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Leselupe.de > Horror und Psycho
Neue Erkenntnisse des Herrn Stachur - eine Einleitung
Eingestellt am 11. 10. 2011 22:04


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Marcus Richter
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Neue Erkenntnisse des Herrn Stachur




Zuerst muss man wissen, dass ich ein Mensch bin. Es gibt so vieles auf dieser Welt, dessen man sich nicht sicher ist. Nur dieses eine sei gewiss: ein Mensch trÀgt tÀglich die Hoffnung in sich, der Wahrheit zu begegnen.
Aber was ist das, Wahrheit? Wie kleinteilig und mit geiziger Hand sie beizeiten doch ĂŒber die Welt ausgestreut ist. Wenn sie ĂŒberhaupt da einen Platz hat. Und in manchen, dĂŒsteren Augenblicken bin ich fast versucht zu glauben, dass sie gar nicht existiert, sondern nur, ja wie eine SĂŒĂŸe einem Gemisch aus Worten und Gedanken beigebracht werden kann, oder wie ein GewĂŒrz, ein flĂŒchtiges, einer bitteren Speise. Bei meinen jahrelangen und gewissenhaft durchgefĂŒhrten und protokollierten Untersuchungen habe ich sie tatsĂ€chlich nur in den Texten geistreicher Zeitgenossen entdeckt, nirgendwo sonst. Nur in den Worten. Deshalb muss ich gestehen, dass ich nun hoffe, in diesen Zeilen, die ich in diesen Augenblicken zu Papier bringe, etwas von dem unsichtbaren Puder der Wahrhaftigkeit zu entdecken, damit sie den Ereignissen, die nun schon eine Zeit zurĂŒck liegen, einen Sinn geben mögen. Eine Hoffnung möglicherweise. Oder ein unliebsames Bekenntnis. Damit ich das alles nun verstehe, was mir und einem anderen geschehen ist.

