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Leselupe.de > Humor und Satire
Nicht ganz dicht!
Eingestellt am 21. 08. 2017 12:51


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Inquerios
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2017

Werke: 3
Kommentare: 1
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Als Aushängeschild der eigenen Firma muss man adrett gekleidet sein. Und das passende Equipment dabei haben. Auto. Laptop. Smartphone.
Letztere sind alleine schon Kunstwerke der Technik. Alleskönner im besonderen Maße. Nicht nur Telefonieren - was ja schon fast der Vergangenheit angehört - sondern kommunizieren. Schnell Angebote erstellen und versenden. Onlineseminare abhalten. In sozialen Netzwerken die Meinung der Firma vertreten.
Die Firma verlangt natürlich auch, dass ich als Verkäufer ständig erreichbar bin. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, die neuesten Entwicklungen, was z.B. die Akkulaufzeit oder Ausstattung betrifft, zu nutzen.

Mein Smartphone war nun schon eineinhalb Jahre alt und damit nicht mehr up-to-date. Man hatte mir geflüstert, dass eine haptische Prüfung des Produkts einem reinen Online-Check vorzuziehen wäre. Obwohl ich durch und durch ein typischer Digital-Native bin, wollte ich diese Shopping-Form einmal ausprobieren.
So entschloss ich mich, an einem Freitag, eine Beratung in einem Ladengeschäft in Anspruch zu nehmen und mir die neuesten Funktionen erklären zu lassen.
Ich fuhr mit meinem Auto in die Innenstadt, wo ich im Fall der Fälle noch vergleichen könnte. Diese Fahrt war schon die reinste Höllenfahrt. Stoßstange an Stoßstange walzte die Kolonne von den Außenbezirken ins Zentrum.
‚Ob die wohl auch alle ein neues Smartphone brauchen?‘, schoss es mir durch den Kopf. Irgendwie widersprach dieses Verkehrschaos jeglichen Vorhersagen der Wirtschaftsweisen, dass die Digitalisierung der Welt ein geringeres Verkehrsaufkommen beschere. Wahrscheinlich hat man da gewürfelt.
Es dauerte gefühlte drei Tage bis ich einen Parkplatz ergattert hatte. Ich schätzte, dass ich eine Stunde für den Einkauf brauchen würde. Inklusive Auswahl und Vergleich. Naja, sagen wir mal zwei. Ich löste das Parkticket und es flossen über die verlorenen 2,80 € einige Tränen. Denn diese verschwanden unwiederbringlich im Nirvana der Parkuhr.
Mein Weg führte mich zu einem großen Elektronikmarkt. Ich wollte mir erst einmal einen Überblick verschaffen, bevor ich eine Entscheidung träfe. Doch ehe ich den Tempel des Konsums betreten konnte, sprach mich jemand von der Seite an:
„Haste `n altes Handy, was de nisch` mehr brauchst?“
Ich blickte nach rechts und in ein sicherlich von Arbeit zerfurchtes Sorgengesicht. Bestimmt hatte dieses arme Geschöpf seins verloren und wollte die Herzallerliebste anrufen. Diese würde sicherlich in einem Tränenmeer versunken zu Hause sehnsuchtsvoll auf den Anruf warten. Ich überlegte kurz, ob ich ihm gleich meins schenken sollte, aber bedachte dann doch des Unwahrscheinlichsten aller Fälle, dass ich heute wieder mit meiner alten Telefonmöhre heimfahren muss. Ich zückte einen Euro:
„Hier. Noch 20 Mal fragen und du kannst dir eins kaufen. Ein Einfaches zwar, aber damit könntest du wenigstens deine Liebsten anrufen!“
Er schaute mich aus einem verdutzten Gesicht an und erwiderte mit einem anschließenden Grinsen: „Den Euro nehm` isch`. Aber isch will nisch` telefonier`n. Isch sammle Schrott!“
Aha. So ist das heute in der modernen Stadt, die ich nun ein gutes Weilchen seit meinem Notizbuchtrip nicht besucht hatte. Da werden selbst die Bettler zu Unternehmern.
Nun gut. Auf zum Tempel!
Ich lies mich von der Atmosphäre der Technikwelt einfangen. Überall standen Menschen und wischten, tippten, streichelten Geräte, als wären es zahme Haustiere. Sie schienen mit diesen Stückchen Metall (oder Plaste) förmlich zu verschmelzen.
In einem Seitengang fand ich schließlich meine Trophäen, die auf mich warteten. Sie schienen mich alle anzulächeln. Mit einem Hauch Eleganz umgarnten sie mich und flüsterten mir zu: „Nimm mich mit! Ich gehöre zu dir!“
Ich warf einen ersten Blick über die Stoß-an-Stoß aufgereihten Modelle. Sie glänzten alle in frischem Look. Ich nahm meines heraus, um eine gewisse Größe, an die ich mich gewöhnt hatte, zu vergleichen.
Es ist wirklich Zeit, dachte ich so bei mir, als ich mein verschmutztes Display betrachtete. Ein paar Kratzer auf der Rückseite zeugten davon, dass dieses Smartphone nicht mehr gebrauchsfähig war.
Wie Recht diese Marketingleute doch hatten. Sie wüssten schon, was wir bräuchten. Beschämt verstaute ich mein Handy schnell in der Jackentasche. Ich wählte das eine oder andere der Ausstellungsstücke aus und wischte, tippte und streichelte es, wie die Herde der anderen Sucher auch. Mich packte das Entdeckerfieber. Irgendwas muss ja neu und anders sein, dass dieser Investition wert wäre.
