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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Namensgebung
Eingestellt am 01. 03. 2002 10:05


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knychen
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Namensgebung

Es war im MĂ€rz `98.
Ich fuhr nachts mit dem Lkw auf der A61 von Köln nach Mainz und es war Vollmond. Nach Mitternacht ist es auf der Autobahn ein entspanntes Fahren, fast nur noch Lkw sind unterwegs und mehr oder weniger alle Dank des gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzers gleich schnell.
Und bei Vollmond hat diese Strecke auch nachts durchaus ihre landschaftlichen Reize. Man kann nach rechts kilometerweit in die Eifel schauen und nach der MoselĂŒberquerung bei Koblenz den HunsrĂŒck im Mondenschein bewundern, linkerhand sind es die Rheinebene, das Siebengebirge und spĂ€ter der Westerwald und ein bißchen Taunus, welche in ebendieser Reihenfolge die Blicke auf sich ziehen.
Und wenn ich so des Nachts durch das Land fahre und keine privaten Probleme zu wĂ€lzen habe, suche ich mir irgendein Thema und das wird dann nach dem Motto: „Was wĂ€re, wenn...“ wie ein Kuchenteig in alle Richtungen ausgerollt.
Ich war damals 34 Jahre alt und hatte mir fĂŒr die ganz persönliche Blue-Moon-Sendung das Thema „Tote im Bekanntenkreis“ gewĂ€hlt.
Da war Ingo, der vor zwanzig Jahren aus Liebeskummer nachts frontal in einen russischen Armee-Lkw fuhr.
Und da war Winfried, der nach einer Party betrunken an einem illegalen GleisĂŒbergang stolperte und bewusstlos oder betrunken, wer weiß es, von der S-Bahn ĂŒberrollt wurde.
Und da war Lemke, der langsamste Kellner der Welt. Man konnte im Hochsommer sozusagen mit heraushĂ€ngender Zunge in die ansonsten leere Stammkneipe kommen und erst nach zehn Minuten erschien er am Tisch, um zu fragen: „Wollt ihr was trinken?“ Er hat sich, pedantisch wie er war, Anfang der Neunziger ĂŒber der Badewanne aufgehangen.
Und da war mein Freund Steffen. Er hatte, kurz nachdem er endlich eine eigene Wohnung gefunden, den Kopf ungelogen in die Bratröhre gesteckt und das Gas aufgedreht. Vorher war er Untermieter in meiner Anfang der Achtziger in Ost-Berlin besetzten Wohnung und meine KĂŒche war wohl die Einzigste in ganz Berlin, in der er schalten und walten durfte, wie er wollte. Bei allen anderen Bekannten hatte er KĂŒchenverbot, denn er konnte zwar göttlich kochen, aber der Ort seines Schaffens sah jedes mal aus wie ein Schlachtfeld. UrsprĂŒnglich wollte er auch Koch werden, aber es gab in Rostock, dort stammte er her, wohl keine entsprechende Lehrstelle und so wurde er Zimmermann, kam im Rahmen eines großangelegten Wohnungsbauprogrammes nach Berlin und weil ihn das Bauarbeiterwohnheim anstank, zog er nach einem Kneipenkontakt bei mir ein. Ich hatte ja zwei Zimmer mit KĂŒche und das Klo ÂŽne halbe Treppe tiefer und unter der Woche war ich eh nicht zu hause. So traurig die Sache mit seinem Freitod damals auch war, ich bin ihm heute noch dankbar, dass er es nicht in meiner KĂŒche getan hat.
Und bei Gas fiel mir Anna ein.
