Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
277 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Nihao aus Beijing 2003
Eingestellt am 14. 05. 2004 22:47


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Katjuscha
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 29
Kommentare: 94
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Katjuscha eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

E-Mails aus Peking

Ich habe bei der Leselupe gerade das Tagebuch entdeckt und habe dabei gleich an mein E-Mail-Tagebuch gedacht, dass ich im vergangenen Jahr w├Ąhrend meines Praktikums in Peking schrieb. Da es alle Mails auf einmal sind, ist es ziemlich viel. aber ich hoffe, das Lesen macht trotzdem Spa├č.

Nihao aus Beijing, (19.02.03)

Tscha - diese Mailgr├╝├če hier sende ich nun endlich aus China. Unser Start war n├Ąmlich nicht so rosig. Wir waren viertel acht am Flughafen Tegel, weil unser Flieger via Amsterdam um 9 gehen sollte. Kurz vor neun kam die Meldung, dass sich der Flug um 20 Minuten verz├Âgern wird, weil irgendein Teil defekt ist. Zehn Minuten sp├Ąter hie├č es pl├Âtzlich, dass extra ein Mechaniker aus Amsterdam eingeflogen werden muss, der den Schaden behebt. Das hie├č also noch mindestens 2 Stunden warten. Um 10 hie├č es, der Flug f├Ąllt ganz aus, also haben alle Passagiere ihre Koffer wieder bekommen und sollten sich am Ticketschalter ein neues Ticket besorgen. Da standen aber schon 108428402947 Leute - mindestens. Ein paar Leute vor uns wollten ├╝ber Amsterdam nach Tokio und nervten eine Tante von KLM (der miesen Flugfirma, die das nicht auf die Reihe bekam) so lange bis sie sagte, einige Leute k├Ânnten doch noch mit dem Flieger mit, weil sie so lange Aufenthalt in Amsterdam h├Ątten, dass sich eine Versp├Ątung um drei Stunden nicht auswirkt. Also gaben wir unser Gep├Ąck ein erneutes Mal auf und setzten uns brav in den Wartesaal. Wie auch schon beim ersten Mal piepte bei mir diese Kontrollt├╝r, durch die man gehen muss. Wieder wurde ich von unten bis oben abgesucht nach meinen Waffen, die ich immer bei mir trage. So gegen 11:30 Uhr kam ein Aufruf, dass unser Flieger von einem anderen Flugsteig fl├Âge, weil auf unserem gleich ein anderer k├Ąme. Also bekamen wir unser Gep├Ąck wieder zur├╝ck und zockelten zum anderen Flugsteig, gaben unser Gep├Ąck wieder auf. Die Piepskontrolle piepste diesmal merkw├╝rdiger Weise nicht und wir warteten bis es 12 wurde, weil da eine neue Meldung kommen sollte, was mit unseren Flieger nun sein soll. Mittlerweile waren nur noch die Tokioter bei uns und ein M├Ądel, das nach Mexico wollte. Alle anderen h├Ątten ihren Flieger eh nicht mehr bekommen und mussten umbuchen. Es wurde 12, es wurde halb eins. Die Tokioter konnten auch Leine ziehen, weil ihr Flieger um 2 von Amsterdam gehen sollte und die den dann auch nicht mehr geschafft h├Ątten. So gegen dreiviertel 1 kam dann die tolle Durchsage, dass der Flieger nun doch ganz gestrichen wird und wir uns bitte zum Ticketschalter begeben sollten. Nun standen wir also um 1 (wir hatten unser Gep├Ąck mal wieder abgeholt) am Ticketschalter, an dem wir vor zwei Stunden schon mal gestanden hatten, und sollten dort einen neuen Flug bekommen - so schnell wie m├Âglich. So standen wir da also noch eine weitere Stunde. Die Tokioter waren sogar noch vor uns, weil das Heraussuchen der schnellsten Flugroute bei jedem ewig dauerte. So gegen 14 Uhr wussten wir es endlich: 15:50 Uhr fliegt ein Flugzeug nach Kopenhagen und von dort dann 19:50 Uhr nach Peking, so dass wir nur zwei Stunden nach unserem alten Termin da w├Ąren. Gingen wir also noch mit den Tokiotern, die eigentlich in Berlin wohnen, essen, denn wir hatten gro├čz├╝giger Weise einen Essengutschein von 20 Euro bekommen, wo wir noch 2 Euro drauf zahlen mussten, weil alles so schweineteuer war. Endlich sa├čen wir dann also (nach der Gep├Ąckabgabe und das Piepding blieb wieder ruhig) in dem Flieger nach Kopenhagen und waren auch p├╝nktlich dort. Drei Stunden turnten wir dann ├╝ber den riesigen Kopenhagener Flughafen und setzten uns dann v├Âllig fertig und auf den Flug freuend in den Wartesaal. Leider hatten wir keine Pl├Ątze mehr nebeneinander bekommen, aber die Dame am Schalter f├╝r die Bordp├Ąsse meinte, das k├Ânnte man ganz einfach tauschen. Da sa├čen wir dann nun und spielten fr├Âhlich Karten. Dann ging Carsten zum Checkin und fragte, ob wir noch Pl├Ątze zusammen bekommen k├Ânnten. Doch die meinte, dass wir Gl├╝ck gehabt h├Ątten, dass wir ├╝berhaupt Tickets h├Ątten, denn das Flugzeug sei heillos ├╝bergebucht und KLM h├Ątte uns einfach ├╝ber andere Flugg├Ąste r├╝ber gebucht. Sie boten uns an, wenn wir auf den Flug verzichten, dass wir in Kopenhagen in einem First-Class-Hotel ├╝bernachten k├Ânnten und zus├Ątzlich jeder einen Fluggutschein f├╝r 600 Euro bek├Ąmen, wenn wir auf unsere Pl├Ątze ganz verzichten. Das haute uns erst einmal um, denn immerhin warteten wir ja nun schon 12 Stunden, nur um nach Kopenhagen zu kommen. Aber wir haben das dann schlie├člich doch gemacht, weil sie uns f├╝r den Flug 24 Stunden sp├Ąter dann Pl├Ątze nebeneinander gab. So hatten wir als Entsch├Ądigung sozusagen einen tollen Tag in Kopenhagen und drei Mahlzeiten umsonst plus Taxi und ein Overnight-Kit mit Zahnb├╝rste, Schlafshirt und sonst was, weil unser Gep├Ąck n├Ąmlich schon in dem Flieger nach Peking war, also einen Tag eher ankommen sollte. Na - da mussten wir es wenigstens nicht noch einmal abholen. Aber ganz geheuer war mir das nicht. In Kopenhagen haben wir eine sch├Âne Stadtrundfahrt gemacht. Am n├Ąchsten Abend konnten wir dann endlich in den richtigen Flieger steigen - zusammen mit ca. 40 Neuntkl├Ąsslern aus D├Ąnemark (kicherbl├Âdel). Es wurde eine lustige Nacht mit Essen bis zum Umfallen und Computerspielen, denn an jedem Sitz gab es einen Bildschirm mit wei├č ich wie vielen Filmen, Fluginfos, einer Kamera, die Bild aus dem Cockpit und von unter dem Flugzeug brachten, Spiele und Musik. Mit einst├╝ndiger Versp├Ątung kamen wir dann endlich endlich endlich in Peking an. Die Passkontrolle ging tadellos. Piepsdinger gab es gar nicht erst. Auch die beiden, die uns vom Flughafen abholen wollten, sahen wir gleich. Doch wir mussten ja noch unser Gep├Ąck finden, dass ja irgendwo in diesem monstr├Âsen Gel├Ąnde sein m├╝sste. Die Dame in Kopenhagen meinte, das w├Ąre alles kein Problem, weil es bei der Fluggesellschaft einen Raum g├Ąbe, wo solches Gep├Ąck eingeschlossen werde. Beim Ticketschalter konnte man uns nicht so recht Auskunft geben, also gingen wir zum B├╝ro der Fluggesellschaft . Dort wusste man auch nichts, aber es kam eine chinesische Dame, die uns irgendwohin bringen sollte. Nach etlichen Treppensteigen und Fahrstuhlfahren waren wir wieder dort, wo wir vorher schon einmal vorbei gekommen waren: die Sammelstelle f├╝r verloren gegangenes Gep├Ąck. Und dort waren unsere Taschen dann tats├Ąchlich. Man war ich froh!!! Wir hatten n├Ąmlich in Kopenhagen auf einem F├Ârderband einige Koffer gesehen, die nicht mehr besonders gesund aussahen. Einer war total aufgerissen und Socken quollen hervor und lila Unterw├Ąsche. Aber was die Leute nicht alles mit ins Flugzeug nehmen. Auf einem Gep├Ąckband lag sogar ein monstr├Âser Pl├╝schpanda, aber den wollte keiner haben. Der fuhr da so eine halbe Stunde vor sich hin, bis das Flughafenpersonal kam und den weg r├Ąumte. Vielleicht sollte der ja auch schon alleine nach Peking fliegen, w├Ąhrend seine Besitzer noch in Kopenhagen hockten.
Aber nun sind wir endlich hier und haben es echt gut getroffen, die deutsche Familie, bei der wir wohnen, hat ein eigenes Miethaus in einem der so genannten Compounds. Das sind abgeriegelte Wohnviertel (in Greenland Garden sind alle H├Ąuschen schweinchenrosa), die von Securityleuten Tag und Nacht bewacht werden. An fast jeder Stra├čenecke steht ein junger Mann mit schicker Uniform und tut nichts au├čer herum zu gucken. Es kommt auch keiner auf der Gel├Ąnde, den die Leute am Einlass nicht kennen - es sei denn man sieht europ├Ąisch aus. Uns lassen sie jedenfalls immer mit einem netten "Nihao" herein. Auf den Compounds gibt es auch meist H├Ąuser, in denen ein Schwimmbad ist, eine Sauna und ein Fitnesscenter. Das ist im Mietpreis (3.300 US-Dollar im Monat - zahlt die Firma) enthalten. So kann man sich also denken, wer hier wohnt. Es gibt aber auch Chinesen, die sich das leisten k├Ânnen. Wir haben unser eigenes Zimmer. Das Bad teilen wir uns mit dem 13-j├Ąhrigen Sohn der Familie, dem wir drei Stunden in der Woche Nachhilfe in Mathe geben werden. Deshalb k├Ânnen wir hier kostenlos wohnen und auch essen. In Greenland Garden wohnt auch die Lehrerin, die uns betreut. Mit ihr sind wir auch heute morgen zusammen zur Schule gefahren. Die Kinder werden vom Schulbus abgeholt. Die Schule sieht echt schick aus - roter Neubau mit schicken Fluren und Klassenzimmern. Von den Lehrern wurden wir sehr nett empfangen. Alle scheinen sich darum zu rei├čen, dass wir auch mal zu ihnen in den Unterricht kommen. So war Carsten heute f├╝r drei Stunden bei einem Geschichts- und Deutschlehrer in der 7. und 9. Klasse und eine Stunde beim Rektor f├╝r Deutsch 12. Klasse. Ich war f├╝r zwei Gemeinschafskundestunden in der 8. Klasse, habe mir Deutsch in der 3. und Ethik in der 7. Klase angeschaut. Morgen bin ich in der 2. Klasse und noch mal in der 8. Klasse f├╝r Gemeinschaftskunde. Dort werde ich wahrscheinlich auch meine Stunden unterrichten, denn zur Zeit haben die Sch├╝ler vier Stunden Politik in der Woche. Das findet im viertelj├Ąhrlichen Wechsel mit Geschichte statt. Morgen bin ich gespannt auf das Fach Chinakunde in der 2. Klasse. Mal sehen, was die Stippies da so lernen.
Nach der Schule wagten wir uns in die Innenstadt von Peking. Als Tourist f├Ąhrt man hier mit dem Taxi. Das ist etwa so teuer wie bei uns der ├Âffentliche Nahverkehr. Allerdings muss man darauf hoffen, dass der Fahrer einen versteht, wo man hin will (einmal sind wir schon kl├Ąglich gescheitert) und wenn das nicht klappt, dass er lesen kann. So haben wir uns jetzt s├Ąmtliche wichtige Adressen in Chinesisch aufschreiben lassen. Allerdings kennen viele Taxifahrer unseren Compound nicht, weil der so klein ist und auch die Schule ist f├╝r die meisten kein Begriff, also muss man ihnen irgendwelche Hotels in der N├Ąhe nennen und an der entsprechenden Stra├čenecke wild mit dem entsprechenden Arm zum Abbiegen winken oder sich merken, was links und rechts auf chinesisch hei├čt (wobei Katja immer ├Ąngstlich im Fond hockt). Aber das habe ich schon wieder vergessen. Und bei "ting ting" halten die Fahrer grinsend am Stra├čenrand. Die Leute hier sind wirklich sehr freundlich und wir hoffen, dass wir mal keinen Schlawiner erwischen, der weder lesen noch uns verstehen kann und dann fr├Âhlich im Kreis f├Ąhrt oder irgendwohin. Soll auch schon passiert sein. Da Taxifahren auf die Dauer doch recht teuer wird, wollen wir uns erkundigen, wie man mit dem Bus fahren kann. Die U-Bahn f├Ąhrt hier drau├čen leider nicht mehr. Sowieso sind alle Buspl├Ąne auf Chinesisch und auch die Zeiten stehen in chinesischen Zahlen. Nur die Busnummern stehen in arabischen Ziffern. Bus Fahren kostet aber nur 1 bis 2 Yuan (ca. 12-25 Cent). Mal sehen, ob wir uns trauen.
Heute waren wir auf dem Platz des Himmlischen Friedens und vor der Verbotenen Stadt. Da wir aber noch keine Lust hatten, Eintritt zu bezahlen, sind wir nicht reingegangen. Vor dem Staatsmuseum sind wir dann von chinesischen Englischstudenten angeschwatzt worden, ob wir uns nicht mal eine Kunstausstellung ansehen wollen, die chinesische Kunststudenten gemacht haben und ihnen dann unsere Meinung dazu sagen k├Ânnten. Also gingen wir mit und die Bilder waren auch wirklich interessant. Die M├Ądels wussten auch viel zu den Bildern zu erz├Ąhlen. Komisch war nur, dass die Ausstellung ├╝ber einem Laden war und die Bilder dicht an dicht hingen - nicht wie in einer Galerie schick im Rahmen und schick hingeh├Ąngt, sondern wild im Raum stehend. Naja - und zum Schluss kam es wie es kommen musste: wir sollten ein Bild kaufen. Die so genannten "characters" fand ich echt klasse. Das sind schwarze chinesische Schriftzeichen auf roten Grund, die dann irgendwas bedeuten. Da sollte jedes 200 Yuan kosten (ca. 25 Euro). Das war uns zu viel, aber die Leute haben nicht verstanden, dass wir den Preis v├Âllig angemessen fanden (immerhin war es Handarbeit und auf echter Seide), aber uns so ein teures Bild einfach nicht kaufen wollten. Sie fingen dann an zu handeln. Zum Schluss waren wir bei 120 Yuan, aber wir wollten es nicht nehmen, weil wir f├╝r kein Bild 15 Euro zahlen w├╝rden (auch nicht f├╝r einen Picasso). Aber die verstanden das nicht und uns wurde das Ganze dann unangenehm. Wir sind dann schnell verschwunden und zur gro├čen Einkaufsmeile von Peking gestiefelt. Und was passierte dort an der ersten Stra├čenecke: Zwei chinesische Englischstudentinnen hielten uns an, fragten wieder nach unserer Herkunft, sagten wie auch die anderen drei fr├Âhlich "Guten Tag" und "Guten Abend" auf deutsch zu uns und wollten uns eine tolle Kunstausstellung zeigen. Aber wir konnten sie davon ├╝berzeugen, dass wir die schon kennen. Dann waren wir auf einem Stra├čenmarkt in einer Seitengasse. Von allen Seiten wurde man sofort angehalten etwas zu kaufen, wenn sie uns Europ├Ąer sahen, schrieen sie gleich noch ein bisschen lauter. Hier schauen sich sowieso die meisten Leute erstaunt nach uns um, wenn sie an uns vorbei laufen. Hier f├Ąllt man auf wie ein bunter Hund, auch wenn 12 Millionen Menschen in Peking leben. Ausl├Ąnder gibt es hier nicht so viele - jedenfalls wenige von au├čerhalb Asiens. Auf diesem Markt a├čen wir dann irgendwelche komischen Burger mit undefinierbaren Fleischst├╝ckchen drin. Bei den Chinesen waren Schaschlikspie├če sehr beliebt, die fast jeder Laden f├╝r 1 Yuan anbot. Erst habe ich ├╝berlegt, ob ich mir auch mal so ein Ding kaufe, aber als ich dann einen Spie├č mit gegrillten Kakerlaken sah, habe ich es mir dann doch anders ├╝berlegt und gehofft, dass in meinem Burger etwas anderes drin war. Wieder auf der Hauptstra├če haben wir dann noch drei weitere chinesische Englischstudenten und die Lehrer dazu kennen gelernt und waren im "Store f├╝r new China children". Das war ein Kaufhaus nur mit Kinderklamotten, Spielzeug und Zubeh├Âr. Aber das war leer, denn welcher Chinese kann sich das schon leisten. Im Keller gab es mehrere M├Âglichkeiten f├╝r Kinder etwas zu basteln, zu toben oder zum Spielen, aber alles kostete so um die 15 Yuan (ca. 2 Euro). Das hat fast kein Chinese ├╝brig. Der Durchschnittsverdiener hat vielleicht 300 (ca. 40 Euro) Yuan im Monat, von dem etwa 50 Yuan f├╝r Miete abgehen. Auch gute Schulen f├╝r die Kinder kosten Geld und viele Leute wohnen auf dem Land und m├╝ssen ja auch ab und zu mal nach Hause fahren, damit ihre Familie auch was von dem wenigen Geld hat. Die Analphabetenrate ist in China sehr hoch und auch in Peking k├Ânnen nicht alle Taxifahrer lesen, vor allem Frauen und Zweitgeborene nicht, denn die haben noch schlechtere Bildungschancen. Die Chinesen m├╝ssen echt eine Strafe zahlen, wenn sie in zweites Kind bekommen, vor allem, wenn es ein M├Ądchen ist. Das kann eine Familie schon ruinieren. Deshalb sitzen in den chinesischen Schulen auch viel weniger M├Ądchen.
Das waren also unsere ersten beiden Tage in Peking. Allerdings geht es hier doch nicht so wild zu wie ich es bef├╝rchtet habe und auch die Luft ist nicht so ├╝bel, wie viele behaupten, auch wenn einige vorsichtige Chinesinnen mit Mundschutz herum laufen. Was hier wild ist, sind die Autos und die Sandst├╝rme aus der W├╝ste Gobi, aber letztere sollen wohl immer erst Ende M├Ąrz kommen. So lange scheint hier wohl noch die Sonne, denn regnen tut es hier fast nie, auch die Temperaturen liegen schon im Plusbereich.

