrig zu gl├Ąnzen begann.

An den Vormittagen ging Anna aus dem Ort hinaus. Der Rainfarn stand schon starr und die gelben Bl├╝tendolden leuchteten nicht mehr, aber sie beherrschten mit ihrem herben Geruch den Weg bis zum Wald.
Anna gew├Âhnte sich daran, dass er auch an ihren H├Ąnden blieb, wenn sie die gelben K├Âpfe ber├╝hrte und dar├╝ber strich. Sie waren auch jetzt noch weich und nachgiebig, wie Anna sie in Erinnerung hatte aus der Zeit, da sie als junge G├Âre durch die Felder au├čerhalb des Dorf gestreift war.. Aber sie brachen leicht von den Stengeln und es fiel Anna ein, dass man sie doch ebenso in Leinens├Ąckchen zwischen die W├Ąsche legen k├Ânnte, wie den ├╝blichen Lavendel, den sie gar nicht so mochte. Das w├Ąre mal eine andere Note...

Anna brachte den Wermutgeruch mit zum Mittagessen. Sie fuhr sich mit der Zunge ├╝ber die Lippen und f├╝hlte sich bitter schmeckend. Es gefiel ihr. Sie dachte an ihren Enkelsohn, 18 jetzt, und stellte sich vor, wie er, wenn er ihr die Hand k├╝sste, was er in letzter Zeit gern mit viel ironischer Grandezza getan hatte, zur├╝ckschrecken w├╝rde. Bitter. Bitter vor Wiese und Herbst...

'Ach', dachte Anna, 'was versteht man in der Jugend schon davon.' Und sie roch an ihrer Hand, besah sie sich von allen Seiten, sie hatte sie eigentlich noch nie gesehen, und sie l├Ąchelte ein bisschen mit geschlossenem Mund.


Pl├Âtzlich f├╝hlte sie sich beobachtet. Zwei Tische weiter sa├č ein ├Ąlteres Ehepaar. Der Mann hatte damals in ihrer Schicht gearbeitet und Anna nickte hin├╝ber. Die Frau dankte ihr nicht. Sie schien ihrem Mann unfeine Worte zuzuzischeln, ohne Anna dabei aus dem Blick zu lassen, denn der Mann wurde langsam rot und wandte sich der Veranda zu. Seine von Lauge verf├Ąrbten H├Ąnde lagen wie derbe Klammern um den Tellerrand.

'Sie hat keinen Grund. ' dachte Anna, 'nein'. Und ihr L├Ącheln verst├Ąrkte sich. 'Dar├╝ber bin ich hinaus. In meinem Alter...'

Es war ein bisschen kokett gedacht, und Anna wusste das. Es kam ihr sonderbar vor, dass sie auf einmal kokett sein konnte, 'aber,' dachte sie,'das ist die Ruhe...mein Gott, was f├╝r eine Ruhe...'

Wenn es sehr hei├č war, sa├č Anna nachmittags im Park. Sie hielt ihre nackten F├╝├če in den Bach und betrachtete die Schattenspiele der gro├čbl├Ąttrigen B├Ąume auf dem Wasser. Sie konnte mit ihren Zehen die bunten Kieselsteine und den feinen Sand ber├╝hren und den Bach eintr├╝ben, so dass die Sonnenflecken nicht mehr ins Wasser schossen und es nicht mehr durchsichtig machten bis auf den Grund. Es kam ihr vor, als g├Ąbe es hier Forellen, aber es war schlie├člich ein Krebs, der unter der B├Âschung heraus geschnappt kam und Annas Zehe quetschte.
Sie schrie nicht. Sie besah sich ihren Fu├č. Barfu├č ging sie ins Heim zur├╝ck und lachte: 'Was bin ich doch f├╝r eine dumme Alte...'

Nach Annas erster Urlaubswoche waren die Tische zu den Mahlzeiten wieder besetzt, obwohl es schon Anfang Oktober war. Es waren Ehepaare in ihrem Alter und sehr junge Leute.
Park und Wiesen f├╝llten sich mit Spazierg├Ąngern und Anna zog sich zu ihren Schmetterlingen zur├╝ck.
Sie las jetzt viel. Wenn es sich abends abk├╝hlte, wickelte sie sich in ihre Decke. Es war sehr ruhig abends auf ihrem Balkon und der Himmel klar wie immer. Sie wusste nicht mal, woran sie dachte, sie lag einfach da in ihrem Liegestuhl und betrachtete den Himmel, an dem es nichts zu betrachten gab, und manchmal schlief sie ein und erwachte und schlief wieder ein. Einmal h├Ârte sie, dass neben an jemand sang. Ein Mann sang. Sie wusste nicht, ob es gut war, aber der Mann hatte eine angenehme Stimme. Ein bisschen jung, ein bisschen rauchig und nicht sehr klar, ein bisschen nach Abend und nicht sehr n├╝chtern...
Anna schlief wieder ein und erwachte und h├Ârte den Mann, mal lauter, mal leiser , und Anna schlief wieder ein...
Einmal lachte der Mann. Anna ging ins Zimmer zur├╝ck. Die Nachtfalter hingen in ihren K├Ąsten, in denen sich der Mond spiegelte, sie leuchteten silbern, und Anna betrachtete sie und lag lange wach.