Das erste Mal sah ich sie 1978 im Herbst auf dem Schulhof. In der neunten Klasse war ich und neu in dieser Schule. Ich ging durch das Treppenhaus als ich durch ein geöffnetes Fenster ein hinreißendes Lachen hörte. Ich schaute hinaus.
Und da stand sie: enge ausgewaschene Jeans, ein rot-weiss-quergestreiftes T-Shirt lose ĂŒber den Hosenbund hĂ€ngend, die Figur noch ganz mĂ€dchenhaft und das honigblonde Haar auf dem Scheitel raspelkurz, auf dem RĂŒcken jedoch ganz lang herabhĂ€ngend. Sie stand dort mit ihrem Fahrrad und einem anderen MĂ€dchen und als ich meinen neugierigen Kopf durch das Fenster steckte, sah sie nach oben und lĂ€chelte.
„Det isse !“wusste ich sofort.
Wenig spĂ€ter kamen wir uns bei einer Turnhallen-Disco durch ein zwangloses „Haste-mal-Feuer?“nĂ€her und ich erfuhr, dass sie Anja heißt, von allen Anna genannt wird, 13 Jahre alt ist( Ich war 14)und zur Zeit, oh Wunder, keinen Freund hatte. Und Lachen konnte sie, man musste einfach mitlachen.
Wir wurden ein Paar oder wie man so sagt: „Wir gingen miteinander.“
Das mit uns hielt die fĂŒr das damalige Alter unglaubliche Dauer von neun Monaten. Im Juni war Schluss, warum, weiß ich nicht mehr, aber in den darauffolgenden Jahren waren wir immer wieder zusammen, selbst wenn wir gerade in einer festen Beziehung steckten. Wir trafen uns zufĂ€llig, liebten uns und gingen auseinander. Ohne Konsequenzen und ohne Ziele.
Nach der Schule machte ich eine Lehre als Herrenmaßschneider, ging fĂŒr achtzehn Monate zur Armee und zog dann in die vorhin erwĂ€hnte Wohnung in Adlershof. Arbeit hatte ich als Kraftfahrer in einem Chemie-Betrieb gefunden.
Sie wurde nach der zehnten Klasse BĂ€ckerin und arbeitete auch in diesem Beruf.
Mit der Wohnung gab es kurzfristig Scherereien und ich musste zumindest vorĂŒbergehend dort raus.
In dieser Situation traf ich Anna nach lĂ€ngerer Zeit in einer Wildauer Disco wieder, ich erzĂ€hlte ihr von meinem Problem und sie meinte, ich könnte ja vorerst bei ihr wohnen. Das war an einem Freitagabend und ich sollte am Sonntagnachmittag zu ihr kommen und sie wĂŒrde mir einen SchlĂŒssel geben usw.
Sonntagmittag stieg ich in Wildau aus der S-Bahn und treffe als erstes meinen alten Freund Manne nebst Motorrad.
„Fahr mich doch mal schnell zu Anna.“
„Da brauchste nicht hin, die ist tot, hamse heute frĂŒh gefunden, Abschiedsbrief an der TĂŒr, Gas aufgedreht und die blöden Bullen ham sogar noch geklingelt, die hĂ€tten in die Luft fliegen können, Mann!“
Und wie ich so die A61 runterfahre habe ich diesen typischen Dreiecksblick drauf, `ne Weile geradeaus, kurzer Blick in den linken RĂŒckspiegel, kurzer Blick auf’s Armaturenbrett und wieder geradeaus.
Aber plötzlich ist mir so, als ob da auf dem Beifahrersitz etwas ist, was vorher nicht da war, so aus dem Augenwinkel, verstehst Du?
Ich schaue also rĂŒber und da sitzt Anna, die gleichen Klamotten wie damals `78, die gleiche Frisur, aber die Figur wie kurz vor ihrem Tod; sie hatte eine tolle Figur.
Als Mann von rationalem Denken und Handeln schlussfolgere ich: „Halluzination“, schaue geradeaus und nach einer kurzen Pause wieder nach rechts. Da sitzt Anna und lĂ€chelt mich an.
„Brauchst keine Angst haben, ich bin’s wirklich.“ sagt sie.
„Du bist...“