Beste Gr├╝├če von Katja


Nihao aus Beijing, (21.02.03)

nun ist unser vierter Tag in Beijing auch bald vor├╝ber und langsam schwindet auch meine Angst, dass ich hier ausgeraubt, verschleppt oder behumpst werde. Die Chinesen sind, glaube ich, ein sehr freundliches Volk. Heute waren wir auf einem chinesischen Markt, auf den eigentlich keine Touristen kommen. Dementsprechend waren die Preise und dementsprechend sah es dort auch aus. So viel Dreck habe ich bisher noch nie gesehen. Papierk├Ârbe gibt es in dieser Gegend nicht. Der kleine Fluss, der dort durchfloss, war ein einziges stinkendes Dreckloch. Wasser floss darin nicht mehr. Aber dort waren die H├Ąndler nicht so aufdringlich wie in der Innenstadt, sondern schauten einen nur neugierig an. Stephanie hat erz├Ąhlt, dass sie vor einiger Zeit st├Ąndig gefragt wurde, ob sie Lisa (ihre siebenj├Ąhrige Tochter) fotografieren d├╝rfen. An Touristenschwerpunkten wie dem Tienanmen kamen sie ├╝berhaupt nicht voran, weil immer ein Chinese mit Fotoapparat parat stand. Dann hat Lisa sich ihre blonden Haare r├Âtlich f├Ąrben lassen und wird jetzt nicht mehr so oft gefragt. Auch Mathias (ihr Mann) und Julian (der 13-j├Ąhrige Sohn) werden ├Âfter von Chinesen gefragt, ob sie fotografiert werden d├╝rfen, denn die Chinesen denken, dass alle Deutschen einen dicken Bauch h├Ątten (wie die Bayern eben). Zwar sind die beiden wirklich nicht dick, aber f├╝r die d├╝nnen und kleinen Chinesen reicht das schon. Viele fragen schon, ob sie Deutsche sind. Dass der Durchschnittschinese klein und d├╝nn ist, zeigt sich auch daran, dass Carsten an Jacken die Gr├Â├če XXL passt. Die Nike-Sporthose in XL war ihm allerdings viel zu gro├č.
Eine Nike-Hose ist das aber nicht, denn die Chinesen sind Meister im Kopieren. Hier bekommt man grunds├Ątzlich alle Markenklamotten f├╝r einen Spottpreis (Jeans von Versace f├╝r 100 Kuai - etwa 14 Euro), aber echt sind die bestimmt nicht. Die Qualit├Ąt ist aber wohl okay. Auf dem Schmuddelmarkt haben wir uns einen niegelnagelneuen, gl├Ąnzenden Trolli gekauft, den wir als Handgep├Ąck f├╝r den R├╝ckflug nehmen wollen. Dieser Stand und ein Stand mit schrillbunten Comics passten da irgendwie nicht hin. An den anderen St├Ąnden gab es gro├če S├Ącke mit Getreide und Gew├╝rzen, aber man konnte auch Cornflakes aus dem Jutesack kaufen. Wir haben uns kandierte Mini├Ąpfel geg├Ânnt. Die waren ganz lecker. Wie gesagt, kann man aber auch Kakerlaken oder Skorpione am Spie├č kaufen und Stephanie erz├Ąhlte von einem Delikatessenbuffet mit zappelnden Schmetterlingskokons. Der Fahrer der Familie Gutgesell liebt ├╝brigens die so genannten 100-j├Ąhrigen Eier. Das sind normale H├╝hnereier, die drei Monate in Pferdemist gepackt werden. Mit der Zeit werden die dann gr├╝n und werden zur Delikatesse - f├╝r Chinesen. Stephanie meint, das schmeckt wie Ammoniak. Ich will das lieber gar nicht probieren. Auf dem Markt gab es diese Dinger jedenfalls auch. In einem Lebensmittelgesch├Ąft waren wir auch noch und haben uns mit chinesischen S├╝├čigkeiten (Quittengeleebonbons, Kekse etc.) und Esswaren eingedeckt. Auf einer verpackten Fleischwurst sind kleine Hunde zu sehen. Carsten war der Meinung, wir m├╝ssten das mal probieren. Mal sehen, ob die a) f├╝r den lieben Hund daheim ist (hier gibt es nur sehr wenige - und wenn dann Pekinesen , b) als Gag f├╝r kleine Kinder ist (statt Mickey Mouse oder Winni Puh) oder ob sie c) in China tats├Ąchlich Hunde essen. Aber Stephanie meint, dass sie das schon tun, aber dass Hundefleisch eher bei den Koreanern eine Delikatesse sei. F├╝nf-Minuten-Terrinen gibt es hier auch, kosten nur 2 Yuan und schmecken wohl besser als in Deutschland. Ich habe die mit Winni Puh drauf genommen. Sie sind wohl nicht so scharf wie die mit Micky Maus. Die Gesch├Ąfte haben hier ├╝brigens 7 Tage in der Woche und bis zu 20 Stunden t├Ąglich ge├Âffnet. Die Chinesen st├╝rzen aber vor allem am Freitag und Samstag Nachmittag zum Einkaufen.
Dann haben wir es heute gewagt, zum ersten Mal mit dem Linienbus zu fahren. Die Busnummern stehen n├Ąmlich in arabischen Zahlen dran, aber die Ausschilderung ist nur in Chinesischen Zeichen. Aber wenn man wei├č, wo man hin will, ist das in Ordnung. Eine Fahrt mit dem Bus kostet etwa 1-2 Yuan (Kuai, RMB und Yuan ist alles das gleiche). Erst wollten wir uns Fahrr├Ąder kaufen, aber da unsere Nachbarn hier erst seit einem halben Jahr wohnen und ihnen schon zwei R├Ąder geklaut wurden, fahren wir doch lieber Bus. Am Wochenende wollen wir versuchen, mit Bus und U-Bahn zum Sommerpalast und nach Badachu (├╝bersetzt hei├čt das Apfelbaumgarten) zu fahren. Wenn wir uns ganz verfransen, rettet uns immer noch das Taxi.
An der deutschen Botschaftsschule f├╝hlen wir uns sehr wohl. Carsten lernt jetzt endlich mal die "Gro├čen" kennen, da er vor allem in der 10. und 12. Klasse Deutsch und Geschichte hospitieren und auch unterrichten wird. Auch ich mische mich unter die ├älteren, da Gemeinschaftskunde erst ab der 8. Klasse unterrichtet wird. Aber ich schaue mir auch den Ethikunterricht in der 7. Klasse an. Vor allem die Lehrer der Sekundarstufe I scheinen hier sehr offen gegen├╝ber neuen Unterrichtsmethoden zu sein, was ja an deutschen Schule eher selten der Fall ist. Die Grundschule ist eine ganz normale Grundschule, nur dass hier auch sehr viele M├Ąnner sind. Ich bin vor allem in der 1. und 2. Klasse. Mit der 2. Klasse habe ich heute zusammen die Sendung mit der Maus geschaut. Fernsehen k├Ânnen die Kinder hier ja nicht wirklich, da man in Peking selbst mit Satellitensch├╝ssel nur die Deutsche Welle empfangen kann, die zur H├Ąlfte auch noch auf Englisch ist. Das sind aber nur Nachrichten und Reportagen. In Peking empf├Ąngt man nicht einmal ARD und ZDF. Da freuen sich die Knirpse nat├╝rlich, wenn einer mal eine Aufzeichnung aus dem Deutschen Kinderfernsehen mitbringt. Diese Klasse schaut deshalb jeden Freitag in der letzten Stunde einen Film, meistens die Sendung mit der Maus zu einem Thema, das gerade behandelt wurde. In der letzten Woche ging es etwa um M├╝ll. N├Ąchste Woche geht es um Papier. Beim Fernsehen hatte ich nat├╝rlich gleich eine Horde kleiner M├Ądels um mich und nach 10 Minuten auch eins auf dem Scho├č.
Die Knirpse haben meist schon echt was hinter sich. Als Till (der 1,65 m gro├če Klassenlehrer) mich der Klasse vorstellte, lie├č er auch die Kinder sagen, woher sie alle kommen. Viele waren schon vorher in anderen L├Ąndern. Einige bleiben oft nur f├╝r ein paar Jahre am gleichen Ort. Zwei Kinder waren noch nie in Deutschland. Bei den Kindern, bei denen nur der Vater Deutscher ist, hapert es oft auch mit der Sprache. Die V├Ąter sind ja hier meist die Schwerverdiener und nie zu Hause. Die M├╝tter gelten als "mitreisender Ehepartner" und haben meist keinen Job. Sie sind zwar zu Hause, haben aber meist eine oder mehrere Ayis (Hausm├Ądchen f├╝r alles), die sich dann auch um die Kinder k├╝mmern. Da die aber keine andere Sprache sprechen als Chinesisch, haben die Kinder in der Schule ein sehr starkes Mitteilungsbed├╝rfnis. Aber die Kinder, die nicht so gut deutsch sprechen, bekommen einen guten F├Ârderunterricht. Schwierigkeiten gibt es auch f├╝r die Kinder mit deutschen Sprachproblemen auch deshalb, weil die meisten Kinder an der Schule recht gut Englisch sprechen, selbst die Zweitkl├Ąssler. Dann sprechen die Kinder eben Englisch miteinander, aber Deutsch lernen sie dadurch nicht. Ein M├Ądchen geht deshalb bald auch an die Internationale Schule in Peking, an der die Unterrichtssprache Englisch ist, dies w├Ąre f├╝r andere Kinder vielleicht auch besser. Aber viele Eltern wollen nat├╝rlich gern mal wieder nach Deutschland und da w├Ąre es nat├╝rlich besser, wenn das Kind auch Deutsch spricht. Andersherum gibt es aber auch Kinder, bei denen beide Eltern Deutsche sind, die schon seit 15 Jahren hier leben und die kein Wort Chinesisch sprechen k├Ânnen. Tja - und wir beschweren uns ├╝ber die T├╝rken. Die Deutschen bilden hier genau so eine kleine Gemeinde.
Aber die Kinder denken oft recht international. In einer 7. Klasse haben sich heute Jungen dar├╝ber unterhalten, was sie in den n├Ąchsten Jahren so vorhaben, denn viele ├Ąltere Sch├╝ler gehen lieber auf ein Internat, weil sie in Peking schlecht Anschluss finden wegen der Sprachbarrieren und die Klassenkameraden oft am anderen Ende von Peking wohnen. Dieser Junge wollte auf ein Internat nach New Jersey, denn Englisch sprechen, wie gesagt, die meisten Kinder hier sehr gut. Julian soll im n├Ąchsten Schuljahr auch auf ein Internat: die Internationale Schule bei Budweis (Tschechien). Es ist schon ein anderes Unterrichten hier. Auch hier gibt es zwar Eltern, die sich einen Dreck um die Ausbildung ihrer Kinder k├╝mmern, aber es gibt auch das andere Extrem von M├╝ttern, die nichts anderes zu tun haben, als ihr Kind mit Wissen voll zu stopfen. Ich habe auch den Eindruck, dass die Kinder viel mehr von der Weltpolitik mitbekommen, weil es hier eben nur ein deutsches Fernsehprogramm mit Nachrichten gibt. In Unterrichtsdiskussionen macht sich das sehr bemerkbar. Zwar ziehen sie auch hier vielleicht falsche Schlussfolgerungen oder plappern den Quatsch der Eltern nach, aber sie zeigen mehr Interesse. Das ist doch schon mal ein guter Ansatzpunkt f├╝r Politik . Au├čerdem ist die Klassenfrequenz angenehm. Die gr├Â├čte Klasse hat 24 Sch├╝ler.
Vielleicht noch ein wenig ├╝ber chinesische K├Âstlichkeiten. Wir waren vorhin mit unseren Gastgebern in einem mongolischen Restaurant und haben Feuertopf gegessen. Das ist so ein ├ľfchen, das wie ein Minikamin aussieht oder wie eine Mongolenm├╝tze. In dieser M├╝tze sind hei├čes Wasser und etwas ├ľl. Darin werden dann verschiedene Dinge gebraten - ein bisschen wie Fondue, nur mit weniger Fett. Dazu gab es eine Erdnussso├če mit Koriander und Zwiebeln zum W├╝rzen. Den Rest hat man nach Belieben bestellt. Zum Gl├╝ck war die Karte auf Englisch, so dass man ungef├Ąhr wusste, was einen erwartet. Wir hatten H├╝hnchenfleisch, Sojasprossen, frische Spinatbl├Ątter, Schinken, Pilze, Kartoffeln und so was ├Ąhnliches wie Maultaschen. Das wurde dann da reingeschmissen und danach in diese So├če gedippt. Das hat echt gut geschmeckt, auch wenn es eine ganz sch├Âne Schweinerei war, weil ja alles mit St├Ąbchen gegessen wird - auch die einen halben Meter langen Nudeln, so dick wie Makkaroni. Aber man hat uns gesagt, dass es an einem Tisch so aussehen muss, wenn es gut geschmeckt hat. Auch R├╝lpsen und Schl├╝rfen sind Ausdr├╝cke des kulinarischen Wohlbefindens. Die St├Ąbchen benutzt man hier ├╝brigens nur einmal und sie sind auch immer in kleinen Papiert├╝ten original verpackt. Manchmal muss man sie sogar noch auseinander brechen. Das war also mal eine gute Erfahrung mit chinesischem Essen. Aber wir haben auch schon Geschichten geh├Ârt von lebenden Schlangen im Restaurant, denen vor den Augen der Kunden die Kehle durchgeschnitten wurde und das Blut in kleinen N├Ąpfchen zum Trinken angeboten wurde. Aber die Schlange hat nachher wohl ganz gut geschmeckt (Kaisermen├╝ im Sommerpalast). Oder es gab auch eine Geschichte mit H├╝hnerk├Âpfen in der Suppe oder fein garniert auf dem Teller. Aber die Chinesen finden einige Dinge von uns sicherlich auch ekelig. Zum Beispiel w├╝rden die nie ihre Finger ablecken. Das finden die voll abartig.
Gestern waren wir bei der Buchlesung eines deutschen "WELT"-Korrespondenten, der schon eine ganze Weile in Peking lebt. Die Lesung war in der deutschen Schule (im Rahmen des sog. Schulforums) und die Aula war gut gef├╝llt. Er las ein bisschen aus seinem Buch "Sprung ins Ungewisse", in dem er ein bisschen von den neuen Ver├Ąnderungen in China spricht. Das Buch ist wie eine Reportage aufgebaut und ganz witzig geschrieben, auch wenn eine anwesende Chinesin das als l├Ącherlich machen ansah. Sie war jedenfalls ganz sch├Ân emp├Ârt. In einer Geschichte hat er von den Pekinger Friedh├Âfen erz├Ąhlt, auf denen die Opfer des 4. Juni 1989 liegen, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens bei einer Demo nieder geschossen wurden. Eigentlich sind chinesische Friedh├Âfe f├╝r Unbefugte verboten. Nur Angeh├Ârige d├╝rfen darauf. Aber er hat bei seiner Recherche zum Beispiel heraus gefunden, dass die Angeh├Ârigen der Opfer erst seit einem Jahr oder so Grabsteine f├╝r die Opfer des 4. Juni aufstellen d├╝rfen und alle Geschichtsb├╝cher in China dieses Datum auslassen. Es sei denn, sie schreiben was von "Konterrevolution". Die Chinesen sprechen auch nicht ├╝ber das Thema. In einer anderen Geschichte erz├Ąhlt er vom Tienanmen-Tor, dem gro├čen Tor des Himmlischen Friedens. Den Touristen und auch den Chinesen wurde bis vor einigen Jahren erz├Ąhlt, das Tor sei von 1600 noch was und das Tor wurde immer nur zu Festlichkeiten (Maos Geburtstag z. B.) renoviert, aber 1970 hat man das monstr├Âse Ding unter einer riesigen Plane versteckt, so dass das ganze Tor unbemerkt von mehreren Kr├Ąnen (!) v├Âllig abgetragen und neu aufgebaut werden konnte, weil es so bauf├Ąllig war. Aber gesagt hat man allen, es sei nur renoviert worden. Damit den "Schwindel" (wobei die Chinesen dies noch so sehr als Betrug ansehen) keiner merkt, hat man modernste Technik aus Amerika und Deutschland liefern lassen und viel Knete bezahlt. Erst nach 30 Jahren hat man zugegeben, dass das Tor komplett neu ist. Es ist immerhin das Staatssymbol von China. In der dritten Geschichte ging es um die neue Mittelschicht in China - von Unternehmern und leitenden Angestellten, die das Skifahren entdeckt haben und ihre Skistiefel auflassen, damit sie heraus h├╝pfen k├Ânnen, wenn sie umfallen. Der jungen Chinesin passte das gar nicht. Aber die Leute haben nett gelacht und man lacht ja auch ├╝ber die Deutschen, die irgendwas neu entdecken und sich dabei d├Ąmlich anstellen.
So - das war es f├╝r heute. Beste Gr├╝├če von Carsten und Katja

