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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Nachweihnachtsgeschichte
Eingestellt am 27. 05. 2004 20:15


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tribun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2004

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Weihnachtsgeschichte

Seid Tagen sitze ich nun in meiner Kammer. Ern├Ąhre mich von einer abgestanden Fleischbr├╝he und Rotwein. Das Telefon, abgestellt. Egal. Die Anrufe bleiben aus ÔÇô somit auch meine Zahlungen. Eine Weinflasche mit abgebrochenem Flaschenhals ist mein Kerzenleuchter und das Licht, das sich nur schwach aus dem Inneren wagt, ist so ausgebrannt wie mein Verstand.
Nichts geschieht und ich geschehe nur im Zwielicht der N├Ąchte. Einsame Spazierg├Ąnge in den Vierteln der unbekannten Stadt, die ich vor einigen Wochen aufsuchte. Meine Gesellschaft sind der Wind, der in den Gassen heult und eine Schachtel Zigaretten. Nur hin und wieder dringen fremde Kl├Ąnge an meinen Verstand. Aber sie bleiben so fremd und unbegreiflich wie mein Willen.

Was trieb mich her? Was wird mich weiter treiben? Alles Fragen, die ich am liebsten zusammen mit der erloschenen Zigarette weit von mir werfe. Fragen, die ich schon lange nicht mehr beantworte. Vielleicht bin ich aber in dieser Stadt geboren und habe es verdr├Ąngt. Vielleicht ist mein Verstand entwichen. Nur noch eine Geste der Vereinsamung sind meine Gedanken und mein Fleisch ist ausgezehrt. Ich komme mir vor, wie ein Tier. Hungrig nach der Labung seiner Triebe. Hungrig nach Feuer.

Abwesend entz├╝nde ich auf┬┤s neue ein Zigarette, w├Ąhrend drau├čen der Schnee seine Romantik entfalten will. Ich verabscheue diese nat├╝rliche Form des Heuchelns. Offenes Feuer, ein Glas Cabernet Sauvignon und stillende Musik. Ich verachte diese Vorstellung. Eine Kerze in einer zerbrochenen Weinflasche, ein paar Tropfen Rotwein aus dem Plus-Markt um die Ecke und Atmen, mein Atmen. Dies ist die Vorstellung der Hinterbliebenen. Mir ist es gleichg├╝ltig, wann ich das letzte Mal ein Wort mit einem Andern wechselte. Gleichg├╝ltig, wann ich das letzte Mal erfuhr, dass hinter den Blicken der Anderen ein Herz schl├Ągt. Gleichg├╝ltig wie sich Haut oder Haar in meiner Hand anf├╝hlte. Hin und wieder wird meine Monotonie von dem Geheule einer Katze unterbrochen. Es dringt dann in meine Seele, wie das Schluchzen eines Kleinkindes und Gram steigt auf. Ich verachte ihr Wehklagen, verabscheue ihr Gewinsel nach Aufmerksamkeit.

Nochmehr aber das Spiel der Scheu, wenn sie dann am Fensterbrett ihr Gejammer frei entfaltet und mein Herz doch erweicht. Sobald ich es aber ├Âffne, ihr meine Aufmerksamkeit zuteil werden lasse, verschwindet sie und die Stille beschenkt mich auf┬┤s Neue. Ich schlie├če das Fenster und nur kurz drauf begegnen mir die Laute wieder. Ich springe auf und st├╝rme zum Fenster.
Der Ruhest├Ârer entflieht.
Mein letzter Triumph.
Ich lebe und siege.
Einen kurzen Moment siege ich gegen├╝ber der Natur und all ihren Gesch├Âpfen. Ich siege gegen das Gewinsel meines Herzens und ich siege gegen die Lethargie. Vielleicht verfalle ich in weingeschw├Ąngerten Augenblicken in eine Art Traum. Vielleicht ergebe ich mich der Illusion eines aufregenden Lebens. Vielleicht erreicht meine Apathie gegen das Sein ihren H├Âhepunkt wenn ich die Flasche gegen die Wand schmettere und den Tr├Ąnen nahe bin. Alles nur im Vielleicht gestrandete Momente.

