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Leselupe.de > Ungereimtes
Nebelwesen
Eingestellt am 13. 12. 2004 18:44


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Twinanni
Festzeitungsschreiber
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Nebelwesen

Am Rand meiner Seelen-Allee stehen weiße BĂ€ume
kein Blatt hÀngt an ihren Zweigen,
nur Mondlicht ...
Nichts rĂŒhrt sich,
die GrÀser unter den BÀumen stellen sich
- von Eis ummantelt -
der kalten Nacht.

Dazwischen zeichnet sich ein Lebenspfad ab,
den erstarrte BĂ€ume frostbehangen beschatten.
Auf ihn setze ich
vorsichtig Fuß vor Fuß,
fĂŒhle kein lebeN an meinen HĂ€nden
- nur Nebel -

Wie leicht doch das lebeN mit all seinen Wesen
nur falsch gelesen und betreten verfliegt in Winterböen,
als nebeL, der ungreifbar und kalt meinen Fingern entkommt.
Und neben dem Gras, hochblickend zu den beraureiften Ästen,
geht ein einsames Licht auf, das mir sagt:

Scheue nicht den nebeL,
denn er ist nur eine Zukunftsvision
unsres Selbst: Die Erinnerung,
von Lebe - zu NebeLwesen verwaschen ... .

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lapismont
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Hallo Twinanni,

mir gefĂ€llt die Idee mit der betonten Großschreibung von Wortenden um das ZusammenhĂ€ngende von Nebel und Leben zu betonen, das Palindrom hervorzuheben.

Ansonsten finde ich Dein Gedicht zum Großteil ĂŒberladen.

„Am Rand meiner Seelen-Allee stehen weiße BĂ€ume“
Mit Seelen-Allee beginnst Du Dein Gedicht matphysisch, ohne damit zu erklĂ€ren, was eine Seelen-Allee ist. Dieses Wort drĂŒckt den Beginn des Textes in eine gefĂŒhlige Ecke. Wenn das gewollt, ist, erfĂŒllt es den Zweck. Warum sind die BĂ€ume weiß? Sind es Birken? Hat es geschneit? Was bringt das weiß der Bedeutung der BĂ€ume?

„nur der Frost wirft funkelndes Mondlicht auf spiegelnden Asphalt.“
Funkelnd und spiegelnd fĂŒgen der AthmosphĂ€re nichts hinzu und sind in diesem Wortzusammenhang sehr abgegriffen.

„Nichts rĂŒhrt sich,
die GrÀser unter den BÀumen sind steifgefroren, wie sie
und recken sich - von Eis ummantelt -
der kalten Nacht entgegen.“
Ein Baum ist auch im Sommer recht steif.
Recken bedeutet Bewegung, passt nicht so richtig zum gefrorenen Gras zumal der Eismantel dem zusÀtzlich entgegensteht.
Die Wendung: „von Eis ummantelt“ erscheint mir auch recht oversized hier.

„gewunden zwischen den erstarrten BĂ€umen,
die ihn frostbehangen beschatten.“
Hier wiederholst Du im Prinzip die vorhergehende Strophe.

„Vorsichtig setze ich Fuß vor Fuß,
fĂŒhle kein lebeN an meinen HĂ€nden
- nur Nebel –„
Eine sehr gelungene Stelle. Ich musste hier an Blut an den HĂ€nden denken.


„Wie leicht doch das lebeN mit all seinen Wesen
nur falsch gelesen und betreten verfliegt in Winterböen,
als nebeL, der ungreifbar und kalt meinen Fingern entkommt.“
Mit den vorhergenden Zeilen der beste Teil des Gedichtes.

„Und neben dem Gras, hochblickend zu den beraureiften Ästen,
geht ein einsames Licht auf, das mir sagt:“
Warum versuchst Du hier eine exakte Ortsbeschreibung? Warum nochmal auf die kalten Äste hinweisen?

„Scheue nicht den nebeL,
denn er ist nur eine Zukunftsvision
unsres Selbst: Die Erinnerung,
von Lebe - zu NebeLwesen verwaschen ... .“
Hier kommt die Moral von der Geschichte. Wenn der letzte Vers ohne die nÀhere ErklÀrung davor kÀme, hÀtte der Leser die Möglichkeit, die angebotene Stimmung selber zu deuten.
So etwa:
Erinnerung,
von Lebe - zu NebeLwesen verwaschen ... .“

An der Szenenbeschreibung ist noch zu viel Bekanntes und Wiederholtes. Der Stimmungsaufbau mĂŒsste prĂ€gnanter, zarter werden, mehr dem Nebel entsprechen.

