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Leselupe.de > Kindergeschichten
Nico, der Held
Eingestellt am 05. 02. 2009 11:43


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zandalee
AutorenanwÀrter
Registriert: Feb 2009

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Nico, der Held

PĂŒnktlich zwanzig Minuten vor acht trat Nico vor die HaustĂŒr. Er rĂŒckte seinen Schulranzen auf dem RĂŒcken zurecht, pustete eine blonde HaarstrĂ€hne aus den Augen und sah nach oben. Heute war der letzte Schultag vor den Sommerferien und der Himmel war schon jetzt tiefblau und nahezu wolkenlos. Was wollte man mehr? Pfeifend machte er sich auf den Weg und lag in Gedanken bereits in Italien am Strand. So kam es, dass er das neunjĂ€hrige MĂ€dchen mit den langen braunen Haaren erst bemerkte, als er eigentlich schon an ihr vorbei war. Erstaunt blieb Nico stehen und drehte sich um. Das war doch Lisa aus seiner Klasse. Sie stand mit eingezogenem Kopf neben einem Auto mit geöffneter FahrertĂŒr und blickte unsicher zu Boden. Aus dem Wageninneren drang eine sĂŒĂŸliche MĂ€nnerstimme und eine große, behaarte Hand lag auf Lisas Arm. Nico stutzte. In seinen Ohren klangen die eindringlichen Warnungen der Lehrerin und seiner Mutter nach.

„Niemals, unter keinen UmstĂ€nden dĂŒrft ihr euch von Fremden ansprechen lassen. Egal welche GrĂŒnde sie nennen, steigt niemals in ein fremdes Auto. Schreit laut und lauft weg!“

UnschlĂŒssig sah er zu dem Wagen mit dem fremden Kennzeichen. Ob Lisa den Mann kannte? Leise schlich er sich nĂ€her heran und lauschte.

„Ich muss weiter, sonst komme ich zu spĂ€t zur Schule“ hörte er das MĂ€dchen mit dĂŒnner Stimme flĂŒstern.


Der Mann antwortete schmeichelnd:
„Aber du magst doch gerne Hundebabys, oder? Du musst nur zwei Minuten auf den Kleinen da hinten aufpassen. Ich telefoniere kurz, dann fahre ich dich zur Schule. Du kommst auch ganz bestimmt nicht zu spĂ€t!“

Nicos Knie wurden weich, seine HĂ€nde begannen zu zittern.
„Lauf weg! Lauf weg!“ hĂ€mmerte es in seinem Kopf. Doch was wĂŒrde dann mit Lisa geschehen? GelĂ€hmt vor Angst sah er, wie sich die große Hand um das zierliche Handgelenk des MĂ€dchens schloss.

„Bitte lassen sie mich los!“ Lisas Stimme zitterte und sie versuchte zaghaft den Arm weg zu ziehen.

Mit dem Mut der Verzweiflung stolperte Niko hinter dem Auto hervor und schrie:
“Lass sie los! Hau ab!“

Der Fahrer zuckte zusammen und lies vor Schreck das MĂ€dchen los. Niko stĂŒrmte vorwĂ€rts, packte Lisas Hand und hetzte blindlings die Straße entlang, seine jammernde Klassenkameradin hinter sich herzerrend. Erst als er die erstaunten Schreie der anderen Kinder hörte, hielt er an und stellte verwundert fest, dass er automatisch Richtung Schule gerannt war. Keuchend blieb er stehen und ließ die schluchzende Lisa los. Wie durch einen Schleier nahm er wahr, dass einige Jungten aus seiner Klasse lachend mit den Fingern auf ihn zeigten.

„Schaut mal, der Niko hat sich in die Hose gemacht Der ist in der vierten Klasse und braucht noch Windeln wie ein Baby.“

Das war zuviel fĂŒr Niko. Er ließ sich auf den Boden fallen und fing an hemmungslos zu weinen. Eine Lehrerin wurde auf den Tumult aufmerksam und brachte die Beiden zu Frau Braun, der Schulleiterin. Die bekam einen gehörigen Schreck, als sie sah, in was fĂŒr einem erbĂ€rmlichen Zustand die Kinder waren. Sie bat die Lehrerin Nicos Turnbeutel vom Haken vor dem Klassenzimmer zu holen, nahm eine Schachtel Kekse aus ihrem Schrank und fĂŒllte Teewasser in den Kocher auf dem Fensterbrett. In der trockenen Turnhose fĂŒhlte sich Nico gleich viel besser und nach einer Tasse Tee und ein paar Keksen hörte auch Lisa langsam auf zu zittern. Dennoch dauerte es noch eine ganze Weile, bis sich die Beiden genug beruhigt hatten, um die ganze Geschichte zu erzĂ€hlen. Frau Brauns Augenbrauen wanderten immer nĂ€her zusammen und als die Kinder zu Ende erzĂ€hlt hatten atmete sie tief durch, griff zum Telefonhörer und alarmierte die Polizei. Dann ordnete sie an, dass alle SchĂŒler und Lehrer sich so schnell wie möglich in der Turnhalle einfinden sollten. Wenig spĂ€ter stand die Rektorin auf der kleinen BĂŒhne der Turnhalle und erzĂ€hlte was passiert war. Sie schĂ€rfte den Kindern ein auf ihrem Schulweg nun ganz besonders vorsichtig zu sein kĂŒndigte an, dass sĂ€mtliche Eltern telefonisch informiert werden wĂŒrden. Dann rief sie Nico zu sich und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter.

„An ihm könnt ihr euch alle ein Beispiel nehmen, er ist ein richtiger Held.“

Da rief ein Junge hÀmisch dazwischen:
„Schöner Held – pinkelt sich vor Angst in die Hose!“
Einige Kinder lachten und Nico starrte betreten zu Boden.
Die Rektorin sah mit zusammengekniffenen Augen in die Runde:

„Ihr glaubt Helden kennen keine Furcht? Da liegt ihr falsch. Nichts erfordert mehr Mut, als die eigene Angst zu ĂŒberwinden. Wer diesen Mut aufbringt und noch dazu um einem anderen Menschen zu helfen, der ist ein wahrer Held. Denkt mal darĂŒber nach!“







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Tanz mit dem Herzen oder tanz gar nicht! (Fehlfarben)

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