Sie konnte den Mann zu den Mahlzeiten nicht finden. Sie dachte, er m├╝sste schwarze Haare haben. Aber alle Dunkelhaarigen waren ├Ąlter, als Anna f├╝r den Mann vermutete. Einmal gefiel ihr eine Hand, die das Bierglas sehr selbstsicher hielt, aber dieser Mann war ihr zu gedrungen. Ein anderer
hatte diesen sonderbaren starren Blick, nach innen gekehrt, aber er war verheiratet, seine Frau sa├č klein und lebhaft neben ihm.

Manchmal traf sie ein Blick. Aber wenn es der Blick war, der Anna sagte, das m├╝sse er sein, dann war es ein Blick von einem sehr jungen Mann. Und Anna l├Ąchelte resigniert zur├╝ck...

Die Tage vergingen gleichm├Ą├čig und sehr still.

Anna las, obwohl sie das nicht gew├Âhnt war, oder schlief, was sie sonst tags├╝ber auch nicht kannte, oder ging ziellos und unsicher zwischen den Urlaubsgr├╝ppchen hindurch.
Einmal entdeckte sie einen Teich mit Goldfischen, aber den hatten vor ihr schon andere entdeckt: Es war der Treffpunkt f├╝r die jungen Leute. Einer sang ein bisschen zur Gitarre. Sie glaubte, die Stimme zu erkennen und sah hin├╝ber zu ihm. Er hatte die gleiche ironische Grandezza wie ihr Enkelsohn und Anna stand auf und ging weg.

Hin und wieder h├Ârte sie abends den Mann. Manchmal lachte er. Ein Frauenlachen h├Ârte sie nie.

Es kam vor, das er pausenlos zwischen Zimmer und Balkon auf und ab ging. Anscheinend sprach er dazu.
Wenn der Mond hinter den B├Ąumen heraufkam und auf die Glask├Ąsten fiel, war es Anna jetzt manchmal, als ob die Schmetterlinge sich bewegten. Sie wusste, es war eine T├Ąuschung, aber sie drehte ihr Gesicht nicht weg, bis es schmerzte.

Zum Heimabend mit Tanz ging sie hinunter, obwohl sie das gar nicht wollte. Die Jungen warfen sich Blicke zu und lachten. Sie sah sie sich im Saale bewegen, ihre Anmut ironisch vertuschend, und l├Ąchelte. Sie mochte ihre langen Haare auf einmal, weil sie ihre Gesichter ber├╝hrbar machten. Kindergesichter mit B├Ąrten. Die Blicke herausfordernd. Einer so, wie sie ihn sich dachte. Doch er war sehr jung. Seine linke Hand hielt ihre beim Tanzen so, wie sie es richtig fand: gelassen. Aber den rechte Arm legte er um sie herum, so dass seine Finger ihren Hals zwischen Ohr und Schl├╝sselbein ber├╝hrten. Seine Hand roch bitter. Sie l├Ąchelte nachsichtig ├╝ber seinen Blick. Sie streichelte beruhigend seine Schulter.
Es kam ihr sehr erstaunlich vor, dass er schon ein bisschen Speck auf den Schulterbl├Ąttern hatte und sie dachte, sie w├╝rde ihn als erstes hungern lassen, oder in die Sauna schicken...

'Zu meiner Zeit,' dachte Anna, 'zu meiner Zeit waren sie nicht so. Nicht so...so...ja, wie? Wie ist mein Enkel? Weich,.. sinnlich...'

Der junge Mann tanzte nicht, wenn Anna ihn, l├Ąchelnd auf ihr Alter und den k├╝rzer werdenden Atem verweisend, abwies. Er ging an den Tischen vorbei, seine Hand strich ├╝ber die Glask├Ąsten und er sah Anna an.

'Traurig. Zu meiner Zeit waren sie nicht so traurig,' dachte Anna, 'oder ich hab die Traurigen nicht bemerkt...'.

Anna schlief sehr schlecht in der Nacht.

Die lila Sommeraster, die am Morgen an ihrer T├╝rklinke hing, legte sie auf den schwarzen Rand des Schmetterlingskastens.

