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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nie Wieder
Eingestellt am 17. 01. 2011 11:57


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Chrisch
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Registriert: Jan 2009

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Nie Wieder

Die zweite Scheidung war durch. Anne war Geschichte. Ich atmete frei die winterliche Luft und das machte mir auch die Gedanken frei. Endlich war es vorbei. Unsere Kinder haben ihr eigenes Leben. Jetzt fing meines erst richtig an.
Das ist erst gestern gewesen; heute bin ich einfach aufgestanden, habe mich nicht gleich gewaschen und angezogen, habe mir einfach einen Kaffee gemacht und bin mit nackten F├╝├čen und wilden Haaren ins Wohnzimmer gegangen und habe die Beine auf den Tisch gelegt und wohlig das hei├če Ges├Âff geschl├╝rft und zwar richtig laut. Das soll mir in Zukunft mal einer verbieten! Ich stelle die leere Tasse einfach ins B├╝cherregal und stelle mir vor, wie sie einen Anfall bekommen h├Ątte. Ich habe extra meine Socken auf die Erde geworfen als ich ins Bett gegangen bin und habe auch den Antischnarchgaumenschild nicht eingelegt. Welch befreiendes Schlafen! Ich musste nicht mal im Wohnzimmer n├Ąchtigen.
Beim Z├Ąhneputzen verteile ich die Spritzer gleichm├Ą├čig auf dem Spiegel und die Tube bleibt diesmal offen.
Das Gef├╝hl der Freiheit ist einfach unvergleichlich.
Meine wei├čen Socken leuchten durch die offenen Sandalen. Ich laufe so durch die Wohnung, weil es doch etwas zu kalt ist um drau├čen in dieser Weise mein neues Lebensgef├╝hl zu demonstrieren. Ich mache eine B├╝chse Ananas auf und fische mir den ersten Ring mit den Fingern heraus.
"Ja, du hast recht. Ich bin eben so und es schmeckt wunderbar.", schmatze ich der imagin├Ąren Exfrau zu, w├Ąhrend mir der Saft von Mund und Fingern tropft. Wenn ich das damals kurz vor unserer Hochzeit gemacht h├Ątte, dann w├Ąren mir die folgenden Jahre der Ehe erspart geblieben.
Die Hochzeit war schon toll. Sie sah einfach umwerfend aus. Pl├Âtzlich tropfen auch meine Augen. Wahrscheinlich ist der scharfe Saft daran schuld. Verschleiert sehe ich das Chaos, das ich in nur wenigen Minuten angerichtet habe.
"Quatsch, Chaos. Das ist ein Junggesellenhaushalt und jetzt mache ich mir was schnuckeliges zu Essen!" So ist es richtig! War nicht heute Abend das Spiel Herta gegen... gegen, egal, auf jeden fall Fu├čball. Muss noch einkaufen gehen. Ich habe schon so lange nicht mehr Fu├čball geschaut, dass ich gar nicht mehr richtig wei├č, wie man das z├╝nftig macht.
Wo ist mein Basecap? Hab ich noch Bier im K├╝hlschrank? Nach einigem Suchen finde ich auch meine Trainingshose, die mir zwar etwas eng vorkommt, ist wahrscheinlich eingelaufen, aber ich zw├Ąnge mich dennoch hinein. Auf dem Sportkanal ist nat├╝rlich rund um die Uhr etwas Aufregendes zu sehen, muss also nicht bis abends warten, jetzt nur Eisstockschie├čen, Lokalvorentscheidung, aber es ist spannend die Regeln zu erraten. Immer wenn ich gerade meine, jetzt wei├č ich es, verbl├╝fft mich wieder eine Variante, echt aufregend. Wie ich unsere Gespr├Ąche und Diskussionen vermisse. Es machte Spa├č, ihrem scharfen Verstand zu folgen.

Ich muss wohl eingenickt sein; es ist schon dunkel und die Tabellen der Platzierten wiederholen sich unaufh├Ârlich. Habe irgendwie keine Lust mehr auf Fu├čball. Werde mal Anne fragen, ob wir nicht in der k├╝hlen Abendluft durch den Park gehen wollen. Die Erkenntnis, dass es keine Anne mehr in meinem Leben gibt, wirft mich f├Ârmlich um.
Was habe ich eigentlich falsch gemacht? Echt keine Ahnung. Bestimmt ist da doch irgendein anderer Kerl gewesen, zwanzig Jahre j├╝nger als ich, aber der wird sich schon bald wundern, was er pl├Âtzlich alles nicht mehr machen kann, das ihm wichtig ist. Wahrscheinlich wird er dann keinen mehr hochkriegen, hihi.
Man muss sie n├Ąmlich einf├╝hlsam nehmen. Sie ist so empfindlich an den Ohrl├Ąppchen und nur ich wei├č, die Stelle an ihrem Nacken, bei der man sehen konnte wie sich die H├Ąrchen an ihrem Arm aufrichteten und sie meist ein kleines St├Âhnen nicht unterdr├╝cken konnte.
Ich h├Ątte das viel ├Âfter machen sollen, aber wenn ich rausbekomme wer der Kerl ist, dann werde ich ihm die Fresse derma├čen polieren, dass der Joker aus Batman dagegen ein geradezu himmlisch sch├Ânes Gesicht hat.
Ach, Bl├Âdsinn! Soll er sie doch anschaffen schicken. Das kann sie bestimmt gut, aber da wird er Pech haben; sie hat die 50 schon ├╝berschritten und so ein altes M├Ądchen wird wohl doch eher allein am Stra├čenrand stehen. Dabei probiere ich mein gemeinstens Grinsen, aber sehe doch nur vor mir, wie sch├Ân sie immer noch ist.
Wenn der Dreckskerl das macht, dann wird sie bestimmt merken, was sie an mir hatte. Ich werfe die Bierb├╝chse zu den anderen in die Ecke.
Ich bin ja so froh, dass sie weg ist!

__________________
"ist wie Schach, nur ohne W├╝rfel" Lukas Podolski

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