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Leselupe.de > Ungereimtes
Narrenball
Eingestellt am 26. 10. 2005 12:22


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Kuschelmuschel
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Registriert: Sep 2003

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Narrenball

Es war fĂĽrwahr ein groĂźes Fest
Der ganze Hofstaat nahm d’ran teil.
Man saĂź im weich gemachten Nest
... gut bewacht und satt und geil.

Denn das Volk ließ man vor’m Tor,
weil Hunger, Elend, Krankheit stört.
Das läßt man besser außen vor,
... weil’s nicht auf so ein Fest gehört.

Auch wĂĽrden soviel Glanz und Pracht
das dumme Volk nur irritier’n.
Nicht daĂź es sich Gedanken macht,
... es wär’ dann schwerer zu regier’n.

„Es ist doch unser gutes Recht!
Wir kennen schon das rechte MaĂź!
Denn ohne uns ging’s Euch doch schlecht!
... drum gönnt uns doch das bißchen Spaß!“

So dreht sich bei Musik und Tanz
die Macht mit Geld und Gier im Kreis.
Und fĂĽr den Luxus und den Glanz
... da zahlt das dumme Volk den Preis.

Es wird getrunken und gelacht,
wenn mittendrin der dumme Narr
dann seine dreisten Späße macht
... fĂĽhlt er sich auch vor Furcht oft starr.

Auch wenn der Hofstaat applaudiert,
hat er jedoch in dieser Nacht,
manchen Schranzen attackiert
... und lebenslang zum Feind gemacht

Und später nach dem großen Mahl
nach Suff und FraĂź im ĂśbermaĂź
kehrt langsam Stille ein im Saal
... der Narr hofft, daĂź man ihn vergaĂź.

Der König liegt in seinem Bett.
Der Schlaf hat ihn dahingerafft,
war auch die Buhlschaft sehr kokett
... der Wein nahm ihm die Manneskraft.

Die Königin seufzt still entzückt,
weil bei der Beichte sie der Abt
mit seinem Bischofsstab beglĂĽckt
... nachdem den Knappen er gehabt.

Der General kämpft unter’m Tisch
erlegt dort Feinde ohne Zahl.
Als Schwert dient ihm ein halber Fisch
... bekotzt hat ihn der Kardinal.

Der Minister der Finanzen
weiĂź, daĂź die Kassen fast schon leer,
fĂĽllt sich trotzdem noch den Ranzen
... dann mĂĽssen neue Steuern her.

Und der Minister der Justiz
beugt sich das Recht in dieser Nacht,
fälscht en passant noch ein Indiz,
... denn Recht hat immer nur die Macht.

Nur noch der Narr sitzt am Kamin.
Der Wein will ihm nicht helfen heut’
und dunkle Ängste quälen ihn,
... er ahnt was wohl der Menscheit dräut.

Er sieht, daĂź die Moral der Macht
nur eine dĂĽnne TĂĽnche ist.
Denn alle haben heute nacht
... gezeigt, wie schnell man sie vergiĂźt.

Wie sich der neue Tag erhellt,
sinkt ihm der allerletzte Mut,
er kĂĽndet das Geschick der Welt
... mit dunklen Wolken - rot wie Blut.
__________________
Um Risiken und Nebenwirkungen vorzubeugen:
Kuschelmuschel ist der Titel eines Buches mit schwarzem Humor von Roald Dahl:
Erotische Bettgeschichten, die mit dem Leben eines gemeinsam haben - sie gehen nie gut aus!

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Prosaiker
Guest
Registriert: Not Yet

gefällt mir gut, der neckische narrenball, bissig und böse ohne großartig moralisieren zu wollen, leicht und flüssig zu lesen, gestolpert bin ich nirgends (wenn doch, dann unerheblich )

"Der General kämpft umter’m Tisch
erlegt dort Feinde ohne Zahl."

achtung, tippfehler!

lg,
Prosa.

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