Bevor ich allerdings auf den Mann zu sprechen komme, der jene verhĂ€ngnisvollen Ereignisse in Gang gesetzt und mich erst neugierig auf die VerhĂ€ltnisse von Wahrheit und Verderben brachte, will ich noch einige Worte zu meiner Person verlieren, denn ich war nicht unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig in die Begebenheiten verstrickt, ĂŒber die ich im Folgenden berichten will. Mein Name war zu der Zeit Nicolas Penthes. Ich möchte erst spĂ€ter darauf zurĂŒckkommen, warum ein Mann einen Namen zu einer bestimmten Zeit trĂ€gt und spĂ€ter einen anderen. Jene, die einmal einen Vorteil in einer NamensĂ€nderung entdeckt haben, werden wir stillschweigend zugeneigt sein, wĂ€hrend andere sich noch einen Augenblick gedulden mĂŒssen, bevor sie die Logik in solch einer Tat entdecken werden. Jedenfalls war ich in den spĂ€ten Neunzigern bereits sehr erfolgreich auf meinem Gebiet, und das will heißen in rein finanzieller Hinsicht, darĂŒber hinaus wahrte ich Kontakte zu bedeutsamen Firmen und einflussreichen Persönlichkeiten der Stadt. Ich bildete mir damals ein, dass diese Erfolge rein spiritueller Natur waren, so wie andere, die mir auf diesen unbekannten Wegen folgten, es ebenfalls glaubten. SpĂ€ter erkannte ich, dass jener Irrglaube aus ganz anderen UmstĂ€nden herrĂŒhrte.
Und das kam eigentlich so. Ich hatte mich nach meinem Studium der Psychologie direkt und ohne Umschweife nach einer Örtlichkeit umgesehen, wo ich trotz fehlender Erfahrung eine Praxis zu eröffnen hoffte. Das Studium selbst hatte sich als ein gefrĂ€ĂŸiges und geldgieriges Untier erwiesen, das sehr bald und vor Abschluss der letzten PrĂŒfungen, rein praktische BedĂŒrfnisse und die Sehnsucht nach finanzieller Sicherheit in mir hervorgerufen hatte. So wie eine Ratte in einem KĂ€fig war ich von der Angst durchdrungen, dass mir der nĂ€chste Tag zwar nicht gerade Hunger, aber doch vielleicht ein unliebsames Schicksal bereiten könnte, eine Anstellung in einem Krankenhaus etwa, einer hereindringenden Flut von Kassenpatienten ausgesetzt, die mich mit ihren belanglosen Wehwechen in den TrĂŒbsinn und letzten Endes auch in die Depression stĂŒrzen wĂŒrden. Allein auf diesem Gebiet hatte ich zur genĂŒge Vorlesungen und andere Kurse an der UniversitĂ€t besucht, um ein allumfassendes Bild von dieser schrecklichen Krankheit zu haben, so dass mich allein der Gedanke daran in die umgekehrte Richtung trieb. Ich musste also, so schnell es irgend ging, erfolgreich sein. Möglichst auf einem Gebiet, das mir die Nase wies. Ich hatte mich auf dieses Organ bereits zu Studienzeiten verlassen können und tat es auch jetzt. Und als ich in einem Ärztehaus in einer ausgezeichneten Gegend ein passendes Objekt zu einem erschwinglichen Preis ausmachte, schlug ich ohne nachzudenken zu. Ich war damals durch ein unerwartetes, familiĂ€res Ereignis, das mich weder berĂŒhrte noch nachdenklich stimmte, zu einigem Besitz gelangt, den ich fĂŒr den Ankauf des Objektes verĂ€ußerte. Ein Jahr spĂ€ter nannte ich eine gut laufende und gewinntrĂ€chtige Praxis fĂŒr Psychotherapie mein eigen und spezialisierte mich, allein der Nachfrage folgend, auf Behandlungsmethoden, die zu jener Zeit erst in Mode kamen. Um mich hier nicht in allen möglichen Einzelheiten ĂŒber medizinische Fachtermini und andere Feinheiten meines Berufsstandes zu verlieren, sei nur soviel