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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nachwuchs
Eingestellt am 08. 06. 2001 15:54


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Norbert Hilgers
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 23
Kommentare: 3
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Karl Weiler lag gerade auf seiner Gartenliege als ihn der Anruf aus dem Kreiskrankenhaus erreichte. Obwohl Karl wußte, daß es jeden Tag soweit sein wĂŒrde ,traf es ihn doch ĂŒberraschend. Er versuchte seine Gedanken so weit zu ordnen, das er nichts vergessen wĂŒrde.
Sein ganzes Leben sollte eine neue Wendung bekommen. Viele Jahre hatten sie gespart um es sich ĂŒberhaupt leisten zu können. Dann war es zweimal schief gegangen. Einmal nach fĂŒnf und dann schon zwei Monaten. Seine Frau und er waren schier verzweifelt an dem Gedanken daß es vielleicht zu spĂ€t werden könnte. Ab vierzig konnte es schon problematisch sein. Aber die Entwicklung verlief diesmal nach Auskunft der Ärzte optimal. Karl schĂ€mte sich nicht seiner TrĂ€nen als er die Einfahrt zum Besucherparkplatz des Krankenhauses hinauffuhr. Die Schwester an der Pforte winkte ihm kurz zu und er ĂŒberhörte den kurzen Gruß den sie hinter ihm herrief. Vor der Abteilung wurde Karl vom Chefarzt Dr. Harms selbst abgefangen. ”Nun beruhigen Sie sich doch erst mal”, meinte er lĂ€chelnd. ” Bis jetzt ist die alles ohne ZwischenfĂ€lle verlaufen”. Karl griff nach der Hand des Arztes und drĂŒckte diese so krĂ€ftig das Harms sie ihm lachend entzog. ”Heben sie sich ihre KrĂ€fte fĂŒr die nĂ€chsten Wochen und Monate auf”, meinte er. In diesem Moment kam ein Ehepaar mit einer Babytrage vorbei. Karl sah nur den kleinen dunklen Haarschopf unter einem Berg von Kissen herausschauen. ”Ich möchte sie sehen”, platzte es Karl in der Aufregung heraus. ”Eigentlich darf ich es nicht erlauben”, meinte Harms.
Dann legte er seine Stirn in Falten und ergĂ€nzte in verschwörerischem Ton ”aber wenn sie es niemanden verraten !”. Er winkte und Karl folgte in ein abgelegenes Zimmer. Hier lagen in Regalen verschiedene Kittel und OP- Bekleidungen . Harms musterte sein GegenĂŒber und zog aus einem Fach einen grĂŒnen Umhang heraus. Nachdem Karl ihn angezogen hatte bekam er noch einen weißen Mundschutz und eine Haube mit der er dann gĂ€nzlich unkenntlich wurde. Er folgte dem Mediziner durch mehrere Flure, bis sie vor einem verglasten Raum zum stehen kamen. “Bis hier hin kann ich es gerade noch verantworten”, meinte Harms und wies mit einer Kopfbewegung zur Scheibe hin. “Welches ist es?”, fragte Karl aufgeregt. ” Das da, daß zweite von links”, entgegnete Harms. ”Sie ist wunderschön”, hauchte Karl bewegt. Mit Erfurcht ruhten seine Blicke auf dem Becken mit NĂ€hrstofflösung, in dem innerhalb der letzten Monate der Ersatz fĂŒr seine durch ĂŒbermĂ€ĂŸiges Rauchen irreparabel geschĂ€digte Lunge gewachsen war.


__________________
Norbert Hilgers

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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
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Hallo Norbert

ein total verblĂŒffender Schluss. Selbst der Titel stimmt letztendlich, obwohl er beim Leser zunĂ€chst falsche Erwartungen weckt.
Aber sag mal, kann man eine Lunge schon wachsen lassen und transplantieren?
Na ja, die Idee ist jedenfalls klasse - und im Zeichen der Gen-Debatte brandaktuell dazu.
Viele GrĂŒĂŸe
Willi

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Fee
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2000

Werke: 38
Kommentare: 156
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Hallo Norbert,
ich kann Willi nur zustimmen, ein echt ĂŒberraschender Schluß! Ich hatte mich schon auf die Kreissaalszene vorbereitet, und dann sowas!

Liebe GrĂŒĂŸe,
Fee

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smilla
Hobbydichter
Registriert: May 2001

Werke: 2
Kommentare: 7
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Originelle Story- Im Zeitalter der lebenden Ersatzteile passend.
Also ein wenig betrogen fĂŒhle ich mich schon bei diesem ĂŒberraschendem Schluß, aber der Geck ist trotzdem gelungen.
Liest sich jedenfalls gut, nicht zu viel - nicht zu wenig, guter Stil.

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Norbert Hilgers
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 23
Kommentare: 3
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Meine Story

Hallo und vielen Dank fĂŒr eure Kritik.
Im Moment denke ich wird es noch keine in NĂ€hrlösung gezĂŒchtete Lunge geben.
Die Story ist natĂŒrlich darauf angelegt eine falsche FĂ€hrte zu legen. Sie ist mir gestern bei einem Krankenbesuch eingefallen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Norbert
__________________
Norbert Hilgers

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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boh, eh!

da fĂ€llt mir ein witz aus kindertagen ein: was steht unterm bett, fĂ€ngt mit p an und hat n henkel? das sind pantoffeln, das p hab ich nur gesagt, damit es schwerer wird. genauso hast du hier gehandelt. super! ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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