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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Namensgedächtnis
Eingestellt am 13. 08. 2001 12:36


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lazarus
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

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Das Namensgedächtnis



Die Sonne stieg gerade auf die, für mittags halb zwölf, vorgeschriebene Höhe, als sich Ignaz aus seinem Bett wälzte und sich trägen Schrittes in das Gemach, das für die tägliche Thronbesteigung bestimmt war, begab. Während er den über Nacht angesammelten Bestand seiner Gedärme der Freiheit der Kanalisation übergab, betrachtete er gewissenhaft die feminine Unterbekleidung, die über den Rand der Badewanne hing. Der BH war Trägerlos, bestand hauptsächlich aus weisser, durchsichtiger Spitze und bildete zweifelsohne ein Paar mit dem Stringtanga, den er soeben befingerte. Er führte den Slip zu dem Sinnesorgan, das er inmitten seines Gesichts trug, das von Frauen des öfteren als anziehend und auch als ausziehend bezeichnet wurde, und schnüfftelte an dem Nichts von Stoff.
"Schade, das Gerüche die in Keidungen stecken, nicht den Namen der Trägerin herausplärren, oder wenigstens flüstern!" sagte er, stieg vom Thron, wischte sich den gespaltenen Teil seines verlängerten Rücken, betätigte die Spülung und wusch sich die Hände. Nachdem er die Oberbekleidung seines nächtlichen Gastes überprüft und einen Bick in ihre Handtasche geworfen hatte, war er nun, was den Namen betraf ein bischen klüger. Er hatte ein silbernes Zigarettenetui in der wildledernen Handtasche entdeckt, auf dem die Initialen AB eingraviert waren.
"Hm!" knurrte er, während seine Finger in Abwesenheit seiner Gedanken versuchten einen ungefähr geniesbaren Kaffee zu brauen. "Entweder die Tante macht Schreibübungen und versucht sich morgen am C, oder das sind die Anfangsbuchstaben ihrer Namen."
Sämtliche Menschenbetitelungen, die ihm gerade einfielen, lies er in Gedanken an sich vorbei ziehen und achtete darauf, das sich keiner einschmuggelte, der nicht weiblich und auch nicht mit einem A begann, kam aber eher zu einem erschreckenden Ergebnis. Egal ob sie nun Abigail, Adeline oder, ganz banal, Anna lauteten, er konnte sich nicht erinnern, diese Worte in den letzten Tagen vernommen zu haben. Da Flinte ins Korn werfen, kein Sport war, den er mit Leidenschaft fröhnte, dachte er um und unterstellte dem Graveur, das Verbrechen, den Nachnamen vor den Vornamen zu stellen und beschäftigte abermals angestrengt seinen Kopfinhalt. Als er aber bei der Betitelung Berta angekommen war und er automatisch an Ernie von der Sesamstrasse denken musste, verwarf er die geistige Morgengymnastik und widmete sich der Morgenzeitung, die er kurz vorher aus dem Briefkasten geholt hatte. Da es nichts passenderes zu einer Morgenzeitung, die man um zwölf Uhr liest, gibt, als ein Mittagessen, gönnte er sich zu der Lektüre ein Fertiggericht, von denen er etliche Massen in seiner Kühltruhe aufbewahrte. Nachdem doch etwas unköstlichen Schmaus, versuchte er durch eine selbstgedrehte Zigarrete seine Geschmacksknospen wieder etwas erträglicher zu stimmen. Kaffeeschluckend und Rauchwolken ausstossend sass er nun am Küchentisch und versuchte etwas Aufregendes in dem papierenen Informationsmedium zu finden.
Im Politikteil, wurde er über die Parkinsonkrankheit eines bekannten Staatsvertreters aufgeklärt. Der arme Kerl war diesem Befall seines Leibes so ausgeliefert, das er nichts dagegen tun konnte, als sich eine seiner Hände unter den Rock und die andere in den Ausschnitt seiner Sekretärin zitterten und einen bleibenden Schaden in ihrem Hormonhaushalt und an seiner Karriere anrichteten.
Im Sportteil angekommen, wäre Ignaz beinah dem Erstickungstod erlegen. Denn gerade als er einen Schluck von dem doch noch geniesbar gewordenen Kaffee nahm, las er von einer schwedischen Leichtathletin, deren Dopingsperre vom Weltverband aufgehoben worden war. Diese Tatsache war aber nicht der Grund, warum die schwarze Brühe, den Weg in die Luftröhre bevorzugte. Denn in einem Urintest wurde bei der Sportlerin ein zu hoher Wert irgendeines Hormons entdeckt und sie darauf hin sofort gesperrt. Doch jetzt stellte sich heraus, das die hübsche Blondine keineswegs irgendwelche sportgesetzlichen Verfehlungen begangen hatte, höchstens moralische. Sie war nämlich im vierten Monat schwanger!