gesagt: Ich entwickelte ein GespĂŒr dafĂŒr, was ganz außergewöhnliche Menschen, die wie alle anderen beizeiten von Schwermut und Einsamkeit bedrĂ€ngt und unglĂŒckselig gestimmt werden, vom Voranschreiten und der Entwicklung der Psychotherapie erwarteten, nĂ€mlich ein unglaubliches und in stĂ€ndiger VerĂ€nderung begriffenes Ereignis der Selbsthuldigung. Anstatt also ein bestimmtes Symptom zu erkennen und zu behandeln, verlegte ich mich, im EinverstĂ€ndnis mit meinen zahlungskrĂ€ftigen Kunden, darauf, deren in Unruhe geratenes Selbst durch unglaubliche und neu herangeschaffte Behandlungsmethoden wieder in Gleichgewicht zu bringen, und zwar indem ich den betreffenden vorgaukelte, dass sie möglicherweise die ersten und einzigen Nutznießer irgendeiner Schamanenmedizin wurden, derer ich gerade auf irrwitzigste Weise habhaft geworden war. Das ganze nahm beizeiten fĂŒr Außenstehende geradezu bizarre und ganz unglaubwĂŒrdige ZĂŒge an, und ich lĂŒge nicht, wenn ich behaupte, dass eine Bankiersgattin vor meinen Augen Geschlechtsverkehr mit einem heiligen Hund aus den peruanischen Anden hatte und danach mit ebensolcher Hochachtung vor meinen FĂ€higkeiten als Spezialist zur TĂŒr hinausging, wie eine andere zur TĂŒr eines GefĂ€ĂŸchirurgen.
Es war gewiss die unbeschwerteste Zeit meines Lebens, eine Zeit des Geldes und der schlaflosen NĂ€chte, in denen ich mich immer weiter von der Wirklichkeit, wie sie außerhalb meiner Praxis existierte, entfernte. Ich trieb mich auf Banketten und rauschenden Festen umher, ich machte immer neue und noch gewinntrĂ€chtigere Bekanntschaften, die sich bald in alle Ecken der gehobenen Gesellschaft erstreckten. So dass ich mit der Zeit ganz verkannte, dass ich ĂŒber diese Beziehungen hinaus, zu keinem Menschen einen innigeren Kontakt pflegte. Ich war, ohne es zu merken, in die Gewalt und AbhĂ€ngigkeit von Modegeilen und nach Abwechslung um jeden Preis sĂŒchtigen Egomanen geraten und sollte sehr bald feststellen, wie flĂŒchtig und unbestĂ€ndig sich deren Gunst erweisen sollte. Zu dem speziellen Ereignis, das diesen Zustand in sein Gegenteil verkehren sollte, kann ich nur soviel sagen: es gibt unter UmstĂ€nden einen Menschen, der unter dem BedĂŒrfnis leidet, einer noch großartigeren Person, als die, fĂŒr die er sich selbst hĂ€lt, in einer ganz bestimmten Weise nachzueifern, um ihr durch diesen Akt der Wiederholung nĂ€her zu kommen, als dies vielleicht auf eine andere Weise möglich wĂ€re. Dabei ist die Einmaligkeit der Handlung von Fallspezifischer Bedeutung. So kam eines Tages eine Frau in meine Praxis, die von der Schwermut durchdrungen war, der russischen Zarin Katarina, welche gemeinhin als die Große bekannt ist, emotional entfernt und ihrer seelisch nicht verbunden zu sein. Ihre Melancholie rĂŒhrte dabei ganz besonders von der Fantasie des sexuellen Aktes mit einem Pferd her, die sie in vielen NĂ€chten umgeworfen und um den Schlaf gebracht hatte. Das ganze war so weit gegangen, dass sie ihren Ehemann dazu gedrĂ€ngt hatte, Besitzer eines GestĂŒts zu werden, wo sie sich auf dem Lande, so behauptete sie ihm gegenĂŒber, dem eigenen Ich am nĂ€chsten fĂŒhlte und neue Lebensfreude wĂŒrde finden können. In meiner Gegenwart allerdings ließ sie alle Beschönigungen beiseite und Ă€ußerte ganz offen den Wunsch nach einer sexuellen Vereinigung mit einem Hengst. Andernorts wĂ€re