„Ja, ich weiß, ich bin tot, aber deswegen kann ich doch hier sein, oder?“
Ich spĂŒre, wie vor Aufregung mein Adrenalinspiegel steigt; wenn es nicht so schummerig im Fahrerhaus wĂ€re, könnte man die Röte sehen, die mir ins Gesicht kriecht. Die zitterigen HĂ€nde kann ich gut kaschieren, indem ich einige mehr oder weniger wichtige Handgriffe wie Radio leiser stellen, Fenster etwas öffnen, eine Zigarette anzĂŒnden, verrichte. Das lenkt mich vom Grund der Aufregung ab und ich werde wieder ruhiger.
„Wie geht es dir?“ frage ich und merke im gleichen Augenblick, wie bescheuert die Frage eigentlich ist.
Aber sie hilft mir und antwortet ganz lapidar: „Den UmstĂ€nden entsprechend gut.“
Schweigen.
„Und was machst du so?“ frage ich nun und komme mir unendlich dumm vor. Andererseits, was wĂŒrdest du denn jemanden fragen, von dem du definitiv weißt, daß er oder in diesem Falle sie, tot ist.
„Immer noch neugierig wie damals, was?“ grinst sie rĂŒber und „Kann ich mir eine Zigarette nehmen?“
„Nur zu“ sage ich und unterstreiche das Angebot mit einem Schwenken meiner Rechten aus dem Handgelenk.
„Der Spruch ist neu.“ stellt sie fest.
„Hab ich aus dem Film „Pulp fiction“ erklĂ€re ich.
Schweigen.
Sie raucht.
„Pass auf“ schlĂ€gt sie nun vor, „ich erzĂ€hle dir zuerst, wie das so bei uns lĂ€uft und dann verrate ich dir, was es mit meinem Hiersein auf sich hat.“
Dankbar, daß sie die Initiative ergriffen hat, sage ich: „ErzĂ€hle“ und lehne mich in die Nische von RĂŒckenlehne und FahrertĂŒr, takte den Tempomaten auf Neunzig ein, nehme den rechten Fuß vom Gaspedal und mache es mir soweit es geht gemĂŒtlich.
„Weißt du, Knychen, eigentlich ist es der Idealzustand.Zeit spielt keine Rolle mehr, Sprachbarrieren gibt es nicht und du kannst alle Menschen kontaktieren, die jemals auf der Erde gelebt haben. Ob Alexander der Große, Janis Joplin oder Kerouac, ob Marc Bolan oder Leonardo da Vinci oder irgendjemand der vielen Namenlosen, alles ist drin. NatĂŒrlich kommt nicht Jeder in diesen von religiösen Menschen paradiesisch genannten Zustand. Das, was man Hölle nennt, gibt es natĂŒrlich auch, aber die dorthin kommen, mĂŒssen in ihrem irdischen Leben ganz schön viel Scheiße bauen und sie bleiben auch fĂŒr immer in der Verdammnis. Jedenfalls hat „Eins“ es uns so erklĂ€rt. Körperlich vorhanden sind wir in unserem Himmel natĂŒrlich nicht, wo sollten auch so viele Gestalten hin, aber du mußt dir das so vorstellen, daß, wenn du mit irgend jemand Bestimmtem Kontakt aufnehmen willst, dein Geist oder deine Seele so etwas wie eine Suchmeldung rausschickt.
Und wenn die gesuchte Person sich interessiert zeigt, ist der Kontakt plötzlich da.
Engel und sowas gibt es nicht, jedenfalls hab ich noch keine gesehen und auch noch nix von Anderen gehört.
Die einzigste Person, die schon immer hier ist, ist „Eins“.
Wenn man ein Gleichnis fĂŒr die TĂ€tigkeit von „Eins“ sucht, wĂ€re, so glaube ich, eine Schaltzentrale das richtige Bild.
Dort hat „Eins“ sĂ€mtliches Geschehen auf der Erde im Blickfeld. „Eins“ könnte hĂ€ufig eingreifen, aber „Eins“ ist nicht Gott und befolgt somit auch bloß Anweisungen. Die lauten klipp und klar: „Die Menschen mĂŒssen selbst zurechtkommen.“
