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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Neulich, neben der Spur
Eingestellt am 13. 05. 2007 02:50


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ENachtigall
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Literarisches Tagebuch, dubios fragmentarisch

Schnittpunkt

Da steht einer
vor dem Spiegel
der Straße
und versucht
mit riesiger Schere
in der Hand
seinen verwilderten Bart
zu ĂŒberqueren








Version vom 13. 05. 2007 02:50

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Schweigendes Bandoneon

Die Stille
der Sehnsucht
ist uns immer
nur den FlĂŒgelschlag
einer Libelle
weit voraus






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ENachtigall
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Raumzeitwirbel


En passant sehe ich negative Nachbilder positiv. Wahrscheinlich sitze ich deshalb gern gegen die Fahrtrichtung. Die laszive Schönheit der Landschaft weht umso entspannter am Sehnerv vorbei. Bequemer lĂ€sst es sich nicht versinken - in der Vorstellung, das Durchquerte lĂ€ge, so gesehen, noch vor einem; ohnehin stĂŒrzt das optisch Fliehende beim nĂ€chst besten Anblick einer weißen FlĂ€che auf die vermeintlichen BetrachterqualitĂ€ten zurĂŒck.

Neben mir: eine Dame, die ihre Hutschachtel auf den Knien umfasst, als hielte sie ihr SchoßhĂŒndchen. Der Zug stoppt. Energisch nimmt sie ihre eigentĂŒmliche Bedeckung vom Kopf. Sie bittet mich, diese kurz zu halten. Wie ungeniert sie ihr schĂŒtteres Haar entblĂ¶ĂŸt. Verlegen schaue ich ein paar Mal zwischen Boden und dem fusseligen Pillbox-Hut hin und her. Inzwischen angelt sie eine PerĂŒcke aus der Schachtel; streift sich lĂ€ssig die wĂŒstenfarbene MĂ€hne ĂŒber. „Aschenputtel goes Hollywood, “ titelt mein Großhirn kleinbĂŒrgerlich. Es ist ungezogen und rĂ€cht sich fĂŒr mein SchamgefĂŒhl. Den kleinen Schwarzen nimmt sie mir dankend ab; hebt ihn vorsichtig ins BehĂ€ltnis, das sie behutsam verschließt. „Keine Ursache.“

Unabgesprochen synchron erheben wir uns, die Sitzrichtung zu wechseln. Ich möchte wieder versinken. FĂŒhre der Zug nur endlich weiter. Er tut es. Ich nicht. Ich lache.

Weichenstellerin sei sie gewesen. „Gar nicht so leicht, den Passagieren die richtigen ZĂŒge ins Gesicht zu leiten.“ Ein Gegenzug donnert mit Minimalabstand am Fenster vorbei. Einmal habe ihr Chagall mit einem Pinselstrich die perfekte Linie unters Auge gezeichnet; als Mittel gegen das russische Heimweh. Ich nicke mitfĂŒhlend. “Wirkt es?“ Akzentuiert schnĂ€uzt sie sich in ein Taschentuch. Großkariert. Der Zug bremst lautstark. Eine kleine Gruppe von KĂŒhen sieht unerschrocken aber skeptisch auf vom frischen GrĂŒn.

„Sehen Sie doch selbst.“ Sie lupft den Deckel der Hutschachtel. Verschwörerisch zwinkernd gestattet sie mir einen flĂŒchtigen Blick. Innen schmiegt sich ein Bergmassiv aus schwarzem Filz in das samtene MoosgrĂŒn einer quasikaukasischen Landschaft. Deren HĂ€nge: von ĂŒppigen Stickereien berankt. Am Fuße des Pillbox hockt, wie durchsichtig, getarnt, verharrend ein ChamĂ€leon.

Fast verschlucke ich mich an peripherer Sprachlosigkeit. „Schade, dass ich hier aussteigen muss.“ Wo will ich eigentlich hin?



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ENachtigall
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ĂŒberraschung

zu weihnachten
kam ein pÀckchen
mit einem brief darin
und deinen hÀnden
ich möge sie reparieren
sie seien ganz taub
vom praktizieren
dazu ein kÀstchen
voll dunkelheit



__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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ENachtigall
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SchÀtzungsweise


Ein Gutachter kam ins Haus.

Er durchlief systematisch die Zimmer. Machte sich Notizen. Fragte nach undichten Stellen. Im Keller leuchtete er mit der Taschenlampe die Nasenlöcher aus. Klopfte mit dem Zeigefingerknochen an die Kniekehlen. Probierte den Kaffee. Sein rechtes Auge schĂ€tzte die Entzugserscheinungen des linken ab, dessen dimensionale Emotionsperspektive verrĂŒckt war.

Das verheißt ein konsensorientiertes Angebot.

__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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ENachtigall
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Unterwegs nach Übermorgen

Heute hÀute ich HÀnde
die gestern nach Sternen griffen
auf denen der Mondmond morgen KÀlber sÀugt




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