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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Nicht mit mir!
Eingestellt am 31. 08. 2009 12:30


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Kassandra
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2009

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Nicht mit mir
Frank wusste, dass er einen Fehler gemacht hatte, noch bevor er den Aufprall spürte. Er wurde in seinem Wagen herumgeschleudert, der schließlich krachend am Bordstein stehen blieb. Ein typischer Anfängerfehler, schoss es ihm durch den Kopf. Rechts vor links – eine der einfachsten Regeln des Straßenverkehrs. Er ließ den Kopf auf das Lenkrad sinken und schloss für einen Moment die Augen. ‚Du Hornochse!’, dachte er wütend und resigniert zugleich. Er zuckte kurz zusammen, als jemand mit der flachen Hand auf das Autodach schlug. Frank öffnete die Augen und drehte den Kopf. Ein junger Mann sah auf ihn herab. Frank öffnete die Fahrertür und stieg aus.
„Tut mir leid. Ihnen ist hoffentlich nichts passiert?“
„Nein, aber das hier“ – er zeigte auf den völlig verbeulten linken Kotflügel seines Wagens – „wird nicht gerade billig für Sie, fürchte ich.“ Er griff in seine Jackentasche und fischte ein Handy heraus. Frank zuckte kurz zusammen.
„Meinen Sie nicht, wird könnten das auch...“ Er versuchte zu lächeln, brachte aber nur ein schiefes Grinsen zustande.
„Ohne Bullen? No way, mein Lieber. Das hier war eindeutig Ihre Schuld und ich habe keine Lust, mir einen Haufen Ärger mit der Versicherung einzuhandeln.“ Frank nickte. Er hätte jetzt viel für einen starken Kaffee gegeben. Der Unfall selber war nicht das Schlimmste, aber er hätte nicht in dieser Gegend und schon gar nicht zu dieser Zeit passieren dürfen. Im Geiste sah er schon Carolins fragendes Gesicht. Nur gut, dass sie gestern Abend mit einer Freundin für zwei Wochen nach Ibiza geflogen war. Vielleicht konnte er den ganzen Schreibkram mit der Versicherung abwickeln und den Wagen reparieren lassen bevor sie zurückkam.
„Wir sollten Warndreiecke aufstellen.“ Der junge Mann hatte die Polizei benachrichtigt, steckte sein Handy weg und ging zu seinem Kofferraum. Sein Auto war nach dem Zusammenstoß mitten auf der Fahrbahn zum Stehen gekommen und blockierte nun den Gegenverkehr. Frank nickte und ging um seinen Wagen herum. Der Sportflitzer hatte ihn mit voller Wucht am vorderen rechen Kotflügel erwischt. Er öffnete den Kofferraum, um das Warndreieck zu holen. Im nächsten Moment erstarrte er und riss die Augen auf.
Vor ihm lag eine junge Frau. Mit großen leblosen Augen schien sie ihn anzustarren. Ihr ganzer Körper war mit verkrustetem Blut bedeckt. Frank spürte wie ein Würgen rasend schnell durch seinen Oberkörper kroch. Er starrte auf die Frau und schlug im nächsten Moment den Kofferraum wieder zu. Dann drehte er sich um und erbrach sich.
Die laute Sirene eines Polizeiwagens näherte sich. Frank spürte wie sein Herz raste. Das alles konnte nur ein Albtraum sein. Zwei Polizisten stiegen aus ihrem Auto und kamen auf sie zu.
„Guten Morgen. Ihre Papiere bitte.“ Der junge Mann zückte seine Brieftasche und ließ Frank nicht aus den Augen. Frank atmete tief durch. Er sah zu seinem Wagen und dann zu den Polizisten.
„In meinem Kofferraum liegt eine Leiche. Aber ich habe keine Ahnung, wie sie da rein gekommen ist.“

