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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Neugierde V
Eingestellt am 29. 10. 2001 08:22


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Weg des Weisen
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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F√ľr Frauen oder M√§nner hatte er schon l√§ngst nichts mehr √ľblich. F√ľr ihn gab es nur noch zwei Sachen: Saufen und K√§mpfen.
Ich sollte noch erw√§hnen, da√ü er mich nie anmachte, egal wie besoffen er war. Zum Schlu√ü gab es bei ihm nur noch Saufen, und das jeden Tag. Zum Training ging er nur noch selten. Wir waren also an diesem bestimmten Abend in der Disco. Er war schon ganz sch√∂n betrunken. Er hatte sich so sehr ver√§ndert, da√ü ich manchmal Angst vor ihm hatte, obwohl er wie gesagt zu mir immer nett war, aber er hatte dieses irre Glitzern in den Augen, was einem schon manchmal zu denken gab. Irgendwas zog mich jedoch immer wieder zu ihm hin. Er schlug an diesem Abend einen Jungen so stark zusammen, und das v√∂llig ohne Grund. Ich kannte den Jungen, er war ein ganz Lieber. Er ging jeden Streit aus dem Weg. Er pa√üte Sven wohl nicht. Er machte ihn so fertig, der Junge hatte nicht den Hauch einer Chance gegen ihn. Der Typ, er hie√ü Maik, behielt Folgesch√§den. Er w√ľrde sein Leben lang humpeln. Die Sache ging vor Gericht. Ich fragte Sven einen Tag davor, warum er sich so oft pr√ľgelte. Er ant-wortete: Das gibt mir einen Kick, wie ich ihn vorher nicht kannte. Dieses Gef√ľhl der Macht, der Unbe-siegbarkeit, das ist so geil, das kannst du dir nicht vorstellen.‚Äú Der Junge machte eine Anzeige, aber Sven kam glimpflich davon: 6 Monate auf Bew√§hrung, und 5000 DM Geldstrafe. Das Urteil war auch nur deshalb so niedrig, weil Sven vor dem Richter sehr gut geredet hatte. Das konnte er ja sehr gut. Er versprach sich eine Ausbildung zu suchen, mit dem Trinken wolle er auch aufh√∂ren, und er werde keinen Kampfsport mehr machen. Er konnte ja so √ľberzeugend sein. Er machte nat√ľrlich weder das Eine noch das Andere. Auf Ausbildung hatte er eh keinen Bock. Er sagte immer, das ist die gr√∂√üte Ausbeutung in der westlichen Kultur, weil man ein Drittel von dem verdient was ein normaler Arbei-ter bekommt, und das, obwohl er nach einem halben Jahr die selbe Arbeit verrichtet. Mit dem Trinken und Kampfsport machte er auch weiter. Das waren ja auch seine einzigen Hobbys. Eines Abends wa-ren wir in einer anderen Disco. Er hatte wegen Schl√§gereien schon in mehreren L√§den Hausverbot, da passierte es wieder. Er bestellte sich ein Getr√§nk, und als er auf dem R√ľckweg war, da rempelte ihn aus Versehen ein T√ľrke an.
Fast alle kannte Sven und hatten h√∂llischen Respekt vor ihm. Dieser Typ, sein Name war √úmit, kannte ihn auch. Sven stellte ihn zur Rede, und da√ü er ihm ein neues Getr√§nk kaufen solle. Das andere wurde n√§mlich versch√ľttet, viel auf das teure Jacket von √úmit. Sven sagte weiterhin, da√ü er ihm die Rech-nung f√ľr die Reinigung zuschicken w√ľrde. Das war wohl zuviel f√ľr √úmit. Er war mit seiner Freundin da, ein h√ľbsches M√§dchen, und er wollte sich nicht vor ihr blamieren. Er sagte dann zu Sven: ‚ÄěLeck mich am Arsch du Penner! Ich kenne dich, aber ich habe keine Angst vor dir. Wenn du willst, k√∂nnen wir ja vor die T√ľr gehen, und ich zeige dir, wo es lang geht, du Arsch!‚Äú Sven blieb zuerst ruhig, er wollte keine Schl√§gereien mehr. Er antwortete ganz ruhig: ‚ÄěH√∂r zu, wir vergessen das Ganze. Schei√ü drauf. Komm, ich gebe dir ein Bier aus.‚Äú √úmit war nicht mehr zu bremsen: ‚ÄěJetzt hast du wohl Schi√ü, jetzt steht das erste Mal ein Mann vor dir, und dir brennt die Muffe. Entweder wir gehen raus, und ich schlage dir hier drin aufs Maul, oder soll ich mir lieber deinen Freund vorkn√∂pfen. Das ist bestimmt auch so ein feiger Penner.‚Äú Sven wu√üte wohl, da√ü ich gegen diesen Typen nicht den Hauch einer Chance haben w√ľrde. Es stellte sich sp√§ter heraus, da√ü √úmit auch Kampfsport machte, aber lange nicht so gut wie Sven war. Sie gingen dann raus.
Sie hatten beide schon getrunken. Es war trotzdem ein ungleicher Kampf. √úmit ging zuerst raus. Sven hatte mir mal erkl√§rt, da√ü falls ich jemals in einen Kampf verwickelt werden sollte, was er sich eigent-lich nicht vorstellen konnte, man wei√ü jedoch nie, dann soll ich immer als zweiter raus gehen und dann sofort zuschlagen, wenn sich der andere umdreht. So bekam der andere erst gar keine Chance. So kam es dann auch mit √úmit. Er ging wie gesagt vorne weg, und als er sich umdrehte, schlug ihm Sven mit voller Wucht in die Fresse. Als √úmit am Boden lag, trat er ihm ein paar Mal schwer gegen den Kopf mit seinen spitzen Schuhen. Er trat aber auch gegen andere K√∂rperteile, den Bauch, den R√ľcken, die Eier. Sven war jetzt wieder der Alte. Er schlug und trat immer weiter auf den schon besinnungslo-sen √úmit ein, und sagte die ganze Zeit √ľber: ‚ÄěWer hat hier Schi√ü, wer ist hier ein feiger Penner!‚Äú Als mehrere Leute dann dazwischen gingen, war es schon zu sp√§t. √úmit starb an seinen inneren Verlet-zungen. Er hatte unter anderen einen Sch√§delbruch, und einen Ri√ü in der Lunge. Die Sache ging wie-der vor Gericht. Dort kam auch heraus, da√ü √úmit sich normalerweise nicht pr√ľgelt. Er hatte an jenem Abend nur zuviel getrunken. Es war n√§mlich sein Geburtstag, er wurde 18, und das wollte er richtig feiern. Er trank dann zum ersten und zugleich letzten Mal in seinem Leben Alkohol. Er vertrug ihn nicht richtig, denn er war eigentlich ein sehr ruhiger Mensch, und hatte keine Feinde. Nun kam Sven aber nicht so gut davon. Der Richter sprach das Urteil mit harter Stimme: ‚Äě Herr M√ľller, sie sind ein Wiederholungst√§ter.

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