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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Neu: Schlampe
Eingestellt am 02. 03. 2002 14:27


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Teil 1

So frĂŒh am Morgen auf Schusters Rappen, das ist nicht gerade das, was David sich so vorgestellt hat, aber was bleibt einem anderes ĂŒbrig, wenn das Fahrrad mal wieder platt in der Garage steht? Ein GlĂŒck, dass seine Lehrstelle unweit der elterlichen Wohnung in KĂŒrze mit dem Fahrrad erreicht werden kann, doch ausgerechnet heute laufen zu mĂŒssen das stinkt ihm und zwar gewaltig.

Außerdem wie ĂŒblich: Nieselregen und diesmal keine Möglichkeit sich heimlich Vaters Fahrrad zu greifen oder das von Mutter, noch bevor er mit seinem Rucksack voller Fresspakete loszieht. Gut, er hĂ€tte es gestern reparieren sollen, direkt nachdem er aus der Berufsschule kam, aber sein Geld war mal wieder alle und es war kein Fahrradflickzeug weit und breit zu bekommen und heute, sonst stand Mutter nie so frĂŒh auf aber ausgerechnet jetzt, jetzt winkt sie ihm hinterher. „Mist, verdammter!“
spricht er zu sich selbst. „WĂ€re sie im Bett geblieben, wĂ€re ich schon lĂ€ngst auf dem Firmenhof.“

David kaut frustend an seinem ersten Brot herum, als er die Firmenanlage betritt. Mark wartet schon auf ihn „Beeil dich, wir mĂŒssen heute nach DĂŒsseldorf!“ Sie packen den Boiler in den Firmenwagen. Der Auftrag lautet: Boiler auswechseln! StĂ€dtische Wohnungen Bilker Str.
Mark scheint noch etwas mĂŒde zu sein, er dreht die Musik auf Hochtouren, „Das hilft gegen morgendliche MĂŒdigkeit“, den Spruch lĂ€sst Mark immer los und es scheint zu helfen, zumindest bringt es die beiden ordentlich in Stimmung.

Nun stehen sie unmittelbar vor dem GebĂ€ude, welches etwas verkommen ausschaut und schon drĂŒckt Marks Finger den Klingelknopf der Hausmeisterwohnung. Es erscheint eine mĂ€nnliche Gestalt mit langen fettigen Haaren im TĂŒrrahmen, den sein muskulöser Körper, bekleidet mit Unterhemd und Jogginghose, vollends einnimmt.
„Was ist?“ dringt seine rauhe Stimme ungeduldig an ihre Ohren.
„Wir kommen, um im 5. Stock einen Boiler auszuwechseln, bei ...“ Mark schaut noch einmal auf seinen Auftragsschein:
„Bei Warnecke!“ Der Hausmeister stellt keine weiteren Fragen, woher die beiden Handwerker kommen, erkennt er deutlich, denn auf ihren Latzhosen befindet sich das Firmenlogo der Heizungs-und SanitĂ€rfirma Kuno Drall und Söhne.

Herr Kratz wendet den Kopf und ruft in das innere seiner Wohnung: „Hey Olle! Komm mal her, hier sind Handwerker, geh mit denen zu der Schlampe, die wollen dort etwas reparieren!“ Unlustig mit einem SchlĂŒssel in der Hand tritt seine Olle in den Flur und lĂ€uft ihnen voran. Sie brubbelt etwas UnverstĂ€ndliches, welches die Handwerker nicht verstehen können, da sie mit dem Transport des Boilers in den 5. Stock beschĂ€ftigt sind.

Oben angekommen, tritt sie zweimal krĂ€ftig mit dem Fuß vor eine WohnungstĂŒre. Hinter der TĂŒre scheint sich den GerĂ€uschen nach etwas zu regen und noch bevor sie aufgerissen wird, verschwindet die Olle vom Hausmeister wieder.


Die beiden Handwerker erblicken eine Frau, die schĂ€tzungsweise Mitte 30 ihnen entgegenschwankt und sie aus dicken geschwollenen Augenlidern durch winzigkleine Pupillen anschaut. Bekleidet ist sie nur mit einem kurzen Hemd und einer Jeans, die den Blick auf ihre Schambehaarung freigibt, da ihnen der Reissverschluß unverschlossen entgegenblitzt. In ihrem Mundwinkel wippt die Zigarette auf und nieder, wĂ€hrend sie lallt „Ja, dann mal rein mit euch!“

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Jon Wolf
???
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Wesentlich besser !

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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2. Teil

Mark hĂŒstelt verlegen und schickt David schon voraus. Dieser steht hilflos vor der KĂŒchenzeile auf der sich der Abwasch von Wochen stapelt, aber es nĂŒtzt nichts, der Boiler muss wohl genau hier angebracht werden; dĂŒrftig schiebt er mit seinem Unterarm das im Weg stehende Geschirr zur Seite. Es liegt ein grauenhafter Gestank in der Luft.