An diesem Tag fuhr Anna mit dem Linienbus in die Stadt. Sie sah sich die Kirchen an und die Baudenkm├Ąler, a├č in einem zweitklassigen Hotel zu Mittag, versuchte,irgendwo Sandalen zu kaufen- um diese Jahreszeit- und einen Lippenstift. Beides bekam sie nicht, aber daf├╝r schnitt man ihr die Haare kurz, drehte sie ├╝ber d├╝nne Wickel und machte Anna modern. Annas Haar sah danach aus wie bei den sehr jungen M├Ądchen. Sie lachte sich selbst aus...

Auf der Post schrieb sie drei Ansichtskarten, eine f├╝r den Enkel,eine f├╝r die Tochter und eine f├╝r die acht Rentner in ihrem Haus, die sie sicher ans ÔÇ×schwarze BrettÔÇť h├Ąngen w├╝rden und lesen k├Ânnten: Eure erstmalig und nie wieder in Urlaub fahrende Anna.
Das ÔÇ×nie wiederÔÇť strich sie am Ende doch noch aus. Und die Briefmarken leckte sie mit der Zunge an und hieb sie mit dem Handballen auf den Karten fest, so wie sie es fr├╝her getan hatte, bevor ihr Mann das Schreiben ÔÇ×einf├╝ralleMalÔÇť selbst ├╝bernahm. Es hatte aber nur 11 Jahre gedauert...

Schlie├člich war es Zeit f├╝r den Bus und Anna ging zum Markt. Der Marktplatz schwamm in Gelb. K├╝rbisse t├╝rmten sich vor dem Gem├╝segesch├Ąft und am offenen T├╝rrahmen hingen Zwiebelz├Âpfe und Peperoni. Mitten in der schr├Ągen Nachmittagssonne standen Kisten mit Birnen. Es war sehr still auf dem Platz und Anna h├Ârte den Strahl ins Wasserbecken fallen, der aus dem ge├Âffneten Rachen eines Riesenfisches sehr vorsichtig in kleinem Bogen aufstieg.

Sie ging am Brunnen vorbei und blieb bei den Birnen stehen. ÔÇ×Tschja,ÔÇť sagte die Frau, ÔÇ×denn kaufen Se man. Sechzig det halbe.ÔÇť
Anna griff in die K iste und zuckte zur├╝ck.

Ein gro├čes Schmetterling setzte sich in das ├╝berreife Gelb. Er war sehr gro├č und sehr sch├Ân. Auf der warmen Haut der Birne leuchtete sein Schwarz und sein Rot, sein Gelb und sein Blau und Anna sah die langen F├╝hler, sie zitterten leicht und die schwarzen K├Âpfchen tasteten zart an der Birne und Anna brauchte lange, ehe sie weg sah und dem Blick der Frau gegen├╝ber begegnete.

ÔÇ×Det iss der Admiral. Der geht mang det S├╝├če. Een Halbes, wat?Se sinn grade richtig zum Reinei├čen. Een Tag noch und es ist zu ville...ÔÇť

Anna sah in die Kiste zur├╝ck. Der Falter bewegte sich jetzt langsamer, seine Fl├╝gel hatten einen feuchten Schimmer. Es kam Anna so vor, als h├Ątte sich der s├╝├če Birnengeruch verst├Ąrkt. Es war etwas darin, dass das S├╝├če zu ├╝berwuchern drohte...

ÔÇ×Nein danke;ÔÇť sagte Anna entschlossen zu der Frau. Sie hatte M├╝he, nicht zu schnell fortzugehen, es schien ihr, als ber├╝hre ein sp├Âttischer Blick sie im R├╝cken k├Ârperlich.

Anna ging nicht zum Abendessen. Sie wickelte sich in ihre Decke und setzte sich auf den Balkon.

Am sp├Ąten Abend h├Ârte sie den Mann. Einmal fiel eine Flasche zu Boden und zerbrach.

ÔÇ×Mein Gott,ÔÇť sagte Anna pl├Âtzlich laut, ÔÇ×Sie sind doch noch jung, nicht wahr?ÔÇť

Es blieb still nebenan. Nach einer Weile legte Anna die Decke weg, ging zum Gel├Ąnder und lehnte sich weit dar├╝ber, aber sie konnte den Mann nicht erkennen. Sie konnte ├╝berhaupt nichts sehen vom Balkon nebenan, nur den immer noch aufgespannten Sonnenschirm und den Glaskasten mit den Schmetterlingen an der anderen Wand.

Im Mondlicht sahen sie sehr rosa aus oder auch blau, aber sie waren so gro├č und so geformt, dass Anna es sofort wusste.