sie vermutlich mit den herkömmlichen Mitteln moderner Psychotherapie behandelt worden. Andererseits wĂ€re die hochherrschaftliche Dame, wenn sie solcher Hilfe bedurft hĂ€tte, wohl auch nicht zu mir gekommen, der ich in dem Ruf stand, außergewöhnliche Lösungen fĂŒr außergewöhnliche Probleme bereit zu halten. Also schlug ich ihr ganz unumwunden die Flucht nach vorn vor. Warum eine Neurose bekĂ€mpfen, wenn man sich ihrer auf eine ganze einfache Weise zu entledigen wusste? Weshalb zehn Schritte zurĂŒck machen, wenn es nur eines einzigen bedurfte, um das lĂ€stige Hindernis zu ĂŒberwinden? Weshalb also, sagte ich, einen Drang aushalten, wenn man ihn genauso gut ausleben kann? War der menschliche Verstand etwa so schwach, dass er sich vor einer Feigheit oder vor einem BedĂŒrfnis, einem so innigen, dass das Herz daran zugrunde ging, fĂŒrchten musste? War er nicht im Gegenteil zu so vielen neuen und unerwarteten Begegnungen und BerĂŒhrungen geschaffen, sein Mut nicht so aberwitzig und seine Liebe nicht so groß, dass er nicht selbst dem scheinbar unmöglichen beide HĂ€nde reichen sollte, um es an seine Brust zu ziehen und von den Köstlichkeiten des Unbekannten zu probieren? War der Mensch nicht zu so viel mehr bestimmt?
Man wird mir hier glauben mĂŒssen, dass jene Dame meinen Argumentationen die aufmerksamste und aufgeschlossenste Zuhörerin war. Ja, in manchem Augenblick war sie in ihrer zurĂŒckhaltenden Stille und den mir funkelnd zugewandten Augen sogar ĂŒberzeugender als ich selbst. Und so gab ich gleich am nĂ€chsten Tag eine GerĂ€tschaft in Auftrag, die einen krĂ€ftigen Hengst in einer aufrechten Position hielt, so dass jemand, dem der Sinn danach stand, in ein offenes GehĂ€use klettern konnte, wo er sich nach vorn gebeugt oder anders herum direkt in Höhe der tierischen Geschlechtsorgane bewegte, um dort, rein zu therapeutischen Zwecken, eine ansonsten undenkbare Handlung zu vollziehen.
Und so kam der Tag. Es war einer von solchen, die einem aufmerksamen Mann mitunter Vorzeichen des UnglĂŒcks und andere Mahnungen des Schicksals vor die FĂŒĂŸe werfen, aber ich war zu jener Zeit blind fĂŒr solche Boten. Und deshalb wurde ich zum Augenzeugen des widerwĂ€rtigen Ereignisses, das mich und meine Praxis erst ins UnglĂŒck und dann in die FĂ€nge jenes grauenvollen Wissenschaftlers stĂŒrzen sollte, der meine ohnehin labile Seele in noch tiefere Tiefen schleuderte. Denn wie ausgeklĂŒgelt die GerĂ€tschaft auch immer gewesen sein mochte, die ich zum Zweck jener außergewöhnlichen Therapie entworfen hatte, sie wurde, bereits kurz nach ihrer Inbetriebnahme, zu einem Spielball der Gewalt und der Unfreiheit, als das mĂ€chtige, schwarze Tier, durch Pheromone angestachelt und bis aufs Äußerste gereizt, das ganze GefĂ€hrt in StĂŒcke schlug und der Frau, die an der HĂŒfte angeschnallt, vor dem Tier in dem offenen KĂ€fig hockte, mit dem spitz aufgerichteten Phallus bis tief in die Eingeweide drang und dort, unter deren grauenvollen Geschrei, ein kaum wiederzugebendes Gemetzel anrichtete. Nichts und niemand kann einen solchen Augenblick in Bilder fassen. Das Gehirn verweigert sich, allein der Not gehorchend, der befremdlichen RealitĂ€t. Und auch ich versage angesichts der Erinnerungen, die mich in diesem Augenblick bestĂŒrmen und mich in einen Pfuhl aus herausgepressten Eingeweiden und blutbespritzem Interieur hineinwerfen, aus dem es kein Entkommen gibt. Solche Erinnerungen werden manchmal nur von der Barmherzigkeit der Zeit von den Schultern eines UnglĂŒcklichen genommen. Oder aber vom Wahnsinn selbst, dem ich lĂ€ngst zu einem innigen Vertrauten geworden bin.
