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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Nakba. Die offene Wunde der Palästinenser
Eingestellt am 14. 02. 2012 11:45


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Marlene Schnieper, Nakba. Die offenen Wunde, Rotpunktverlag 2012, ISBN 978-3-85869-444-7

„Wir müssen alles tun, um sicherzugehen, dass sie niemals zurückkommen… Die Alten werden sterben, die Jungen werden vergessen.“

Dieses Tagebuchnotat des Staatsgründers und ersten Präsidenten Israels David Ben Gurion vom 18. Juli 1948 bestimmt die Hoffnungen und die Maximen des israelischen Politik bis auf den heutigen Tag. Doch die durch die Nakba zu Flüchtlingen gewordenen Palästinenser haben bis in die dritte Generation ihr Schicksal nicht vergessen und sie werden es auch in Zukunft nicht tun.

Als 1948 in einem Teil des ehemaligen Territoriums der Palästinenser der israelische Staat gegründet wurde, verloren unzählige Menschen ihre Dörfer, Städte und ihre Kultur. Das vorliegende Buch zeichnet diese bis auf den heutigen Tag wirkende Tragödie nach und macht eines auf jeden Fall deutlich: die Anerkennung dieses historischen Geschehens als Unrecht seitens der Israelis ist eine der wichtigsten Vorbedingungen für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern.

Im Jahre 2002 wurde in Israel ein Verein mit dem Namen „Zochrot“, deutsch erinnern in der weiblichen Form, gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, der jüdischen Bevölkerung Israels die Problematik der Nakba näherzubringen. Hierzu gibt der Verein eine Zeitschrift mit dem Titel „Sedek“ (deutsch: Riss) heraus, veranstaltet Führungen zu ehemals palästinensischen Dörfern und Stadtquartieren und informiert mit Veranstaltungen zum Thema der Nakba. Des Weiteren verteilt er Unterrichtsmaterial über die Nakba an interessierte Lehrer und Hochschulreferenten. (aus wikipedia)

Doch das sind im Augenblick nur zarte Pflänzchen, die von den harten politischen Interessen auf beiden Seiten (denn auch die Hamas will nicht wirklich Frieden machen) immer wieder ausgetreten werden. Auch wenn für Freunde und Unterstützer Israels (wohlgemerkt nicht dessen gegenwärtige Politik, das muss man unterscheiden lernen und können) die in diesem Buch dargelegten historischen Fakten alles andere als angenehm sind: wenn man mit Israel solidarisch sein möchte, muss man diese Fakten kennen und anerkennen und sie in die verschiedenen Diskurse mit einbringen.

Ich habe unlängst einen Roman gelesen und besprochen von einem jungen Autor aus Israel, der zeigt, dass das in Israel selbst schon geschieht. In seinem in Israel sehr kontrovers diskutierten Roman „Das Haus der Rajanis“ (C.H. Beck 2011) hat Alon Hilu die Geschichte des jungen jüdischen Agrarwissenschaftlers Isaac Luminsky erzählt, der von den Ideen Theodor Herzl inspiriert, 1895 nach Palästina kam. In seinem Leben drückt sich ein Widerspruch aus, der bis in die Gegenwart wirkt und den Hilu so beschreibt:
„Luminsky weihte sein Leben zwei gleichermaßen hochgesteckten wie einander widersprechenden Zielen; zum einen dem massiven Landerwerb in Palästina, insbesondere in Untergaliläa, von arabischen Großgrundbesitzern, ein Vorgehen, das die Pachtbauern ihres Einkommens und des Landes beraubte, das sie über viele Jahre bestellt hatten. Dieses Land sollte später von jüdischen Ansiedlungen und Kibbuzim genutzt werden, die das Banner einer sozialistischen Ideologie vor sich hertrugen. Luminskys zweites Ziel indes war das Bemühen, zu einer Annäherung und Befriedung zwischen Juden und Arabern im Lande beizutragen, eine Aufgabe, der er sich tatkräftig und mit zuweilen kontrovers diskutierten Mittel widmete.“

Das in der Nakba geschehene Unrecht wirkt weiter. Die Hoffnung Ben Gurions hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil. Das Unrecht gebiert immer wieder neues Unrecht auf beiden Seiten, und das seit Jahrzehnten. Der Rezensent sieht auch in der nächsten Zeit keine wirkliche Perspektive für eine Änderung dieses gefährlichen und die israelische Gesellschaft, die zu 40 % aus Nachfahren der von der Nakba betroffenen Generation besteht, zerreißenden Konflikts.



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