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Leselupe.de > Kurzprosa
Nachtwind (surreal)
Eingestellt am 25. 03. 2008 20:41


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Joh
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Nachtwind



Er liebte seine Gewohnheiten wie sein FrĂŒhstĂŒcksei, und ließ die Tage eintönig zerfließen. Ihr war oft, als vertrocknete ihr beider Leben genauso, wie seine Phantasie. Sie sehnte sich nach etwas anderem, ertrug das Eingesperrtsein schon lange nicht mehr. Ahnte nur, was die Welt dort draußen bereit halten mochte. Jedoch reichte ihr dieses vage Versprechen.

Eines Nachts, als er schnarchend daliegt, ist es soweit. Sie treibt ihn in unruhige und immer wildere TrĂ€ume, bis er sich schwitzend zwischen Laken und Decke windet. Da springt sie mit einem Satz aus ihm heraus. Sie findet einen winzigen Spalt zwischen Fenster und Rahmen und lĂ€ĂŸt sich vom frösteligen Nachtwind davontragen.

Sie hatte ihr Leben in seinem Innern verbracht, geschĂŒtzt und behaglich mit seinem Ich verbunden. Doch das ist nun vorbei. Es rollen einige wehmĂŒtige TrĂ€nen, oder hatte sie der Wind aus ihren Augen getrieben?

Sie lĂ€ĂŸt sich von heißer Kaminluft in den Nachthimmel trudeln und jauchzt vergnĂŒgt. Lichtinseln erblĂŒhten auf dunklen HĂ€userfronten. Sie erspĂŒrt hinter den Mauern das Lachen, Erregendes verwirbelt sich mit ihr noch unbekannten GefĂŒhlen. Sie nimmt die FĂ€hrte auf, kostet hier einen Gedanken, taucht ein in wollĂŒstiges Stöhnen. Tastet sich vorsichtig durch einen vernebelten Geist, der sie jedoch so verwirrt, daß sie es kaum ertrĂ€gt und rasch von ihm lĂ€ĂŸt. Warme, rhythmische KlĂ€nge, die nach Hormonen duften, ziehen sie an. Sie lĂ€ĂŸt sich von einem Tanzenden zum nĂ€chsten treiben. Weiter durch das Dunkel zu traurigen Fetzen, die sie rufen. Sachte dringt sie ein, bis auch sie ĂŒberfließt von unvergossenen TrĂ€nen, da lĂ€ĂŸt sie die Beiden allein.

Der Morgen dĂ€mmert schon, als sie mĂŒde ĂŒber den Hafen schwebt. Die Sonne ist noch blaß wie der Mond. Obwohl sie zum bersten angefĂŒllt ist, fĂŒhlt sie sich seltsam leer. Verwirrt sucht sie und findet erstaunt Sehnsucht nach dem Einen, dem Vertrauten.

Als sie zögernd durch die Wohnung schleicht, wĂ€scht er sich gerade die Nacht herunter. Sie sieht in sein Gesicht, in das Sorgen und Nöte tiefe Furchen gedrĂŒckt haben. Behutsam schlĂŒpft sie in ihn hinein, umarmt ihn zĂ€rtlich und vertreibt mit einem warmen Hauch den Alb der Nacht.


J.P.
11.2007




Version vom 25. 03. 2008 20:41
Version vom 25. 03. 2008 21:54

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KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Johanna,

eine empfindungsstarke Sequenz hast Du da geschrieben, die mir gut gefĂ€llt. Dennoch lese ich (fĂŒr mich) ein paar Ungereimtheiten heraus. Dein EinverstĂ€ndnis vorausgesetzt anbei ein paar Anmerkungen zu Deinem Text:
(rot = Anmerkungen, blau = VorschlÀge zum Text)

quote:
Er liebte seine Gewohnheiten wie sein FrĂŒhstĂŒcksei, und ließ die Tage eintönig zerfließen.


Hier wĂŒrde ich ebenso im PrĂ€sens schreiben, er ist ja nicht tot und seine Gewohnheiten Ă€ndert er sicher auch nicht. Muss das FrĂŒhstĂŒcksei sein? Mit Gewohnheiten drĂŒckst Du ja seine RegelmĂ€ĂŸigkeiten bereits aus.

quote:
Ihr war oft, als vertrocknete ihr beider Leben genauso, wie seine Phantasie.

lieber PrÀsens? "Fantasie"
Vielleicht:
Oft hat sie das GefĂŒhl, als vertrocknete ihr Leben in seiner Fantasie.

quote:
Sie sehnte sich nach etwas anderem, ertrug das Eingesperrtsein schon lange nicht mehr. Ahnte nur, was die Welt dort draußen bereit halten mochte. Jedoch reichte ihr dieses vage Versprechen.

Sie ertrÀgt doch das Eingesperrt sein. Vielleicht Àhnliches wie: ... hasste es, eingesperrt zu sein.

quote:
Eines Nachts, als er schnarchend daliegt,
(eines ist mir nicht deutlich genug, schreib doch lieber: heute schnarcht er wieder)

quote:
Sie treibt ihn in unruhige und immer wildere TrÀume, bis er sich schwitzend zwischen Laken und Decke windet.

Das Bild vermag ich mir nicht richtig vorzustellen. Finde ich (persönlich) zu konstruiert.

Da springt sie mit einem Satz aus ihm heraus. Sie findet einen winzigen Spalt zwischen Fenster und Rahmen und lĂ€ĂŸt sich vom frösteligen Nachtwind davontragen.

Auch das ist (fĂŒr mich) zu bildlich. Besser Metaphern?
Vorschlag:

Da entflieht sie seinen TrÀumen, lÀsst sich vom frostigen Nachtwind davontragen.

quote:
Sie hatte ihr Leben in seinem Innern verbracht, geschĂŒtzt und behaglich mit seinem Ich verbunden.

Passt meiner Meinung nach nicht zu Deinem vorherigen GefĂŒhl des Eingesperrt seins. WĂŒrde ich löschen.

Doch das ist nun vorbei. Es rollen einige wehmĂŒtige TrĂ€nen, oder hatte sie der Wind aus ihren Augen getrieben? (lieber PrĂ€sens?, m.M.n. auch zu viel)

Sie lĂ€ĂŸt (lĂ€sst) sich von heißer Kaminluft in den Nachthimmel trudeln und jauchzt vergnĂŒgt. Lichtinseln erblĂŒhten auf dunklen HĂ€userfronten.

Tastet sich vorsichtig durch einen vernebelten Geist, der sie jedoch so verwirrt, daß sie es kaum ertrĂ€gt und rasch von ihm lĂ€ĂŸt lĂ€sst.

Der Morgen dĂ€mmert schon, als sie mĂŒde ĂŒber den Hafen schwebt. Die Sonne ist noch blaß blass wie der Mond.

Als sie zögernd durch die Wohnung schleicht, wĂ€scht er sich gerade die Nacht herunter (ab). Sie sieht in sein Gesicht, in das Sorgen und Nöte tiefe Furchen gedrĂŒckt haben. Behutsam schlĂŒpft sie in ihn hinein, umarmt ihn zĂ€rtlich und vertreibt mit einem warmen Hauch den Alb der Nacht.
Es war doch kein Alb, sondern ein schönes Erlebnis fĂŒr sie.

Liebe GrĂŒĂŸe, KaGeb

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