Teilweise hustend und lachend, machte sich Ignaz über den Lokalteil her und seine Heiterkeit war auf einem Schlag dem Nullpunkt sehr nahe gekommen. Mit verfinsterter Miene las er einen längeren Artikel, als sich die Tür öffnete und sein nächtlicher Gast die Küche betrat. Dem Anschein nach, war sie erst vor kurzem dem Land des Schlummer und der Träume entstiegen. Denn ihre blonde lange Mähne war doch sehr zersaust und auf ihrer rechten Wange zeigten sich Falten, die der Bezug des Kopfkissen hinterlassen hatte. Trotz dieser Makel, die die meisten Frauen auf den Mount Blanc der Rage gebracht hätten, sah sie in dem Bademantel von Ignaz mehr als begehrenswert aus. Vor allem deswegen, da sie es nicht für nötig gehalten hatte, den Gürtel des Frotteeanzuges zu schliessen und dadurch ihren Prachtkörper zur beäugung freigab.
"Guten Morgen Honey!" sagte sie, gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Stirn und nahm sich wie selbstverständlich, eine Tasse vom Regal. "Was ist denn los mit dir, Honey. Du machst ein Gesicht als hätte dir jemand die Unschuld gestohlen, und soviel ich heute Nacht bemerkt habe, vermisst du die schon länger."
Während sie sich den Kaffee einschenkte warf sie Ignaz ein derart zweideutiges Lächeln zu, das ein ihm nicht unbekannter Vermehrungswunsch in die Lenden fuhr.
"Es hat nichts mit dir oder der letzten Nacht zu tun!" sagte er und versuchte durch einen Annäherungsversuch der dem Küchentisch bestimmt war die verräterische Beule im zentralen Punkt seines Körpers zu verdecken. "Ich hab nur einen Bericht in der Zeitung gelesen, der mein Blut zum kochen bringt."
"Das hab ich doch gestern auch geschafft!" entgegnete das verführerische Geschöpf und setzte sich dem mittlerweile warm werdenden Ignaz gegenüber.
"Klar hast du das! Nur auf viel angenehmerer Art!"
"Willst du mir nicht erzählen, was dich so unangenehm erregt?" fragt sie und bis in ein Croissont.
"Wenn es dich interessiert, gern!" Ignaz richtete sich wieder auf, die Schwellung hatte nachgelassen. "Ich war bis vor zwei Monaten in einer Firma angestellt und wurde wegen finanzieller Probleme entlassen. Ich habe dort fast zehn Jahre lang meine Nerven und die Gesundheit geschunden und habe in all der Zeit nicht einmal eine Lohnerhöhung bekommen.
Jetzt muss ich heute in der Zeitung lesen, das Brigitte Breul, meine Ex-Chefin gestern ihre neue Luxusjacht hat taufen lassen. Und das macht mich so sauer."
Ignaz nahm einen langen Schluck aus seiner Tasse und bemerkte nicht, wie sich das fröhliche Antlitz seiner Gespielin verfinsterte.
"Das schlimmste aber dabei ist, das sie das Boot gar nicht für sich, sondern für ihre verwöhnte Tochter, Heidi Breul, ein doofer Name, gekauft hat, die damit am Montag nach Monte Carlo aufbricht und sich dort einen schönen Lenz macht oder machen lässt. Mir geht es absolut an die Innereien, das wir hart arbeitenden Menschen leiden müssen, nur damit verwöhnte Millionärsgören dem Luxus fröhnen können."
Nach seiner erregten Erzählung fischte Ignaz nach seinen Tabakbeutel und fand auch nichts merkwürdiges dabei, das sich die Schönheit erhob und sich ins Bad bewegte. Im Gegenteil. Durch diesen kleinen aber heftigen Ausbruch der Gefühle hatte sich sein Gemüt wieder auf Normalpegel gestellt und er konnte sich wieder der Lektüre widmen. Nach circa Zwanzig Minuten hörte er ein Geräusch, das ihn stark an das Zufallen der Wohnungstüre erinnerte. Etwas irritiert stand er auf und bewegte sich ins Badezimmer. Dort war aber nichts zu finden. Weder die blonde Gespielin noch irgendwelche Bekleidungsutensilien. Kopfschüttelnd und Kratzend marschierte er ins Schlafgemach und wurde dort ebenso enttäuscht wie in der Nasszelle. Das einzige was an eine ehemalige Anwesenheit der mittlerweile Verschwundenen erinnerte, war ein zusammengefalteter Zettel der auf seinem Nachttisch lag. Ignaz nahm, immer noch das Haupt wiegend, das Stück Papier und versuchte die mit vielen Seriphen verschnörkelte Handschrift zu entziffern.
"Tut mir leid, das ich einfach so verschwinde, aber ich muss mir einen schönen Lenz machen lassen!
Der doofe Name!"
Ignaz lies sein Gesäss mitsamt dem Oberkörper nach unten fallen, was zur Folge hatte, das das Bett, auf dem er nun lag vor Überraschung aufächzte.
"Man bin ich ein Idiot!" schrie er zur Decke die ihn aber nur weiss anstrahlte."Die Initialie A heisst
Adelheid und die Abkürzung davon ist Heidi. Heidi Breul, die verwöhnte Millionärsgöre! Hirnlos geht meine Welt zu Grunde!"
Ignaz starrte noch immer zur Decke, doch ihr störte das nicht im geringsten!
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schwafelfasel
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so schlecht nicht, sag ich mal