Jedenfalls waren in dem ganzen Haus nicht genĂŒgend Mullbinden und medizinisches GerĂ€t vorhanden, um die Sache auch nur ansatzweise vor den Augen der Neugierigen zu verbergen. Im Gegenteil stĂŒrzten sich die herangeeilten Zeugen und Helfer wie Geier auf die Schlieren aus Blut und KörpersĂ€ften, die einmal der Frau und andererseits dem wilden Tier im Moment der grausigen Vereinigung entfleuchten und sich als unheiliges Gemisch auf das Mobiliar sowie auf mich, der ich in unmittelbarer NĂ€he mit ausgestreckten HĂ€nden erstarrt da stand, wie ein Schleier nieder senkte und uns in aller Beisein in die schauerlichsten weiß-roten Kleider warf, die ein Mensch je gesehen hat. Am nĂ€chsten Tag war es schon in der Zeitung. Am ĂŒbernĂ€chsten wusste die Welt davon: In einer angesehen Praxis eines Psychotherapeuten, bei dem die bekanntesten Persönlichkeit der Stadt und des Landes ein und aus gingen, war es zu einem Eklat gekommen, der die Menschheit zuerst an sich selbst und dann an ihren urheiligsten Gesetzen zweifeln ließ. Man darf mir glauben, ich war zerstört. Mein GeschĂ€ft an den Rand des Ruins gebracht, und das nur, weil eine Handvoll Fotos, die ein Mann mit einem Rest von Verstand, der in das Zimmer gestĂŒrzt und seine Kamera, die er wohl rein zufĂ€llig vor der Brust trug, wie zum Schutz vor das Gesicht gehalten hatte, und abgedrĂŒckt, jede Einzelheit der grausigen UmstĂ€nde fĂŒr die Nachwelt festgehalten hatte. Und damit das ganze UnglĂŒck.
Nur eine Woche spĂ€ter war ich froh, noch meinen Beruf und meine Praxis mein Eigen zu nennen. Alles anderen war ich beraubt worden und mein Name war nur noch aus jenen MĂŒndern zu hören, die ihn mit Abscheu und mit Ekel ĂŒber die Lippen brachten, um im nĂ€chsten Augenblick zu verstummen. Es wurde still um mich. Ganz still, so dass ich nicht einmal mehr meinen eigenen Atem zu hören glaubte. Ich war ein Geist geworden, ein Mensch, den die Lebendigen weder sehen wollten noch konnten. Eine persona non grata, wie die Lateiner sagen.
Nun werden diejenigen, die wissen wollten, warum ich meinen Namen Ă€nderte, wohl verstehen, warum ich nicht nur mein Innerstes sondern auch mein Äußeres Ă€ndern musste, um auch nur ansatzweise zurĂŒck in die Gesellschaft oder zumindest an dessen peripheren Rand zu gelangen. Ich war fast ĂŒber Nacht fĂŒr die Menschheit zu einem Scheusal geworden, das sich nun in ganz andere, unauffĂ€llige und bescheidenere Kleidung hĂŒllen musste. Mein Name war fortan ein anderer. Und ich werde ihn hier aus den ersichtlichen GrĂŒnden unter keinen UmstĂ€nden nennen, damit das Schicksal seine dĂŒstere Hand von mir lĂ€sst und mich nicht wieder an den Scheitelpunkt des UnglĂŒcks zurĂŒck schleudert auf dessen Brandung ich an den Strand des Verderbens gespĂŒlt wurde. Ein Verderben, das kein halbes Jahr spĂ€ter, nachdem ich die funkelnde Reklame ĂŒber der EingangstĂŒr der Praxis gegen ein schlichtes Holzschild mit einem anderen Namen und einer unaufdringlichen, ja fast scheuen Benennung meiner Profession versehen hatte, in das nahezu leere Wartezimmer neben der unbesetzten Aufnahme trat.