Aber, dies ist nur mein Leseempfinden.

cu
lap

__________________
Kunst passiert.

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Perry
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Registriert: Aug 2004

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Hallo Twinanni,
da lapismont bereits viel zur Textgestaltung und dessen Wirkung geschrieben hat, möchte ich mich mehr mit dem Inhalt deines Gedichtes auseinandersetzen.
Das Bild von der Seelen-Allee und dem dazwischen verlaufenden Lebenspfad gefĂ€llt mir gut. Die Hinleitung auf die Schlussaussage mit dem sprechenden Licht gefĂ€llt mir allerdings weniger. Warum lĂ€sst Du nicht die Nebelwesen selbst mit dem lyrischen Ich kommunizieren. Das SchlussresĂŒmee finde ich dann wieder gerade zu mystisch gut.
Ich versuche mal eine Variation nach meinem Empfinden, vielleicht kannst Du daraus ja einige Anregungen entnehmen.

Nebelwesen


am Rand meiner Seelen-Allee
stehen weiße BĂ€ume
Frost wirft funkelndes Licht
auf das steifgefrorene Gras drunter

mein Lebenspfad verlÀuft gewunden
zwischen den stummen Riesen
fĂŒhle wie das lebeN langsam
aus meinen Fingern in den Nebel fließt

scheue nicht den nebeL
raunen mir graue Schemen zu
er ist nur eine verwaschene Vision
eine Ahnung von Lebe- zu Nebelwesen

LG
Manfred

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Twinanni
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2004

Werke: 18
Kommentare: 46
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Hallo Lapismont und Perry!
ZunĂ€chst möchte ich euch fĂŒr eure Kommentare bedanken, die mich sehr zum Nachdenken und auch, wie ich finde, einer Verbesserung gebracht haben.

Lapismont, auf deine Frage nach den BÀumen möchte ich folgendes antworten:
Mir kam die Idee zu dem Gedicht bei einer Autofahrt durch eine nebelige Nacht, genauer gesagt fuhr ich durch eine Allee, deren BĂ€ume blĂ€tterlos und weiß zwischen Nebelschwaden standen.

Das Bild hat sich einfach bei mir eingeprĂ€gt und ich fand es als Vergleich fĂŒr einen 'Gang' durch die Seele irgendwie passend.
Eine Seele ist fĂŒr mich irgendwie eine nebelige Angelegenheit
Da die BĂ€ume nun zu dem Bild dazugehörten und weiß waren, habe ich sie auch mit in das Gedicht eingebracht.

Zu deiner Kritik an dem funkelnd und spiegelnd kann ich dir bei nochmaligem Lesen nur zustimmen und habe deshalb die Zeilen etwas umgeschrieben, genauso wie das ‚Recken‘. Es erschien in dem Zusammenhang wirklich unlogisch.
Die Beschreibung ‚von Eis ummantelt‘ habe ich jedoch stehen lassen, weil sie wie ich finde in die neue Situation besser hineinpasst ...
Ich sehe dabei das Eis als eine Art Schutzpanzer fĂŒr die GrĂ€ser, die sich der Nacht entgegen stellen.

Die genaue Ortsbeschreibung in der folgenden Strophe habe ich deshalb verwendet, um zu zeigen, wo ich stehe in der Seelen-Allee. Von welchem Punkt aus betrachte ich die Szene, von oben, aus der Ferne???
Ich will nur zeigen, das ich eine normale menschliche Figur in einer Allee einnehme, unter den BÀumen, neben den GrÀsern ... .

Manfred, auch fĂŒr deine Anregungen vielen Dank.
Zu deiner Kritik: Das lyrische Ich spricht so gesehen nicht mit einem Licht.
Ihm geht ein Licht auf. Diese ‚Idee‘ habe ich nur ein bisschen personifiziert.
Es ist also keine wirkliche Kommunikation.
Außerdem wollte ich nach dem Mondlicht vom Anfang noch einmal etwas ‚Licht‘ in die dĂŒstere Stimmung und das Bild bringen, das ich dabei vor meinem gesitigen Auge hatte.

Den Gedanken, das das Leben aus den Fingern in den Nebel fließt finde ich interessant. es ist aber nicht, was ich aussagen wollte.
Ich wandere ja durch meine Seele und es sind Erinnerungen, die meine HĂ€nde streifen.
Die Erinnerungen stelle ich als Nebel dar, weil sie nicht lebendig sind, sondern irgendwie nebelig - verschwommen ... .
Gruß, Twinanni

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