Sie h├Ârte den Mann atmen.

ÔÇ×Anna,ÔÇť sagte er pl├Âtzlich leise, ÔÇ×es wartet doch niemand auf Sie, nicht wahr Anna?ÔÇť

'O Gott nein, ' dachte sie, ' es wartet niemand...ÔÇť aber sie sagte es nicht...

Erst sp├Ąt in der Nacht h├Ârte Anna, wie der Mann den Liegestuhl zusammenklappte und ins Zimmer ging.


Der Zug fuhr lange durch das ebene Land, ├╝ber dem noch immer die Sonne stand,ein bisschen verhangen vom Herbst, und die Felder waren braun und frisch gebrochen und die Wiesen gelb vor Hitze und die W├Ąlder leuchteten farbig und satt im Mittag, und Anna weinte und wusste nicht warum, und je weniger sie es wusste, um so mehr weinte sie.

'Mein Gott,' dachte sie erbittert,'in meinem Alter!' und sie kn├╝llte ihr Taschentuch, und der Zug fuhr und fuhr, und das ebene Land zog vorbei...



Version vom 19. 03. 2014 13:20

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Bertl Schreiner
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Hallo Karinina,
ich habe Deine Erz├Ąhlung mehrfach gelesen und glaube, sie hat eine R├╝ckmeldung verdient. Mich spricht die subtile Melancholie an, die im Hintergrund mitschwingt. Da ist eine einsame, nicht mehr so junge Frau, die ihr arbeitsames Leben zum ersten Mal durch einen Urlaub unterbricht und sich selbst und anderen in einer neuen Weise begegnet. Ihre Tr├Ąnen am Schluss kann man nachvollziehen. In ihr ist sicher noch etwas, das sie sich wegen ihres Alters nicht eingestehen kann. Doch hat sie deshalb kein Recht auf etwas N├Ąhe...?
Andererseits zeigt die fl├╝chtige Begegnung mit dem jungen Mann, dass die Realit├Ąt ihr kaum eine Chance gibt. (Hoffentlich habe ich nicht zu viel hinein interpretiert.)
Mir gefallen auch die sehr genauen Beschreibungen von Landschaft, Vorg├Ąngen und Dingen; alles in einer ruhig flie├čenden, unspektakul├Ąren Sprache. Nur manchmal st├Âren mich etwas die zahlreichen Wortwiederholungen; Beispiel:

quote:
Wenn es sehr hei├č war, sa├č Anna nachmittags im Park. Sie hielt ihre nackten F├╝├če in den Bach und betrachtete die Schattenspiele der gro├čbl├Ąttrigen B├Ąume auf dem Wasser. Sie konnte mit ihren Zehen die bunten Kieselsteine und den feinen Sand im Bett des Baches ber├╝hren und den Bach eintr├╝ben, so dass die Sonnenflecken nicht mehr ins Wasser schossen und es nicht mehr durchsichtig machten bis auf den Grund. Es kam ihr vor, als g├Ąbe es Forellen im Bach, aber es war schlie├člich ein Krebs, der unter der B├Âschung heraus geschnappt kam und Annas Zehe quetschte.
Falls die Wiederholungen aber bewusst als Gestaltungselement gesetzt sind, vergiss bitte meinen Einwand.

Ich m├Âchte Dich auf einige Kleinigkeiten aufmerksam machen, die man verbessern k├Ânnte (wenn Du magst):
quote:
Dann kamen ein paar Tage, an denen der Regen nachlie├č und der Himmel voll wei├čer Wolken stand. Sie kamen schwebten sehr langsam von S├╝den herauf
quote:
Ende September wurde der Himmel farblos vor Hitze. Vereinzelt hingen die bunten Sonnenschirme schr├Ąg gegen Mittag ├╝ber den Balkons des Ferienheimes, und manchmal schwang eine Kofferradionmelodie , um die sich niemand k├╝mmerte, in die Stille.
quote:
Anna gew├Âhnte sich daran, dass er auch an ihren H├Ąnden blieb, wenn sie die gelben K├Âpfe ber├╝hrte und dar├╝ber strich. Sie waren auch jetzt noch weich und nachgiebig, wie Anna sie in Erinnerung hatte aus der Zeit, da sie als junge G├Âre durch die Felder au├čerhalb des Dorfes gestreift war..
quote:
Die Frau dankte ihr nicht. Sie schien ihren m Mann unfeine Worte zuzuzischeln, ohne Anna dabei aus dem Blick zu lassen,
quote:
Ein Mann sang. Sie wu├čte nicht, ob es gut war, aber der Mann hatte eine angenenehme Stimme.
quote:
Lippenstift. Beides bekam sie nicht, aber daf├╝r schnitt nan man ihr die Haare kurz,