Ein Sog, der mich mitnimmt in seine Bedeutungslosigkeit. Er rei├čt mich in seinen Strudel und ich bin klar. Ein Widerstreben oder gar Ank├Ąmpfen lohnt nicht. Eine Klosp├╝lung nimmt mich mit auf eine Reise in die Abgr├╝nde der Stra├čen und wenn ich erwache, ist schon im Vorhinein klar, dass ich binnen Sekunden, die Sp├╝lung erneut bet├Ątigen werde. Langsam schwillt der Verstand auf┬┤s Neue an und ich gebe der Hoffnungslosigkeit meine Hand. F├╝hre sie oder sie mich? Es ist egal, nur Schritthalten ist wichtig. Nicht zur├╝ckbleiben, nicht umdrehen und schon gar nicht Ablenkung.

Es klingelt zweimal. Nur nicht ablenken lassen, ein weiterer Zug aus der Flasche. Es klingelt zweimal und in kurzem Abstand wieder zweimal. Ich rei├če mich aus dem Moment der vollkommenen Bedeutungslosigkeit und schleppe mich zur T├╝r. Erkenne durch das Glas der Eingangst├╝r eine zierliche Frauengestalt und f├╝hle mich ertappt. Meine Sklave Monotonie entflieht seinen Ketten. Spielend hat er sie zerbrochen und sie von den Gelenken fallen lassen. Er ist frei. Hat sich entfesselt und mich der Situation ├╝berlassen.





Verraten wurde ich und stehe einem Menschen gegen├╝ber. Ich kenne sie. War sie nicht der Grund, weswegen ich dieses Loch bezog? War sie der Grund?
Alle Freunde der Verdammnis haben mich verlassen, keiner der wohlgeborenen Attribute der Einsamkeit h├Ąlt mir mehr die Treue und ich bin auf mich gestellt. Was hat sie mir angetan? Und hat sie mir ├╝berhaupt etwas getan? Jetzt steht sie da... was will sie sagen? Was ist ihr Grund zu mir zur├╝ck zukommen. Sie sieht mich an, als ob sie davon ausgeht, dass ich sie herein bitten will. Sie hat Recht.

Ich komme dem nach, schlie├če die T├╝re und betrachte ihren Gang, wie sie dahin schreitet. Nichts hat sich an ihr ge├Ąndert. Unsicher geht sie den Gang entlang zu meinem Zimmer und meine Augen tasten ihren Leib ab. Folgen den Schritten und erahnen, was sie her trieb. Schwarze Stiefel bedecken ihre Sohlen und steigen auf bis kurz unterhalb zu den Knien. Es ist mir nach wie vor fremd, wie sie es schafft, ihre Unsicherheit in ihrem Gang zu ├╝berspielen.
Ein kurzer Rock oder der gleichen, der knapp ├╝ber ihre Oberschenkel f├Ąllt, bedeckt ihren Hintern. Dar├╝ber einen Mantel. Warum hat sie sich solange nicht mehr blicken lassen? Ich werde sie nicht fragen. Werde mich leiten lassen, von dem was geschehen wird. Zu lange ist es her, als dass ich der Vernunft folgen k├Ânnte. Mein Mannsein will und kann ich nicht unterdr├╝cken. Ausgezehrt, hungrig ÔÇô gierig bin ich ihren Schritten gefolgt zur├╝ck in mein Versteck.

Sie setzt sich. Ich setzte mich und biete ihr von dem Wein an, der angebrochen meinen Tisch ziert. Ohne auf Antwort zu warten schenke ich ihr ein und bevor sie danach greift, legt sie ihren Mantel ab. H├Ątte ich dies tun sollen? H├Ątte ich ihn ihr abnehmen sollen? Darunter kommt ein Wollpulli zutragen, er bedeckt, was ich ber├╝hren will, wonach ich greifen w├╝rde, wenn ich es d├╝rfte. Aber nur das Glas reiche ich ihr. Sie nimmt es und ber├╝hrt dabei meine Finger leicht. Sie streift sie und der Moment scheint unendlich. Kurz begreifen sie sich, beginnen einen unbedarften, scheuen Tanz, ehe unsere Zweisamkeit von ihren Blicken durchbrochen wird. Ertappt entgleiten die Fingerkuppen denen des Anderen und geben die F├╝hrung an die Blicke ab. Sie hebt ihr Angesicht und sieht mir in die Augen.

