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Leselupe.de > Gereimtes
Niemandsland
Eingestellt am 24. 11. 2002 15:18


Autor
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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
Kommentare: 1962
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Ich hatte im letzten Monat Besuch,
es war der Mann mit der Sense.
Er stand auf dem Deich, also genau da,
wo einstmals verlief die Grenze.

Ich hab‘ ihn nicht sofort warten gesehn,
war besch├Ąftigt mit Grasm├Ąhen.
Das schie├čt nun mal im Monat Mai –
man kann es wachsen sehen.

Au├čerdem suchte ich angestrengt
noch das letzte Wort einer Reimzeile,
besch├Ąftigt war’n also K├Ârper und Geist,
so sah ich ihn erst nach einer Weile.

In der Mittagssonne stand er,
mir war nicht klar, was das sollte,
zun├Ąchst spekulierte ich drauf,
da├č mir jemand helfen wollte.

Ich schattet‘ die Augen gegen das Licht,
besser den Fremden zu sehen;
als ich begriff, wer vor mir stand,
fiel es mir schwer, zu verstehen.

Er stand, leicht geb├╝ckt auf sein Werkzeug,
aber still, als ob er schliefe.
Ich w├╝nscht‘ ihm einen erfolgreichen Tag,
hoffend, dass er mich nicht riefe.

Leider erreichte mich doch sein Wort,
er rief, ich solle nicht hetzen,
aber Charon h├Ątt‘ festen Plan,
mich in B├Ąlde ├╝berzusetzen.

Mir fuhr in die Glieder der kalte Schreck
im Bewu├čtsein endlicher Lage.
Doch ich besann mich und stellte ihm,
h├Âflich bittend, eine Frage.

Ich schriebe, sprach ich, an einem Gedicht,
das zu den gro├čen ich z├Ąhle.
Leider sei‘s fertig noch nicht so ganz:
Ein Reimwort sei’s noch, das fehle!

Und au├čerdem, sagte ich, m├╝sse ich doch
das Gras meiner Wiese k├╝rzen,
der Herr nun m├Âge bitte nichts
in meinem Fall ├╝berst├╝rzen.

Ich k├Ânne doch nicht aus dem Leben gehn
mit einer ungepflegten Wiese,
auch schwane mir, dass der fehlende Reim
mich da dr├╝ben nicht ruhen lie├če.

Wider Erwarten – er willigte ein,
mir war, als w├╝rd‘ er leicht nicken.
Stumm entschwand er mit seinem Werkzeug
in Richtung Flu├č meinen Blicken.

Die Frage besch├Ąftigte mich nunmehr,
ob nochmal er Aufschub lie├če,
und was ich ihm sagen m├╝├čt,‘
wenn er wieder vom Deich her gr├╝├če.

Grad‘ mal eine Woche ist’s her,
da lie├č sich der Herr wieder sehen.
Er winkte mit dem kleinen Finger nur,
mir war klar: nun sollt‘ s geschehen.

Doch wieder sprach ich ihn freundlich an,
erz├Ąhlte von all meinen M├╝hen
im Kampf um den Reim und gegen das Gras
und bat, er m├Âge noch einmal ziehen.

Diesmal z├Âgerte er gar lang,
in seinen Augenh├Âhlen Blitze,
er kratzte sich hinten am R├╝cken so,
als stieg‘ in ihm auf H├Âllenhitze.

Ich hab‘ nicht ein einziges Wort geh├Ârt,
gru├člos ist er gegangen.
Ich ahnte, dass es nicht ratsam sei,
nochmal das Thema anzufangen.

Gestern kam er das dritte Mal.
Ich traf ihn in meinem Garten.
Und diesmal sprach er sehr deutlich:
Er k├Ânne jetzt nicht mehr warten.

„Du wei├čt“, sprach er barsch, „was denen geschah,
die mich zu betr├╝gen suchten.
Ich erinnere nur an Sisyphus,
den auf alle Zeit verfluchten.“

„Ach“, sprach ich, „das ist doch der arme Hund,
der nie den Fels bringt nach oben,
weil der kurz davor immer zur├╝ckrollt.
Auch hat er sich schon verhoben!“

„Genau, mein Lieber, Du hast es erfa├čt,
ich denke, genug nun der Worte.
Folg‘ unauff├Ąllig meinem Weg
zu schattenreicherm Orte.“

Schon lief ich brav hinter ihm drein,
dem Schicksal ergeben, leider;
da h├Ârte ich eine Stimme, die
sich richtet‘ an meinen Begleiter.

Tats├Ąchlich, ich selbst war es, der sprach,
ich sprach von der Schwere des Lebens.
Wie oft man im Mai Gras m├Ąhen m├╝├čt‘
und trotzdem w├Ąr‘ alles vergebens.

Ich sprach auch von meiner Schreibarbeit,
wie wenig mir leider gl├╝cke,
wie geschickt sich aber die Wirklichkeit
an meinen Werken vorbeidr├╝cke.

Ich sprach von der ewigen Wiederkehr
nervt├Âtender T├Ątigkeiten,
es lie├če sich der Unterschied
von Diesseits und Jenseits bestreiten.

Er sprach, er h├Ątte sehr gerne gewu├čt,
bei allen Teufeln, Nymphen und Elfen,
welches Reimwort ich denn gesucht,
vielleicht ja k├Ânne er helfen.

„Ach“, sprach ich, "mit manchen Worten ist’s schwer,
kein zweites will richtig drauf passen,
vielleicht liegt’s in dem Fall an uns’rer Natur –
ich k├Ânnte mich oft daf├╝r hassen."

Pl├Âtzlich blieb mein Begleiter stehn,
lie├č traurig die Schultern sinken
und l├Âste in feinen Nebel sich auf –
ich konnte ihm nicht mal mehr winken.

Verdattert bin ich wieder zur├╝ck
an meine Arbeit gekommen:
Ich wei├č es noch heute nicht ganz genau:
Hat er, hat er nicht – mich mitgenommen...

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