Nihao aus Peking, (22.02.03)

hast du schon mal einen Seestern gestreichelt? Wir schon, denn wir waren heute im Beiijnger Zoo. Aber erst einmal der Reihe nach:
Da das Wetter nicht so toll war (bedeckt und Nebel) wollten wir nicht zum Sommerpalast, sondern in den Zoo. Also sind wir ins Lido Hotel gegangen, bei dem wir hofften, dass uns die Leute dort mit den Buslinien aushelfen k├Ânnen. Da wurden wir aber zuerst einmal Zeugen einer wilden Hochzeit mit Riesenschlitten, schicker Braut und viel Konfetti. Die Dame von der Rezeption im Lido war auch sehr nett und hat uns die Verbindung zum Zoo genannt. Sie kannte sich tats├Ąchlich mit den Buslinien aus, von denen es in Peking wohl Hunderte gibt. Wir brauchten nicht einmal umsteigen. Sie hat uns auch gleich noch Infos gegeben zu Touren, die das Lido veranstaltet, zum Beispiel zur Chinesischen Mauer. Die sind aber sehr teuer und wir fahren wir schon n├Ąchste Woche mit unserer Gastfamilie hin. Aber vielleicht gef├Ąllt sie uns ja so gut, dass wir noch einmal fahren wollen. Mit dem Bus fuhren wir dann gut eine Stunde und haben dabei nur 4 Kuai bezahlt statt ├╝ber 30 mit dem Taxi. Bei der Kasse haben wir erst einmal gemerkt, was f├╝r Dr├Ąngler die Chinesen sind, aber wir konnten uns durchboxen und haben auch die Karten bekommen, die wir wollten. In China hat man sowieso ein anderes Distanzgef├╝hl. An den K├Ąfigen und Gehegen hat man immer eine Horde Leute im Nacken, die einem fast ins Genick pusten. Schnell umdrehen darf man sich auch nicht, weil man sonst aus Versehen vielleicht einen Chinesen k├╝sst. Aber voll war es eigentlich nur an den K├Ąfigen, in denen auch Tiere waren. Viele standen n├Ąmlich leer (Winter). Als erstes waren wir bei den Pandas, die aber nur faul in der Ecke lagen. Da wir Europ├Ąer aber so selten Pandas zu Gesicht bekommen, wollten wir uns nat├╝rlich wie die echten Touris fotografieren lassen und haben den Fotoapparat einem chinesischen Familienvater in die Hand gedr├╝ckt. Zum Gl├╝ck haben wir ihn noch rechtzeitig berichtigt, bevor er sich selbst fotografierte, da er die Linse erst einmal falsch herum hielt. Aber eigentlich verf├╝gen auch viele Chinesen ├╝ber die neueste Technik. Viele hatten Digitalkameras dabei, um ihre herausgeputzten Kinder vor den Affen, vor den Fischen, vor den Elefanten, vor der Stoffgiraffe zu fotografieren.
Einmal hat sich der Panda sogar bewegt, aber ich war nicht schnell genug, um sein Gesicht zu fotografieren. Als wir sp├Ąter wieder kamen, lag er wie ein Bettvorleger auf einem anderen Stein. Er war also tats├Ąchlich echt. Die meisten Tiere waren sowieso stinkend faul, schliefen entweder, waren gar nicht zu sehen oder vegetierten mit minimalster Kraftanstrengung vor sich hin, wie etwa ein fettes Krokodil, dass bewegungslos unter Wasser lag und nur alle 10 Minuten zum Luft holen an die Oberfl├Ąche kam. Nur bei den Affen war etwas mehr Bambule. Vor allem der Pavianmacker musste den bl├Âden Besuchern erst mal zeigen, wer hier der Chef ist. Es fehlte nur noch der Stinkefinger. Irgendwann h├Ârten wir dann eine Kapelle "Jingle Bells" spielen - mitten im Februar. Einen Weihnachtskranz haben wir auch noch ├╝ber dem Haiaquarium gesehen. Aber Weihnachten ist amerikanisch und amerikanisch ist cool - das ganze Jahr ├╝ber.
Erw├Ąhnenswert w├Ąren vielleicht auch noch die Klos. Erst wollte ich da nicht rein, weil ich viele schlimme Dinge von Pekinger ├Âffentlichen Toiletten geh├Ârt und auch schon einige gesehen habe. Die Hutongs, das sind die alten Pekinger Wohnviertel, bestehen nur aus vielen kleinen H├Ąusern ohne eigene B├Ąder und Toiletten. Dementsprechend sieht das einzige allgemeine Kloh├Ąuschen aus. Aber das im Zoo war sauber, wenn auch die Sp├╝lbecken in die Erde eingelassen waren, so dass man sich hinhocken musste wie im Wald. Sp├Ąter war noch einmal eins mit einer Sch├╝ssel wie wir sie kennen, aber das war das einzige Klo, das frei war. Den Chinesinnen war das nicht geheuer. Sie warteten lieber bis die Erdbecken frei wurden. Irgendjemand hat mir mal erz├Ąhlt, dass man in Europa erkennen kann, ob ein Chinese vorher auf dem ├Âffentlichen Klo war. Die steigen n├Ąmlich immer auf das Becken oben rauf und los gehtÔÇÖs. So sieht man eben die Fu├čtapsen auf der Brille oder dem Beckenrand. Die Klos haben hier auch Sterne, so dass man an der Anzahl der Sterne schon in Etwas einsch├Ątzen kann, was einen erwartet.
Nach dem Zoo haben wir uns noch einen Besuch im "Beijing Aquarium" geg├Ânnt. F├╝r umgerechnet 12,50 ÔéČ zus├Ątzlich zu den 2 ÔéČ Zooeintritt, kann sich das ein normaler Chinese nicht leisten. Dementsprechend leer war es auch. Aber das Gel├Ąnde ist auch riesig und schluckt die Menschen f├Ârmlich, denn bei der Delphinshow sa├čen pl├Âtzlich Hunderte Leute im Saal. Das Aquarium umfasst eine wahnsinnige Anzahl von Kubikmetern Wasser mit Fischen in den schillerndsten Farben. Alles ist neu und auf dem modernsten Stand der Technik. Leider waren die meisten Informationen trotzdem nur auf Chinesisch. Nur die Tiere standen ├Âfter in Englischer ├ťbersetzung oder Pinyin (Chinesisch in lateinischen Buchstaben). Zwei Mal gab es richtige Glastunnel, die v├Âllig vom Wasser umgeben waren, so dass man die riesigen Rochen direkt ├╝ber sich schwimmen sah. Damit niemand staunend stehen bleiben kann, gab es in den Tunnel eine Rolltreppe, bzw. eine Rollband. Bei der Robben- und Delfinshow in einer gigantischen Halle, die nur halb voll war (obwohl schon mindestens 1.000 Leute darin sa├čen - wir fast die einzigen Europ├Ąer), ist ein Trainer auf den R├╝cken seiner beiden Delfine gesurft und ein Knirps in gr├╝nen Gummistiefeln durfte mit den Delfinen bl├Âdeln. Leider haben wir kein Wort verstanden. Bemerkenswert war auch, dass die Chinesen so etwas wie Applaus nicht zu kennen scheinen. Zwar wurde ├Âfter mal geklatscht, aber eher sch├╝chtern und auch nur bei den Tieren. Als der Trainer herein kam und sich vorstellte, w├Ąre in Europa ein tosender Applaus gekommen. Die Chinesen konnten sich nur ein lustlosen H├Ąndegeklapper abringen. Auch der Abgang der Tiere war kurz und schmerzlos. Kein nicht enden wollender Applaus. Einige Chinesen waren sogar schon drau├čen, als die Delfine noch ihre letzte Runde schwammen. Aber sie waren trotzdem begeistert, sprangen auf, wenn etwas Tolles passierte und knipsten wie wild mit ihren Fotoapparaten. Die Kinder lachten viel und quietschten mit ihren Gummidelfinen.
Sp├Ąter durften wir noch Lose ziehen. Carsten gewann zwei glitzernde Aufkleber, die man sich an die Ohren pappen kann und ich habe *tada* ein riesiges chinesisches Wandgem├Ąlde gewonnen. Jedenfalls meinten die Damen auf Englisch, ich k├Ânnte mir jetzt ein Bild aussuchen. Also fand ich eins mit der Gro├čen Mauer, lies es mir sch├Ân einpacken und freute mich ├╝ber den tollen Gewinn, wunderte mich zwar, dass unter den Plakaten 280 Kuai (ca. 35 Euro) stand, aber dachte mir nichts dabei. Pl├Âtzlich z├╝ckte die eine Dame ihren Taschenrechner und zeigte mir, dass ich noch 100 Kuai zahlen soll. Mit H├Ąnden und F├╝├čen machten sie mir dann n├Ąmlich klar, dass mein Los nur 180 Kuai wert w├Ąre. Aber wir hatten unser Geld nat├╝rlich schon an einem der vielen Souvenirshops ausgegeben. Au├čerdem bekommt man das Bild sicherlich auf jedem Markt f├╝r diesen Preis. Aber das ist nat├╝rlich eine tolle Masche. Viele Leute freuen sich bestimmt, dass sie so viel gespart haben.
Nach dem Aquarium gingen wir noch ein bisschen durch den Zoo und konnten wieder viele Chinesen beobachten, die in jedem europ├Ąischen Zoo raus geflogen w├Ąren. Da gab es Papas, die ihre Obstt├╝ten an die Giraffen verf├╝tterten, Kinder die mit kleinen bunten Papiert├╝ten gegen die Scheiben schlugen oder Mamas, die gegen das Gitter dremmelten, damit der bl├Âde Affe endlich das Kind anschaut oder ein P├Ąrchen, dass wie wild vor dem Terrarium hin und her wedelte, damit die Schlange noch wuschiger wird. Eine Familie latschte quer ├╝ber ein leer stehendes Freigehege, um eine Abk├╝rzung zu nehmen. Andere L├Ąnder andere Sitten. Auch vor roten Ampeln schreckt hier niemand zur├╝ck. Fu├čg├Ąngerampeln gibt es nur ganz selten - da wo die bl├Âden Europ├Ąer rumlaufen, aber die beachtet kein Chinese, denn wenn die Fu├čg├Ąnger gr├╝n haben, fahren garantiert auch alle Autos. An manchen Verkehrsschwerpunkten gibt es ein paar Verkehrspolizisten, die den Radfahrern Zeichen geben, wenn die Chance etwas gr├Â├čer ist ├╝ber die Kreuzung zu kommen, ohne von einem Auto angefahren zu werden. Die Fu├čg├Ąnger m├╝ssen allerdings sehen, wie sie zurecht kommen. So sieht man eben auch 70-j├Ąhrige Omis ├╝ber die Stra├čen huschen, damit sie auch noch 80 werden. Fahrradfahren sollte man in Peking aber nur langsam, weil man immer bremsbereit sein muss - dumm, denn die meisten R├Ąder haben gar keine Bremsen. Schnell fahren k├Ânnen viele aber nicht, denn mit R├Ądern kann man grunds├Ątzlich alles in Peking transportieren: von Ziegelsteinen ├╝ber Kohlen, Kisten bis hin zu ├ľltonnen, dem gesamten Hausrat und der kompletten Familie. Dicht neben einem Bus sollte man allerdings nie fahren, denn es kann immer mal sein, dass einer das Fenster aufmacht und rausspuckt. Gl├╝ck hat man bei Gegenwind, aber wennÔÇÖs dumm kommt ...
Dieses Spucken, bei uns Europ├Ąern nur bei verzogenen Teenies und S├Ąufern bekannt, ist hier Gang und G├Ąbe. Also nicht erschrecken, wenn pl├Âtzlich jemand ganz dicht neben deinem Ohr Rotze hoch zieht und ausspuckt. Der will dich nicht anspucken, sondern du stehst wahrscheinlich neben einem Papierkorb. Aber da es die sehr sehr selten gibt (eigentlich nur da, wo es auch Touristen gibt), gehtÔÇÖs oft auch auf den Boden - genau wie s├Ąmtlicher anderer M├╝ll. Bei unserem Marktausflug vor einigen Tagen konnte Carsten es nicht ├╝bers Herz bringen, seinen Schaschlikspie├č einfach zu den 1.000 anderen zu werfen, bis er einsehen musste, dass er das Ding nicht bis nach Hause schleppen kann. Bei den Touristenschwerpunkten sieht es allerdings aus wie geleckt. Da wuseln immer eine Handvoll Leute herum, die die Stra├čen sauber halten. Auch im Zoo sah man viele von ihnen - vor allem in den Restaurants, da die meisten Leute ihren M├╝ll nicht wegr├Ąumen, auch wenn M├╝lleimer da stehen. Sah jedenfalls wild aus im Zoorestaurant.
Kurz nach 17 Uhr machten wir uns wieder auf den Heimweg, da Carsten Knieschmerzen hatte und der Zoo auch schloss. Auf dem Heimweg gingen wir noch einmal im Lido Hotel vorbei, um uns noch ein paar andere Busverbindungen ansagen zu lassen. In einem sauteuren Souvenirgesch├Ąft trafen wir dann noch auf eine Chinesin, die sich freute, an uns einige ihrer Schuldeutschbrocken auszuprobieren und sich noch mehr freute, dass wir sie verstanden. Deutsch k├Ânnen wohl noch weniger Chinesen als Englisch. Diese Chinesin fragte uns auch, ob "it is your honeymoon" und sie fand uns mutig, dass wir allein in Peking seien - ohne Reisegruppe. Ich dachte, das denken nur die Europ├Ąer. Als wir ihr erz├Ąhlten, dass wir deutsche Freunde besuchen, die hier wohnen, war sie sichtlich beruhigt. Allerdings haben wir wahrscheinlich schon ├Âfter den Bus benutzt als unsere Gastfamilie.
Den Abend verbrachten wir mit Kl├Ânen. Ich musste mir gnadenlos alles anschauen, was Lisa bisher in der 1. Klasse gemacht hat und wir haben beide Schach und Mahjong gespielt. Carsten hat derweil mit Stephanie und Mathias (den Eltern) geschwatzt, w├Ąhrend Julian bockig in seinem Zimmer sa├č, weil er 7 Stunden zu sp├Ąt kam und mit Freunden quer durch Peking shoppen war, was einer ├Ąngstlichen deutschen Mutter nat├╝rlich das Herz vor Angst zuschn├╝rt. Morgen werde ich ihn zum ersten Mal mit Mathe qu├Ąlen. Das ist n├Ąmlich sein gr├Â├čtes Problem in der Schule. Wenn er Mathe abw├Ąhlen k├Ânnte, w├╝rde er wahrscheinlich (fast) alles daf├╝r tun.
Morgen wollen wir je nach Wetterlage zu den Ming-Gr├Ąbern oder nach Badachou. Mal sehen, was uns erwartet. Hier ist es jetzt schon halb eins nachts und ich bin m├╝de.

