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Leselupe.de > Humor und Satire
Nie mehr dieses Theater
Eingestellt am 13. 11. 2003 08:10


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Frieda
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2002

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Nie mehr dieses Theater!

Wei├č der Teufel warum ausgerechnet mir immer solche verr├╝ckten Dinge zusto├čen. Im Grunde bin ich in keiner Weise au├čergew├Âhnlich, Mitte drei├čig, alleinstehend, von mittelm├Ą├čiger Statur und gerade mal wieder arbeitslos. Bis vor drei Tagen war ich als M├Ądchen f├╝r alles in einem winzigen Provinztheater angestellt. Der Job war recht interessant und vielseitig, kaum ein T├Ątigkeitsfeld war mir fremd, vom Eintrittskartenverk├Ąufer ├╝ber den Kulissenschieber bis zum Seelentr├Âster f├╝r lampenfiebernde Schauspieler. Endlich habe ich einen Platz gefunden, an dem ich l├Ąnger als vier Wochen bleiben kann, dachte ich. Ja, es gefiel mir beim Theater, auch wenn die Schauspieler manchmal etwas schwierig waren. Nehmen wir zum Beispiel Hermann, unsern "jugendlichen Helden", dem ich jeden Morgen zur Begr├╝├čung die letzten beiden Strophen von Schillers "B├╝rgschaft" aufsagen mu├čte. Oder Sophie, die vor jedem Auftritt unweigerlich in heftige Kr├Ąmpfe verfiel und nur mit meiner speziellen Herzmassage wieder ins Leben zur├╝ckgeholt werden konnte.

Trotz allem, ich liebte meinen Beruf, jedenfalls bis zu dem Tag, an dem unsere "Grande Dame", die Frau des Chefs, auf mich aufmerksam wurde. Es war w├Ąhrend der Generalprobe zu "H├Ârt, wie das Weib im Walde schallt". Unsere Requisite war sp├Ąt dran mit der Vervollst├Ąndigung des B├╝hnenbildes, und so mu├čte ich als Platzhalter f├╝r einen noch nicht fertiggestellten Tannenbaum herhalten. "Nein ist der niiiiedlich!", kreischte die "Grande" als sie mich sah, wie ich eifrig meine Zweige m├Âglichst tannenm├Ą├čig abzuspreizen versuchte. Ich wu├čte nicht, wen oder was sie meinte und blickte unsicher an mir herunter. "Ei, so ein herziges Gesichtchen und so ein strammes Knack├Ąrschlein!" Fachm├Ąnnisch betastete sie mein - durchaus ansehnliches - Hinterteil. Mir wurde ganz anders, sp├Ątestens zu diesem Zeitpunkt h├Ątte ich gewarnt sein m├╝ssen. Aber naiv wie ich war, dachte ich mir nichts dabei, und so nahm das Verh├Ąngnis seinen Lauf.

Der Spielplan war nat├╝rlich so gestaltet, da├č die "Grande Dame" alle Hauptrollen f├╝r sich reklamieren konnte. Das gab zwar ab und zu b├Âses Blut unter den Schauspielern, aber ich hatte in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen, und so ber├╝hrte es mich kaum. Schlimmer war schon, da├č die Chefin nicht auftreten konnte, ohne da├č vorher ein ganz bestimmtes Ritual ablief. Als Hauptperson in ihrer "kleinen Belustigung", wie sie es nannte, hatte sie mich, das "Knack├Ąrschlein", auserkoren. Eine weitere Hauptrolle spielte ein gro├čes Aquarium, das protzig in ihrer Garderobe stand, und in dem sich eine Reihe bunter Zierfische tummelte. Vor jeder Vorstellung mu├čte ich in ein albernes Vogelgewand mit ├╝berdimensionalem Schnabel schl├╝pfen. Kurz bevor die "Grande" zu ihrem Auftritt gerufen wurde, stieg ich gem├Ą├č ihrer Anweisung auf den Tisch mit dem Aquarium, tauchte den Kopf tief ins Wasser und versuchte, mit meinem m├Ąchtigen Schnabel die Fische zu fangen. Igitt, die glitschigen Biester kannten nat├╝rlich die Zeremonie. Wie verabredet schwammen sie alle auf mich zu, wobei sie mit ihren ekligen Schnappm├Ąulern h├Ąmisch zu grinsen schienen. Dann, wenn ich schon dachte, ich h├Ątte ein paar erwischt, drehten sie im letzten Moment ab. Sie machten sich ganz offensichtlich einen Spa├č daraus, und auch die "Grande" hatte ihren Spa├č, indem sie mich mit herzhaften Schl├Ągen auf mein w├Ąhrend der Jagd steil nach oben ragendes "Knack├Ąrschlein" anzufeuern pflegte. Gew├Âhnlich gelang es mir, bis zum endg├╝ltigen Aufruf der Chefin unter Wasser zu bleiben. Das war reine Selbsterhaltung, denn sobald ich hochzukommen wagte, st├╝rzte sie sich mit dem Schrei: "Oooch was hat er denn? Ist er vielleicht ertrunken?" auf mich und versuchte, mich zu beatmen. Erst wenn sie zu ihrem Auftritt aus der Garderobe gerauscht war konnte ich gefahrlos auftauchen, wenn ich dann noch die Kraft dazu hatte. Mimi, die Maskenbildnerin, mu├čte mir mehr als einmal das Leben retten, denn lieber w├Ąre ich elendig ersoffen, als da├č ich mich von der "Grande" h├Ątte wiederbeleben lassen.