Anna nahm sich noch eine Zigarette und so hatte ich die Gelegenheit, nach dem Grund ihres Hierseins zu fragen.
„Tja“, sagte sie „ da ist seit vorigem Jahr nach eurer Zeitrechnung dieser Computerfreak aus Berlin bei uns und der ist sowas von neugierig, daß er rausgefunden hat, wie man in die Zukunft sehen kann. Das ist natĂŒrlich ein heißes Eisen, wegen der schwer einzuschĂ€tzenden Konsequenzen, aber wir haben uns da was ĂŒberlegt.
Ich hÀtte ganz gern noch Mal eine Chance als Mensch. Es gibt so viele Dinge, die mir fehlen, Zigaretten zum Beispiel, guter Sex ist auch so `ne Sache, richtiges Essen in angenehmer Gesellschaft usw.
Kannst du dich erinnern, wie wir beide durch die Tschechei getrampt sind und ich mir gleich am Anfang den rechten Arm gebrochen habe. Wir wollten trotzdem nicht auf diesen Urlaub verzichten und du mußtest mich die ganze Zeit, zumindest wenn wir Schnitzel oder Ähnliches aßen, fĂŒttern. Ich schwöre dir, nie wieder habe ich Mahlzeiten so genossen. Hier ist alles so kopflastig, keine wirklichen, keine sinnlichen GenĂŒsse, verstehst du?
Und nun ist es so, daß „Eins“ sehr eitel ist. Wenn man „Eins“ die Gelegenheit gibt, seine UntĂ€tigkeit, wenn auch nur fĂŒr kurze Zeit, zu unterbrechen und in das Geschehen einzugreifen, dann hat man einen Wunsch frei, wie im MĂ€rchen.“
„Tut mir leid, Anna, ich verstehe bloß Bahnhof.“
„Naja“ ihr Gesicht bekam einen Ă€ngstlichen und fragenden Ausdruck, „ich darf dir nicht konkret sagen, auf was ich hinauswill, aber wir haben in deiner Zukunft nachgesehen und festgestellt, daß du noch lange in der irdischen Welt bleiben wirst.
Und wenn du jetzt etwas tust, was eigentlich unweigerlich zu deinem Tod fĂŒhren wĂŒrde, dann mĂŒsste „Eins“ eingreifen, den alten Zustand wieder herstellen und so blöd wie es klingt, hĂ€ttest du einen Wunsch frei. Der darf natĂŒrlich nicht ausgesprochen werden, intensiv denken reicht.“
„Ich glaube, ich verstehe dich langsam, aber eine Frage musst du mir noch beantworten. Wie hast du es angestellt, dass du plötzlich hier auftauchen konntest?“
Sie ĂŒberlegte kurz, dann verzog sie etwas das Gesicht und meinte: „Das darf ich dir nicht verraten, du könntest es sonst gezielt einsetzen und das brĂ€chte die gesamte Ordnung durcheinander. Sorry.“
Wir waren gerade circa zweihundert Meter vor einer BrĂŒcke.
„Was hĂ€ltst du von diesem PlĂ€tzchen hier?“
Wieder schaute sie mich fragend an.
Als wir auf der BrĂŒcke waren, sahen wir beide hinunter. Unten konnte man das ĂŒbliche Bild erkennen. Wiesen oder Äcker, eine Straße, ein Bahngleis und ganz am Rande mĂ€anderte sich ein kleines FlĂŒĂŸchen durch die Talsohle.
„Dir kann ja wohl nix mehr passieren“ rief ich ihr automatisch lauter werdend zu, „ich hoffe, eure Theorie stimmt!“
Dann riss ich das Lenkrad nach rechts. Die Bordsteinkante schlug mir fast das Steuer aus der Hand, aber ich behielt die Richtung bei. Auch das widerliche GerĂ€usch, als wir durch das BrĂŒckengelĂ€nder brachen, konnte mich von dem einmal gefaßten Vorhaben nicht abbringen.
Dann war es ruhig, nur ein Zischen erfĂŒllte die Umgebung und senkrecht unter uns wurde der sich in dem FlĂŒĂŸchen spiegelnde Mond immer grĂ¶ĂŸer. Hier setzt meine Erinnerung fĂŒr kurze Zeit aus.