Alles Liebe von Carsten und Katja

Nihao aus dem versmogten Beijing, (23.02.03)

Heute haben wir uns wieder in das Beijinger Touristenleben gest├╝rzt und dabei auch ein bisschen mehr ├╝ber die Lebensgewohnheiten der Chinesen gelernt. Zuerst ging es mal wieder zum Lido, unserer Ersten Hilfe bei Busverbindungen. Auf dem Weg dorthin kamen uns auch schon ein paar sportliche Chinesen entgegen: Erwachsene auf Kinderrollern, ein Mann, der mit sich selbst Tennis (Ball am Gummi) spielte und einige Schattenboxer. Heute haben wir einen 1-Yuan-Bus erwischt, aber der ist auch nicht mehr wert. Der rumpelte und pumpelte ganz sch├Ân altersschwach und fuhr auch deutlich langsamer als die 2-Yuan-Busse. Wahrscheinlich f├Ąllt er bei diesen holprigen Stra├čen sonst auseinander.
Heute ging es wegen des Smogs und der schlechten Sicht zum Lama Tempel und zum Konfuzius Tempel. Diesmal mussten wir in die U-Bahn umsteigen, die erstaunlich modern ist und ├╝berhaupt nicht so voll, wie man es immer in den Medien h├Ârt. Wir haben sogar einen Sitzplatz bekommen. Als wir aus dem U-Bahn-Schacht kamen, kam nat├╝rlich sofort wieder eine Traube von H├Ąndlern auf uns zu, aber diesmal st├╝rzten sie sich nicht auf uns Gelds├Ącke von Europ├Ąern, sondern hefteten sich an die Fersen der Chinesen, die ihnen auch flei├čig ihre R├Ąucherst├Ąbchen abkauften. Uns hielt niemand an und fragte nicht einmal, ob wir unbedingt R├Ąucherst├Ąbchen brauchen. Ich war ja schon fast beleidigt nach den ganzen Attacken der letzten Tage. Als wir im Lama Tempel ankamen, wussten wir dann auch, was das auf sich hatte. Denn die Chinesen z├╝ndeten die R├Ąucherst├Ąbchen im Tempel zum Beten an oder spendeten die einem der hundert Buddhastatuen, die in den einzelnen Hallen standen oder sa├čen. Wir Europ├Ąer hatten da nat├╝rlich keine Ahnung von. Es war ein merkw├╝rdiges Bild in den Tempelanlagen: junge, sportliche gekleidete M├Ąnner und Frauen warfen sich mit ihren Reebokrucksack vor Buddhas F├╝├čen in die Knie und wedelten mit ihren R├Ąucherst├Ąbchen, die sie zu Dutzenden auf einmal anz├╝ndeten. Es roch im ganzen Gel├Ąnde wie in einer Opiumh├Âhle. Das muss man sich mal vorstellen: junge, westlich gekleidete Menschen in einem Lamatempel in einem kommunistischen Land - und dann klingelt irgendwo mal wieder ein Handy. Verr├╝ckt! Auch die M├Ânche waren modern: Fanta im Vorratsschrank und kackelbunte Bonbons als Opfergaben. Und wenn die Opferschalen der Besucher mit gespendeten R├Ąucherst├Ąbchen ├╝berf├╝llt waren (manche warfen die Dinger gleich mit ihrer Plastikt├╝te rein, in der sie die Dinger gekauft haben), kam ein M├Ânch und sch├╝ttete alle in eine gro├če schwarze M├╝llt├╝te. Daf├╝r lag vor den Tempeln ├╝berall der Verpackungsm├╝ll der R├Ąucherst├Ąbchen auf dem Boden. Um den k├╝mmerte sich niemand. Am meisten beeindruckt hat uns eine Buddha-Statue, die 18 Meter gro├č ist und 6 Meter unter der Erde verankert ist. Dieses Monstrum steht in einer Halle, die um den Buddha herum gebaut wurde und ist aus einem einzigen St├╝ck wei├čem Sandelholz gefertigt. Diese Statue steht deshalb auch im Guinnes-Buch der Rekorde und ist fast so genial wie eins der sieben Weltwunder. Ich wusste gar nicht, dass es solche gro├čen B├Ąume gibt. Aus einem St├╝ck Sandelholz war auch der "Berg der 500 M├Ânche", ein sicherlich 2 mal 2 Meter gro├čes St├╝ck mit kleinen Pagoden und eben 500 M├Ânchen - alles aus einem St├╝ck Holz. Leider durfte man das nicht fotografieren und Postkarten gibt es davon auch nicht. Aber diese Arbeit ist einfach Wahnsinn. Der Konfuziustempel war auch sehr interessant, da dort auch das Stadtmuseum drin ist, in dem erst einmal ein Junge Federball spielte und keiner hatte Angst, dass irgendeine chinesische Mingvase zu Bruch geht. Aber im Konfuziustempel gab es zum Beispiel keine ├Âffentlichen Toiletten mit Landschaftsgem├Ąlden in Augenh├Âhe auf dem M├Ąnnerklo.
Danach waren wir noch im Ditan Park. Dort konnten wir sehen, was die Chinesen sonntags so treiben. Vor dem Park sahen wir schon eine Traube ├Ąlterer M├Ąnner stehen. Erst dachten wir, d w├Ąre Markt oder ne Demo, aber es waren keine St├Ąnde aufgebaut und Polizisten oder Armee war auch nicht in der N├Ąhe. Die standen einfach da und schw├Ątzten. Auch im Park sahen wir wieder mehrere Trauben ├Ąlterer M├Ąnner, aber die spielten auf dem Boden Mahjong, ein altes chinesisches Legespiel und die anderen schauten zu und gaben wahrscheinlich Ratschl├Ąge. Doch das war nicht die einzige Freizeitbesch├Ąftigung f├╝r den Sonntag. Wir sahen Schattenboxer, 60-j├Ąhrige Opis mit riesigen Schwertern, Krocketspieler, einer der wild nach irgendwelcher Musik mitten im Park tanzte und Papas, die mit ihren Kindern Drachen steigen lie├čen. Aber Drachensteiger findet man hier auf jedem gr├Â├čeren Platz - und meist halten die Papis die Leine. Oft fliegen diese kleinen Drachen in riesigen H├Âhen, so dass man nur noch einen winzigen Punkt am Himmel sieht. Aber vielleicht ist das gar nicht so weit weg, und nur der Smog hat den armen Drachen verschlungen. Die Chinesen sind ein wirklich aktives Volk. Im Ditan Park gab es einen Spielplatz, aber bei n├Ąherem Hinschauen entpuppte sich das ganze als Ansammlung von Turnger├Ąten und an denen hingen vor allem Leute jenseits der 50 und ├╝bten Klimmz├╝ge, H├╝ftaufschwung und andere akrobatische H├Âchstleistungen. Da die Chinesen selten Hunde haben, bringen viele ihre V├Âgel mit in den Park. Der Bauer h├Ąngt dann an irgendeinem Baum, w├Ąhrend sie ihre ├ťbungen machen. Stephanie erz├Ąhlt, wenn es w├Ąrmer ist, rennen die viele im Schlafanzug durch den Park. Ein M├Ądchen haben wir damit schon gesehen - und einen Opi mit P├╝schen. Aber auch Jogginganz├╝ge sind sehr beliebt. So sieht man einige ├Ąltere Leute sogar an den Touristenschwerpunkten wie dem Tienanmen bummeln. Hauptsache bequem.
Zur├╝ck lief auch alles wie geschmiert und wir haben uns dann erst einmal alle Buslinien aufgeschrieben, die in unserer N├Ąhe abfahren. Es sind fast 30. Leider wissen wir nur bei vier oder f├╝nf Linien, wo wir da ankommen, wenn wir einsteigen. Aber wir sind ja noch ├╝ber vier Wochen hier, um das heraus zu kriegen.
Der heutige Tag hat uns erst einmal gezeigt, dass die Chinesen ein sehr bewegungsfreudiges Volk sind und den einzigen Tag in der Woche, den ein gro├čer Teil der Bev├Âlkerung frei hat, aktiv verbringen. Faul herum liegen kennt man hier wahrscheinlich nicht. Wer sich nicht bewegen will, meditiert wahrscheinlich lieber . Dicke Chinesen sieht man daher recht selten. Hier braucht man wahrscheinlich keine Werbung a l├í "Aktiv im Alter" machen - jede Omi und jeder Opi rennt ja schon mindestens f├╝nf Mal am Tag ├╝ber die Stra├če, damit sie nicht ├╝berfahren werden, und bleibt so fit. Wir wollten uns eigentlich heute abend mit Schwimmen fit halten, aber Carstens Knie streikt zur Zeit. Mal sehen, ob ich ihn per Invalidentransport zur├╝ck nach Deutschland fliegen lassen muss.

Beste Gr├╝├če und bis bald von Carsten und Katja

Nihao aus Beijing, (24.02.03)

Heute war ein anstrengender Tag: acht Stunden Hospitationen. Nach einer etwas stressigen Busfahrt, da der kn├╝ppeldickevoll war, sind wir aber noch rechtzeitig zur Schule gekommen. Die ersten zwei Stunden war ich in der zweiten Klasse. Zuerst war ein kleiner Morgenkreis, in dem die Kinder erz├Ąhlen konnten, was sie so am Wochenende erlebt haben. Da ging es um einen Hund, der Limonade hei├čt, und um Pakete von Omas aus Deutschland. Ich habe von dem Seestern erz├Ąhlt, den ich am Wochenende im Zoo gestreichelt habe. Danach waren zwei Stunden Sport in den beiden ersten Klassen. Die Halle ist echt super ausger├╝stet und riesig. Die Sch├╝ler der franz├Âsischen und der schwedischen Schule nutzen die Halle manchmal auch mit. Da die Schule ja erst im Dezember 2000 eingeweiht wurde, ist noch alles niegelnagelneu. Die Ger├Ąte sind vom Feinsten und sind ausreichend f├╝r eine Schule mit 600 Sch├╝lern. Es sind aber nur 250 Sch├╝ler an der deutschen Schule. Die beiden Sportlehrer haben einen Tobeparcours f├╝r die Kinder aufgebaut. Am besten fanden die Kinder das so genannte Sandwich. Da kletterten die Kinder an einer Kletterwand hoch und lie├čen sich zwischen zwei dicken Matten nach unten rutschen. Das ging nat├╝rlich mit viel Gejohle und Geschrei. Lisa hat sich nachher leider den Fu├č verknackst. Nun liegt sie mit sterbender Miene auf dem Sofa im Wohnzimmer. Aber da es wahrscheinlich eine B├Ąnderdehnung ist, muss sie bis Donnerstag zu Hause bleiben. Das ist f├╝r sie wie eine Strafe, denn in die Schule geht sie wirklich gern.
Nach dem Sportunterricht war ich in der 10. Klasse. Das war schon ein Sprung - von den Piepels aus der ersten. Vier Sch├╝ler in dieser Klasse hatten ihren Laptop zum Schreiben dabei. Dann hatte ich eine Stunde frei und war mit Carsten in der Schulkantine, die in der riesigen Aula ist, die richtige Treppenb├Ąnke f├╝r die Zuschauer. Geschmeckt hat es aber nicht so doll. Ich hatte eine H├╝hnerkeule mit So├če und Reis und Carsten hatte Kartoffelauflauf. Dazu gab es Salat, ein Getr├Ąnk und ein St├╝ck Kuchen - das Ganze f├╝r 28 Kuai (ca. 3,50 ÔéČ). In der 7. und 8. Stunde habe ich mir noch Gemeinschaftskunde in der 8. Klasse angeschaut. Die haben bei der Gruppenarbeit ganz sch├Ân frei gedreht - und bei denen will ich f├╝nf Stunden zum Thema Jugendstrafrecht machen. Na denn man tau! Carsten hatte heute Geschichte und Deutsch in der 7. und 12. Klasse. Danach war ich er noch in der schuleigenen Bibliothek. Die ist auch noch sehr neu. Au├čerdem k├Ânnen die Kinder sich dort auf weiche Matten zum Lesen legen. Das ist klasse. Auch Computer sind dort, so dass die Sch├╝ler in der Bibliothek arbeiten k├Ânnen. Eigentlich wollten wir nach der Schule noch in die Stadt, aber waren dann so groggy, dass wir gleich nach Hause gefahren sind. Eben waren wir noch im Compound-Schwimmbad. Es ist im so genannten Clubhaus und ein bisschen auf r├Âmisches Bad gemacht. Wir waren die einzigen. Bezahlen m├╝ssen wir nichts, denn das ist im Mietpreis mit drin. Ein kleines Fitnesscenter und eine Squashhalle gibt es auch. Dort war ebenfalls kein Mensch.
Auch im Clubhaus hat man wieder gemerkt, dass da, wo Touristen oder reiche Europ├Ąer sind, hunderte von Chinesen herumwimmeln. Hier steht an jeder Stra├čenecke ein Securitymann, am Tor ebenfalls. Am T├╝r stehen zwei T├╝r├Âffner. Etwas anderes haben die nicht zu tun. An der Schl├╝sselausgabe f├╝r die Schwimmhalle stehen ebenfalls zwei. Im Minicompoundladen sitzt noch jemand und im Restaurant wuseln auch drei bis vier Angestellte um einen herum. Na wenigstens haben dann alle einen Job, aber traurig ist es schon, denn f├╝r das, was die bekommen, w├╝rde wahrscheinlich niemand von uns einen Finger krumm machen.
Morgen macht Carsten seine ersten beiden Stunden in der 12. Klasse in Deutsch. Doch er macht "nur" Vertretung und macht mit den Sch├╝lern einen Lernzirkel zum Thema "Literatur nach 1945", den der Lehrer schon vorbereitet hat. Carsten bekommt sogar Knete daf├╝r. Ich kann vielleicht in der n├Ąchsten Woche Vertretung in der 2. Klasse machen, wenn der Lehrer auf einer Zooweiterbildung in Seoul ist.
Die Sonne schien wieder nicht. Der Smog hat sie hinter Wolken verbannt, aber es war schon etwas w├Ąrmer. Ich werde jetzt gleich noch ins Internet gehen und ein bisschen f├╝r meine Stunden recherchieren. Carsten schaut gerade Videos ├╝ber die Weimarer Republik. Das ist sein Thema f├╝r die Geschichtsstunden in der 10. Klasse.
F├╝r die n├Ąchsten Tage haben wir uns einen Besuch in einem Hutong vorgenommen. Diese alten chinesischen Wohnviertel werden heute nur noch von den armen Leuten bewohnt und sehen dementsprechend vergammelt aus. Sie sind meistens grau und sehr eng gebaut, mit vielen verwinkelten Gassen und Hinterh├Âfchen. Hier findet man oft auch kleine M├Ąrkte, denn langsam entdecken die Chinesen die Hutongs als Touristenmagnet. Dadurch sind einige schon ein bisschen auf chinesisch aufgemotzt. Es gibt sogar schon Postkartenb├╝cher davon. Einzelne Postkarten kann man hier n├Ąmlich gar nicht kaufen, sondern immer gleich zehn Motive auf einmal in einer kleinen Mappe.