„Also, jetzt noch mal ganz langsam und zum Mitschreiben. Sie heißen Frank Kerner, 42 Jahre alt, verheiratet und von Beruf Journalist. Gestern Abend gegen 21 Uhr sind Sie von Ihrem Haus aus in die Gertrudestraße gefahren, haben die Nach dort verbracht und heute Morgen um 6.20 Uhr haben Sie auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall verursacht. Und bei der Gelegenheit haben Sie dann so ganz zufällig festgestellt, dass die Leiche einer jungen Frau in ihrem Kofferraum liegt.“ Kommissar Krachner sah ihn lange an. Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Hören Sie, wir können jetzt die lange Variante durchspielen, das heißt Sie leugnen weiterhin. Dann lasse ich Sie in Untersuchungshaft setzen und warte in Ruhe die Berichte des Arztes und der Spurensicherung ab. Oder wir nehmen gleich die kurze Variante. Sie gestehen sofort, kommen auch in Untersuchungshaft und ersparen uns allen eine Menge Arbeit mit sinnlosen, stundenlangen Verhören. Was meinen Sie?“
„Das könnte Ihnen so passen, was? Einen harmlosen Bürger im Handumdrehen zum Schwerverbrecher abzustempeln. Typisch Beamten-Mentalität.“ Der Kommissar zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen und richtete sich mit einem Ruck auf.
In Franks Hirn rasten die Gedanken. Seine letzte Bemerkung war nicht gerade diplomatisch gewesen, aber seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Er hatte seit über 24 Stunden nicht mehr geschlafen. Der Anblick der toten Frau steckte ihm immer noch in den Knochen. Und seit fast zwei Stunden ertrug er nun die selbstgefällige Art dieses Kommissars, dessen Urteil bereits nach fünf Minuten festgestanden hatte und der ihn nun mit den immer gleichen Fragen löcherte. Frank schloss kurz die Augen und versuchte sich zu beruhigen.
„Ich schwöre Ihnen, ich habe nicht den leisteten Schimmer, wer diese Frau ist, noch wann und wie sie in meinen Kofferraum gekommen ist.“
„Also gut. Die lange Variante.“ Krachner sah ihn fast mitleidig an, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sprach mit leiernder Stimme. „Wen haben Sie in der vergangenen Nacht in der Gertrudestraße besucht?“ Frank schloss für einen Moment die Augen. „Meine Geliebte, Isa Steinbrück“, sagte er kaum hörbar.

„Also, einen knackigen Arsch hat er auf jeden Fall. Das ist doch schon mal ein Pluspunkt. Naja, dass er verheiratet ist, ist natürlich wieder ein Minuspunkt. Aber das bist du ja auch. Also zählt das eigentlich gar nicht.“
„Du bist unmöglich!“ Carolin rutsche von ihrer Luftmatratze ins Wasser und brachte mit einem kräftigen Stoß auch die Matratze ihrer Freundin zum Kentern, die lachend ins Wasser fiel und prustend wieder auftauchte. Die Mittagssonne brannte vom Himmel und ließ das Wasser des Pools silbern schimmern.
„Im Ernst, Carolin, ich finde, du solltet dich langsam mal entscheiden, ob du nun Frank oder Tom willst. Jedenfalls habe ich dich nicht zu diesem Urlaub überredet, damit ich mir jetzt zwei Wochen lang dein Gejammer anhören muss.“ Lachend versuchte Carolin sich wieder auf die Luftmatratze zu hieven. „Du hast ja Recht, Tine. So geht das nicht weiter. Aber nach dem Urlaub werde ich Klarheit schaffen. Das verspreche ich dir.“ Sie schloss kurz die Augen und ein Schatten huschte über ihr Gesicht. Jetzt erst recht, dachte sie.
Tine hatte sich mit dem Oberkörper auf ihre Matratze gelegt und ließ ihre Beine im Wasser baumeln.
„Das glaube ich erst, wenn es soweit ist. Kaum bist du eine Nacht von zuhause weg, sehnst du dich nach Frank. Und kaum hast du Tom drei Tage nicht gesehen, geht es dir auch schlecht. Jetzt musst du nur noch herausfinden, wen du mehr vermisst und du hast die Lösung all deiner Probleme.“ Tine ließ sich ins Wasser gleiten und schwamm zum Beckenrand. „Also, ich habe jetzt Hunger! Was ist mit dir?“ – „Oh ja, ich könnte jetzt auch gut eine Pizza mit….“
Carolin starrte zu der Stelle, an der Tine aus dem Becken stieg. Sie kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Direkt hinter Tine stand Tom und strahlte sie an.
„Das glaub ich jetzt nicht. Was machst du denn hier?“, fragte Tine. „Die Sehnsucht, meine Liebe, die pure Sehnsucht.“ Er streckte Carolin mit einem Lächeln die Hand entgegen und zog sie aus dem Wasser. Das Handy in ihrer Tasche klingelte. Carolin lief zu ihrem Liegestuhl und durchwühlte ihre Tasche. Lächelnd sah sie zu Tom, während sie das Handy endlich fand. „Carolin Weber auf Reisen, wer stört?“
„Carolin, reg´ dich jetzt bitte nicht auf. Ich stecke ein wenig in Schwierigkeiten. Stell dir vor, in meinem Kofferraum lag heute Morgen eine Leiche und die Polizei glaubt anscheinend, dass ich der Mörder bin.“ Frank lachte laut – viel zu laut – als hätte er einen tollen Witz gemacht. Am anderen Ende der Leitung war es totenstill. „Naja, in ein oder zwei Tagen hat sich sicher alles aufgeklärt. Vielleicht sollte ich dann nach Ibiza nachkommen. Würde dir das gefallen?“ Er hatte schnell gesprochen und die plötzliche Stille machte ihn noch nervöser. „Auf jeden Fall solltest du ruhig deinen Urlaub genießen. Ich muss jetzt auflegen. Der Kommissar ist ziemlich streng mit mir. Ich liebe dich.“
Carolin drehte sich langsam um und sah zu Tom und Tine. „Sie haben eine Leiche in Franks Kofferraum gefunden“, sagte sie fassungslos. Tom starrte sie sekundenlang an, dann brach er in prustendes Gelächter aus. Tine schüttelte den Kopf. „Sag das noch mal!“