LG Bertl

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Karinina
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F├╝r Bertl

Lieber Bertl, ich danke Dir sehr f├╝r Deine Worte, das macht mir Mut. Ich habe einiges verbessert und Du hast recht, manchmal sind solche H├Ąufungen wie Bach bei mir leider keine Seltenheit, ich nehme es als Stilmittel, aber den Bach in diesem Text habe ich nun doch reduziert, dort war es zu viel...
Liebe Gr├╝├če von Karin

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USch
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Hallo Karinina,
ich kann mich dem Kommentar von Bertl weitgehend anschlie├čen. Im Folgenden ein paar kleine Fehler und Anmerkungen:

Der Sommer war kalt und es regnete bis zum Herbst.Kein Absatz!
Dann kamen ein paar Tage, an denen der Regen nachlie├č und der Himmel voll wei├čer Wolken stand. Sie schwebten sehr langsam von S├╝den herauf und bedeckten den Himmel wie leuchtende T├╝cher, die ausgebreitet zum Bleichen auf gr├╝ner Wiese liegen und den Augen weh tun in der Sonne...

Es waren so helle Wolken und die Luft war so seidig, ein bisschen k├╝hl zwar, dass man an Fr├╝hling erinnert wurde und an die ersten Tage nach der Schneeschmelze, und die trocknende Erde roch stark.

Ende September wurde der Himmel farblos vor Hitze. Vereinzelt hingen die bunten Sonnenschirme schr├Ąg gegen Mittag ├╝ber den Balkons des Ferienheimes, und manchmal schwang eine Kofferradiomelodie in die Stille. Doch niemand k├╝mmerte sich darum.

Die wenigen G├Ąste verloren sich in dem gro├čen Speisetrakt und Anna war viel allein. Wenn sie ├╝ber die leeren Tische sah, dachte sie, was f├╝r eine Erleichterung es w├Ąre, k├Ânnten die acht Rentner aus ihrem Hause hier versorgt werden oder wenigstens das Mittagessen bekommen. Von den drei Gro├čeink├Ąufen in der Woche bliebe dann vielleicht ein einziger ├╝brig, der f├╝r sie selbst. Meinst du einen Gro├čeinkauf oder ein Essen? Gro├čeinkauf w├Ąre wohl ├╝bertrieben?!

├ťber den Tischen hingen Glasleuchten mit orangenen Fl├╝geln, die aussahen wie orientalische Sommerfalter. Anna erinnerte sich daran, dass damals, als man sie f├╝r dieses Ferienobjekt in ihrem Betrieb angefertigt hatte, niemand glaubte, sie k├Ânnten jemals irgendwo gebraucht werden. Und nun hingen sie doch und sie gefielen Anna ihr sehr.

An der langen Wand gegen├╝ber der gl├Ąsernen Verandafront waren in sechs gro├čen schwarzumrandeten Glask├Ąsten Falter, Raupen und Puppen auf Nadeln aufgespie├čt.
In den Korridoren hingen K├Ąsten mit K├Ąfern, und in Annas Zimmer Nachtfalter, deren fades Wei├č im Dunklen silbrig zu gl├Ąnzen begann.

An den Vormittagen ging Anna aus dem Ort hinaus. Der Rainfarn stand schon starr und die gelben Bl├╝tendolden leuchteten nicht mehr, aber sie beherrschten mit ihrem herben Geruch den Weg bis zum Wald. Kein Absatz!
Anna gew├Âhnte sich daran, dass er auch an ihren H├Ąnden blieb, wenn sie die gelben K├Âpfe ber├╝hrte und dar├╝ber strich. Sie waren auch jetzt noch weich und nachgiebig, wie Anna sie in Erinnerung hatte aus der Zeit, da sie als junge G├Âre durch die Felder au├čerhalb des Dorfes gestreift war.. Aber sie brachen leicht von den Stengeln und es fiel Anna ihr ein, dass man sie doch ebenso in Leinens├Ąckchen zwischen die W├Ąsche legen k├Ânnte, wie den ├╝blichen Lavendel, den sie gar nicht so mochte. Das w├Ąre mal eine andere Note...

Anna brachte den Wermutgeruch mit zum Mittagessen. Sie fuhr sich mit der Zunge ├╝ber die Lippen und f├╝hlte sich bitter schmeckend. Es gefiel ihr. Sie dachte an ihren Enkelsohn, 18 jetzt, und stellte sich vor, wie er, wenn er ihr die Hand k├╝sste, was er in letzter Zeit gern mit viel ironischer Grandezza getan hatte, zur├╝ckschrecken w├╝rde. Bitter. Bitter vor Wiese und Herbst...
Mal grunds├Ątzlich: Warum machst du bei Abs├Ątzen, wo es eine inhaltliche Klammer gibt, so oft einen doppelten Zeilenwechsel? Das ist doch nur sinnvoll, wenn ein anderer Handlungsstrang beginnt.