Beste Gr├╝├če von Carsten und Katja

Ni hao aus Beijing, (28.02.03)

Nun komme ich endlich wieder dazu, ein paar Zeilen zu schreiben. Die Schule nimmt uns ganz sch├Ân in Anspruch, aber wir wollen ja auch etwas von Beijing sehen und die Internetverbindungen sind hier sehr schlecht. Heute nehmen wir uns mal eine Auszeit, weil Carsten sowieso invalide ist und sein Knie weh tut. Also waren wir vorhin das erste Mal allein in einem kleinen Restaurant essen, in dem es auch eine Karte auf Englisch gibt. Wenn man rein kommt, sieht man gleich Aquarien mit Fischen und fette Kr├Âten. Beide kann man ganz frisch zubereitet bekommen. Vorgestern waren wir mit Heidi und Peter essen (Lehrerin und Sozialarbeiter an der deutschen Schule). Da haben sie Fisch bestellt. Bevor der gekocht wurde, konnten wir ihn noch einmal lebend im Netz bewundern. Gew├Âhnungsbed├╝rftig. Das Essen mit Heidi und Peter war wirklich lecker, heute hatten wir jedoch etwas Pech, denn die Sachen, die wir bestellt haben, waren nicht so ganz unser Fall. Nun wissen wir aber, dass "sliced chicken" einfach klein gehacktes H├╝nchenfleisch ist. Das hei├čt, dass noch alle Knochen dran sind. Aber die chinesische K├╝che ist sehr vielf├Ąltig und meist auch lecker, so dass wir beim n├Ąchsten Mal einfach etwas anderes bestellen. Peking-Ente wollen wir nat├╝rlich auch unbedingt noch mal essen.
Am Dienstag waren wir am Jianguomen. Dort ist eine so genannter "friendship-store" mit tausend Sachen, Kitsch und Plunder, um Touristen auszunehmen. Es war alles viel teurer als auf kleinen M├Ąrkten und es gab auch sehr teure Antiquit├Ąten, edle Stoffe und Schmuck. Die Chinesen lieben Jade und Elfenbein. Ich habe mir dort ein schickes T-Shirt gekauft, auf dem in chinesischen Buchstaben "Bei jing" steht. Das hei├čt "Westberge" und ist damit die ├ťbersetzung f├╝r Peking. Danach waren wir im Ritan Park, in dem wir den Sonnentempel sehen wollten. Das war aber nur ein mit Mosaiken beklebtes M├Ąuerchen, das nicht besonders alt aussah. Aber die Chinesen haben diese Park gleich wieder f├╝r ihren Sport eingenommen: Drachen steigen lassen, Schattenboxen, etc. Der Ritan Park ist ein typischer chinesischer Landschaftsgarten: k├╝nstlich angelegte W├Ąldchen mit Steinen, Bergelchen und ├╝berall zerlatschte Wiesen, die aber eher Heuwiesen sind, weil es in Peking so trocken ist. Carsten meint, es sieht in solchen Parks ein bisschen aus wie in Disneyland. Anschlie├čend waren wir in einem chinesischen Reiseb├╝ro, wobei uns unser Reisef├╝hrer in die Irre gef├╝hrt hatte. Er f├╝hrte n├Ąmlich CYTS (China Youth Travel Service) als Reiseb├╝ro f├╝r Touristen. Uns gab man dort allerdings die Auskunft: "Not for foreigners"! Dabei sind die Chinesen aber immer sehr freundlich. Uns wird hier wirklich sehr oft geholfen. Wahrscheinlich bekommen Ausl├Ąnder nur an bestimmten Pl├Ątzen Ausk├╝nfte und Reisebuchungen, um die Touristenstr├Âme etwas unter (politischer) Kontrolle zu halten - die Partei wei├č alles. Selbst das Internet wird wohl ├╝berwacht. Ein Lehrer meinte heute, dass manche mails eine Woche bis nach Deutschland brauchen, insbesondere wenn sie einen Anhang haben. Dann werden durch chinesische Rechner die mails aus dem Verkehr gezogen und erst einmal ├╝berpr├╝ft. Werden sie f├╝r annehmbar befunden gehtÔÇÖs zur├╝ck ins Netz. Au├čerdem w├╝rde jede neu aufgerufene Homepage ├╝berpr├╝ft, womit zumindest erkl├Ąrt w├Ąre, warum das Laden hier so lange dauert, obwohl die Verbindungsdaten eigentlich gut. Aber ob die Chinesen eine solche ├ťberlastung leisten k├Ânnen?
Nach unserem Besuch beim Reiseb├╝ro waren wir bei der Post und wollten Briefmarken f├╝r einen Brief kaufen. Da man ja nicht alle Tage Briefe aus China erh├Ąlt, wollten wir mehrere Marken haben und nicht nur eine mit dem vollen Preis. Das konnten wir dem armen Mann aber nicht klar machen. Er konnte kein Englisch. Auch als er eine junge Chinesin holte, die etwas Englisch sprach, dauerte es eine Weile, bis sie uns verstand. Nachher einigten wir uns auf "brauchen wir f├╝r eine Sammlung" und bekamen dann auch mehrere Marken. Noch mehr wollten wir aber weder den Postmann noch uns stressen, denn eigentlich wollten wir noch Briefmarken auf Vorrat kaufen, aber er war ganz sch├Ân groggy nach unserer Attacke (o;.
Zur├╝ck am Compound traute ich mich endlich zum Friseur. Dort lernten wir, dass man in China sieben Leute zum Frisieren braucht. Die erste machte uns die T├╝r auf. Die zweite sch├Ąumte mir die Haare mit fast einer Packung Shampoo ein, denn sie nahm kein Wasser. Man hat uns erz├Ąhlt, dass die chinesischen Friseusinnen so tolle Kopfmassagen machen, aber was dann passierte war eine Art von Kopfsadismus, was mir gar nicht bekam. Mit ihren langen Fingern├Ągeln riss sie mir fast die Kopfhaut ab und grinste zu ihrer Freundin, wenn ich schmerzvoll das Gesicht verzog. Aber ich traute mich nicht, etwas zu sagen, denn sie wirkte, als g├Ânne sie mir eine gro├če Wohltat. Die dritte Dame wusch mir den Schaum aus. Dann musste ich eine Weile warten, weil es wohl nur eine Friseusin im Laden gab, obwohl etwa zehn Frauen in dem Laden sa├čen. Die vierte schnippelte an meinen Haaren herum, dabei sah ich aus Versehen auf die Erde. Dort lag noch ein abgeschnittener Zopf. Es war sogar noch das Haargummi drin. Meine Haare auf dem Boden fielen zwischen den ganzen schwarzen Haaren richtig auf. Die dritte Dame von vorhin wusch mir nach dem Schneiden wieder die Haare und die f├╝nfte f├Ânte mich. Dabei merkte ich, dass ich mich ├╝berhaupt nicht ver├Ąndert hatte. Nicht einmal den Pony hat sie mir geschnitten, aber mach das mal mit H├Ąnden und F├╝├čen klar. Die lachten sich einfach nur scheckig als ich versuchte, zu erkl├Ąren wie ich meine Haare haben m├Âchte. Die sechste Dame kassierte 20 Yuan von mir. Dabei wurde klar, dass ich f├╝r die Kopfkratzerei 10 Yuan bezahlen musste, obwohl ich die gar nicht haben wollte. Aber zusammen sind das nur 2,50 Euro und deshalb verlie├č ich lieber fluchartig den Laden. Die siebte Dame hielt mir daf├╝r extra die T├╝r auf.
Nach diesem Schreck gingen wir erst einmal ins Kaufhaus, wo wir gleich auf den Sporthosenstand zusteuerten, an dem wir schon ein paar Tage vorher eine Hose gekauft hatten, die Carsten aber megam├Ą├čig zu gro├č war. Zum Gl├╝ck passte sie Julian und der hat sie uns dann abgekauft. Es gab sogar eine Hose in Carstens Gr├Â├če und das der Verk├Ąufer Carsten wieder erkannte, bezahlte er sogar noch mal 5 Yuan weniger als beim letzten Mal. "Mein Freund" sagt er zu Carsten und grinste wie ein Honigkuchenprferd. Er freute sich nur, dass er zwei Hosen los geworden ist (o: Danach waren wir noch im Supermarkt und habe ein bisschen was zum Abendbrot gekauft.
Am Mittwoch waren Bombenwetter und wir besuchten die Verbotene Stadt. Vorher waren wir noch mal auf dem Platz des Himmlischen Friedens und suchten den Eingang zum Mao-Mausoleum, fanden ihn aber nicht. Die Verbotene Stadt, in der der Kaiserpalast steht, ist wirklich beeindruckend und hat den Namen "Stadt" wirklich verdient, denn dort lebten ├╝ber 1000 Menschen. Die Tempel sind gigantisch und wenn man dann das kaiserliche Schlafzimmer sieht, ist man echt baff, denn das ist in einer kleinen H├╝tte und ist nur etwa 20 Quadratmeter gro├č, also nicht gr├Â├čer als eine deutsche Durchschnittswohnstube. Zum Vergleich: Die Halle, in denen er Besuch empfing, ist ├╝ber 2.000 qm gro├č. Allerdings lebten vor allem die letzten Kaiser so, fr├╝her haben gro├čz├╝gigere Privatr├Ąume gehabt. Wir haben auch die Gem├Ącher gesehen, in denen der letzte Kaiser (siehe der Film "Puyi - der letzte Kaiser") als Kind wohnte. Es war wirklich ein wahnsinniges Erlebnis - und das ist das, was man sich unter China vorstellt. Doch sogar hier haben die Chinesen auf den Boden gerotzt. Taschent├╝cher scheinen die nicht zu kennen. In jedem Bus steht auch ein Spuckeimer. Trotzdem geht ├Âfter mal das Fenster auf und ab gehtÔÇÖs. Wahrscheinlich finden die es eher eklig, dass wir die Rotze in unsere Taschen(t├╝cher) stecken.
Auf unserem Spaziergang ├╝ber den Tienanmen trafen wir mal wieder ein paar chinesische Kunststudenten und junge Leute, die sich als Guides zur Chinesischen Mauer anboten. Die eine hat uns sogar zwei Mal angesprochen. Als Carsten sie darauf aufmerksam machte, meinte sie: "Nice to meet you again", und ging kichernd weg. Die Leute sind wirklich freundlich und wenn man ihnen sagt, dass man keinen Bedarf an einem Guide hat oder diese ommin├Âse Kunstaustellung schon gesehen hat, lassen sie einen auch in Ruhe. Heidi hat uns auch schon eine kleine Liste mit den wichtigsten Vokabeln gegeben. Da steht auch drauf "wu kann kann". Das hei├čt: "Ich will schauen." Das soll Wunder wirken, denn die Leute lassen einen dann sofort in Frieden. Wo wir gerade bei chinesischen Vokabeln sind. Wir haben gestern mitbekommen, dass es gar nicht "Nihao", sondern "Ni hao" hei├čt wenn man "Guten Tag" sagen will. "Nihao" ist der Tempel (o: Aber die Verst├Ąndigung ist hier manchmal wirklich schwierig. Nicht nur, dass wir wegen der chinesischen Schriftzeichen Analphabeten sind, auch mit den Zahlen ist das so eine Sache. An einem U-Bahn-Ticketschalter standen keine arabischen Zahlen und wir wussten nicht genau, wie viel wir bezahlen m├╝ssen. Die Verk├Ąuferin tippte schon leicht entnervt auf die Scheibe. Doch dort stand nur das chinesische Zeichen. Zum Gl├╝ck schreiben auch viele die arabischen Zahlen hin. Ich dachte auch, dass man die Zahlen dann ja mit Fingern zeigen kann, aber Pustekuchen. Auch das ist anders. Die 1 wird mit dem Zeigefinger gezeigt, die zwei mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger (beides Mal Handr├╝cken zum K├Ârper). Tja - und bis drei z├Ąhlen kann ich noch nicht. Ich glaube, dass die Chinesen dann Daumen, Mittel- und Zeigefinger zusammen dr├╝cken (Handr├╝cken zum Partner). Die 4 zeigt man, in dem man den kleinen Finger streckt und die restlichen Finger zur Faust ballt (Handr├╝cken zum Partner). Die 10 wird mit zwei gekreuzten Zeigefingern gezeigt. Manche Leute lassen sich dir Zahlen auch aufschreiben oder tippen sie in den Taschenrechner ein, wenn wir irgendwo bezahlen m├╝ssen. Manchmal geben wir einfach nur einen Geldschein hin und lassen uns ├╝berraschen - so wie heute beim Essen.
Gestern war wieder Smog, aber wir waren trotzdem beim Himmelstempel. Die chinesische Sekret├Ąrin der Schule hat uns aufgeschrieben, mit welchen Bussen und U-Bahnen wir fahren m├╝ssen, um dort hin zu kommen, aber irgendwie waren die Busse schlecht ausgeschildert, so dass Carsten nachher entnervt f├╝r die letzte Strecke ein Taxi gerufen hat. Als wir dann kurz vorm Eingang des Parks waren, fuhr ein 707er Bus an uns vorbei - der sowohl vor der Schule als auch vor unserem Compound abf├Ąhrt. Na toll - da h├Ątten wir uns die Odyssee ja sparen k├Ânnen. So haben wir f├╝r die Hinfahrt 18 Yuan bezahlt und haben eineinhalb Stunden gebraucht und mussten drei Mal umsteigen. Auf dem R├╝ckweg waren es nur 4 Yuan und wir konnten gem├╝tlich durchfahren in einer Stunde. Im Park waren wir zwei Stunden, weil der schon halb vier zugemacht hat, so dass wir nicht mal alle Sachen sehen konnten, genau wie in der Verbotenen Stadt. Dort haben sie auch sehr p├╝nktlich die Schotten dicht gemacht, damit wahrscheinlich alle p├╝nktlich zu Hause sind. Das war ein bisschen schade. Aber gut, dass wir auf der R├╝ckfahrt durchfahren konnten. ├ťbrigens haben wir Pl├Ątze nebeneinander gehabt. Das ist zur Feierabendzeit gar nicht so einfach, eher kann man von Gl├╝ck reden, wenn man ├╝berhaupt einen Sitzplatz bekommt. So voll wie immer erz├Ąhlt wird, haben wir es aber noch nie erlebt. Zweimal haben die Chinesen sogar schon mit einem von uns die Pl├Ątze get├Ąuscht wenn sie merkten, dass wir zusammen geh├Ârten. So konnten wir zusammen sitzen. Wie gesagt, sehr nett hier die Leute.
Als wir nach Hause kamen, gab es K├Ąsesp├Ątzle. Die hatte sich Julian gew├╝nscht, der an diesem Tag seinen 14. Geburtstag hatte. Die K├Ąsesp├Ątzle waren selbst gemacht, denn China gibt es so was nat├╝rlich nicht. Von uns hat Julian ein Cd-Rom-Spiel bekommen (FIFA 2003). Bei uns w├╝rde das so um die 40-50 Euro kosten. Hier haben wir 5 Yuan (65 Cent) bezahlt. Das Spiel war nat├╝rlich kopiert, aber bei uns w├╝rde man ja f├╝r den Preis nicht mal einen CD-Rohling bekommen. Abends haben wir dann noch Video geschaut, was f├╝r die Kinder das einzige Fernsehen ist. Viele Eltern tauschen untereinander ihre Aufzeichnungen vom Kinderkanal oder anderen deutschen Kindersendungen aus, die irgendwelche Gro├čeltern mal aufgenommen haben. Gro├čeltern spielen hier bei den Kindern eine gro├če Rolle, denn wenn sie mal kommen, bleiben sie meist gleich mehrere Wochen und wenn sie nicht da sind, versorgen sie die Kinder regelm├Ą├čig mit deutschem Spielzeug, S├╝├čigkeiten, B├╝cher und Zeitschriften. Im Haus gegen├╝ber ist gerade ein Kind einer Schweizer Familie geboren worden und da wuseln jetzt schon seit vier Wochen beide Omis herum.
Carsten hat seine f├╝nf Stunden in Deutsch in der 12. Klasse schon gut ├╝berstanden und heute war seine erste Stunde in der 10. Klasse zur Weimarer Republik. Ich habe M├Ąuschen gespielt und fand Carsten sehr souver├Ąn als Lehrer. Die Sch├╝ler haben auch gut mitgemacht. Ich bin n├Ąchste Woche mit meinen Ethikstunden in der siebten Klasse dran und danach noch f├╝r f├╝nf Stunden zum Thema Jugendkriminalit├Ąt in der achten. Au├čerdem w├╝nscht sich Heidi von uns, dass wir in den Klassen 8-10 sozusagen als Zeitzeugen auftreten, um etwas ├╝ber die Kindheit und Jugend in der DDR zu berichten. Wir kamen uns da sehr alt vor. Mal sehen, ob wir uns ein bisschen Hintergrundwissen aus dem Netz ziehen k├Ânnen. Unsere Halst├╝cher und Pionierausweise haben wir ja alle zu Hause gelassen. Apropos Pioniere: Hier scheint es so was auch zu geben. Wir sehen viele Schulkinder mit rotem Halstuch. Au├čerdem tragen fast alle Sch├╝ler gelbe M├╝tzen und haben sehr kleine Schulmappen. Sie haben aber sehr viel Unterricht und haben meist erst gegen 16 Uhr Schulschluss. ├ťber chinesische Schulen werden wir in drei Wochen mehr erfahren, weil dort die Projektwoche ist. Sie steht immer im Bezug zu China. Zwei Projekte befassen sich auch mit chinesischen Schulen. Da klinken wir uns f├╝r zwei Tage mit ein. Die anderen Tage der Woche wollen wir gern noch eine kleine Rundreise machen, um Xian, die drei Schluchten und Guilin und vielleicht auch Shanghai zu besuchen. Eins von den Dingen wollen wir aber schon vorher mit Steffi machen, damit es nicht zu viel wird f├╝r 5 Tage. Die Reiseinfos bekommen wir von dem Fahrer von Mathias (Zhoe), der mal in einem Reiseb├╝ro gearbeitet hat oder von einem Reiseb├╝ro, in dem auch Heidi ihre Klassenfahrt buchen will. Sie f├Ąhrt mit ihrer 10. Klasse im Mai f├╝r eine Woche nach Shanghai.
Steffi kommt am Mittwoch und wir freuen uns schon. Dann k├Ânnen wir sch├Ân zu dritt etwas unternehmen. Am n├Ąchsten Freitag kommt das griechische Nationaltheater nach Peking und spielt Antigone. Wir haben Freikarten bekommen. Am Sonntag darauf begeben wir uns mit einem Geschichtslehrer auf die Spuren Mao Tse Tungs. Er leitet in der Projektwoche ein Projekt zu diesem Thema und will die Tour wahrscheinlich vorher schon mal ablaufen.
Morgen geht es erst einmal Gokart fahren. Wir sind eingeladen, weil Julian mit seinen Freunden Geburtstag feiern m├Âchte. Am Sonntag fahren wir mit Mathias und Zhoe zur Chinesischen Mauer und zum Sommerpalast. Zur Chinesischen Mauer fahren wir aber sicherlich noch einmal mit Steffi und schauen uns dann auch die Ming Gr├Ąber an. Die Chinesische Oper steht ebenfalls noch auf unserem Plan und einige sch├Âne Spazierg├Ąnge haben wir uns noch vorgenommen, denn das Wetter soll endlich wieder besser werden. Alle Leute sprachen davon, dass Peking die Stadt der Sonne ist. Dabei ist es hier kalt und versmogt, aber die Luft ist nicht so schlimm, wie ich zuerst dachte.