Ich will sie jetzt ber├╝hren, will sie an mich dr├╝cken. Aber statt dessen weiche ich der Intimit├Ąt der Augen aus und frage nur, ob ihr es nicht zu hei├č sei in ihrem Pulli. Bejahend legt sie ihn ab und endlich erkenne ich, was kurz geschnitten ihre Oberschenkel bedeckt. Ein schwarzes Kleid f├Ąllt eng anliegend ├╝ber ihre Br├╝ste hinab zu ihren Schenkeln. Nun sitz auch ich, tausend Meter von ihr entfernt und es kommt mir vor, als w├╝rde uns die Ewigkeit trennen. Die ├╝bereinander geschlagenen Beine lassen nur ahnen, was sie drunter tr├Ągt.

Ungeniert lass ich meinen Blick am Beginn ihrer Schenkel haften und warte, dass sie die Kreuzigung ihrer Beine aufl├Âst. Ich warte darauf, dass sie mir einen Einblick gew├Ąhrt. Ob sie es sp├╝rt? Ob sie es gesp├╝rt hat, wie ich ihr hinterher gestarrt habe; jeden Schwung ihrer H├╝ften verfolgt habe, als sie den Flur entlang ging? Ob sie sie jetzt sp├╝rt? Ob sie wei├č, worauf ich warte? Ist es ein Spiel, provoziert sie mich? Oder haftet sie mit ihren Gedanken an anderen Momenten, an anderen Situationen in denen wir uns nahe waren?

Sie schweigt. Ich schweige und entflamme mir eine Kippe. Nur das Aufblitzen des Feuers entrei├čt mich f├╝r einen kurzen Moment aus ihrem Zentrum der Weiblichkeit. Sie nimmt noch einen kurzen Schluck, ehe sie ansetzt:

ÔÇ×Wie geht es dir?ÔÇť

Wie es mir geht? Wie es mir geht? Sieht man das nicht? Kann sie meine Blicke nicht deuten? Ich gehe auf ihre Frage nicht ein und giere nur weiter nach der kleinen Hautpartie, die sich zwischen ihrem Rock und den Kniestr├╝mpfen auftut. Es sind reizvolle Kniestr├╝mpfe und lassen erahnen, dass sie wei├č warum sie hier ist. Wieder mustere ich sie und haste von Hautstelle zu Hautstelle.

Ich stehe auf und zerst├Âre ihr Fragen. Gehe ihrem Warten aus dem Weg und dr├╝cke den CD-Player auf Start. Seit Tagen hatte ich die CD nicht gewechselt und auch diesmal erklang Rachmaninoff: Piano Concerto No. 3. Dann gehe ich zu ihr, stelle mich vor sie hin und strecke meine H├Ąnde nach ihrem Gesicht aus, streiche ihr ├╝bers Gesicht und meine Ber├╝hrungen sprechen eine deutlichere Sprache. Ihr Erscheinen: undeutbar. Und ich geselle meine Stimme dazu:

ÔÇ×Ich habe dich vermisst.ÔÇť

Diesmal erhalte ich keine Antwort. Statt dessen greift sie nach mir. Sie umschlie├čt meinen Hintern und presst sich an mich, dr├╝ckt sich an mich und vergr├Ąbt ihr Gesicht in meiner Taille, hebt mein Shirt an, k├╝sst mich. L├Ąsst ihre Zunge z├Ąrtlich ├╝ber meinen Bauch streichen. Nun wei├č ich, warum sie hier ist und lege jede Zur├╝ckhaltung ab.
Ich fasse in ihr schulterlanges Haar und beginne ihre Bewegungen zu f├╝hren. Sie kn├Âpft mir die Hose auf und mein Atem wird schneller sich. ÔÇ×Warum kommst du her?ÔÇť fl├╝stere ich in den erwartungsvollen Raum w├Ąhrend ihre K├╝sse auf meiner Haut brennen. Ich will mehr. Hebe ihr Gesicht auf zu mir. K├╝sse sie am Nacken und wandere bis zur Abgrenzung ihres Ausschnittes. Ich will mehr. Auch ihr Atem wird heftiger und die Griffe werden bestimmter.