Am Nachmittag ließ ihn der Kommissar erneut in sein Büro bringen. Ein uniformierter Polizist stand direkt neben der Tür Wache.
„Also, die vorläufigen Berichte sind da, Herr Kerner. Die junge Frau heißt Anne Heidrich, war 32 Jahre alt und wurde durch sieben“ – er sah Frank durchdringend durch die dicken Gläser seiner Brille an – „ich wiederhole, sieben Messerstiche in den Oberkörper und den Hals getötet. Tatort, die Straße genau vor ihrem Haus. Todeszeit vermutlich zwischen 20.00 und 22.00 Uhr gestern Abend. Die genaue Zeit bekommen wir noch. Fest steht, dass die Tote unmittelbar nach den Stichen in ihren Kofferraum gelegt wurde. Vermutlich hat sie da noch gelebt und ist quasi in ihrem Wagen verblutet.“ Frank spürte wie ihm schlecht wurde. Gegen 21 Uhr war er mit seinem Wagen zu Isa gefahren. Er hatte die Beziehung zu ihr am Tag zu vor beendet, aber Isa hatte darauf bestanden, noch einmal mit ihm zu reden. Sie hatte getobt und geschrieen, wie er sie noch nie erlebt hatte. Und während dessen war draußen in seinem Wagen eine junge Frau jämmerlich krepiert.
„Anne Heidrich ist...war verheiratet. Ihren Mann konnten wir bisher nicht ausfindig machen.“ Krachner ließ die Blätter des Berichtes sinken und sah Frank an. „Und jetzt noch Mal: Was wollte Anne Heidrich gestern Abend vor ihrem Haus?“
„Das weiß ich doch nicht!“, schrie Frank. „Glauben Sie im Ernst, ich ermorde eine Frau, lege sie in meinen Kofferraum und fahre dann in aller Ruhe mit ihr zu meiner Geliebten?“
Es klopfte und ein hagerer, ernst aussehender Beamter kam herein. Er ging mit zügigen Schritten zu Krachner, beugte sich über ihn und flüsterte ihm hastig ins Ohr.
„Jetzt wird´s interessant.“ Krachner erhob sich und verließ das Büro.