Liebe Gr├╝├če von Carsten und Katja

Ni hao aus Beijing, (06.03.03)

Nun setze ich mich endlich mal wieder an den Rechner, um ein bisschen aus Beijing zu plaudern. Eigentlich bin ich von der Schule nach Hause gefahren, um meine Politikstunden f├╝r n├Ąchste Woche vorzubereiten, aber jetzt muss ich Mal abspannen, obwohl das nicht gerade einfach ist, wenn direkt neben einem mit dem Vorschlaghammer hantiert wird. Das Nebenhaus bekommt n├Ąmlich ein drittes Stockwerk.
Aber kehren wir zum Samstag zur├╝ck. Da haben wir mal einen Ruhetag eingelegt und waren nur unsere Fotos abholen, die dann doch nicht so billig waren, wie man es uns gesagt hat. So mussten wir f├╝r 20 Fotos 10 Euro hinbl├Ąttern. Also werden wir unsere restlichen Fotos lieber in Deutschland entwickeln lassen. Wahrscheinlich lag es am APS-Format, das hier wohl noch zu selten und damit sehr teuer ist. Danach sind wir in einen Markt gegangen, wo sich Carsten eine halbe Stunde einem Feilschwettkampf geliefert hat, um sich schlie├člich eine Goretex-Jacke f├╝r 135 Euro zu kaufen. Das hat die Verk├Ąuferin aber nur gemacht, weil sie gesehen hat, das wir wirklich nicht mehr Geld in der Geldb├Ârse hatten. Auf dem Heimweg trafen wir noch einen Stra├čenverk├Ąufer, der uns Spielzeug anbot und dabei immer auf seinen zahnlosen Mund zeigte. Er wollte uns wohl zeigen, dass er Geld zum Essen braucht. Als wir ihm unser leeres Portmonee zeigten, lachte er nur.
Nachmittags waren wir zum Gokart eingeladen, weil Julian Geburtstag feiern wollte. Also zogen wir mit Mathias und sechs lauten Bengels los. Die erste Runde fuhr ich nicht mit, weil ich bef├╝rchtete, dass die Jungs auf der Bahn Halligalli machen. Dem war auch so. Sie sind ganz sch├Ân ruppig gefahren. Also fuhr ich nach ihnen mit zwei kleinen chinesischen M├Ądchen zusammen. Leider war in der Runde auch ein wilder Chinese, der mich zwei Mal fast aus der Kurve gedr├╝ckt hat. Aber mit der Zeit wurde ich auch besser und schaffte die Runde sogar in 37 Sekunden. Carsten brauchte 35.26 Sekunden. Nur Julian war noch besser als ich, aber Carsten war der Champ, weil Mathias eher darauf achtete, dass die Jungs keinen Schaden anrichteten. Im vierten Lauf ging dann einiges schief. Einer von den Jungs passte nicht auf, so dass ein anderer auf ihn drauf fuhr. Dem ersten riss dann der Gurt und der Helm flog ab. Der Arme hing fast aus dem kleinen Auto raus. Der andere hat etwas am Bein abbekommen, aber es ist zum Gl├╝ck nichts Schlimmeres passiert. Mathias wollte dann aber keinen f├╝nften Lauf mehr fahren, weil es ihm zu gef├Ąhrlich war. Nach einem l├Ąngeren Streit mit Julian, der gern noch gefahren w├Ąre, waren wir dann essen. Die beiden Fahrer, die uns zur Gokartbahn gebracht haben, a├čen auch mit. Dort haben wir zum ersten Mal Pekingente gegessen. Und die ist ganz anders als man sie in chinesischen Restaurants in Deutschland bekommt. Zuerst nimmt man sich einen kleinen Fladen auf die Hand. Dann nimmt man ein St├╝ckchen Gurke, das in eine So├če getaucht wird. Damit streicht man ein wenig den Fladen ein. Das gleiche macht man dann mit Zwiebelstreifen oder Sojasprossen. Zum Schluss werden ein paar kleine Fleischst├╝ckchen darauf gelegt und das Ganze wird dann eingerollt und mit der Hand gegessen. Das ist wirklich lecker. Auch der s├╝├č-saure Fisch schmeckte wirklich gut. Falls ich es noch nicht geschrieben habe: In China bekommt nicht jeder seinen Teller mit seinem Essen, sondern alles wird auf eine gro├če Platte gestellt, die man drehen kann und dann nimmt sich jeder mit seinen St├Ąbchen, was er mag. Man kann sich auch ein bisschen in eine kleine Schale tun. Das ist nat├╝rlich sehr viel geselliger als in Deutschland und man kann viel mehr probieren und kosten. Reis wird in China ├╝brigens gar nicht so h├Ąufig gegessen. Es gilt als Arme-Leute-Speise und ist auch spottbillig. Wenn sich die Chinesen Reis bestellen, essen sie ihn nach den anderen Dingen aus einer kleinen Sch├╝ssel. Er wird nicht zu den anderen Gerichten gegessen, sondern dient nur der S├Ąttigung. Aber wir essen ihn trotzdem meist dazu. Am Ende dieses k├Âstlichen Mahls, kam die Rechnung: 30 Euro f├╝r 11 Personen, die pappesatt waren, denn es blieb noch einiges ├╝brig. Die 30 Euro h├Ątte man wahrscheinlich in Deutschland als Trinkgeld f├╝r so eine gro├če Gruppe gegeben. In China ist es nicht ├╝blich, Trinkgeld zu zahlen.
Am Sonntag ging es schon sehr fr├╝h los. Wir wurden von einem Minibus abgeholt, denn es war eine organisierte Fahrt f├╝r Leute von Siemens, die in Shanghai eine Weiterbildung besuchten und sich nun Peking anschauen wollten. Wir waren eine bunte Truppe; ein Inder aus Singapur, ein Mann aus Malaysia, ein Mann und eine Frau aus Indonesien, ein Wei├čer aus S├╝dafrika, ein Este aus M├╝nchen, Mathias und wir beide. Alle konnten Englisch und Raimund, der bayrische Este, sprach nat├╝rlich auch Deutsch. Auf dem Weg zu Mauer sahen wir einen ziemlich chaotischen Unfall in der n├Ąchsten Stadt. Ein Auto hatte nicht rechtszeitig gebremst und hatte einen Fahrradfahrer, samt seinem soll beladenen Vehikel umgeschmissen. Ich sah nur noch wie der Arme mit seinem Gesicht auf dem Asphalt lag und die Beine in der Luft strampelten. Trotz des chaotischen Fahrstils und dem Gesetz des St├Ąrkeren auf der Stra├če, scheint hier nicht so viel zu passieren - h├Âchstens Blechsch├Ąden. Carsten war ganz begeistert von Ampeln, die zeigten, wie lange noch rot oder gr├╝n ist, was sich hier vielleicht anbietet, da die Chinesen in Peking grunds├Ątzlich noch 10 Sekunden weiter fahren, wenn schon l├Ąngst rot ist. Nicht so toll gefielen uns die Fahrman├Âver unseres Fahrers, der selbst in engen Kurven unbedingt auf der linken Seite fahren wollte. Vielleicht war er ja in seinem fr├╝heren Leben mal ein Brite, wer wei├č, denn die h├Ąufigste Religion in China ist ja der Buddhismus und Buddhisten glauben an die Wiedergeburt.
Als wir in dem Dorf am Fu├če der Mauer ankamen ├╝berholten wir erstmal einen Kamelreiter. Kaum aus dem Bus gestiegen kamen gleich Verk├Ąufer auf uns zugerast und pr├Ąsentierten uns ihren Touristenkram und N├╝sse. Manche hielten einen sogar am Arm fest, dass man sich ja auch ihren Stand anschaute. Sp├Ąter trafen wir das Kamel noch mal wieder. Der Inder versuchte, das Tier zu filmen, aber wieder wollte der Kamelbesitzer Knete sehen. Da er aber von dem Inder abgelenkt wurde, knipste Carsten sein Heiligtum klammheimlich von einer Mauer aus (o: Als wir uns durch die letzten Buden gek├Ąmpft hatten, ging es mit einer Gondel nach oben. Leider war es etwas neblig an dem Tag, so dass man nicht viel von den Bergen sah. Aber es war trotzdem atemberaubend, wenn man bedenkt, dass diese Mauer von der L├Ąnge eigentlich nicht zu bestimmen ist, dass sie an einigen Stellen doppelt und dreifach verl├Ąuft. Aber sie ist mindestens 6000 km lang. Wir haben vielleicht 5 oder 6 davon gesehen. Das sind schon andere Dimensionen als im kleinen Europa. Irgendwann stand pl├Âtzlich ein Chinese an einem Durchgang und lie├č uns nicht weiter. Aber wir sahen, dass auch andere Leute dahinter waren. Nach einer Diskussion in mehreren Sprachen, quetschten sich Mathias und Raimund an ihm vorbei. Der Chinese lachte nur und schlug mit seiner Zeitung hinterher. Wir anderen haben uns das nicht getraut, denn uns wollte er dann trotzdem nicht durchlassen. Wir haben keine Ahnung, was das sollte, denn so bauf├Ąllig war die Mauer dahinter gar nicht. Es gab sogar Postkartenverk├Ąufer auf der anderen Seite. Mathias vermutet, dass diese illegal waren und sie deshalb nicht jeden da hinter lassen wollten.
Runter ging es mit einer Sommerrodelbahn. Leider konnten wir nicht so sausen wir beim Gokart, denn der Inder war vor uns und hatte wohl etwas Angst. Jedenfalls bremste er st├Ąndig. Aber im Gegensatz zu den meisten Chinesen war er noch richtig fix unterwegs. Da diese st├Ąndig bremsen und sogar anhalten, standen am Rand der Bahn ├╝berall Leute, die sowas wie "faster, faster" und so etwas riefen und es gab viele Hinweisschilder, dass man nicht bremsen soll. Da die Leute von der Sommerrodelbahn wahrscheinlich wussten, dass wir Europ├Ąer vielleicht ein bisschen schneller sind, mussten wir auch so lange warten bis alle Chinesen vor uns unten waren. Das dauerte eine ganze Weile.
Unten angekommen, mussten wir wieder ├╝ber den keinen Markt. Eine Dame feilschte mit sich selbst, weil wir einen Seidenmorgenmantel zu lange angeschaut hatten. Innerhalb von zwei oder drei Minuten hatte sie sich selbst von 85 auf 35 RMB herunter gefeilscht. Sie rannte Carsten sogar 100 Meter hinterher, um ihm davon zu ├╝berzeugen, dass ihr Mantel ganz billig w├Ąre. Genommen haben wir aber trotzdem nicht. Daf├╝r haben wir uns ein schickes T-Shirt f├╝r 25 Kuai gekauft (ca. 3 Euro). F├╝r unser erstes haben wir noch 65, f├╝rs zweite schon 55 Kuai bezahlt. Als wir das T-Shirt eingesteckt hatten, wollte uns die n├Ąchste Verk├Ąuferin das gleiche T-Shirt f├╝r 20 Yuan verkaufen. Und da sie bei diesem Preis schon anfing, h├Ątten wir sie wahrscheinlich sogar noch herunter handeln k├Ânnen. Allerdings hat sie den niedrigen Preis wohl nur genannt, um ihre Konkurrentin zu unterbieten. Von allein w├Ąre das eher nicht gekommen. Kekse und Eis waren allerdings sehr teuer, so dass wir lieber auf das Essen warteten, zu dem wir am Abend noch eingeladen waren.
Vorher fuhren wir aber noch zum Sommerpalast. Dort hatten wir allerdings nur wenig Zeit, da die meisten Parkanlagen schon gegen 16 Uhr schlie├čen. Zwar kann man dann noch im Park spazieren gehen, aber die Tempelanlagen und andere Einrichtungen haben schon geschlossen. Deshalb werden wir auf alle F├Ąlle mit Steffi dort noch einmal hinfahren - aber mit dem ├Âffentlichen Bus. Zur Mauer geht es am Samstag noch mal mit dem Fahrer von Mathias. Die Ming-Gr├Ąber wollen wir uns dann auch ansehen. Darauf sind die Chinesen wohl sehr stolz, da dort 12 Kaiser begraben liegen. Das Essen hatte Zhoe (der Fahrer) f├╝r uns schon vorher bestellt und er hat sich den kleinen Scherz erlaubt, kalte H├╝hnerf├╝├če zu bestellen. Der Este und der Inder probierten diese chinesische Delikatesse und fanden sie wohl nicht schlecht, obwohl da wirklich nicht viel dran ist. Aber einige Chinesen essen das mit allem drum und dran. Mir sehen diese Dinger zu sehr nach Kinderfingern aus. In einem Salat war Qualle, wie sich nachher heraus stellte. Das schmeckt schnurpsig, ein bisschen wie S├╝lze. Lotusbl├╝ten dagegen sind s├╝├člich. Trotzdem war es nicht so lecker wie am Tag davor. Wieder hatten wir einen Raum f├╝r uns allein, wie es oft in gro├čen Restaurants ist, wenn man mit einer gro├čen Gruppe kommt. Zum Gl├╝ck mussten wir nicht wieder warten wie am Tag zuvor, bis wir einen Tisch hatten. Als wir aber nach dem Essen gingen, sa├čen im Wartesaal auf den vielen St├╝hlen schon eine Menge Leute und warteten darauf, dass ein Tisch f├╝r sie frei w├╝rde. Das ist echt so wie in den Restaurants zu DDR-Zeiten, wenn man nicht reserviert. Auch in diesem Restaurant standen wieder eine Unmenge von K├Âchen in der K├╝che, die man immer durch eine gro├če Scheibe sehen kann. Auch unz├Ąhlige Kellnerinnen wuseln immer um einen herum.