'Ach', dachte Anna, 'was versteht man in der Jugend schon davon.' Und sie roch an ihrer Hand, besah sie sich von allen Seiten, sie hatte sie eigentlich noch nie gesehen, und sie l├Ąchelte ein bisschen mit geschlossenem Mund.


Pl├Âtzlich f├╝hlte sie sich beobachtet. Zwei Tische weiter sa├č ein ├Ąlteres Ehepaar. Der Mann hatte damals in ihrer Schicht gearbeitet und Anna sie (Bitte nicht zu oft Anna, wenn es sich vermeiden l├Ą├čt!) nickte hin├╝ber. Die Frau dankte ihr nicht. Sie schien ihrem Mann unfeine Worte zuzuzischeln, ohne Anna dabei aus dem Blick zu lassen, denn der Mann wurde langsam rot und wandte sich der Veranda zu. Seine von Lauge verf├Ąrbten H├Ąnde lagen wie derbe Klammern um den Tellerrand.

'Sie hat keinen Grund, Komma! ' dachte Anna, 'nein'. Und ihr L├Ącheln verst├Ąrkte sich. 'Dar├╝ber bin ich hinaus. In meinem Alter...'

Es war ein bisschen kokett gedacht, und Anna wusste das. Es kam ihr sonderbar vor, dass sie auf einmal kokett sein konnte, 'aber,' dachte sie,'das ist die Ruhe...mein Gott, was f├╝r eine Ruhe...'

Wenn es sehr hei├č war, sa├č Anna nachmittags im Park. Sie hielt ihre nackten F├╝├če in den Bach und betrachtete die Schattenspiele der gro├čbl├Ąttrigen B├Ąume auf dem Wasser. Sie konnte mit ihren Zehen die bunten Kieselsteine und den feinen Sand ber├╝hren und den Bach eintr├╝ben, so dass die Sonnenflecken nicht mehr ins Wasser schossen und es nicht mehr durchsichtig machten bis auf den Grund. Es kam ihr vor, als g├Ąbe es hier Forellen, aber es war schlie├člich ein Krebs, der unter der B├Âschung heraus geschnappt kam und Annas Zehe quetschte.
Sie schrie nicht. Sie besah sich ihren Fu├č. Barfu├č ging sie ins Heim zur├╝ck und lachte: 'Was bin ich doch f├╝r eine dumme Alte...'

Nach Annas erster Urlaubswoche waren die Tische zu den Mahlzeiten wieder besetzt, obwohl es schon Anfang Oktober war. Es waren Ehepaare in ihrem Alter und sehr junge Leute.
Park und Wiesen f├╝llten sich mit Spazierg├Ąngern und Anna zog sich zu ihren Schmetterlingen zur├╝ck.
Sie las jetzt viel. Wenn es sich abends abk├╝hlte, wickelte sie sich in ihre Decke. Es war sehr ruhig abends auf ihrem Balkon und der Himmel klar wie immer. Sie wusste nicht mal, woran sie dachte, sie lag einfach da in ihrem Liegestuhl und betrachtete den Himmel, an dem es nichts zu betrachten gab, und manchmal schlief sie ein und erwachte und schlief wieder ein. Einmal h├Ârte sie, dass nebenan jemand sang. Ein Mannsang. Sie wusste nicht, ob es gut war, aber der Mann er hatte eine angenehme Stimme. Ein bisschen jung, ein bisschen rauchig und nicht sehr klar, ein bisschen nach Abend und nicht sehr n├╝chtern...
Anna schlief wieder ein und erwachte und h├Ârte den Mann, mal lauter, mal leiser , und Anna schlief wieder ein...
Einmal lachte der Mann. Anna ging ins Zimmer zur├╝ck. Die Nachtfalter hingen in ihren K├Ąsten, in denen sich der Mond spiegelte, sie leuchteten silbern, und Anna betrachtete sie und lag lange wach.

Sie konnte den Mann zu den Mahlzeiten nicht finden. Sie dachte, er m├╝sste schwarze Haare haben. Aber alle Dunkelhaarigen waren ├Ąlter, als Anna f├╝r den Mann vermutete. Einmal gefiel ihr eine Hand, die das Bierglas sehr selbstsicher hielt, aber dieser Mann war ihr zu gedrungen. Ein anderer hatte diesen sonderbaren starren Blick, nach innen gekehrt, aber er war verheiratet, seine Frau sa├č klein und lebhaft neben ihm.