Ich kann nicht darauf warten, bis sie sich ihrer Kleider entledigt. Ich will sie sp├╝ren, will eindringen. So tief wie m├Âglich will ich an ihrem Herzen r├╝hren und schiebe ihren Slip zur Seite. Schwarz ist er; Ton in Ton mit dem Rest ihrer Kleidung. Und nur als ein unn├Âtiges Utensil erscheint mir das alles. Sie ├Âffnet ihre Beine und schluchzt auf. Rei├čt den Kopf zur Seite und begreift die Abgr├╝nde meines Vermissens.

ÔÇ×Lass uns ins Bett gehenÔÇť, fl├╝stert sie meiner Erregung entgegen. Ich habe lange auf den Moment gewartet. Zu lange, als dass ich jetzt noch weiter warten will. Ich will sie und das jetzt. Unmittelbar, egal, was sie empfindet. Egal, wo sie war. Jetzt ist sie hier und ich in ihr. Der Korbstuhl, in dem sie sitzt rutscht zur├╝ck, schl├Ągt unbarmherzig gegen den dahinter liegenden Schrank und keine Kontrolle besteht mehr in meinem Handeln.

Entschlossen graben sich meine H├Ąnde in ihren R├╝cken. Wollend presst sie sich weiter an mich, dr├╝ckt ihr Becken gegen das meine. Dann rei├čt sie sich los, dr├╝ckt mich zur├╝ck und entledigt sich ihres Kleides. Ein paar Schritte weiter und wir sind im Bett. Ich liege nun da und betrachte ihren K├Ârper. Ihre Br├╝ste schmiegen sich an meine Handfl├Ąchen und jede ihrer Rippen will ich liebkosen.
Ich bin auf die Ellbogen gest├╝tzt, liege auf dem R├╝cken und sie ├╝bernimmt die Kontrolle. Sie ist auf mir und wirft sich im Takt Rachmaninoffs von Seite zu Seite.

Was war der Grund, dass wir uns so lange nicht gesehen haben? War es ein Streit? Es muss wohl so gewesen sein. Nun liegen wir Seite an Seite und ich streiche ihr wieder ├╝ber das Gesicht. Halte sie im Arm. Was z├Ąhlen all die Wortgefechte, die Machtk├Ąmpfe und Liederlichkeiten jetzt noch? Sie ist hier und ich bin es mehr denn je.
Nun ist sie eingeschlafen, liegt in meinem Bett und ich betrachte sie noch eine Weile.

Ich glaube nicht, dass ich mich zu ihr legen k├Ânnte, ohne sie zu wecken. Ich will den Moment noch f├╝r mich haben und lass keinen daran Anteil haben. Wenn ich mich zu ihr lege, wenn ich sie dabei wecke, was ist dann? Erwache ich dann?

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Cirias
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Registriert: May 2004

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Hi Tribun,
was mir an deiner Story sehr gefallen hat, dass sie so ein bi├čchen den Stil des social beat pflegt, mal keine Glitzerwelt schildert, sondern die Welt aus den Augen eines Verlierers, was das auch immer sein mag. Die Erotik kommt gelungen r├╝ber, als Begehren und Versprechen.
Allerdings w├╝rde ich dir raten, den Text mal in Abs├Ątze zu gliedern- diese Textw├╝ste liest sich anstrengend und ein paar Abs├Ątze w├╝rden das ganze fl├╝ssiger machen. Auch finde ich den Titel ziemlich daneben- Millionen Geschichten hei├čen so-und deshalb funktioniert die ironische Brechung oder der Zynismus daran auch absolut nicht, deine Story g├Ąbe so manchen guten Titel her, dieser nimmt ihr viel von der Wirkung.
Gru├č, Cirias

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tribun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2004

Werke: 21
Kommentare: 17
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hi Cirias,

danke f├╝r deine Kritik. Werd mir das zu Herzen nehmen und in den n├Ąchsten Tag, das ganze nochmal ├╝berarbeiten.
herzlich

tribun

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