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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Neugierde III
Eingestellt am 22. 10. 2001 12:14


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Weg des Weisen
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Als ich ihn fragte, woher er denn so genau wisse, daß der Typ seine Frau noch nie betrogen hat und umgekehrt, da sagte er nur, daß er die Menschen kennt, und daß es vielleicht 10-15 verschiedene Charaktere gibt, und das wiederholt sich immer wieder. Er lernte die Frau auch mal kennen, und daher wisse er das.
Sven war ohne Zweifel der interessanteste Mensch, den ich jeh kennengelernt hatte. Der intelligenteste war er sowieso. Er sah auch verdammt gut aus. Insgeheim habe ich ihn immer bewundert. Er pfiff auf alles und jeden. Er zog beharrlich sein Ding durch, ohne an Konsequenzen zu denken. Ich erfuhr so ziemlich alles von ihm. Manches erfĂŒllte mich mit Ekel, manchmal war ich voller Bewunderung. Als das damals auf dem Bahnhof geschah, war er 15 Jahre alt. Das muß man sich mal vorstellen. Er war auf seine Weise reifer als alle anderen. Er sagte ĂŒber sich stets: „Ich bin alt geboren worden, und ster-be jung!“
Ich begriff schon damals nicht, was in ihn vorging, und ich habe es auch nie verstanden. Wer kann auch schon 100% sagen, was der andere denkt oder durchmacht. Sven war immer anders, es ist schwer das zu begreifen. Ich war nur ab und zu bei ein paar Fahrten dabei. Die nĂ€chsten zwei Jahre reiste er quer durch Europa. Er hatte ja genĂŒgend Sprachkenntnisse. Einmal schickte er mir eine Karte, und das es ihm sehr gut ginge. Er begann sich nun mehr fĂŒr Frauen zu interessieren. Er schrieb weiterhin, daß er zur Zeit mit einer 46-jĂ€hrigen Frau zusammenlebt, und sogar ein bißchen in sie verliebt ist. Alles weitere erzĂ€hlte er mir, als er mal wieder in der Stadt war. Wir hatten uns jetzt ein halbes Jahr nicht gesehen, und ich war neugierig darauf, was er mir zu berichten hatte. Ich gab das vor ihm aber nie zu, sondern machte auf uninteressiert und tat so, als höre ich nur beilĂ€ufig zu. Ich wollte nicht, daß er merkt wie sehr ich ihn beneide. Ich glaube aber, daß er sich das denken konnte, auch wenn er nie et-was erzĂ€hlte. Wir trafen uns in einem Park, und er legte gleich los.
„Oh Mann, war das geil“, war das erste was er sagte. Ich tat gleichgĂŒltig, und fragte ihn was denn so geil war.
Er antwortete: „Einfach alles, die ganze Umgebung, das ganze Flair. Die letzten drei Monate war ich nur in Paris. Davor bin ich durch halb Europa gereist, Spanien, Ungarn, Portugal und so weiter. In Ungarn hatte ich das erste Mal Sex mit einer Frau. Du weißt ja, vorher hatte ich nur was fĂŒr MĂ€nner ĂŒbrig, aber mit Frauen ist es einfach viel besser. Das erste Mal war echt super. Sie war 33 und hatte eine Menge Erfahrung, aber davon konnte ich nur profitieren. Das zweite Mal war dann mit ihrer 14-jĂ€hrigen Tochter. Die war richtig schön eng. Ihre Mutter war schon richtig ausgeleiert. Das Leben ging halt nicht spurlos an ihr vorĂŒber. Das bekam dann aber ihr Vater mit, und ich mußte abhauen. Man war der sauer. Das mit der Frau war ihm relativ egal, er hatte auch AffĂ€ren, sie fĂŒhrten eine offene Ehe. Aber das ich seine Tochter genommen hatte, das war zuviel fĂŒr ihn. Ich sage dir, da mußte ich ganz schön Fersengeld geben. Wir lagen gerade im Heu, als er hereinstĂŒrzte. Er war ein ganz schöner Fettsack und so konnte ich entkommen. Ich mußte nur ein paar Sachen zurĂŒcklassen, aber egal. Ich hatte dann stĂ€ndig neue Freundinnen in jeder Stadt wo ich war. Einmal sogar Zwillinge. Wenn ich Geld brauchte, dann machte ich irgendeinen Job. Egal was, und wenn es ums Klo sauber machen ging. Wer Arbeit sucht, wird sie auch finden. Dann kam ich nach Paris, die ja bekanntermaßen die Stadt der Liebe ist. Was hatte ich da fĂŒr guten Sex. Ich lernte dann in einer Bar Yvette kennen. Sie war zwar schon ein bißchen Ă€lter, 46, sah aber noch gut aus. Wir kamen ins GesprĂ€ch, und ich gefiel ihr wohl. Sie sagte mir auch, daß es nicht nur mein Aussehen sei, sondern ich habe eine Eigenschaft, die nicht mehr viele haben: Die Bereitschaft zuzuhören. Wir haben viel gelacht, wenn wir zusammen waren. Wir gingen jeden Abend aus, mal schick essen, dann mal wieder ins Theater. Sie kleidete mich kom-plett ein, mit allem was dazu gehört. Das war eine schöne Zeit. Sie hatte von ihren Eltern ein paar Millionen geerbt, und sie hat noch nie in ihrem Leben gearbeitet. Das sah man auch an ihren HĂ€nden. Sie hatte aber auch ein Alkohol und Tabletten Problem. Sie sagte mir, daß sie bald damit aufhöre. Ich wußte, daß sie es nicht schaffen wĂŒrde. Davon gibt es eine Menge, die sagen: Nur noch heute, dann ist Schluß.
Eines Tages brach sie mitten auf der Straße zusammen. Sie starb dann kurze Zeit spĂ€ter im Kranken-haus. Sie hatte akutes Leberversagen, auch andere Organe machten ihren stĂ€ndigen Konsum nicht mehr mit. Als sie starb, hinterließ sie nichts. Sie hatte alles verjubelt. Sie war auch nie verheiratet, und hatte keine Kinder. Sie hat ihr Leben lang sehr intensiv gelebt, und mußte dann halt den Preis zahlen. Sie war eine tolle Frau, es gibt doch dieses Lied von Edith Piaf, auf Deutsch heißt es soviel wie Nein, ich bereue nicht, und ich werde stets an sie denken, wenn ich mein Leben lebe. Jedenfalls bin ich jetzt wieder hier, und bleibe auch erst mal hier“. Er sagte mir dann spĂ€ter noch mal, daß er bisher mit 37 Frauen geschlafen habe. Eine stolze Zahl fĂŒr einen 17-jĂ€hrigen. Er sah aber auch besser aus als je zu-vor. Er war jetzt braungebrannt, hatte lange Haare, die er meist offen trug. Man konnte ihn ohne weite-res auf 25 schĂ€tzen.

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