Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
280 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Nachtmarsch
Eingestellt am 25. 12. 2008 13:23


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Odilo Plank
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

Werke: 58
Kommentare: 295
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Odilo Plank eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es ist Nacht; die Nacht der N├Ąchte, so sagt man.
Damals war auch Nacht, kalt, minus f├╝nfzehn. Stra├čenmarsch war befohlen, mit Karte und Kompass, 35 km.
Ich f├╝hrte eine Gruppe von acht Mann, war allein mit ihnen. Der Schnee lag kniehoch. Auf unserem R├╝cken leichtes Sturmgep├Ąck; die Knarre quer ├╝ber dem Bauch oder nach der Art des Revierf├Ârsters, mir war es egal. Ich zog die Handschuhe aus. Die verdammte Karte vor mir, viel zu sperrig, lie├č mir keine Wahl. Ich bildete mir etwas ein in der Kunst des Lesens. Zun├Ąchst schien es mir leicht. Wir verlie├čen das Dorf, in dem man uns abgesetzt hatte. Keine Laterne leuchtete mehr. Der Mond, eine schmale Sichel, der klare kalte Sternenhimmel ├╝ber uns. Ich schnarrte meine Befehle, die M├Ąnner stapften brav hinter mir her. Nat├╝rlich hatte ich die Route im Kopf. Wenn man zu wissen glaubt, wo es lang geht, wirken die kahlen B├Ąume vertraut, liebt man die ├äcker im fahlen Licht. Da war auch schon die Stra├čenkreuzung, die ich mir eingepr├Ągt hatte. Nach rechts! Da kam mir diese geniale Idee. ├ťber die H├╝gel da k├Ânnten wir abk├╝rzen. Ich tippte ge├╝bt die zwei Zentimeter ab, je zwei auf der Karte, ein Kilometer in der Wirklichkeit. Jawohl, Leute, wir k├╝rzen ab. Wir werden die ersten sein. Das lie├čen die sich nicht zweimal sagen. Wir stolperten einen Hohlweg hoch, ums├Ąumt von Schlehenb├╝schen. Es wurde finster in mir. Die Taschenlampen zeigten Schneekuppen und schwarze Str├Ąucher. Endlich waren wir oben. Nun musste bald die Stra├če kommen, die ich gleichsam als Siegesbeute schon vor mir sah.
Aber sie kam nicht. Mich ├╝berfiel die Angst und sprang wie ein Ungeheuer zum N├Ąchsten. Der lie├č sich fallen, lag vor mir im Schnee, als wollte er so begraben werden. Die pl├Âtzliche Wut verdr├Ąngte in mir alle anderen Gef├╝hle. Hoch, schrie ich und schlug ihm den Gewehrkolben ins Kreuz. Wir packten ihn und zogen ihn mit.
Es ist nicht mehr weit, behauptete ich im Befehlston. Auf der H├Âhe pfiff uns der Wind Leben um die Ohren.
Da stieg nicht allzu weit die rote Leuchtrakete in die Luft.
Diese Nacht hat jene andere in mir aufgerufen:
Du zerbrichst den Stock in der Hand des Treibers.
__________________
Odilo P.
"Wer ├╝ber sein Leid spricht, tr├Âstet sich bereits." A. Camus

Version vom 25. 12. 2008 13:23
Version vom 25. 12. 2008 17:07

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!