Man kann sich vorstellen, da├č diese Art von Belustigung meiner Gesundheit nicht besonders zutr├Ąglich war. Ich befand mich in einer Zwickm├╝hle: Einerseits wollte ich gern am Theater bleiben, andererseits war ich sicher, da├č es mich fr├╝her oder sp├Ąter das Leben kosten w├╝rde. Doch dann geschah eines Tages etwas unvorhergesehenes, das mir die Entscheidung abnahm: Ich fing einen Fisch.
"Ich hab' einen!", wollte ich rufen, dabei verga├č ich ganz, da├č ich noch unter Wasser war und schluckte erst einmal eine geh├Ârige Portion des algendurchsetzten Aquariuminhaltes. Panisch warf ich mich zur├╝ck, kollerte unter den Tisch, einen breiten Wasserschwall und den besagten Fisch mit mir rei├čend. "Oooch, was hat er denn? Ist er vielleicht ... Aaaaaah!"

Was dann geschah kann ich nur noch unvollst├Ąndig rekonstruieren. Fast besinnungslos lag ich am Boden und sah die weiteren Ereignisse wie einen Film vor mir ablaufen. Die "Grande" hatte offenbar, kaum da├č ich aufgetaucht war, die Gelegenheit ergriffen und war auf mich zugest├╝rzt, um mich endlich einmal wieder zu beatmen. Dabei mu├č ihr der ungl├╝ckliche Fisch entgegengesprungen sein, so da├č sie vor Schreck r├╝ckw├Ąrts getaumelt, gegen das Aquarium gesto├čen und mit der ganzen Bescherung zu Boden gegangen war. Dunkel erinnere ich mich an schnappende M├╝nder, an zuckende Leiber. Wie sch├Ân sie sich hin- und herwanden und um ihr armseliges Leben k├Ąmpften. Einer von ihnen war besonders dick und gro├č und bunt, aber er zuckte und schnappte nicht anders als die ├╝brigen. Kleine glucksende Lacher stiegen wie Sektperlen in mir auf, zerplatzten, sobald sie an die Oberfl├Ąche kamen und hinterlie├čen eine angenehme Mattigkeit. Ich f├╝hlte mich unendlich wohl, indem ich einfach nur dalag und den zappelnden Dingern zusah. "Fischlein, Fischlein", kicherte ich vor mich hin. Und ehe noch jemand von der Truppe eingreifen konnte hatten sie alle, auch der dickste Fisch, ausgezuckt.

Nun, ich selbst war auch diesmal ohne Schaden davongekommen. Der Spielplan mu├čte nat├╝rlich ge├Ąndert werden, leider wurde auch die Besetzung meiner Stelle ge├Ąndert. Aber vom Theater hatte ich inzwischen sowieso die Nase voll. Und nun kommen Sie und bieten mir diesen Job beim Fernsehen an. Ich soll mich in ein Elchkost├╝m stecken, bis an den Hals verschn├╝ren und auf der Ladefl├Ąche eines Pritschenwagens durch Lappland kutschieren lassen? Es wir auch gut bezahlt, sagen Sie? Nein, mein Lieber, auf so etwas lasse ich mich nicht ein. Nie mehr, das habe ich mir geschworen!

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