Ein Verkäufer bemerkte meine Unentschlossenheit und kam langsam auf mich zu:
„Das wäre eine gute Entscheidung. Damit würden Sie sich die Welt in Ihr Wohnzimmer holen.“ bestätigte er meine Auswahl. Dabei hatte ich nur schauen wollen; von einer Auswahl konnte noch keine Rede sein, „Was haben Sie denn für ein Modell jetzt?“
Ich traute mich gar nicht das Ding zu zeigen. Man könnte über mich denken, ich wäre finanziell nicht in der Lage, mir so etwas Neues, Schönes, Wertvolles zu leisten.
„Ach ein älteres Modell. Ist mit Diesem hier nicht zu vergleichen.“ wich ich aus.
„Ja, vielleicht darf ich Ihnen ein paar Highlights erklären?“
Ich nickte kurz.
„Mit diesem Modell erlangen Sie ein umfassendes Kommunikationsmittel. Durch die große APP-Vielfalt stehen Ihnen wie bei einem Laptop alle gewohnten Programme zum Download zur Verfügung. Egal, ob Sie Ihre Emails lesen wollen oder einen kurzen Bericht dank integriertem Schreibprogramm verfassen möchten. Die sozialen Netzwerke sind integriert, sodass Sie von überall mit Hilfe der 8 MB Kamera die tollsten Momentaufnahmen machen und sofort versenden können. Damit alle an Ihren Erlebnissen teilhaben. Oder Sie möchten zwischendurch von anstrengender Computerarbeit eine Pause einlegen. Dann finden Sie eine reichhaltige Anzahl von Spielen, die Sie allein oder mit einem Spielpartner spielen können. Egal wo Sie oder Ihr Partner sind. Nicht zu vergessen sind die Bereiche Tonaufnahmen, mobiles Radio und Fernsehen oder Videos samt Schnittprogramm. Natürlich gewohnte Suchfunktionen und Internetzugriff.“
Sein Monolog rauschte nur so durch meine Ohren, dass ich dachte, ich säße mitten im Auge eines Orkans. Wozu noch einen PC oder Laptop haben? Alles in der Tasche. Gibt es auch eine passende neue Brille dazu? Denn die Größe des Bildschirms würde meinen Augen mächtig zusetzen.
Der Verkäufer verspürte mein Zögern und setzte noch einen drauf:
„Dieses Modell ist wasserdicht!“
Wasserdicht? Ja? Ooooh! Ich muss dazu sagen, ich sollte eigentlich als Fisch geboren werden. Ich liebe das Wasser. Schwimmen, planschen oder auch Boot fahren; alles das ist für mich die Quintessenz des Lebens. Damit hätte ich ein riesen Problem gelöst. Die stetige Frage, wohin mit der Technik, wenn ich am Strand liege – allein – manchmal – und ins Wasser will.
„Jooaaah.“ Ein Grinsen ließ meine Gesichtszüge verrutschen. Es muss dem des Glöckners von Notre-Dame entsprochen haben.
„Prima.“ Freute sich der Verkäufer aufrichtig mit mir. „Welche Farbe hätten Sie denn gern?“
„BLAUUUU!“
„Kein Problem.“ Er schloss einen Schrank auf und holte nach einigem kramen das für mich bestimmte Exemplar hervor. Ich musste noch einen Datenstriptease hinlegen und dann konnte ich endlich bezahlen gehen.
Auf der Straße war ich voller Enthusiasmus wegen meiner neuen Errungenschaft. Ich stürmte zum Auto. Ich stürmte zumindest dorthin, wo ich mein Auto vermutete. Ich rannte als frischgebackener Neubesitzer eines supercoolen Smartphones die Straße hoch und runter.
„Scheiße! Geklaut!“
Nach nochmalig dreifacher Versicherung, dass es nicht da war, suchte ich die Polizei. Aus meinen geplanten zwei wurden vier Stunden Stadtaufenthalt.
Wartezeit ohne Ende. Diese verkürzte mir jedoch mein neues Handy. Ich wechselte die Telefonkarte und los ging die Entdeckung.
Der Polizeibeamte nahm schließlich geduldig meine Anzeige auf. Er tippte eine Suchfahndung ein, bevor er plötzlich stutzte.
„Sie sind abgeschleppt wurden!“ meinte er trocken.
„Wie? Nein, ich war allein in der Stadt unterwegs!“
„Ich meine Ihr Auto. Es steht in der Pöddelsdorfer Straße. Dort können Sie es auslösen!“
„Auslösen?“
„Ja, die Abschleppkosten. Sind 218,- €!“
„Hier?“
„Nein. Dort bezahlen. Heute jedoch nicht vor 17 Uhr. Damit hat sich die Anzeige ja erledigt!“
"Und wieso abgeschleppt?"
"Sie standen im Halteverbot!"
Das freundliche Gespräch war schnell beendet. Er zeigte mir auf einer großen, papiernen Karte den Weg zum unfreiwilligen Parkplatz meines zweitbesten Freundes. Da es erst 14.30 Uhr war und der Weg zu Fuß wahrscheinlich weniger als 20 Minuten in Anspruch nehmen würde (so der Beamte), wusste ich nicht so recht, was ich machen sollte. Ich gönnte mir in der Nähe einen Cappuccino.
Der Weg zog sich dann doch. Vermutlich hatte der Polizist größere Beine. Das ließ sich physikalisch errechnen. Ich wollte jedoch nicht noch Taxigeld ausgeben.
Am Ort der Zwangsunterbringung meines zweitbesten Freunds musste ich dann meine Kreditkarte zücken. Es schmerzte. Da besaß ich nun für knapp 600,- € einen neuen, täglichen Begleiter, der jedoch nur 400,- € wert war. Durch diese Zwangsgebühr. In diesem Moment verstand ich den Begriff Wertverfall nach Kauf. Vielleicht kaufe ich das nächste Mal lieber doch wieder im Internet.