Das nĂ€chste Bild spielt sich mit roten, blauen und gelben zuckenden Lichtern in meine Wahrnehmung. Ich bekomme mit, daß ich auf dem RĂŒcken liege und die Lichter zu diversen Krankenwagen, Feuerwehren und Bergungsfahrzeugen gehören. GerĂ€usche sind vorerst ĂŒberhaupt nicht vorhanden.
Langsam setzt jedoch ein Murmeln und Raunen ein, welches von schrÀg links hinter mir kommt.
Es kostet mich ungeheure MĂŒhe, mich in diese Richtung zu drehen, aber als ich es endlich schaffe, sehe ich eine Gruppe von Menschen vor mir. Eigentlich sind es eher zwei Gruppen ungefĂ€hr gleicher Personenzahl. Ganz vorn stehen jeweils meine verstorbenen Großeltern, links die mĂŒtterliche Linie, rechts die vĂ€terliche. Dahinter nehmen die Gruppen gleichmĂ€ĂŸig zu, in den vorderen Reihen erkenne ich noch die Mutter meines Opas und, daneben, Oma und Opa Bleske, die Eltern meiner Oma mĂŒtterlicherseits. In der anderen Gruppe steht dicht hinter den Eltern meines Vaters eine vor Jahren verstorbene Cousine, die restlichen Leute sind mir völlig unbekannt. Bedingt durch die immer altertĂŒmlicher werdende Bekleidung nehme ich nicht ganz grundlos an, daß es sich bei diesen Leuten um meine gesammelten Vorfahren handelt.
Keiner spricht etwas Deutliches, nur dieses Murmeln erfĂŒllt die Luft.
Im Ganzen macht das Bild aber einen gĂŒtigen Eindruck, alle sehen mich freundlich an, manche nicken.
`Irgendwas war doch noch?` versuche ich einen klaren Gedanken zu fassen, als die Gruppen noch ein bißchen auseinander treten und Anna hervortritt. Auch sie spricht kein Wort, formt aber mit den Lippen ein „Wir sehen uns.“
Von der entgegengesetzten Seite werde ich plötzlich angesprochen.
„Können Sie mich verstehen?“ fragt eine mĂ€nnliche Stimme.
Eine Gestalt in weiß schiebt sich in mein Blickfeld und kurz darauf bin ich erneut bewußtlos.
Dieser intensive Traum hÀlt mich den ganzen folgenden Tag in seinem Bann und als ich zum Ende der Woche nach hause komme, entdecke ich im Bad einen benutzten Schwangerschaftstest.
Nach dem Studium der Gebrauchsanleitung und einem Blick auf den Indikator schiebt sich ein Grinsen oder wohl eher ein zu
freudiges LĂ€cheln in mein Gesicht.
Kurz darauf klappert es an der TĂŒr und Melanie kommt aus der Schule.
Sie strahlt mich an und bestimmt ganz anders, als sie es sich vorgenommen hatte, sagt sie: „Ich bin schwanger!“
„Ich weiß,“ antworte ich, „und ich habe auch schon einen Namen.“
Dann erzÀhle ich ihr die ganze Geschichte und sie findet es okay.
NatĂŒrlich stellt sich nun die Frage, warum das Kind Charlotte heißt und nicht, wie man eigentlich annehmen sollte Anna.
Das ist ganz einfach die elterliche Eitelkeit, dem Nachwuchs einen wohlklingenden und möglichst nicht zu hÀufigen Namen zu geben.
Mit gesteigerter SensibilitĂ€t lauschten Melli und ich auf die Namen, die andere Eltern ihren Kindern verpaßt hatten und mußten feststellen, daß es „Anna`s“ schon wie Sand am Meer gab und so entschlossen wir uns fĂŒr eine Charlotte.
Aber egal, wie sie nun heißt, das Lachen, liebes Publikum, das Lachen hab ich schon wiedererkannt.

