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Leselupe.de > Humor und Satire
Nachts um halb drei - oder die Beziehung zu meinem Telefon
Eingestellt am 28. 04. 2002 19:10


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WuZhao
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2002

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Mein Telefon bestimmt mein Leben. Es sitzt wie ein b├Âses fettes Tier mitten in meinem Zimmer auf dem Fu├čboden, da wo ich es gleich sehe, da wo ich es nicht erst suchen mu├č wenn es klingelt, weil ich praktisch dar├╝ber falle wenn ich mich innerhalb meines Zimmers fortbewege. Exakt in der Mitte meines Zimmers ├╝brigens, genau ausgezirkelt die Erreichbarkeit des H├Ârers, in der h├Âchstm├Âglichen Geschwindigkeit, von allen als Lagerst├Ątte f├╝r mich und meine ungedulige Erwartung benutzbaren umliegenden Einrichtungsgegenst├Ąnden, Bett, Sessel, Schreibtisch.

Das ist die beste L├Âsung, finde ich. ├ľrtlichkeiten, die au├čerhalb meines Zimmers liegen, kann ich in meinen Detailberechnungen getrost au├čer Acht lassen, denn ich wei├č, ich werde es sowieso nicht verlassen. Bis es klingelt.

So ist das. So f├╝hlt es sich an, wenn ich nachts um halb drei feststelle, da├č ich s├╝chtig bin, abh├Ąngig von einem symmetrisch formsch├Ânen, jedoch bei genauem Hinsehen v├Âllig unscheinbaren, trauertristschwarzen Plastikdings. Von einer herzlosen Maschine, die nicht wei├č, da├č sie mich in ewiges Ungl├╝ck und Verzweiflung st├╝rzen wird, wenn sie nicht sofort ihre dreit├Ânigeint├Ânigdudelnde Stimme erhebt; diese Stimme, die f├╝r mich nicht mehr nur schn├Âdes Klingeln, sondern vielmehr engelschorgleiche Erf├╝llung meiner k├╝hnsten Tr├Ąume und brennendsten Sehns├╝chte w├╝rde.

Sofort, bitte, weil mein Leben davon abh├Ąngt, weil der K├╝hlschrank leer ist und ich nicht einkaufen gehen kann und ich deshalb zwangsl├Ąufig verhungern werde.

Sofort, aus R├╝cksicht auf meinen Mitbewohner, denn duschen, oder ├Ąhnliche Aktivit├Ąt auf der Grundlage flie├čenden Wassers, ist beim besten Willen nicht drin.

Auch bin ich nicht im Stande den M├╝lleimer runterzutragen,
verwahrlosen werde ich, ganz und gar, und vereinsamen. Meine Freunde werden mich vergessen und die Angestellten der ├Ârtlichen St├Ârungsstelle werden mich auf ewig hassen.

Der Rand des Nervenzusammenbruchs ist in greifbare N├Ąhe ger├╝ckt, jede Stunde, Minute, Sekunde meines trostlosen Daseins ein St├╝ckchen mehr, weil ich darauf warte, da├č das Schreckgespenst auf meinem Fu├čboden zum Leben erwacht und mir sanft die sch├Ânste Stimme, die ich in den letzten 24 Stunden geh├Ârt habe, in mein rechtes Ohr tr├Ąufelt.

Dabei will ich doch glauben, ganz tief in meinem Inneren, da├č zwischen der l├Ąchelnden Stimme, die ich mir mein Leben ertr├Ąumt habe, und meinem Telefon bereits eine unsichtbare, magische Verbindung besteht.

Das hei├čt im Klartext: Wenn ich mich jetzt konzentriere, tief durchatme und mein Telefon hypnotisiere ...

dann....

dann wird mir klar, da├č ich sicher nicht noch ein Glas Rotwein vertrage und da├č ich dringend ein paar Stunden schlafen sollte.

Bis morgen Neurose
Amen



__________________
Gelobt sei der Zweifel! Ich rate euch, begr├╝├čt mir heiter und mit Achtung den, der euer Wort wie einen schlechten Pfennig pr├╝ft! (Brecht)

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