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Leselupe.de > Humor und Satire
Nächtliche Bekanntschaften
Eingestellt am 01. 05. 2005 20:05


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walter
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2004

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10 vor 10 zeigt die Uhr gerade nachdem ich zurückgekehrt war. Eigentlich eine gute Zeit für einen nächtlichen Spaziergang, wenn man davon absieht, dass, wie es scheint, in Vororten, wie dem in welchem ich lebe, fast ausschließlich paranoide Hundebesitzer auf der Straße verkehren, welche sich Ihren „Wuffi“, „Waldi“ oder „Bello“ wohl als Lebenspartnerersatz angeschafft haben, damit sie die Nähe eines lebendigen Wesens spüren, einen Grund haben um diese Uhrzeit noch die Straßen ihres Wohngebietes auszukundschaften und trotzdem die Kommunikationsfreudigkeit eines Goldfisches beibehalten können. Ein bisschen schroff? Ich habe für diese Ausdrucksweise meine Gründe: Nachdem ich von der dritten Person, welcher ich auf dem Trottoir begegnete und auch begrüßte, wie es mir meine gute Elternstube lehrte, ebenfalls nicht beachtet wurde, kam ich zu der Erkenntnis, dass meine Kleidung daran Schuld sein muss. Ich wußte nur nicht, ob man mich ignorierte oder tatsächlich, aufgrund der farbigen Abstimmung meines schwarzen Pullovers und meiner schwarzen Hose im direkten Kontrast zur Dunkelheit, nicht wahrnehmen konnte.
Ich verstehe es ja, wenn ich ignoriert werde. Ich meine das ist keine einfache Situation für diese nächtlichen Patrouillengänger: Diese Menschen sind doch völlig wehrlos. Bis auf Ihren 80cm-hohen Schäferhund, haben sie keinerlei Schutz. Wenn dann ein Mann, ganz in schwarz gekleidet, am späten Abend – ach was red ich - mitten in der Nacht auf sie zukommt und ihnen einen guten Abend wünscht, dann ist es immer noch am ungefährlichsten einfach gar nichts zu sagen und stur weiter zu gehen als hätte man nichts gehört. Wenn ich mir das so im nachhinein durch den Kopf gehen lasse bin ich dankbar, dass mir kein Hund, auf Befehl seines Herrchens an die Kehle gesprungen ist. Manchmal habe ich den Gedanken, viele Menschen würden nur auf eine solche Gelegenheit warten, ihrem treuen Anhänger, den Befehl zum Angriff zu erteilen. Nur vermute ich, dass dieser nicht „fass“ lautet, sondern viel eher „der macht nichts“ bzw. „der ist ganz lieb“ oder „normal macht er das nie“. Gerade bei dem letzten Zitat ist es etwas seltsam, wenn die völlig unschuldigen Bürger, dieses schon aussprechen, BEVOR ihr treuer Freund einen Fehler gemacht hat. Ich muss jedoch zugeben, „normal macht er das nie“ hat etwas. Es regt mich immer zum nachdenken an: Zum nachdenken darüber, warum alle diese braven Wauwaus zu blutrünstigen Bestien werden, wenn Sie in meine Nähe kommen. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ich vom Teufel besessen... – ach halt: Diesen Irrglauben gibt’s ja nicht mal mehr in meinem Vorort.
Was auch immer es ist, es macht sie zu einem Charakterstärkeren Wesen als die, welche die Leine in der Hand halten.

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flammarion
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hm,

dieses werk hat einen derart subtilen humor, dass er kaum zu erkennen ist. ich glaube, der text wäre bei Kurzprosa besser aufgehoben.
lg
__________________
Old Icke

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