Tom warf mit einer lässigen Handbewegung die Türe hinter sich zu. Dann ging er langsam auf Carolin zu, drückte sie sanft aufs Bett und legte sich auf sie. Er hielt ihre Arme über ihrem Kopf ausgestreckt und bedeckte ihr Gesicht mit vielen kleinen, zärtlichen Küssen.
„Und jetzt versprich´ mir endlich, dass du dich nach dem Urlaub von deinem Mann trennst.“ Carolin versuchte ihre Arme freizubekommen, doch Tom hielt sie fest und verschloss ihren Mund mit einem langen Kuss. Nach einer Weile drehte sie den Kopf weg und richtete sich auf. „Vielleicht sollte ich zu Frank nach Deutschland fliegen. Ich meine, diese Sache mit der Leiche...“ Tom setzte sich abrupt auf. „Du wirst dich von ihm trennen, glaub mir“, sagte er ernst. „Wer will schon einen Mörder zum Mann?“
Carolin sah ihn Kopf schüttelnd an und lächelte. „Manchmal kannst du richtig zynisch sein, weißt du das?“
Tom zog sie an der Hand zurück zum Bett. „War nur ein Scherz. Und jetzt komm zu mir. Ich habe dich wahnsinnig vermisst.“

Krachner kam ins Büro und setzte sich schweigend hinter seinen Schreibtisch. Frank versuchte in seinem Gesichtsausdruck abzulesen, ob er gute oder schlechte Neuigkeiten hatte. Der Kommissar war am Tag zuvor nicht mehr wiedergekommen und Frank hatte sich in der Nacht unruhig in seiner Zelle auf der Liege gewälzt und war erst am frühen Morgen kurz eingeschlafen. Jetzt jedoch, in Krachners Büro war er hellwach. „Tja, Herr Kerner, ich weiß im Moment noch nicht, was ich davon halten soll. Aber vielleicht können Sie mir weiterhelfen.“ Frank schluckte.
„Gestern war eine ältere Dame hier. Ziemlich aufgelöst. Ihre Tochter hat sich nämlich seit zwei Tagen nicht bei ihr gemeldet, obwohl sie es versprochen hatte.“ Er machte eine Pause. „Es war die Mutter von Anne Heidrich.“
Frank sah ihn verwundert an. „Ja, und? Ich meine, was hat das mit mir zu tun?“
„Frau Heidrich, also die Mutter, sagte, dass ihre Tochter auf dem Weg zu Ihrem Haus war. Aber nicht um Sie zu treffen, sondern Ihre Frau. Sie wollte mit ihr über ihren Mann reden.“ Krachner machte eine Pause und sah ihn lange schweigend an. „Wussten Sie eigentlich, dass Ihre Frau ein Verhältnis mit Anne Heidrichs Mann hat?“
Frank starrte Krachner fassungslos an.
„Ich denke, es wird sich nicht vermeiden lassen, Ihrer Frau den Urlaub zu vermasseln. Bitte geben Sie mir ihre Urlaubsadresse und Handynummer.“

Die Yacht schaukelte leise vor sich hin. Kleine Wellen schlugen an ihre Seite. Carolin blinzelte in die Sonne. „Und Tine hat wirklich gesagt, sie will nicht mitkommen?“ Tom zuckte die Schultern. „Sie hat sich wohl eine leichte Darmgrippe eingefangen und will lieber an Land bleiben.“ Er lächelte sie an und startete den Motor. Wie er es geschafft hatte, innerhalb so kurzer Zeit eine Yacht für sie zu organisieren, war Carolin immer noch ein Rätsel, aber das – dachte Carolin – war ja gerade das Faszinierende an Tom. Er brachte es immer wieder fertig, sie völlig zu überraschen. Auch dass er ihr nachfliegen würde, hatte Tom vorher mit keinem Wort erwähnt. Kurze Zeit später glitten sie aus dem Hafen hinaus aufs Meer. Carolin sah zu den Anlegestellen, wo die Menschen immer kleiner erschienen und kniff die Augen zusammen. War das nicht Tine, die wild gestikulierend auf den Steg zu rannte, wo eben noch die Yacht angelegt hatte? Carolin setzte ihre Sonnenbrille auf und sah zu Tom, der souverän das Steuer in der Hand hielt. Sie musste sich getäuscht haben.