Am Rosenmontag war in der Schule Fasching. Da eine Klassenlehrerin krank geworden war, konnte ich Vertretung in der vierten Klasse machen. Die ersten beiden Stunden a├čen wir in der Klasse zusammen Fr├╝hst├╝ck und machten ein paar Spiele. Danach gab es verschiedene Spiele in der Schulaula, wo ich erfuhr, dass ich einen Stand betreuen soll, an dem sich bereits eine Schlange Kinder gebildet hatte, die das Spiel spielen wollten. Der Fasching war aber nur f├╝r die Grundschule, so dass einige Gro├če doch etwas neidisch auf die tobenden Ritter, Clowns, Seer├Ąuber, Prinzessinnen und Fu├čballspieler schauten. Bei der Polonaise durchs Schulhaus machten sogar alle mit. Das sieht lustig aus, wenn da Knirpse aus der ersten Klasse und Abiturienten zusammen in einer langen Schlange durch Schulhaus ziehen. So bekam ich als Clown verkleidet (Das Kost├╝m hatte mit Stephanie am Abend zuvor sogar noch geb├╝gelt.) sogar noch Knete f├╝rs Feiern (o: Carsten machte w├Ąhrenddessen Unterrichtsvorbereitungen und hat seine Stunden gehalten.
Da an diesem Tag endlich mal wieder die Sonne schien, machten wir uns nach der Schule auf den Weg zum Jiangshan-Park, von wo man einen tollen Blick ├╝ber die verbotene Stadt und die Pekinger City hat. Danach schlenderten wir zum Beihai-Park, dessen Kleinod ein Turm ist, der aussieht wie eine russische Kaffeekanne. Eigentlich nennt sich das Ding Flaschenpagode und steht auf einer Insel auf einem kleinen See. Einen Jadebuddha und eine monstr├Âse Weinschale, die ├╝ber 2 Tonnen wog, mit Hakenkreuz konnten wir auch bestaunen. Das Hakenkreuz sieht man hier ├Âfter, denn es ist das Sonnensymbol und die Chinesen verbinden das nat├╝rlich nicht mit dem Dritten Reich. Da wir in der Verbotenen Stadt die Neundrachenmauer nicht sehen konnten, freuten wir uns, dass es im Beihei-Park auch eine gab. Die sieht echt schick aus und ist eine riesige Mauer aus Fliesen, die mitten in der Landschaft steht und auf der neun Drachen in verschiedenen Farben abgebildet sind. Sie sollte vor b├Âsen Geistern sch├╝tzen - wie so vieles in China.
Im Beihai-Park sahen wir wieder, was die Chinesen so in ihrer Freizeit machen. Alte Leute spielten Federball. Das geht aber nicht mit Schl├Ągern, sondern mit einem kleinen Ball, der echte Federn hat und mit dem Fu├č zu jemand anderen geschossen wird. So etwas spielen in Deutschland ja eigentlich nur die Jugendlichen mit ihren Hackysacks, hier spielen das die Rentner. Und zwar nicht schlechter als bei uns. Zwei ├Ąltere M├Ąnner schrieben mit gro├čen Pinseln, die sie in Wasser tauchten, chinesische Zeichen auf die Gehwegplatten. Die Leute blieben oft auch interessiert stehen. Wir haben aber nicht heraus bekommen, was sie da schrieben.
Mittlerweile waren wir auch schon ganz sch├Ân ko. Der ber├╝hmte Trommelturm hatte nat├╝rlich schon zu und wir durchquerten auf unserem Weg zur U-Bahn noch einen recht gepflegten Hutong, wo sich an jeder Ecke mehrere Rikschafahrer anboten, uns dort hindurch zu kutschen. Diese Hutongs sind ja mehr das urspr├╝nglichere Peking. Hier wohnen meist die "normalen" Chinesen. Im Fluss schwammen recht viele tote Fische und der eine See war fast ausgetrocknet. Obwohl wir es aufgrund des schlechten Wetters nicht so recht glauben wollen, regnet es hier ja sehr selten, so dass der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren enorm gesunken ist. An Umweltschutz denkt hier trotzdem kaum jemand.
An der Bushaltestelle gab es ein ziemliches Gerammel. Vor allem die Omis haben uns ganz sch├Ân rabiat beiseite geschubst, damit sie auch ja einen Platz im Bus abbekamen. Vielleicht ├╝ben sie deshalb so viel Schattenboxen in den Parks. Die Fahrkartenverk├Ąufer in den Bussen regeln das Chaos aber meist recht gut. Sie zeigen einem, wo noch Pl├Ątze frei sind und sorgen sogar daf├╝r, dass J├╝ngere f├╝r ├ältere aufstehen. Meist schaffen sie es dann trotzdem noch, uns Bescheid zu sagen, wo wir aussteigen m├╝ssen. Aber meist wissen wir das jetzt auch schon selbst. Zum Abend gab es bei Gutgesells H├╝hnerfrikass├ę und wir haben noch Unterrichtsvorbereitungen gemacht.
Am Dienstag wollten wir nach der Schule zur Liulichang, der ber├╝hmten Kunstgewerbestra├če in Peking. Aber irgendwie haben wir nur Jacken, Taschen und Essen gesehen. Mal wieder wurden wir von einem Kunstprofessor angesprochen, der uns eine tolle Ausstellung zeigen wollte, aber er war nett und nicht aufdringlich. Die Hutongs hier waren recht herunter gekommen und es gab sogar ein paar halb verfallene europ├Ąische Kolonialh├Ąuser aus der Zeit um 1900. An den St├Ąnden lagen die Fische und die Fleischbrocken einfach so auf dem Holztisch - nicht sehr appetitlich. Mitten auf der Stra├če, konnte man sich die Haare schneiden lassen, obwohl es schweinekalt war. Au├čerdem sahen wir noch ein kleines Kind mit Strumpfhose, die am Hintern offen war. So sparen sich die Eltern die Windeln und die Kinder haben bei der K├Ąlte wahrscheinlich einen echt abgeh├Ąrteten Po.
Ich wollte mir Handschuhe kaufen und fand 85 Euro daf├╝r einfach unversch├Ąmt. Die Verk├Ąuferin war dann sauer, dass wir gegangen sind und hielt erst mich am Rucksack fest und kniff dann Carsten noch in den Arm. Ganz sch├Ân gemeckert hat sie auch. Da waren wir etwas entt├Ąuscht, weil wir die meisten Chinesen bisher wirklich freundlich erlebt haben, auch wenn man mit ihnen handelt oder gar nichts kaufen will. Mittlerweile hatten wir aber kapiert, dass wir nicht auf der Liuilichang gewesen waren und fuhren nach Hause. Vorher gingen wir noch in den Lido-Markt, wo Carsten seinem neuen Hobby fr├Ânen konnte: feilschen. Als er um einen Pullover handelte, lie├č in die kleine dicke Chinesin gar nicht mehr aus dem Kabuff heraus, aber sie war freundlich und lachte. Nachher hat Carsten den echt aussehenden Tommy-Hilfiger-Pullover f├╝r 45 Yuan (ca. 5 Euro) bekommen. Stephanie sagt, dass die Klamotten fast die gleiche Qualit├Ąt haben wie die echten Markenklamotten. Wahrscheinlich stammen sie aus der gleichen chinesischen Fabrik und werden hier (bei gutem Handeln) ohne Europa-Aufschlag verkauft. Nach diesem anstrengenden Tag hatte ich ganz sch├Ân Kopfschmerzen und musste die Nachhilfe mit Julian ausfallen lassen. Wir sind dann auch schon um 21 Uhr m├╝de ins Bett gefallen.
Am Mittwoch war der Anreisetag von Steffi. Zu Stephanies Entsetzen fuhr Steffi auch gleich, nachdem Zhoe sie vom Flughafen abgeholt hatte (Mit Hilfe eines riesigen bunten Schildes, auf dem "STEFFI" stand, das er eigentlich gar nicht halten wollte und auch gleich ganz schnell einrollte, als Steffi ihn entdeckt hatte.), mit dem Bus zur Schule, um uns abzuholen, damit wir noch zusammen etwas in der Stadt unternehmen k├Ânnen. Wir wollten nun endlich die Liulichang finden und waren auch erfolgreich. Das ist schon eine tolle Stra├če. Die H├Ąuser waren aus dunklem Holz und in den L├Ąden gab es Pinsel, Papier, B├╝cher, Antiquit├Ąten, Kuriosit├Ąten, eben das, was man ein bisschen so vom Alten China kennt. Carsten war allerdings nicht so beeindruckt. Nachher liefen wir noch zum Tienanmen, damit Steffi wei├č, wie sie zur Verbotenen Stadt kommt.
Bevor wir nach Hause gingen, waren wieder mal im Lido-Market, wo Carsten wieder seinen Kaufrausch ausleben konnte. Diesmal war es ein Schachspiel. Bei den Preisen hier muss man echt aufpassen. Das Schachspiel, das Carsten sich f├╝r 50 Yuan (ca. 6,50 Euro) gekauft hat, kann man auch f├╝r 1.100 Yuan haben. Selbst diese H├Ąndlerin hat bei ├╝ber 200 Yuan angefangen zu handeln und tat ganz geheimnisvoll. Es gibt eben auch Leute, die das f├╝r den Preis kaufen. Ich habe mir im gleichen Markt wie Carsten eine Northface-Jacke gekauft. Sie wollte erst 340 Yuan daf├╝r. Carsten erz├Ąhlte ihr dann, dass wir drei Tage vorher die gleiche Jacke f├╝r 135 Yuan gekauft hatten. Das wollte sie uns nat├╝rlich nicht glauben. Es war auch eine andere Verk├Ąuferin. Aber dann hat sie mir die Jacke doch f├╝r 140 Yuan verkauft und Steffi hat sich eine Fleece-Jacke gekauft. Wir hatten ja nur 17 kg mit auf der Hinfahrt, obwohl es 40 kg sein d├╝rfen und haben uns zum Gl├╝ck gleich am Anfang einen kleinen Rollkoffer gekauft, so dass wir unsere ganzen Sch├Ątze auch zur├╝ck bekommen (o:
Am Abend waren wir noch bei der Frau des Schuldirektors zu Besuch. Sie wohnt gleich um die Ecke und hat eine riesige Wohnung mit sechs Zimmern. Er hatte leider keine Zeit. Sie lud uns au├čerdem zum Essen ein. Das Lokal war ganz in der N├Ąhe, aber nicht so gut. Alles war sehr scharf und das Servieren dauerte ewig. Danach mussten wir wieder mal Unterrichtsvorbereitungen machen, denn ich hatte am n├Ąchsten Tag meine dritte und vierte Stunde in der siebten Klasse in Ethik.
Jetzt sitze ich in unserem Zimmer bei Gutgesells und m├╝sste, wie gesagt, die n├Ąchste Woche vorbereiten, aber diese Mail muss auch endlich fertig werden. Eben gab es Kartoffelsuppe zum Mittag, da Stephanie ja Hausfrau ist. Carsten ist noch an der Schule, hospitiert und gibt seine Stunden. Steffi tobt trotz Regen zum Himmelstempel und zum Perlenmarkt, wo wir selbst noch nicht waren. Nachher treffen wir uns wahrscheinlich alle drei in der Schule, da um 16 Uhr ein Vortrag zur Chinesischen Literatur von einem Lehrer und einer Sch├╝lerin der 11. Klasse gehalten wird. Danach muss ich wahrscheinlich wieder Nachhilfe geben und noch was f├╝r die Schule machen.
Eben kam Lisa ins Zimmer und hat mir ein Foto vom Rosenmontag gebracht, das eine Mutti aus ihrer Klasse von mir und Stephanie gemacht hat. So wisst ihr gleich mal, wie ich so durch Peking laufe. Auch in den n├Ąchsten Mails kann ich ein paar Fotos anh├Ąngen, die Mathias von uns auf der Mauer und beim Gokart-Fahren gemacht hat. Er will sie uns noch auf CD brennen. Mit unserem Fotoapparat haben wir auch schon fast vier Filme verknipst.

Liebe Gr├╝├če von Carsten und Katja

Nihao aus Beijing, (11.03.03)