__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂŒnbein

Version vom 11. 10. 2011 22:04
Version vom 12. 10. 2011 10:52
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Krom
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Hallo Marcus,

Herr Stachur hat mir sehr gut gefallen, wobei ich lÀngere Zeit eher an eine Satire auf den Arztbetrieb als an Horror gedacht habe. Die Schilderungen aus der Sicht des Scharlatans sind nÀmlich einfach komisch.

Nur gegen Ende, als die Vereinigung mit dem Pferd misslingt, bekommt die Geschichte, dank drastischer Schilderung, wieder die Kurve in Richtung Horror.

Gelungen ist auch, dass der ganze Text ohne wörtliche Rede auskommt und trotzdem nie langweilig wird. Wie schon geschrieben, habe ich mich gut amĂŒsiert.

Eine Frage hĂ€tte ich aber doch noch: In der Überschrift ist von einer "Einleitung" die Rede und auch der ErzĂ€hler gibt am Schluss einen Hinweis, dass die Geschichte noch nicht ganz erzĂ€hlt worden ist. Darf der geneigte Leser auf mehr hoffen?


Viele GrĂŒĂŸe,

Krom (Daniel)

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Marcus Richter
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Tja, das will ich hoffen, Daniel,

ich ging mit der Idee schon lĂ€nger schwanger, seit ich ein Buch von Stefan Grabinski in die HĂ€nde bekommen habe. Darin gibt es eine Geschichte mit Namen Professor Czelawa - das Problem seines Lebens, die mich echt angefasst hat und ich wußte, ich hab dazu was zu sagen. Ich hoffe also, den Mann und seine Geschichte aus dem Vergessen zu heben(jedenfalls fĂŒr mich, ganz privat). Er hat mich unterhalten und zum nachdenken angeregt, also will ich auch ihn anregen, auch wenn er schon fast ein ganzes Jahrhundert tot ist. So mittels geschriebener Scharlatanerie, Geisterbeschwörung.

Ich weiß nicht, die Idee steht jedenfalls, aber ich hatte und habe die BefĂŒrchtung, dass ich seinem Stil nicht gerecht werden könnte(auch weil die Einleitung "manchmal" recht schrĂ€g geraten ist. Ich werd jetzt eine Zeit brauchen, um den Rest zu schreiben. Wer also mit Grabinskis Werk bekannt ist, darf mich ruhig angreifen. Die Figur des Stachur ist ĂŒbrigens Teil der oben genannten Geschichte. Es wird auch ein Zitat geben, nur weiß ich noch nicht welches.

Ich lass erst mal alles auf mich zukommen. Wer weiß, woÂŽs hingeht. Jedenfalls fĂŒhlt sich die Einleitung ziemlich geschlossen an, deshalb dachte ich, es kann nicht schaden, hier auf Meinungen zu stoßen.(Im wahrsten Sinne des Wortes!!")

Ich findŽs jedenfalls schon mal schön, dass dir die Geschichte gefallen hat. Ist gut, wenn jemand, dessen Schreibe man mag, einem einen Schulterklopfer gibt.

Manchmal brauch man so was.

Also GrĂŒĂŸe und Danke,
der Marcus
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lapismont
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Moin Markus,

ich stell mal hier einige Anmerkungen zusammen.

Das Studium hatte sich erwiesen und hatte hervorgerufen - grammatikalisch und vor allem stilistisch unsauber.

quote:
Das Studium selbst hatte sich als ein gefrĂ€ĂŸiges und geldgieriges Untier erwiesen, das sehr bald und vor Abschluss der letzten PrĂŒfungen, rein praktische BedĂŒrfnisse und die Sehnsucht nach finanzieller Sicherheit in mir hervorgerufen hatten.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Folgendes liest sich wie eine StilblĂŒte, da Du von der Nase ausgehst. Er fand ein Objekt (Nase) und schlug zu.

quote:
Ich hatte mich auf dieses Organ bereits zu Studienzeiten verlassen können und tat es auch jetzt. Und als ich in einem Ärztehaus in einer ausgezeichneten Gegend ein passendes Objekt zu einem erschwinglichen Preis ausmachte, schlug ich ohne nachzudenken zu.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Adjektiv passt nicht:
quote:
herangeschaffte Behandlungsmethoden

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Das zweite war könnte durch ein "ist" abgelöst werden, da hier eine allgemeine Erkenntnis gemeint ist.
quote:
Ich war, ohne es zu merken, in die Gewalt und AbhĂ€ngigkeit von Modegeilen und nach Abwechslung um jeden Preis sĂŒchtigen Egomanen geraten und sollte sehr bald feststellen, wie flĂŒchtig und unbestĂ€ndig deren Gunst war.