umständliche Ausdrucksweise, aber du ziehst es durch, also warum nicht. Bloss, was du mit diesen Zeitungsnotizen bezweckst, erschließt sich mir nicht ganz. Wolltest du da ein paar Witzchen einbauen?

Schwafelfasel

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lazarus
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

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Danke für Deine Kritik!
Stimmt, ich habe in dieser Geschichte eine umständliche Ausdrucksweise benutzt, weil die handlung ja auch umständlich und chaotisch ist. Und meiner Meinung nach soll der Leser das auch sofort merken.
Was die Zeitungsartikeln anbelangt, muss ich sagen, dass ich sie selbst gelesen habe und mir gedacht hab, das die Unsinnigkeit mancher Schlagzeilen und Geschehnisse einfach mal dokumentiert werden müssen. Und findest du nicht, dass sie einerseits gut in die Story passen?

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schwafelfasel
Guest
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na ja gut,

..in diese Story passen die Zeitungsartikel eigentlich eh ganz gut, weil ja auch der eine Artikel über die Yacht wichtig für die Handlung ist, aber ich hab ja schon die andere Geschichte von dir gelesen habe, die mit dem Mietshaus voller Frauen, und da nimmt das Zeitunglesen ja auch einigen Platz ein. Sieht aus, als wär das eine Masche von dir. Zugegeben, in der Mietshaus-Geschichte ist es eigentlich auch noch ganz witzig, aber pass halt auf, dass sich das nicht abnutzt mit der Zeit.

Schwafelfasel

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lazarus
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 5
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Dann les mal "Ein unwiderstehlicher Drang". Hab ich gerade reingestellt. Da wirst du nichts von Zeitungsartikeln lesen!
Ausserdem finde ich, das die zeitung zum Alltag gehört, und meine Geschichten sind nichts anderes als grauer Alltag!
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schwafelfasel
Guest
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Hast auch wieder recht.

Allerdings hab ich in deiner aktuellen Geschichte schon wieder ein neues Lieblingsthema von dir geortet: Ich meine damit gewissen unvermeidbare Vorgänge im Zusammenhang mit der Verdauung... Naja, da es dir ja um die Schilderung des Alltags geht, kann ich dagegen nichts einwenden.

Schwafelfasel

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