Doch leider, liebe Leserin und Leser trug es sich zu, dass der Kauf damit nicht beendet war. Keine 14 Tage später musste ich wieder zu dem Verkäufer zurück. Mein liebgewonnenes Smartphone funktionierte nicht mehr.
Mir saß der Schrecken des Mehraufwandes noch im Nacken, sodass ich mich für den Bus entschied, um ins Zentrum unserer geliebten Stadt zu gelangen. Menschennähe war mir so! nicht mehr geläufig. Mich erschauderte es des Öfteren der Dufte, die meine Nase quälten. Zwischen wohlriechenden Parfums ätzten mir die menschlichen Ausdünstungen die Schleimhäute weg. In mir drang das Verlangen ins Bewusstsein, mein Seidentaschentuch als Mund- und Nasenschutz zu benutzen. Ich war jedoch tapfer und schloss mich der Schwarmintelligenz an und zeigte wie die vielen anderen gequälten Geister um mich herum ein finsteres Gesicht.
Im Tempel der Techniklust angekommen irrte ich durch die Gänge und versuchte mich an das Gesicht des Verkäufers zu erinnern. In einem sicher wichtigen Vorgang vertieft, entdeckte ich ihn vor einem Computer stehend. Zielstrebig schritt ich auf ihn zu.
„Ich muss von meiner Garantie Gebrauch machen!“ blaffte ich ihn an.
„Wieso? Was ist denn passiert?“
„Es funktioniert nicht mehr!“
„Zeigen Sie mal bitte!“
Ich holte das nun nicht mehr ganz so funkelnde Schmuckstück hervor. Es hatte eine etwas verwässerte Oberfläche.
„Was ist denn daaaa passiert?“ wiederholte er sich mehrmals.
„Es war im Wasser. Mit mir!“
Fragender Blick.
„Nun, ich war am Strand und habe es mit ins Wasser genommen. Aber schon da hat es seinen Dienst versagt.“
„Wie lange.“
„Na, ich habe so zwanzig Minuten versucht es zu benutzen.“
„Das geht doch nicht!“ schallte mich der Verkäufer aus, „Für eine kurze Tauchfahrt“, er deutete mit dem Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand Anführungszeichen an, „ist es okay. Aber doch keine zwanzig Minuten.“
Eine kurze Pause.
„Das ist nicht mit in der Garantieleistung enthalten. Warum denn so lange?“
„Na ich wollte Fotos per Messenger versenden. Aber ich fand kein Netz!“

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inq

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