Manchmal traf sie ein Blick. Aber wenn es der Blick war, der Anna sagte, das m├╝sse er sein, dann war es ein Blick von einem sehr jungen Mann. Und Anna l├Ąchelte resigniert zur├╝ck...

Die Tage vergingen gleichm├Ą├čig und sehr still.

Anna las, obwohl sie das nicht gew├Âhnt war, oder schlief, was sie sonst tags├╝ber auch nicht kannte, oder ging ziellos und unsicher zwischen den Urlaubsgr├╝ppchen hindurch.
Einmal entdeckte sie einen Teich mit Goldfischen, aber den hatten vor ihr schon andere entdeckt: Es war der Treffpunkt f├╝r die jungen Leute. Einer sang ein bisschen zur Gitarre. Sie glaubte, die Stimme zu erkennen und sah hin├╝ber zu ihm. Er hatte die gleiche ironische Grandezza wie ihr Enkelsohn und Anna stand auf und ging weg.

Hin und wieder h├Ârte sie abends den Mann. Manchmal lachte er. Ein Frauenlachen h├Ârte sie nie.

Es kam vor, dass er pausenlos zwischen Zimmer und Balkon auf und ab ging. Anscheinend sprach er dazu.
Wenn der Mond hinter den B├Ąumen heraufkam und auf die Glask├Ąsten fiel, war es Anna jetzt manchmal, als ob die Schmetterlinge sich bewegten. Sie wusste, es war eine T├Ąuschung, aber sie drehte ihr Gesicht nicht weg, bis es schmerzte.

Zum Heimabend mit Tanz ging sie hinunter, obwohl sie das gar nicht wollte. Die Jungen warfen sich Blicke zu und lachten. Sie sah sie sich im Saale bewegen, ihre Anmut ironisch vertuschend, und l├Ąchelte. Sie mochte ihre langen Haare auf einmal, weil sie ihre Gesichter ber├╝hrbar machten. Kindergesichter mit B├Ąrten. Die Blicke herausfordernd. Einer so, wie sie ihn sich dachte. Doch er war sehr jung. Seine linke Hand hielt ihre beim Tanzen so, wie sie es richtig fand: gelassen. Aber den rechte Arm legte er um sie herum, so dass seine Finger ihren Hals zwischen Ohr und Schl├╝sselbein ber├╝hrten. Seine Hand roch bitter. Sie l├Ąchelte nachsichtig ├╝ber seinen Blick. Sie streichelte beruhigend seine Schulter.
Es kam ihr sehr erstaunlich vor, dass er schon ein bisschen Speck auf den Schulterbl├Ąttern hatte und sie dachte, sie w├╝rde ihn als erstes hungern lassen, oder in die Sauna schicken...

'Zu meiner Zeit,' dachte Anna, 'zu meiner Zeit waren sie nicht so. Nicht so...so...ja, wie? Wie ist mein Enkel? Weich,.. sinnlich...'

Der junge Mann tanzte nicht, wenn Anna ihn, l├Ąchelnd auf ihr Alter und den k├╝rzer werdenden Atem verweisend, abwies. Er ging an den Tischen vorbei, seine Hand strich ├╝ber die Glask├Ąsten und er sah Anna an.

'Traurig. Zu meiner Zeit waren sie nicht so traurig,' dachte Anna, 'oder ich hab die Traurigen nicht bemerkt...'.

Anna schlief sehr schlecht in der Nacht.

Die lila Sommeraster, die am Morgen an ihrer T├╝rklinke hing, legte sie auf den schwarzen Rand des Schmetterlingskastens.

An diesem Tag fuhr Anna mit dem Linienbus in die Stadt. Sie sah sich die Kirchen an und die Baudenkm├Ąler, a├č in einem zweitklassigen Hotel zu Mittag, versuchte,irgendwo Sandalen zu kaufen - um diese Jahreszeit- und einen Lippenstift. Beides bekam sie nicht, aber daf├╝r schnitt man ihr die Haare kurz, drehte sie ├╝ber d├╝nne Wickel und machte Anna modern. Annas Ihr Haar sah danach aus wie bei den sehr jungen M├Ądchen. Sie lachte sich selbst aus...

Auf der Post schrieb sie drei Ansichtskarten, eine f├╝r den Enkel, eine f├╝r die Tochter und eine f├╝r die acht Rentner in ihrem Haus, die sie sicher ans ÔÇ×schwarze BrettÔÇť h├Ąngen w├╝rden und lesen k├Ânnten: Eure erstmalig und nie wieder in Urlaub fahrende Anna.
Das ÔÇ×nie wiederÔÇť strich sie am Ende doch noch aus. Und die Briefmarken leckte sie mit der Zunge an und hieb sie mit dem Handballen auf den Karten fest, so wie sie es fr├╝her getan hatte, bevor ihr Mann das Schreiben ÔÇ×einf├╝ralleMalÔÇť selbst ├╝bernahm. Es hatte aber nur 11 Jahre gedauert...

