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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Narrenfreiheit
Eingestellt am 10. 02. 2002 16:38


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Dexter
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Narrenfreiheit



"Und wer bist Du? " Sie lächelte mich an.
"Eigentlich kenne ich alle Jungs hier, aber dich hab' ich noch nie gesehen! "
Sie l√§chelte noch mehr. Sie war gut drauf, wof√ľr der Drink in ihrer Hand sicher zu einem gro√üen Teil verantwortlich war.
Nat√ľrlich hatten wir uns schon ein paar mal gesehen, ein paar Worte gewechselt, aber Menschen wie sie verga√üen Menschen wie mich sehr schnell wieder.
W√ľrde ich ihre beiden S√§tze in meine "Liste der d√ľmmsten Spr√ľche die ich jemals geh√∂rt hatte " aufnehmen?
Schon möglich.
Sie sah gut aus, keine Wucht, aber ein h√ľbsches Gesicht, das leider mit viel zu viel Schminke verunstaltet worden war. Ihre wei√üe, viel zu gro√üe Bluse und die bunte Krawatte machten kombiniert mit dem kleinen schwarzen Hut vollends eine Witzfigur aus ihr.
Aber das störte heute Niemanden.
Nein, heute war das Fest der Witzfiguren, der Einfaltspinsel, der Kleingeister.
Sie erzählte von der Party, auf der sie letztes Wochenende gewesen war.
Ich hatte sie nicht danach gefragt.
Sie erz√§hlte von ihrer Arbeit, wie gut sie ihr gefiel, redete und redete, dachte, ich w√ľrde schon auftauen.
Aber ich hörte ihre Worte kaum.

Die Weiß-Gelb gestreiften Wände des Festzeltes verschwammen vor meinen Augen.
Die schweiß-, bier-, rauchgeschwängerte Luft brannte in meiner Kehle, die Stimmen um mich herum wurden zu einem ohrenbetäubenden Summen.
Ein Wespenschwarm - und ich mittendrin.
Platz! - Ich brauchte Platz f√ľr meine Gedanken, stie√ü die Angetrunkenen zur Seite, k√§mpfte mich durch das Meer der torkelnden Leiber und trat endlich aus dem Zelt auf die Wiese hinaus.
Dann rannte ich.
Die Nacht war klar und k√ľhl, nahm mich auf in ihre ehrliche Dunkelheit. Ich breitete meine Arme aus und lie√ü mich ins weiche Gras fallen. Unz√§hlige Perlen frischen Taus k√ľssten
zärtlich meine Hände und meinen Nacken.
Ich blickte mit offenen Armen zum Himmel auf, ins Firmament. Der volle Mond nickte mir wohlwollend zu, die blinkenden Sterne lächelten mich freundlich an, während sie leise ihr himmlisches Lied sangen.

Ich war frei!







__________________
Wer Verst√§ndnis f√ľr seine Verst√§ndnislosigkeit aufbringt, hat viel verstanden!

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Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Dexter!

Bei Deiner Story sp√ľrt man f√∂rmlich das schon oft erlebte Grauen dieser "Kleingeister-Veranstaltungen", wenn man sich nach Ferne, nach Stille sehnt, nur um dieser Oberfl√§che zu entkommen, die noch nicht einmal gl√§nzt.

Wertloses Gelaber in einem Laberkäfig! - schrecklich, ich glaube, jeder kennt das!

Ich finde, Du hast das sprachlich gut umgesetzt!

Guido

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