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Leselupe.de > Kurzprosa
Nicht mal sterben darf man, ohne dass sie reden
Eingestellt am 27. 12. 2000 20:01


Autor
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Kathrien
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Von meiner Oma wei├č ich, dass sich unsere Nachbarin vom Balkon gest├╝rzt hat. Meine Oma hat das erz├Ąhlt, als w├Ąre es das Neueste ├╝ber Prinz William oder einen anderen Adeligen. Als w├Ąre es Klatsch und Tratsch. Traurig gekuckt hat Oma schon, aber nur bis sie von dem leckeren Kuchen erz├Ąhlt hat, den es auf der Beerdigung gab. Mit Kirschen und Zuckerguss, hat sie gesagt und gegrinst. Es war der beste, den sie je auf einer Beerdigung gegessen hatte. Diese Nachbarin, die sich selbst umgebracht hatte, war eine der vielen Freundinnen meiner Oma, von denen sie fast immer nur gut redet. Au├čer, wenn sie etwas geh├Ârt hat. Ich habe sie gefragt, ob sie wisse, warum sie nicht mehr leben wollte. Ihre Antwort kam schnell, fast zu schnell, und sie war ÔÇ×Das h├Ątte ich auch gemacht an ihrer Stelle.ÔÇť Das hat mich w├╝tend gemacht. Auf meine Oma und ihr Urteil. Vielleicht denkt sie so ja auch ├╝ber mich.
Als mein Vater heimkam und das h├Ârte, fragte er meine Oma, wie die Frau denn aussieht. Es sei ihm vergeben, er hatte sie noch nie gesehen, schlie├člich arbeitete er den ganzen Tag. Wie sie jetzt aussieht, wei├č ich nicht, sagte Oma, aber bestimmt nicht so gesund. Ich glaube, sie kam sich dabei komisch vor, ich fand es einfach nur geschmacklos. Ernsthaft, meine ich, sagte mein Vater und sie antwortete ÔÇ×Sie war gro├č und grauhaarig.ÔÇť Und sie h├Ątte oft bei dem Seniorennachmittag der Kirche geholfen.
Sie war nichts Besonderes, sagte meine Oma, sah nach nichts aus. Ich finde meine Oma gemein.
Als sie ihren kr├Ânenden Schlusssatz von sich gab, ging ich in mein Zimmer und habe mir gedacht, zum Gl├╝ck ist sie nicht bei meiner Beerdigung. Zum Gl├╝ck ├╝berlebe ich sie. Denn ihr Schlusssatz war ÔÇ×Gut, dass sie gestorben ist. Sch├Âner w├Ąre sie eh nicht mehr geworden.ÔÇť
Kathrien Viergutz, am 30. Okt. 2000

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Kathinka
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Ralph Ronneberger
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Hallo Kathrin,

starker Tobak, aber gut erz├Ąhlt. Mir scheint es echt aus dem Leben gegriffen zu sein. Hoffentlich ist deine Oma nicht wirklich so.

Gru├č Ralph
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Kathrien
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Ahoj Ralph,
nein nein, keine Angst, sie ist nicht wirklich so. Zwar entspricht die Erz├Ąhlung halb der Wahrheit, aber das ganz Herzlose ist nur erfunden. Meine Oma ist einfach zu lieb, als dass man geschmacklos und verfeindet ├╝ber sie reden k├Ânnte. Und es fehlt die Pointe, wenn ich nur schreibe, was ich an ihr mag.
Danke f├╝r das Kompliment, sowas h├Ârt ein junger K├╝nstler gern.
Gru├č an alle, frohes Fest und so weiter.


(Noch was: Was ist TOBAK? Tut mir leid, bitte nur erkl├Ąren, keine bl├Âdsinnigen Bemerkungen ├╝ber ungebildete Leute, ich kann nicht alles wissen)
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Ralph Ronneberger
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Hallo Kati,
zun├Ąchst erst einmal m├Âchte ich Dir f├╝r das Neue Jahr alles Gute, viel Gl├╝ck und eine flei├čige Tastatur w├╝nschen.
Hier nun meine l├Ąngst ├╝berf├Ąllige Erkl├Ąrung zu dem Begriff TOBAK.
Bei dem Wort handelt es sich meines Wissens um nichts anderes als eine altert├╝mliche Bezeichnung f├╝r Tabak. Als solche ist sie aber l├Ąngst nicht mehr im Gebrauch. Daf├╝r gibt es aber nach wie vor die Redewendungen
"anno Tobak" - was soviel wie "fr├╝her" oder "vor langer Zeit" hei├čt.
"starker Tobak" wird (meist nicht ganz ernst gemeint) f├╝r "schlimm", "toll", "unglaubw├╝rdig" oder "unversch├Ąmt gelogen" benutzt, wobei das ganze allerdings mit einem unsichtbaren Augenzwinkern verbunden ist.
Habe ich das einigerma├čen r├╝bergebracht?

Gru├č Ralph.
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Andrea
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9 von 10 Punkten

Eine ├╝berzeugende Geschichte mit plastischen Charakteren - und wirklich gut zu lesen. Das einzige, was mich ein kleines bi├čchen st├Ârt, ist, da├č das Ich immer alles auf sich selbst bezieht. Das gibt der Wut ├╝ber die B├Âsartigkeit und Verachtung einen unsch├Ânen Stich von verletzter Eitelkeit. Das Urteil wirkt statt subjektiv eine Spur zu sehr egozentrisch. Ich w├╝rde den Satz "Vielleicht denkt sie so ja auch ├╝ber mich." einfach streichen - die Genugtuung, sie zu ├╝berleben, h├Ątte dann m.E. noch eine Spur mehr Gewicht.

__________________
Andrea Rohmert

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