Schlie├člich war es Zeit f├╝r den Bus und Anna ging zum Markt. Der Marktplatz schwamm in Gelb. K├╝rbisse t├╝rmten sich vor dem Gem├╝segesch├Ąft und am offenen T├╝rrahmen hingen Zwiebelz├Âpfe und Peperoni. Mitten in der schr├Ągen Nachmittagssonne standen Kisten mit Birnen. Es war sehr still auf dem Platz und Anna h├Ârte den Strahl ins Wasserbecken fallen, der aus dem ge├Âffneten Rachen eines Riesenfisches sehr vorsichtig in kleinem Bogen aufstieg.

Sie ging am Brunnen vorbei und blieb bei den Birnen stehen. ÔÇ×Tschja,ÔÇť sagte die Frau, ÔÇ×denn kaufen Se man. Sechzig det halbe.ÔÇť
Anna griff in die Kiste und zuckte zur├╝ck.

Ein gro├čer Schmetterling setzte sich in das ├╝berreife Gelb. Er war sehr gro├č und sehr sch├Ân. Auf der warmen Haut der Birne leuchtete sein Schwarz und sein Rot, sein Gelb und sein Blau und Anna sah die langen F├╝hler, sie zitterten leicht und die schwarzen K├Âpfchen tasteten zart an der Birne und Anna brauchte lange, ehe sie weg sah und dem Blick der Frau gegen├╝ber begegnete.

ÔÇ×Det iss der Admiral. Der geht mang det S├╝├če. Een Halbes, wat? Se sinn grade richtig zum Reinbei├čen. Een Tag noch und es ist zu ville...ÔÇť

Anna sah in die Kiste zur├╝ck. Der Falter bewegte sich jetzt langsamer, seine Fl├╝gel hatten einen feuchten Schimmer. Es kam Anna ihr so vor, als h├Ątte sich der s├╝├če Birnengeruch verst├Ąrkt. Es war etwas darin, dass das S├╝├če zu ├╝berwuchern drohte...

ÔÇ×Nein danke,ÔÇť sagte Anna entschlossen zu der Frau. Sie hatte M├╝he, nicht zu schnell fortzugehen, es schien ihr, als ber├╝hre ein sp├Âttischer Blick sie im R├╝cken k├Ârperlich.

Anna ging nicht zum Abendessen. Sie wickelte sich in ihre Decke und setzte sich auf den Balkon.

Am sp├Ąten Abend h├Ârte sie den Mann. Einmal fiel eine Flasche zu Boden und zerbrach.

ÔÇ×Mein Gott,ÔÇť sagte Anna pl├Âtzlich laut, ÔÇ×Sie sind doch noch jung, nicht wahr?ÔÇť

Es blieb still nebenan. Nach einer Weile legte Anna die Decke weg, ging zum Gel├Ąnder und lehnte sich weit dar├╝ber, aber sie konnte den Mann nicht erkennen. Sie konnte ├╝berhaupt nichts sehen vom Balkon nebenan, nur den immer noch aufgespannten Sonnenschirm und den Glaskasten mit den Schmetterlingen an der anderen Wand.

Im Mondlicht sahen sie sehr rosa aus oder auch blau, aber sie waren so gro├č und so geformt, dass Anna es sofort wusste.

Sie h├Ârte den Mann atmen.

ÔÇ×Anna,ÔÇť sagte er pl├Âtzlich leise, ÔÇ×es wartet doch niemand auf Sie, nicht wahr Anna?ÔÇť

'O Gott nein, ' dachte sie, ' es wartet niemand...ÔÇť aber sie sagte es nicht...

Erst sp├Ąt in der Nacht h├Ârte Anna, wie der Mann den Liegestuhl zusammenklappte und ins Zimmer ging.


Der Zug fuhr lange durch das ebene Land, ├╝ber dem noch immer die Sonne stand, ein bisschen verhangen vom Herbst, und die Felder waren braun und frisch gebrochen und die Wiesen gelb vor Hitze und die W├Ąlder leuchteten farbig und satt im Mittag, und Anna weinte und wusste nicht warum, und je weniger sie es wusste, um so mehr weinte sie.

'Mein Gott,' dachte sie erbittert,'in meinem Alter!'und sie kn├╝llte ihr Taschentuch, und der Zug fuhr und fuhr, und das ebene Land zog vorbei...

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