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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Nichts vorbei für immer
Eingestellt am 15. 12. 2003 01:30


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gareth
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Er lehnt sich zurück. Die von oben beleuchteten Rauchschwaden sehen gemütlich aus. Das Lied ist zu Ende. Glück gehabt. Er hat nur noch den Schluss hören müssen beim Hereinkommen. Er weiß nicht, warum er es so verachtet. Dieses Scheißlied. Tonmüll. Starlight Express. Die haben das in der Jukebox. Was für ein ungeheurer Unfug, denkt er. Vielleicht ist es auch nur der fürchterliche Sänger. Armes Schwein. Jahrelang geübt für den Schund.
B. hätte es möglicherweise gefallen, damals, sogar wahrscheinlich. Diese Schnalle, geht es ihm durch den Kopf. Er erschrickt. Nein, nicht B. Verzeih mir. Bitte. Du musst Dich aber auch nicht beschweren, immerhin hast Du mich verlassen, meine Liebe, nicht umgekehrt. Auch wenn es jetzt schon 20 Jahre zurückliegt. Er versucht, tief zu atmen. Zwerchfell, hat sein alter Lehrer immer gefordert. Zwerchfellatmung. Hatte ihm nie richtig einleuchten wollen damals, keinem von ihnen eigentlich. Man zieht es in den Bauch, aber es geht irgendwie in die Lunge. Egal, es funktioniert. Ihm fällt ein, dass er es tatsächlich immer wieder einmal praktiziert, seit damals. Bier beruhigt den Magen, hatte mal einer gesagt, wegen des Hopfens. Erstaunlich, was die Leute alles wissen. Er bestellt ein Bier. Nur auf die Füße kommen, für einen Moment wenigstens, und dann wieder gehen und an diesem Vortrag weiter arbeiten. Wie ihn das ankotzt, die ganze Mineralogie, alles, der ganze komplizierte Kram, aber bittesehr. Wenigstens kann er ungestört arbeiten, wenn es sein muss und niemand quatscht ihm dazwischen. Sie spielen jetzt Memories are made of this, Dean Martin, immerhin. Das ist ok soweit. Trotzdem todmüde. Was das immer ist. Der Scheißjob, Bazillen, Frauen, eins von denen. Alles der gleiche Mist. Das Bier kommt und er setzt es an.

Eine Frau redet, und redet. Er verharrt, den Glasrand an den Lippen. Er versteht nicht, was sie sagt, aber er hört den eindringlichen, atemlosen Tonfall ihrer Stimme. Ab und zu murmeln Männer, zustimmend, lachen manchmal, gutmütig irgendwie, ermunternd. Es geht weiter und weiter. Er kann nicht denken. Weibergeschwätz. Unerträglich. Wenn man wenigstens was verstehen könnte. Also raus hier. Er trinkt das Bier aus, sucht nach Kleingeld, hebt den Kopf, doch mal sehen wo das herkommt, und sieht sie da stehen, am Tresen, mit dem Rücken zu ihm. Braunes, lockiges Haar fällt über ihre Schultern und sie redet und redet. Schlanke, bewegliche Hände auf und an der Kante des Tresens, die von Zeit zu Zeit irgend etwas mit kleinen, anmutigen Gesten unterstreichen. Er findet seinen reichlichen Münzvorrat in der Hosentasche, will die Hand heben und sieht dann ihren Hintern. Er lässt die Hand sinken. Eine perfekte Symbiose aus Genetik und Design. Ein Meisterwerk, das sich bewegt, wenn sie das Gewicht ab und zu verlagert, von einem Fuß auf den anderen. Herzklopfen. Deswegen? Komm, Mann, denkt er verblüfft, aber es ist wegen B. Er hat gedacht es ist vorbei, aber es ist wieder da. Nichts vorbei. Also nicht nur Gerüche sitzen so tief.





B. mit dem Bauch an die Rückseite des schweren Sessels gelehnt, stehend, redend, lachend, nur nach vorn sehend, redend lachend, wartend, sich mit gestreckten Armen anmutig ein wenig hochstemmend, übertrieben ächzend, wär auch was für Dich, Faultier, ein bißchen Bewegung, leise 'ey' sagend, als er, stumm vor Erregung, sich dann an sie drückt, von hinten, seine Hände leicht auf ihren Schultern, wenn Du Dich jetzt bewegst, und sie bewegt sich, diesen Hintern, kleines Reiben, hin und her, an ihm, und sie spürt es genau, 'hoppla', sagt sie, 'was ist denn das', 'Du weißt schon, was das ist', und dann ihre Hose, er öffnet sie, ruckelt sie runter und sie sagt nichts mehr, beugt sich nur langsam nach vorn über die runde, schwere, Rückenlehne, dunkelgrüner Samt, ihre Hände mit den schlanken Fingern umspannen jetzt die Armlehnen, ihre Haare fallen nach vorn, entblößen ihren zarten Nacken, leuchten im Gegenlicht der Abendsonne, die wahrhaftig golden durchs Fenster fällt, und er hält beide Backen dieses weichen und festen und kühlen Frauenhinterns in seinen Händen, eine Offenbarung, ein Gebet. Einen Augenblick lang will er knieend sein Gesicht, seinen Mund hineinwühlen, aber er wagt es nicht, nimmt die beiden Hälften fest in die Hände und teilt sie sanft.

