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Leselupe.de > Kurzprosa
Neulich in der Walpurgisnacht
Eingestellt am 15. 05. 2001 00:19


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Rainer Hei├č
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Neulich in der Walpurgisnacht

Ultra-Hardcore: Das enge Unterholz vibriert im Einklang mit meinem rasenden Puls, der sich immer weiter beschleunigt. Der Hang, ├╝ber den ich den Berg hinauf st├╝rze, ist steil und glitschig. Immer wieder rutsche ich mit den F├╝├čen weg, meine Sohlen sind voll mit Schlamm, kein Tritt mehr, doch auf muss es gehen, hinauf, immer weiter, immer schneller! Mein K├Ârper ist hei├č, das Blut zischt mir durch alle Glieder, die geschwollenen Adern an den Schl├Ąfen pochen lila. Die H├Ąnde zittern vor Erregung, Wildheit, was bin ich? Hinauf durch das dunkle Dickicht, ├äste mit schroffer Rinde schaben meine Arme auf, mit zerschundenen H├Ąnden kralle ich mich in den Untergrund, um zu jagen, um zu entkommen, nur hinauf, entfesselte Natur! Spinnenweben im Gesicht, immer den Kopf zur Seite drehen, spucken, schnell weiter! Mein Herz rast, mein aufgeputschter Leib hetzt verkrampft den ewigen, dunklen, steilen Hang hinauf. Schatten wischen vorbei, sind weg, hinter mir, bevor ich sie wahrnehmen kann. Gestalten? Beute oder J├Ąger? Niemand wei├č das sicher, hinauf! Meine Lunge sticht, mein Magen ist klein und hart, die Beine taub und aufgesch├╝rft, die Hose zerrissen. Ist das richtig was ich mache? Warum mache - ruhig! ein Ger├Ąusch! Nicht bewegen jetzt, nicht atmen! Weit aufgerissene Augen, im Hals pulsiert das Blut, die schwarzen Formen um mich huschen, dann wieder alles still - ein Knacken! Weiter, hinauf, schneller, etwas ist da! Meine F├╝├če gleiten ab, ich ├╝berschlage mich r├╝cklings haltlos ins Dunkel, in die unfassbare Gefahr hinter mir, schlage im Sturz mehrmals hart auf, doch ich sp├╝re nichts! Eine Wurzel, ein Ast, ich habe ihn fest in meiner blutenden Hand! Schnell, hinauf, schnell, nur hinauf! Die Stiefel sind schwer von dem vielen Schlamm, der daran klebt, doch nichts kann mich jetzt noch halten, ich hetze den Hang hinauf, gelegentliche Felsen geben mir festen Tritt, geben mir Schwung, ich komme gut voran, der Abstand zur Gefahr, die hinter mir dem nebligen Gipfel entgegen jagt, wird gr├Â├čer, nicht viel, nur nicht in Sicherheit w├Ąhnen!, aber er wird leicht gr├Â├čer. Ohne Gef├╝hl f├╝r die Zeit versuche ich mich aufw├Ąrts zu zerren, zu schleifen, zu retten. Kralle mich in den wurzligen Boden, ewig. Ich drehe mich um, der Verfolger ist weg. Ich ducke mich an den Hang, starre in das schwarze Ge├Ąst unter mir, das sich in der Schw├Ąrze verliert. Kein Laut, Wald und Nebel lassen den blassen Mond kaum ahnen, doch es ist still. Bestimmt und sicher steige ich weiter, ruhiger jetzt, betrachte meine H├Ąnde, kann sie nicht sehen in der Dunkelheit, die Wunden nur ahnen, die nach der Jagd stechend schmerzen, diesen vor Erregung verkrampften Magen, ein einziger ausgepumpter, zitternder Leib. Ersch├Âpft, doch nicht genug, der Berg, ich muss den Berg hinauf! Alle Sinne aufs Zerrei├čen gespannt, ich sp├╝re das schreiende, pochende Leben in mir, sp├╝re den Atem der Welt, ich wei├č von Euch! Keine Pause, es muss weiter gehen, auf H├Ąnden und F├╝├čen den Hang hinauf, schnell und sicher, wie scheinbar schon immer. Konzentration auf den n├Ąchsten Halt im schwarzen Hang. Linke Hand - die Wurzel da. Rechter Fu├č - sicher. Rechte Hand - den Stamm. Um mich herum, was ist um mich herum? Was hinter, unter mir, was ├╝ber mir? Linker Fu├č - fester Tritt, hinauf! Zweigwerk durchs Gesicht, sticht in die feuchten Lippen, weiter! Das Unterholz wird lichter, der leise Mondschein bricht durch die Wipfel, der Waldrand scheint nah. Das Ziel vor Augen f├Ąllt alle Qual der atemlosen Jagd von mir ab, der Anstieg wird flacher. Endlich die Wiese, von den Ziegen stufig getreten, doch nur noch sanft bergauf, der rundliche Gipfel direkt vor mir, wenige Schritte noch, ein langes Ausatmen, ich sacke zusammen, lasse alle Muskeln los, blicke zitternd in den Nebelhimmel unter mir, ahne Euch dort, die Sterne geradeaus und ├╝ber mir, endlich Stille, Stille, ersch├Âpfte Erregung und zuletzt auch Schlaf. Schlaf nach mehreren Tagen, die mich der Fliegenpilz durchs Gebirge gehetzt hat, Hexenpr├╝fung hei├čt das bei uns.

__________________
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Renee Hawk
???
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Washington Irving hatte mal sowas ├Ąhnliches geschrieben, da ging es aber anders aus, der Mann kam wieder vom Berg herunter und hatte sich um dreizig Jahre gealtert, nur weil er ein Fl├Ąschen vom Zwerg getrunken hat, anstelle auf es aufzupassen.

Sch├Ân erz├Ąhlt die Jagt nach dem Gipfel.

Gru├č
Rene├Ę

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Rainer Hei├č
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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Hi Renee,

freut mich, dass dir die Jagd gefallen hat! Deine Geschichte von Washington Irving hat mich wiederum an eine Geschichte erinnert, die ich vor einigen Leben mal als Marionettentheater gesehen habe: Dort wird ein Mann f├╝r einen kurzen Moment mit dem Kopf in eine Schale Wasser (oder einen Eimer) getaucht und erlebt in diesem Sekundenbruchteil beinahe ein ganzes Leben.
Schade, dass mir solche Inspirationen nur selten helfen, selbst zu schreiben. Bei mir lassen sich Geschichten nur schwer planen; so habe ich auch die Jagd zum Gipfel gestern Nacht in einem Zug spontan hingefetzt; anders scheint`s nicht zu klappen...
Gr├╝├če, Rainer
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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

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aber Rainer, gerade das ist doch das sch├Âne am schreiben, du f├Ąngst an und wei├čt nicht wie es aufh├Ârt. Gerade heut, begann ich eine Geschicht, mit der festen ├ťberzeugung es soll eine Gruselgeschichte werden und was ist daraus geworden? eine Erotikgeschichte, jetzt werde ich die Geschichte vervollst├Ąndigen und versuche so eine gruselige Erotikgeschichte draus zu machen *verlegengrins*

Liebe Gr├╝├če
Rene├ę

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