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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Neu verwurzelt – ein Konzertbericht
Eingestellt am 12. 11. 2005 13:40


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jon
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Neu verwurzelt
Bericht zum Peter-Maffay-Konzert am 11.11.2005 in der Arena Leipzig


Der beste Maffay aller Zeiten. Mehr Gefühl, mehr Power, mehr Show, mehr Stringenz, mehr … Mehr eben.

Die Tour zum Album war bei Peter Maffay schon immer mehr als die Live-Präsentation der aktuellen Titel. Bekamen die Fans bei der Open-Air-Tour im Frühsommer 2005 in satten drei Stunden noch beinahe jeden Titel von „Laut & Leise“ zu hören, hat die Band diesmal eher das Motto des Albums umgesetzt und das Ganze ein wenig konzentriert.

Etwa ein Drittel der Show fand auf einer Art Vor-Bühne statt, näher an den Fans also, näher auch an mir, und war der leisen Seite der Maffay‘schen Musik gewidtmet. Ausgeglichenheit, zu sich gefunden haben, Gefühl trug seine Stimme in die Menge. Unterstützt wurde er dabei vor allem vom „Gründungsmitglied“ der Maffay-Band Jean-Jaques Kravetz am Keybord und Jon Smith, der mit seinem Saxophonspiel dem Abend den bluesigen Unterton mitgab. Dass sich zwischen dem Entstehen des Albums, der Open-Air-Tour und heute einiges getan hat, dass in dem Boden von „Angekommen sein“, der im Album zu hören war, jetzt eine neue Art „Durchstarten“ wurzelt, war aber schon in diesem ersten Teil des Abends spürbar: Immer wieder kam der Kämpfer, das Energiebündel Maffay durch und heizte das Publikum zu noch mehr Mitklatschen, Mitsingen, Mitfühlen an.

Wer eben das – den energiestrotzenden Rocker – bei der bisherigen Albumsrunde vermisst hatte, kam im zweiten Teil der Show voll auf seine Kosten. Von der Hauptbühne aus röhrten nun vor allem ältere Titel in die Menge, stampfend, glutvoll und unausweichlich. Irgendwann in diesem Teil dachte ich den Satz „der beste Maffay aller Zeiten“. Vielleicht, weil im Gegensatz zu anderen seiner Konzerte, die mich in diesem Ton überfielen, es diesmal souverän klang, nicht so gehetzt, sondern wahrhaft Power-voll. Bertram Engel, den Maffay bei der obligatorischen Vorstellung als „Motor der Band“ bezeichnet hatte, drückte den Rhythmus unbeirrbar in die Halle, unterstützt von Peter Keller (Gitarre), Pascal Kravetz (Gitarre, Keyboard) und Ken Taylor (Bass). Maffays Stimme verschmolz damit, so dass kompakte Energie in die Menge strömte, die davon aufgeladen sang, klatschte, tanzte, dass der Hallenboden bebte.

Und dann die Show – auch in diesem Bereich war diesmal alles anders, um Längen besser, als ich es kannte, professioneller, effektvoller. Die Simulation eines Gewitters, dessen Blitze aus tiefer Dunkelheit in die Halle einschlugen, war nur das augenfälligste Beispiel dafür. Die Abstimmung mit den beiden Bühnen für die beiden „Sorten“ Musik, die Abfolge der Songs, die organischer, als ich je bei Maffay erlebt habe, den Eindruck des Unausweichlichen „so muss es sein“ erzeugten, routiniert und selbstsicher klingende Kommentare (Fans kennen die eher wie aus dem Stegreif wirkenden Wortbeiträge des Barden vergangener Konzertjahre) – alles zusammen bewirkte wohl, dass Maffay das Publikum wirklich IN der Show hatte und nicht nur dabei. So war es auch möglich, alle die Leute, die wegen Maffay gekommen waren, zu aufmerksamen Zuhörern zu machen, als Pascal Kravetz seine neue Single vorstellte und Mayque – eine junge Rocksängerin, die soeben ihre erste Maxi-CD herausgebracht hat – sich u.a. mit einer recht gewöhnungsbedürftigen Power-Version von „Tiefer“ präsentierte.

Und noch etwas, was ich so noch nie erlebt habe: Als Peter Maffay von seiner Begegnung mit Herbert Dreilich und Karat spricht, von der Platte, die posthum mit Dreilich-Songs erschienen ist und dass auch Maffay und Band darauf einen Titel beitragen – in diesen Minuten ist es still in der Halle, konzentrierte Aufmerksamkeit. Man will hören, was der Mann da oben zu sagen hat. Ich bin nicht sicher, ob dieser Effekt damit zu tun hat, dass Maffays Fangemeinde inzwischen schlichtweg das Durchsschnittsalter erreicht hat, in dem man mehr als nur Spaß haben will. Sicher hat es aber damit zu tun, dass Peter Maffay überzeugender geworden ist, nicht nur in dem, was er tut, sondern auch darin, wie er sich gibt.

Besser kann Maffay nicht werden, ertappe ich mich denken und freue mich zugleich auf jeden Versuch, den er in Zukunft unternehmen wird, das zu widerlegen. Zuerst einmal aber: Möge die Tour so klasse weitergehen, wie ich sie gestern in Leipzig erlebt habe!


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knychen
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hallo,
niemand wird von mir jemals behaupten können, ich wäre irgendwann in meinem leben ein fan des peter maffay gewesen. im gegenteil - warzenpjotr ist auf eine harmlose art und weise immer für einen gag gut. aber dieser konzertbericht ist ehrlich und vor allem gut geschrieben. man spürt, daß ein fan diesen bericht geschrieben hat und ist froh, daß nicht der versuch zu missionieren unternommen wird. man hat nach dem lesen das gefühl, auf dem laufenden bezüglich der karriere des besprochenen künstlers zu sein.
gruß aus berlin. ronald kny
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jon
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„im gegenteil - warzenpjotr ist auf eine harmlose art und weise immer für einen gag gut“
Nun ja: Ob es "harmlos" ist, über jemanden zu spotten, weil er aussieht wie er aussieht, wage ich zu bezweifeln – egal ob Maffay, Merkel oder „Müllers Wolfgang von nebenan“.

Trotzdem danke für das Lob.
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