Allerdings geht der ErzĂ€hler nachher gar nicht auf spezielle GunstentzĂŒge ein. Dass man sich nach der lebensgefĂ€hrlichen Therapie von ihm abwendet, hat ja nun nichts mit der Dekadenz seiner Patienten zu tun.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

unschöne Wiederholungen:
quote:
von den Köstlichkeiten des Unbekannten zu kosten?

quote:
Und so kam der Tag. Es war einer jener Tage,

quote:
mein Äußeres Ă€ndern musste, um auch nur ansatzweise zurĂŒck in die Gesellschaft oder zumindest an deren Ă€ußersten Rand zu gelangen.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

In den letzten beiden Abschnitten gibt es eine Menge „wars“, die vielleicht durch stĂ€rkere Verben aufgelösten werden können.

Zum Gesamteindruck.
Man spĂŒrt den Wunsch nach passender Sprache, allerdings fehlt mir zu Beginn und auch zum Ende eine Richtung des „Geplappers“. Es dient zwar erfolgreich der Charakterisierung des ErzĂ€hlers, langweilt aber schnell, wenn man nicht erfĂ€hrt, was uns eigentlich gesagt werden soll.
Die innere Handlung ist bizarr, aber eher durch ihre UmstĂ€ndlichkeit, die ja ein Ausdruck der Scharlartanerie ist. WĂ€hrend der Hunde-Sex offenbar rein geistig vollzogen wurde, muss hier nun ein echter Hengst ran, zudem noch in einer Konstruktion. Mir fehlen die GrĂŒnde dafĂŒr.


Aber davon ganz abgesehen, will ich mehr lesen!
cu
lap

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Kunst passiert.

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Marcus Richter
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So, Überarbeitung nach lap erfolgt. Allerdings muß das "Objekt" mit gefĂ€hrlicher NĂ€he zum Riechorgan stehen bleiben, denn ich unterstelle, dass hier der RĂŒckbezug zum Satz: "Ich hatte mich nach meinem Studium der Psychologie direkt und ohne Umschweife nach einer Örtlichkeit umgesehen, wo ich trotz fehlender Erfahrung eine Praxis zu eröffnen hoffte." ersichtlich ist und Nase und Objekt nicht verwechselt werden können, und wenn doch zu einer ungewollten Erheiterung fĂŒhren, die ich nicht missen möchte. Des weiteren mĂŒssen die "herangeschafften Behandlungsmethoden" bleiben, denn es wird am Ende des Satzes durch "habhaft geworden war" wieder aufgegriffen. Beide Adjektive beschreiben den Umstand des zusammenklaubens und zusammenramschens von Behandlungsmethoden - so ist es auch gemeint.

Und auch hier muß ich widersprechen:
"Allerdings geht der ErzĂ€hler nachher gar nicht auf spezielle GunstentzĂŒge ein. Dass man sich nach der lebensgefĂ€hrlichen Therapie von ihm abwendet, hat ja nun nichts mit der Dekadenz seiner Patienten zu tun."

Ich behaupte aber DOCH. Das ist ja der Inhalt des Textes. Seine Patienten erleben in seiner Praxis den Nervenkitzel verbotener und unbekannter Behandlungsmethoden. Dadurch steigt unser Therapeut immer höher auf der Erfolgsleiter auf. Als es aber einen Unfall gibt (und man mag mir glauben, dass die Sache mit dem peruanischen Hund nicht nur eingebildet war), wird er quasi aus der gehobenen Gesellschaft ausgeschlossen - die Gunst, die ihm bis dato gewÀhrt wurde, auf Grund seiner Verschwiegenheit etc., wird ihm mitsamt seiner Privilegien entzogen.

OK, wenn ich Zeit habe weiter, ansonsten lass ich immer gelten, dass das so nicht verstanden wurde.

GrĂŒsse, Marcus

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