Sie zieht den Atem ein, kommt ihm entgegen, er muss leicht in die Knie gehen, ihre Schenkel sind geschlossen, öffnen sich jetzt, hallo, sagt sie ganz leise, mit einer kleinen, rauen Stimme, da bist du ja, und dann ist sie still, und dann: Eintauchen, diese plötzliche Hitze, unglaublich, wie heiß das ist, so heiß, er weiß nur noch diese Hitze und wie er in sie stößt, tief und tief und sie atmet keuchend und sagt ja, ja, und dann, ganz, ganz leise: 'fick mich', wie er sie geliebt hat dafür, und sie kommt, zitternd, mit einem hohen Keuchen und nimmt ihn mit sich, und er verströmt sich tief in ihr, warm an sie geschmiegt, spürt sie so sehr und dann dieser Blick, verschleiert, gesättigt, dunkel aus tiefstem Gefühl, als sie sich langsam aufrichtet und ihn ansieht über die linke Schulter.

Es ist plötzlich leise geworden. Es weht etwas an ihm vorbei. Die Frau ist gegangen. Ein schwacher Hauch eines angenehmen, ihm unbekannten Parfums. Ein Mann lacht. Dann noch einer. Nicht zu fassen, sagt einer mit ruhiger, tiefer Stimme. Diese Schnalle. Alle Männer lachen.

Er zieht die handvoll Münzen jetzt aus der Tasche, sortiert und bezahlt und erreicht den Ausgang, als sie jetzt den Titelsong noch einmal spielen. Starlight Express. Es ist ihm egal. Auf der Straße sieht ihn eine alte Frau, so ungefähr in seinem Alter, verständnisvoll an, als er stehen bleibt und sich die Tränen aus den Augen wischt.

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Venus
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wieder ein kleines Meisterwerk

Lieber Gareth,

wie schön, dass auch die virtuelle Welt ihren Rahmen hat, in dem man sich finden und ahnen kann.

Es ist schön und irgendwie beruhigend, dich auch hier zu wissen.

Ich wünsche dir hier in der Lupe die Aufmerksamkeit, die du verdienst und weiterhin die Freude und Kraft am Schreiben, dass dir die Liebe zu den Buchstaben erhalten bleibt, denen du das Leben für Geschichten schenkst.

Auch diese Erzählung ist wieder aus der mir so bekannten und liebgewordenen Feder. Es ist mein Freund Gareth, der hinter dir steht und mit einem zwinkernden und einem sanften Auge deine Gedanken bestimmt.

Ich kenne keinen weiteren Autor, dem es so sehr gelingt, einer wirklich erotischen Geschichte auch eine traurige Sanftheit zu schenken.

"Also nicht nur Gerüche sitzen so tief"
Ein Gedanke, den man eigentlich kennt, ihn zu formulieren aber nie in den Sinn kommt.
Dir aber schon!

Bei diesem Werk mag ich wieder ganz besonders, die Freiheit der Sexualität und die spürbare, verletzliche Menschlichkeit.
Die Figur in deiner Geschichte atmet erneut.
Und ein wenig hab' ich sie wieder begleitet, mit dem Blick durch Worte hindurch.


Ich freu' mich immer, auf Neues von dir!

Recht herzliche Grüße,
Venus


PS:
Jetzt werden wir uns aber mal die Zeit nehmen, gefälligst, um gemeinsam Starlight Express anzuhören!
Sei dir versichert, Freund, ich werd' dich genau beobachten -
;o)

__________________
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gareth
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Ach Venus,

wann kriegt man mal sowas nettes gesagt
Ich denke Du weißt, dass ich schon einen besonders mutigen Moment abwarten musste, um den Text hierher zu stellen, oder?

Ich hab mich sehr gefreut über Deine Zustimmung und Dein genaues Hineinhören und über Deine Ermutigung

Danke
gareth

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Ralph Ronneberger
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Hallo gareth,

solche Kürzestgeschichten (obwohl die Venus sie gar als Erzählung bezeichnet. Vielleicht ist es sogar eine, denn es steckt ne Menge drin) mag ich eigentlich gar nicht so recht. Es sei denn... sie zieht mich so an, wie diese hier. Super! Großes Kompliment! Mehr fällt mir dazu nicht ein.
Ich würde mich freuen, wenn Du noch mehr solche "mutige Momente" hättest.

Gruß Ralph




__________________
Schreib über das, was du kennst!

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Venus
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Ja, Gareth, ich kann mir deinen "unsinnigen Kampf" ganz gut vorstellen.
Und er ist n i c h t nötig!!
Ein Zuspruch von Ralp sagt mehr als tausend Bände!

Natürlich, es ist keine wirkliche Geschichte (demütig zu Ralph schiel'), aber es mutet wohl wie eine, die noch unendlich weitererzählt werden könnte.

Tu es!
Innerhalb deiner nächsten, hoffentlich baldigen Mutphase, durch Neues von dir.

lg.
Venus
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Hetära
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Lieber Gareth,

das ist ein sehr schöner Text und auch gar nicht 'zu kurz', wie ich finde.

Eine kleine Anmerkung:

'Er versteht nicht, was sie sagt, aber er hört den Tonfall ihrer Stimme. Ab und zu murmeln Männer, zustimmend, lachen manchmal, gutmütig irgendwie, ermunternd.'

Hier vermisse ich, daß er was zu dem Tonfall sagt. Ist es eine helle Stimme oder eine warme, eine aufgeregte oder ....


Aber sonst: wunderbar!

Hetära

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Wo gehen wir hin - immer nach Hause (Novalis)

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