In Franks Kopf wirbelten die Gedanken. Carolin hat einen Geliebten. Wieder und wieder schossen die Worte durch seinen Kopf.
Krachner hatte sich ihre Handynummer und die Hoteladresse geben lassen und war seit einer halben Stunde nicht wieder gekommen. Frank stand auf und ging unruhig im Büro auf und ab. Zu dem Zeitpunkt, als Anne Heidrich ermordet wurde, war Carolin längst nicht mehr in Deutschland gewesen. Er selbst hatte sie mit ihrer Freundin am Nachmittag zum Flughafen gebracht. Er stutzte und blieb stehen. War sie wirklich ins Flugzeug gestiegen? Er hatte einen wichtigen Termin gehabt und hatte sich nur schnell in der Abflughalle von ihr und ihrer Freundin verabschiedet. Und als er sie gestern auf ihrem Handy angerufen hatte, war nur er es, der gesprochen hatte. Sie hatte nichts von ihrem Urlaubsort erwähnt. Genau genommen konnte sie noch in der Stadt sein. Frank schüttelte den Kopf. Unmöglich, Carolin konnte nichts mit dem Mord an Anne Heidrich zu tun haben. Oder doch? Völlig überraschend und kurzfristig hatte Carolin ihm die Idee mit dem Urlaub vor drei Tagen erzählt. Im Nachhinein war sie ihm merkwürdig vorgekommen, unruhig und nervös. Aber er hatte nicht viel darüber nachgedacht, weil er erleichtert gewesen war, so endlich Zeit für ein langes, klärendes Gespräch mit Isa zu haben.
Die Tür flog auf und Krachner kam herein. Er blieb direkt vor Frank stehen und wirkte sehr nervös.
„Ihre Frau haben wir nicht erreicht. Aber die Freundin ihrer Frau, Tine Winkler. Ihre Frau und ihr Geliebter, Tom Heidrich, befinden sich zurzeit auf einer Yacht auf dem offenen Meer. Die Haftbefehle für beide werden gerade nach Ibiza durchgegeben. Was aber immer noch nicht bedeutet, dass Sie aus der Sache raus sind. Immerhin wurde die Leiche in Ihrem Kofferraum gefunden.“

„Hat es dir gefallen?“ Tom kam schwankend auf sie zu, und versuchte dabei lachend, zwei Drinks zu balancieren. Sie hatten den Motor schon vor Stunden ausgestellt und sich leidenschaftlich auf dem Deck geliebt. Das sanfte Schaukeln der Wellen hatte ihre Erregung noch gesteigert. Schließlich waren sie kopfüber ins Wasser gesprungen und hatten erschöpft das kühle Meerwasser genossen.
Tom reichte Carolin einen Drink. „Was meinst du?, fragte sie. „Den Ausflug oder....?“ Tom grinste. Dann richtete er sich auf und ging zum Steuer. „Alles, natürlich.“ Er startete den Motor. „Ich will, dass es für immer so bleibt zwischen uns. Und morgen sagst du deinem Mann, er soll seine Sachen packen.“
Carolin drehte sich auf den Bauch und schloss die Augen. ´Oh, ja´, dachte sie. Wahrscheinlich wird er sich sogar freuen. Die Wut überkam sie wieder, wie vor einer Woche, als sie zufällig seine Anzugtaschen leerte und dabei diesen Brief gefunden hatte. Isa Steinbrück. Wie sehr sie diesen Namen hasste. Sie war eine Mitarbeiterin seiner Redaktion. Und offensichtlich noch viel mehr. Zukünftig konnte er sich mit dieser Ziege amüsieren, soviel er wollte. Sie musste grinsen. Die Leiche in seinem Kofferraum und der strenge Kommissar würden ihn vielleicht noch eine Weile davon abhalten, ungestört sein Glück zu genießen.