Inzwischen macht Mark Frau Warnecke auf den Zustand ihrer Hose aufmerksam. „Hoppla!“ ruft sie aus und löst das Dilemma indem sie krĂ€ftig an den Verschluss zieht und entgegen seinen Erwartungen funktioniert er sogar! Dabei grinst sie Mark unverfroren ins Gesicht.

In der KĂŒche schauen die beiden Handwerker sich an. Schlampe macht keine Anstalten sie von dem schmutzigen Geschirr zu befreien, an dem der Schimmel sich schon breit macht, doch auch im Badezimmer, wo ebenfalls Reparaturarbeiten anstehn, halten die Beiden sich nicht allein auf. Sie befinden sich in bester Gesellschaft von Kakerlaken, die ĂŒber die in der Ecke liegenden KleidungsstĂŒcke huschen.

Immerhin, jetzt, da die beiden Handwerker beschĂ€ftigt sind greift auch Frau Warnecke zu einem Besen und fegt sĂ€mtliche sich in der Wohnung befindlichen leeren Bier- und Schnapsflaschen bis vor die EingangstĂŒr.

Danach schaut ihnen Schlampe eine Weile vom TĂŒrrahmen aus bei der Arbeit zu, doch schnell langweilt es sie und da es ihr ohnehin schwerfĂ€llt einem GesprĂ€ch zu folgen oder es in Gang zu bringen zieht sie es vor, sich im Wohnzimmer vor den Fernsehapparat zu setzen. Sie drĂŒckt auf die Fernbedienung, es funktioniert nicht.

„Hey, Meister“ ruft sie dem Gesellen zu. UnverstĂ€ndliches Gebrabbel von ihr dringt durch die BadezimmertĂŒr. Mark achtet zunĂ€chst nicht auf ihr Rufen.
„Hey, hast du nicht gehört? Komm mal eben!“ Mark schaut David an und verzieht sein Gesicht. „Was will sie?“
flĂŒstert er „wenn ich in 5 Minuten nicht da bin, kommst du nach!“ lautet sein Befehl an den Lehrling. Dieser grinst und nickt,
wĂ€hrend Mark seinen SchraubenschlĂŒssel fallen lĂ€ĂŸt und sich dem Wohnzimmer nĂ€hert.

Dort sitzt sie und drĂŒckt immer wieder auf den Knopf der Fernbedienung. „Warum geht der verdammte Fernsehapparat nicht an?“ will sie von Mark wissen. Sie sitzt inmitten unzĂ€hliger Sex- und Pornofilmekassetten, die auf Tisch und Fußboden verstreut herumliegen. Mark nimmt ihr die Fernbedienung aus der Hand und zeigt ihr die RĂŒckseite der Apparatur. „Es fehlen die Batterien, da kann so ein Ding nicht funktionieren.“

„Scheiße!“ entfĂ€hrt es ihr und sie erhebt sich. „Wollt ihr einen Kaffee?“ so ihr Vorschlag an die Beiden, die wieder ihrer Arbeit nachgehen.

„NEIN DANKE“ kommt es wie aus einem Ton aus ihren Kehlen.

Als sie die Wohnung verlassen, öffnen sie die TĂŒre mit ihren Ellbogen, denn an den Klinken bleibt man kleben, das wissen sie jetzt. Ob sie mit Bier eingerieben wurden?

Nach Feierabend wundern sich die Eltern sehr ĂŒber David. Was ist nur mit dem Burschen los? Er repariert sein Fahrrad, FREIWILLIG, Flickzeug! SCHON BESORGT!

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Jon Wolf
???
Registriert: Jan 2002

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Schön rund

Hallo Anemone,

jetzt ist Deine Geschichte schön abgerundet, aber was willst Du uns eigentlich damit sagen?

Was hat die "Schlampe" dazu gebracht, so zu werden? Wird immer noch nicht so ganz klar.

Du als Autor solltest die "Biographien" Deiner Figuren kennen. Sie mĂŒssen dann nicht explizit beschrieben werden, aber es lĂ€sst Dich beim Schreiben ganz anders mit Ihnen umgehen.

So bekommen auch solche Figuren, wie "Schlampe" den entsprechenden Tiefgang, den sie verdienen, denn schließlich ist die Geschichte nach ihr benannt.

Deine einseitige Antipathie gegen diese Figur lÀsst sie an dieser Stelle flach und wirkungslos werden, denn es fehlt die Sicht aus ihrer Position.

Dein "einfacher" und klarer Schreibstil gefÀllt mir, aber Klarheit verbunden mit Tiefe ist der Clou ...

meint Jon

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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hallo Jon,

diese Geschichte wird aus der Sicht der der beiden Handwerker erzĂ€hlt. Sie wissen nicht mehr von der Frau, wie sie im Moment sehen und das scheint ihnen zu genĂŒgen.


mit lieben GrĂŒĂŸen
anemone

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