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majissa
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namensgebung

hallo knychen,

die geschichte hat mir gut gefallen. sie ist spannend geschrieben und ich habe an keiner stelle das interesse am weiterlesen verloren. nur der anfang ist ein wenig langatmig. ansonsten macht dieser text neugierig nach mehr geschichten von dir.

liebe grĂŒĂŸe
majissa

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Ralph Ronneberger
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Hallo knychen,

da habe ich aber GlĂŒck gehabt. Ich wollte meine Suche nach einer wirklich lesenswerten Geschichte auf dieser Seite schon aufgeben, da stolperte ich ĂŒber deinen "Namenstag". Hat mir sehr gut gefallen. FĂŒr eine Kurzgeschichte enthĂ€lt dein Text allerdings am Anfang ein paar Details zuviel. Speziell deinem Freund Steffen, der mit der eigentlichen Geschichte ja gar nichts zu tun hat und nur zu der erstaunlich langen Reihe der zu Tode gekommenen Kumpels gehört, widmest Du fĂŒr meinen Geschmack zuviel Aufmerksamkeit. Vielleicht widmest Du ihm lieber eine eigene Geschichte?
Aber ansonsten..... hmm.... bin ich wohl richtig begeistert. Dein Stil gefĂ€llt mir. Ohne in RĂŒhrseligkeiten zu verfallen, verstehst Du es durchaus, stellenweise bzw genau an der richtigen Stelle so etwas wie RĂŒhrung beim Leser aufkommen zu lassen.
Nur bei dem Satz:"Auch das widerliche GerĂ€usch, als wir durch das BrĂŒckengelĂ€nder brachen, konnte mich von dem einmal gefaßten Vorhaben nicht abbringen." , da mußte ich grinsen. Was hĂ€tte sich geĂ€ndert, wenn er in diesem Moment sein Vorhaben hĂ€tte aufgeben wollen? Bei einem durchbrochenem BrĂŒckengelĂ€nder dĂŒrfte da wohl alles zu spĂ€t sein.

Gruß Ralph
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knychen
Routinierter Autor
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hallo ralph, hallo majissa,
schön, wenn es euch gefallen hat, aber nun zur kritik.
wenn du dir die liste der freiwillig aus dem leben geschiedenen ansiehst, wirst du feststellen, daß zu jeder person der entsprechende absatz etwas lĂ€nger wird im vergleich zum vorhergehenden. damit will ich zeigen, wie ich mich fĂŒr ein thema, daß mir eher zufĂ€llig in den sinn gekommen ist, immer mehr erwĂ€rme.
und die sache mit dem brĂŒckengelĂ€nder?
ich hab sowas natĂŒrlich noch nie getan, aber ich kann mir vorstellen, daß man im letzten moment versucht das lenkrad herumzureißen, selbst wenn das rationale denken noch funktioniert und man weiß, daß alles lenken dieser welt nix mehr helfen wĂŒrde. also könnte man diese passage als ausdruck einer "ich-zieh-das-jetzt-durch"-mentalitĂ€t verstehen.
Aber, so ehrlich muß ich wohl sein, diese beiden erklĂ€rungen sind mir erst auf grund der kritik eingefallen.
wenn es also in diesem sinne gemeint war, dann unbewußt.
atschö aus berlin sagt knychen
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kny

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Intonia
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Hallo knychen,
selten findet man so reife BeitrÀge in der Lupe. Hier stimmt einfach alles. Du bist ein toller ErzÀhler.

Gruss intonia (m)
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"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

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