„Was würden Sie denn an meiner Stelle davon halten?“ Krachner beugte sich wütend zu Frank und sah ihm direkt ins Gesicht. „Sie fahren eine Leiche in ihrem Kofferraum spazieren. Die junge Frau ist zufällig die Ehefrau des Mannes, dessen Geliebte ihre Frau ist. Die wiederum befindet sich seit drei Tagen auf Ibiza und ihr Geliebter fliegt zufällig genau einen Tag, nachdem der Mord geschehen ist, ebenfalls dorthin. Ziemlich viele Zufälle auf einmal, finden Sie nicht?“ Krachners Stimme triefte vor wütendem Hohn. „Und Sie wollen mir immer noch erzählen, Ihre Frau habe nichts damit zu tun?“ Er schnaubte. „Wie naiv sind Sie eigentlich?“ Sie saßen gemeinsam in einem Taxi, das sie vom Flughafen direkt zum Yachthafen fuhr. Krachners Wut über die Polizei auf Ibiza entlud sich auf Frank. Innerhalb kürzester Zeit war es ihm gelungen, die Polizei vor Ort und die Küstenwache zu alarmieren und in Bereitschaft zu versetzen. Außerdem hatte er es geschafft, für sich selbst und Frank noch am gleichen Nachmittag einen Flug zu organisieren. Eigentlich sollten sie am Flughafen von der Polizei erwartet werden, aber niemand war erschienen und Krachner kochte vor Wut.
„Laut Tine Winkler werden die beiden gegen 18 Uhr wieder im Hafen einlaufen. Sie werden sich zurückhalten, haben Sie mich verstanden. Ansonsten sitzen Sie ganz schnell wieder in Untersuchungshaft.“
Frank nickte. Er wusste, dass Krachner seinetwegen seine Kompetenzen überschritten hatte, als er ihn mitfliegen ließ. Immerhin galt er immer noch nicht einwandfrei als unschuldig. Aber anscheinend hatte der Kommissar ein schlechtes Gewissen, weil er Frank beim ersten Verhör nach nur fünf Minuten für schuldig gehalten und entsprechend behandelt hatte.

Zehn vor sechs. Mit quietschenden Reifen hielt das Taxi am Yachthafen. Frank sprang heraus und rannte los. Krachner versuchte keuchend mitzuhalten. „Sie sollen sich im Hintergrund halten, habe ich gesagt“, schrie er atemlos. Aus den Augenwinkeln registrierte Frank mehrere Polizeiautos, aus denen nun hastig Polizisten stiegen, die sich auf Krachners Kommando hin an seinen Fersen hefteten.
Frank rannte so schnell er konnte. Tine hatte ihnen am Telefon genau erklärt, an welcher Anlegestelle die Yacht einlaufen würde. Tom Heidrich, dachte er wütend. Dieses miese Schwein hatte ihm nicht nur die Frau ausgespannt, sondern auch noch seine eigene Frau ermordet und ganz nebenbei in Franks Kofferraum entsorgt. Sollte die Polizei ihn gleich festnehmen und verhaften. Er würde es sich nicht nehmen lassen, diesem Schwein höchstpersönlich und auf seine Art zu danken. Er ballte die Fäuste und spähte zur Anlegestelle. Gerade lief die Yacht langsam ein.
„Bleib stehen, oder ich knall dich ab.“ Frank starrte entsetzt zur Seite. Hinter einer Bohle trat eine hoch gewachsene Frau hervor. Sie hielt einen Revolver in der Hand, den sie hektisch abwechselnd auf Frank und zur Yacht richtete. Ihre Augen zuckten.
„Hab die Falsche erwischt vor zwei Tagen. Ich dachte, es wäre deine Frau, die da vor eurer Tür stand.“ Frank schluckte und sah panisch zur Yacht, aus der gerade Carolin heraus kam. Verwirrt sah sie erst zu Tom und den Polizisten hinter ihm und riss schließlich entsetzt die Augen auf, als sie den Revolver auf sich gerichtet sah.
„Nicht mit mir, Frank! Ich lasse mir nicht so einfach den Laufpass geben.“ Die Stimme war ein einziges irres Kreischen. „Ich dachte es wäre ein nettes Geschenk, dir deine Frau in den Kofferraum zu legen. Dass ich einen Fehler gemacht hatte, habe ich erst gemerkt, als du mir in der Nacht danach vom Urlaub deiner Frau erzählen musstest. Und dass du sie am Nachmittag zum Flughafen gebracht hattest. Ach ja, wie rührend von ihrer kranken Freundin Tine, mir den Weg vom Hotel zum Yachthafen zu erklären.“ Sie starrte Carolin mit hasserfülltem Blick an, hob den Revolver und zielte.
„NEIN, Isa!“ Frank stürmte los. Im nächsten Moment peitschte ein Schuss durch die Luft. Aus Isas rechtem Arm quoll Blut, als sie die Waffe fallen ließ und Krachner wutentbrannt mit irrem Blick anstarrte.



Version vom 31. 08. 2009 12:30

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