So - langsam sollte ich mich mal wieder ran setzen und ein bisschen aus Beijing plaudern, bevor ich die ganzen Eindr├╝cke hier durcheinander bringe und nachher noch denke, ich sei in Malaysia.
Am vergangenen Donnerstag hatten wir lange Schule. Steffi war trotz tr├╝ben Wetters beim Himmelstempel. Danach waren wir gemeinsam bei einem Lesekreis in der Schule zum Thema "Chinesische Literatur, den ein Deutschlehrer und eine Sch├╝lerin (Lya) aus der 11. Klasse initiiert hatten. Nat├╝rlich waren nur Lehrer da und zwei oder drei Sch├╝lerinnen - wahrscheinlich die Freundinnen von Lya. Selbige sa├č da wie eine kleine Pr├Ąsidentin und f├╝hrte mit dem Lehrer das Thema sehr interessant ein. Es ist schon erstaunlich, was eine Sch├╝lerin in der 11. Klasse leisten kann, wenn sie will. Bei Kaffee und Kuchen lasen wir gemeinsam eine Kurzgeschichte ├╝ber einen chinesischen Dorfschullehrer. Die beiden Germanisten Steffi und Carsten nervte die Diskussion danach. Unter eine Sch├╝lerarbeit h├Ątten sie wahrscheinlich "keine am Text orientierte Diskussion" geschrieben. Die beiden mussten sich danach erst mal mit Schwimmen erholen. Ich erholte mich lieber bei Unterrichtsvorbereitungen.
Am Freitag wollte Carsten fast das Handtuch schmei├čen, weil er sich ├╝ber die Sch├╝ler der 10. Klasse ge├Ąrgert hat, da sie schlecht gearbeitet hatten und sich dann auch noch bei unserer Betreuungslehrerin beschwert haben, dass sie zu viel zu tun haben. Musste ihn dann ein wenig aufmopsen und jetzt geht es wieder. Steffi zog gleich am Morgen zum Kaiserpalast los. Danach waren wir noch im so genannten "Flower Market", von dem die Leute hier so schw├Ąrmen. Sie erz├Ąhlten, dass es dort so viele Blumen gibt - links die echten und rechts die unechten. Aber das ganze war nichts als ein deutscher Baumarkt mit viel Klimbim drumherum, zum Beispiel ganze L├Ąden nur mit Glasperlen. Ich habe mir ein paar f├╝r ein Spiel gekauft. Daf├╝r gab es noch super leckeres Eis - das beste, dass wir bisher an Stieleis gegessen haben.
Nach Hause gingen wir zu Fu├č, um dann auch gleich wieder zum n├Ąchsten Markt aufzubrechen, zum so genannten Perlenmarkt, wo es angeblich ganz preiswert echte Perlenketten geben soll. Carstens Kaufrausch war - nach seinen Worten - verflogen, weil wir ihn am Tag zuvor als "Kaufrausch-Carsti" diskriminiert hatten. Da dieser Markt aber so riesig ist, schafften wir gerade mal die ersten beiden Etagen. Ich habe es trotzdem geschafft, Hunderte von chinesischen Verk├Ąufern bei Laune zu halten, weil ich eine Unmenge Hosen anprobiert habe und keine passte, weil man mit den Gr├Â├čen hier nicht viel anfangen kann. Mal passt die XXXL und manchmal ist schon die M zu gro├č. Manche Sachen (v.a. T-Shirts) haben sie auch nur in einer Gr├Â├če - genau richtig f├╝r kleine, d├╝nne Chinesinnen, aber nix f├╝r einigerma├čen normale Europ├Ąerinnen.
Nach dem Perlenmarkt machten wir uns auf zum Theater, das gleich in der N├Ąhe sein sollte. Als wir dann schon eine halbe Stunde gelatscht waren und schon fast die Hoffnung aufgegeben hattenen, sahen wir pl├Âtzlich einen riesigen Bau mit tausend Lichtern, auf den viele viele Chinesen zustr├Âmten. Das war dann endlich richtig. Wir bekamen Pl├Ątze in einer Loge und hatten eigentlich ganz gute Sicht, auch wenn der Mann vor mir ganz sch├Ân zappelig war. Gespielt wurde "Antigone" vom Griechischen Nationaltheater - nat├╝rlich Originalsprache. Aber es gab chinesische und englische ├ťbertitel. Die liefen allerdings so schnell ab, dass man gar nicht mit dem Lesen hinterher kam. Dadurch war das St├╝ck zeitweilig langweilig, es tat sich wenig, au├čer dass dort ein paar Griechen auf der B├╝hne st├Ąndig ihre St├╝hle hin und her r├╝ckten.
Zum Gl├╝ck ist Steffis Englisch besser, so dass sie mir einiges erkl├Ąrte, da ich das St├╝ck auch noch nicht kannte. Das B├╝hnenbild war sehr modern: St├╝hle, Neonr├Âhren, lange graue M├Ąntel, wenig historische Ausstattung. Sah eher ein bisschen wie Bertolt Brecht aus und nicht wie antikes Theater. Aber daf├╝r, dass es Freikarten von der Schule waren, war es ganz okay (o: Der R├╝ckweg nach Hause gestaltete sich etwas schwierig, da erst mal alle anderen Leute auch ein Taxi wollten und einige Taxis dann auch noch an uns vorbei fuhren, auch wenn wir wie wild gewinkt haben. Daf├╝r war es sehr beeindruckend nachts durch Pekings Mitte zu fahren, denn alle gro├čen H├Ąuser waren mit Lichterketten beleuchtet, viele bunte Lichtspiele und Neonschilder strahlten uns an. Es war eine Mischung aus riesigem Weihnachtsmarkt und Las Vegas.
Am Samstag begaben wir uns auf Maos Spuren mit drei Lehrern aus der deutschen Schule. Wir konnten in die H├Âfe der Hutongs hinein schauen sowie in ein Hutong-Altersheim, in dem nat├╝rlich der Fernseher lief. Die zwei Lehrer begeisterten Steffi mit ihrem Detailwissen ├╝ber das Pekinger Stadtleben und uns mit dummen Spr├╝chen. Herr Holztrattner, ├Âsterreichischer Lehrer, beschwerte sich ├╝ber den Verkehr in Peking als es wieder einen Fast-Zusammensto├č gab und meinte, das sei wieder so eine Situation, in die er nicht kommen m├Âchte. Herr Huber meinte darauf, in Peking gebe es nur Situationen. Bei einer Mauer mit Stacheldraht gr├╝belten sie, ob das ein Gef├Ąngnis oder eine deutsche Schule mit Antikoreanerzaun sei. Au├čerdem beschwerte sich Herr Holztrattner ├╝ber den Besuch der Schwiegermutter, da er dann zwei Frauen zu Hause h├Ątte, die ihm sagen, was er zu tun habe. Er sei deshalb trotz Krankheit lieber in die Schule gegangen. Als Carsten sehr verst├Ąndnisvoll lachte, war ich doch etwas beleidigt (o;
Obwohl wir schon vormittags viel gelaufen waren, sind wir aufgrund des tollen Wetters noch nach Badachu gefahren. Steffi war sehr skeptisch als wir an der Endhaltestelle der U-Bahn mit ihr einem Chinesen folgten, der uns irgend etwas vor gestikulierte. Es war aber dann tats├Ąchlich ein Fahrer, der uns in seinem altersschwachen Minibus zum Park bringen wollte. Es hat auch alles gut geklappt und wir sind nicht nach Honolulu gekarrt worden. Badachu selbst hat uns nicht so umgehauen. Es waren Hunderttausende Leute da, die H├Ąlfte davon mit orangefarbenen Basecaps. Alles wirkte daher eher wie ein gro├čer Rummel, da die Landschaft komplett k├╝nstlich war und alle Nase lang solche Trimm-Dich-Pfade waren, die auch an jeder Stra├čenecke stehen und an denen meist die Alten herum turnen. Aus jeder Ecke t├Ânte ein Lautsprecher mit Kindergepl├Ąrre. Sie hatten scheinbar die Endlosschleife eingelegt. Sp├Ąter erfuhren wir, dass wir scheinbar in den Genuss der Pekingoper gekommen waren. Dadurch haben wir uns spontan entschlossen, da doch nicht hin zu gehen.
Badachu hei├čt ├╝bersetzt "8 Tempel", aber die sehen alle gleich aus, wenn man schon ein paar gesehen hat. Gefallen haben uns nur ein Baum, an den die Leute kleine rote Lampions mit ihren W├╝nschen geh├Ąngt haben und eine springende Omi, die vor Steffi herum hopste und lachte. Da es in Badachu nur bergauf geht und wir schlie├člich ziemlich ko waren, sind Carsten und ich mit der Sommerrodelbahn nach unten gefahren. Diesmal hielt uns kein ├Ąngstlicher Inder aus Singapur auf. Nur Carsten hat mich etwas ausgebremst. Steffi lief dann doch lieber den Berg auf sicherem Weg wieder herunter. Danach bestaunten wir noch eine traditionelle chinesische Pagode (von weitem sieht sie aus wie ein Leuchtturm), die aber erst 10 oder 20 Jahre alt war. Auch auf der R├╝cktour war Steffi besorgt, ob das klappernde Vehikel uns zur richtigen Station bringt und ob es das ├╝berhaupt bis dahin schafft.
Am Sonntag wurden wir wieder von einem Siemensfahrer zur Mauer chauffiert, diesmal aber in ein Dorf namens Huang Hua, wo die Mauer in urspr├╝nglicherem Zustand erhalten ist. Dort st├╝rzten uns gleich ein paar Bauern entgegen und wollten uns Chinab├Âller, N├╝sse und Postkarten verkaufen - was f├╝r eine Mischung. Auf diese Chinab├Âller scheinen die Leute zu stehen, denn sie gingen alle Nase lang hoch und hallten ganz sch├Ân in den Bergen. Das St├╝ck Mauer, das man hier anschauen konnte, war bei weitem nicht mehr so gut erhalten wir auf unserer ersten Tour nach Mutianyu. In Deutschland h├Ątte man da bestimmt nicht mehr rauf gekonnt oder man h├Ątte mindestens ein Gel├Ąnder gebaut. Zuerst musste man ├╝ber eine gro├če Staumauer laufen und ├╝ber eine kleine Eisentreppe, f├╝r deren Benutzung wir jeder 2 Yuan berappen mussten (auf dem R├╝ckweg weigerten wir uns, das noch mal zu bezahlen) kam man dann endlich auf die Mauer. Der Hinweg ging bergauf und war schon recht m├╝hsam. Daf├╝r wurden wir aber mit einer recht guten Sicht belohnt. Auf dem R├╝ckweg kamen wir aber ganz sch├Ân ins Pusten, weil es auch recht rutschig war.
Als wir genug gekraxelt waren, wurden wir zu den Ming-Gr├Ąbern gefahren. Das ist eine riesige Parkanlage mit insgesamt 13 Katakomben, in denen fast alle Mingkaiser begraben liegen. Davon sind aber nur zwei zug├Ąnglich und in einem waren wir drin. Dazu musste man erst mal mehrere Stockwerke eine Treppe hinunter laufen. Dann kam man in mehrere Hallen, die eher wie Fabrik aussahen als nach Grabst├Ątte. Ein paar S├Ąrge und Marmorb├Ąnke standen auch herum, aber im Gro├čen und Ganzen war es recht kahl und kalt. Bunt wurde es nur durch die hunderttausenden Geldscheine, die die Leute ├╝berall hingeworfen hatten. Als ob es Gl├╝ck bringen k├Ânnte, wenn man einem toten Mingkaiser Geld schenkt.
Wieder drau├čen kam wieder von irgendwoher geheimnisvolle Musik. Wir frotzelten herum, das es wieder das Gepl├Ąrre vom Vortag sei, bis wir feststellten, dass die Ger├Ąusche aus Steffis Jacke kamen. Das war uns dann doch nicht ganz geheuer, bis wir kapierten, dass es das Handy von Stephanie, unserer Gastmutter war, das sie uns f├╝r den Notfall mitgegeben hatte. Nach den Minggr├Ąbern schritten wir noch den Heiligem Weg entlang, an dem man eine Menge riesiger Steintiere und Krieger anschauen konnte. Au├čerdem gab es noch einen Stand, an dem man sich mit Kaiserverkleidung fotografieren lassen konnte. Das haben wir europ├Ąischen Touris nat├╝rlich gleich ausgenutzt. Carsten bekam einen gelben Mantel und eine runde, gelbe Kappe mit rotem Bommel und ich einen blauen Umhang, merkw├╝rdige Schuhe, wo der monsterm├Ą├čig hohe Absatz in der Mitte des Schuhs war und nicht am Hacken und eine blaue Haube mit viel Klimbim (Ph├Ânixe und Drachen) dran. Steffi wollte sich nicht verkleiden, setzte sich aber bei einem Foto mit dazu.
Als wir drau├čen waren gab es mal wieder einen kleinen Markt. Es herrschte aber Totenstille, denn die Buden waren leer, da die Verk├Ąufer hinter den Buden schliefen, Karten spielten und sich leise unterhielten. Als sie uns sahen, ging ein monsterm├Ą├čiges Gewusel los. Aus allen Ecken schossen Chinesen hervor und st├╝rzten in ihre Bretterverschl├Ąge, um am lautesten "look lady" und "hello Sir" zu br├╝llen. Das war wirklich ein Anblick f├╝r die G├Âtter und wir mussten ganz sch├Ân lachen. Aber auch die Verk├Ąufer haben das mitbekommen und einige mussten ebenfalls lachen. Wir haben dann schnell die M├╝cke gemacht, bevor uns wieder einer nicht aus seinem Laden l├Ąsst. Zum kr├Ânenden Abschluss waren wir abends noch mit Gutgesells beim Inder essen. Das war aber viel zu scharf und wir haben beschlossen, das chinesisches Essen besser schmeckt.
Montag und Dienstag verliefen ganz ruhig mit Schule und mal wieder Shopping. Aber man merkt langsam, dass die Touristensaison los geht, denn im Lido-Markt waren doch recht viele Europ├Ąer und die Verk├Ąufer lie├čen nicht mehr so gut mit sich handeln. Einige verlangten echt astronomische Preise und waren dann beleidigt, wenn wir das Zeug nicht kaufen wollten. Einige wurden richtig aggressiv. Sie k├Ânnen eben nicht verstehen, dass das auch f├╝r uns viel Geld ist und dass uns selbst billige Sachen gefallen m├╝ssen, damit wir sie kaufen. Viele Chinesen kaufen Schuhe, weil sie billig sind und nicht, weil sie schick aussehen und passen.
Ich habe mit eine Fleece-Jacke gekauft, f├╝r die ich 50 Yuan bezahlt habe. Eine Verk├Ąuferin fing schrecklich an zu gackern als ich bezahlte, was mich doch schon sehr verunsicherte, aber Carsten meinte, sie h├Ątte wohl die Verk├Ąuferin ausgelacht, die mir die Jacke verkauft hat. Sie hat n├Ąmlich bei 160 Yuan angefangen und ich bin bei 50 Yuan weg gegangen. Meistens bekommt man dann die Klamotten f├╝r den Preis, bei dem man geht. Oder man geht eben zu einem anderen Stand, da viele Klamotten fast an jedem zweiten Stand h├Ąngen. Au├čerdem habe ich mir noch eine Hose gekauft und wir haben zusammen bestimmt 15 CD┬┤s gekauft, die zwar kopiert sind, aber nur 2 Euro kosten. Nach dem wir schon ziemlich genervt waren von dem Gewusel der Verk├Ąuferinnen, die immer alle zusammen str├Âmen, wenn man an einem Stand anfing zu handeln, da die meisten nichts zu tun hatten, trabten wir mit vollen Taschen nach Hause. Diesmal hat Carsten Julian Nachhilfe gegeben und am Abend gingen wir dann noch mit der ganzen Familie bowlen.
Am Dienstag Abend waren wir in einer Akrobatikshow, wo uns Zhoe (der Fahrer) hingebracht und Karten besorgt hat, so dass wir ganz vorn in der zweiten Reihe sa├čen und nur ein Viertel des normalen Preises bezahlten. Wir h├Ątten sogar in der ersten Reihe sitzen k├Ânnen, aber Steffi bef├╝rchtete, dass sie dann vielleicht mit machen muss. Au├čerdem konnte man dort auch nicht so gut sehen. Aber die Show war wirklich eindrucksvoll. Die Damen schienen aus Gummi zu sein und die M├Ąnner hatten scheinbar Gummi verschluckt. Wahnsinn, was Menschen alles leisten k├Ânnen. Zur├╝ck ging es wieder durch das leuchtende Peking bei Nacht.
Heute waren wir noch mal im Sommerpalast, weil wir ja bei unserem ersten Besuch so wenig Zeit und so schlechtes Wetter hatten. Diesmal war Bombenwetter, auch wenn es noch ganz sch├Ân k├╝hl war. Erst wollten wir mit dem Bus dort hin fahren, aber dann fanden wir nicht die richtige Buslinie und nahmen doch lieber das Taxi, auch wenn das recht teuer wurde. Der Sommerpalast ist kein einzelner Palast, sondern eine ganze Parkanlage und bestimmt zwei Mal so gro├č wie Sanssouci. Au├čerdem ist er auch abwechslungsreicher, denn in der Mitte liegt ein gro├čer See, zwischen den Tempeln und Palastanlagen ist Wald und im Hintergrund sieht man die Berge mit der Chinesischen Mauer! Um drei machten die beiden anderen jedoch schon schlapp, aber mehr kann man sich wahrscheinlich nicht ansehen, weil man so beeindruckt ist und schon viel zu verarbeiten hat. Wenn man den ganzen Park sehen m├Âchte, muss man wirklich mehrmals kommen. Im Park liefen auch wieder mit Kleinkinder mit offener Hose herum, damit es im Notfall hinten heraus platschen kann.
Da Steffi morgen nach Hause fliegt, waren wir zum kr├Ânenden Abschluss noch Pekingente essen. Das Restaurant, das uns eine Nachbarin unserer Gastfamilie empfohlen hatte, war entgegen ihrer Aussage sauteuer (f├╝r chinesische Verh├Ąltnisse) und wirkte auch recht europ├Ąisch mit seinen Kronleuchtern und Tellern. Das Essen war aber ganz okay. Die Ente wurde ganz serviert und dann von einem Kellner am Tisch in Streifen geschnitten, damit man sie in einer kleinen Zeremonie zusammen mit Zwiebeln, Gurken, dunkler So├čen und anderem Krimskrams in einen kleinen Teigfladen legt, einrollt und auffuttert. F├╝r das viele Geld haben wir uns dann noch die kleinen Porzellanenten vom Tisch mitgenommen (o:
Die Taxifahrt zur├╝ck ging mal wieder durch den abenteuerlichen Pekingverkehr: alle fahren wild durcheinander, hupen, verkeilen sich ineinander, hupen noch mehr, keiner f├Ąhrt und dann kommt noch einer, der sich irgendwo durchdr├Ąngelt, obwohl rot ist. Man sollte nicht so oft aus dem Fenster schauen, wenn man hier im Auto sitzt.
Wir sind schon sehr gespannt auf die n├Ąchste Woche, denn da haben die Sch├╝ler Projektwoche und wir begleiten eine Gruppe (4.-7. Klasse) in die Provinz Hebei (etwa vier Stunden mit dem Bus von hier), wo wir zwei N├Ąchte ├╝bernachten und uns verschiedene Dorfschulen anschauen. Das wird bestimmt sehr interessant. Au├čerdem wollen wir noch Mah Jongg und Chinesisches Schach lernen.
So - das war es f├╝r heute. Es ist gleich elf und ich bin m├╝de.

Liebe Gr├╝├če von Carsten und Katja

Ni hao aus Beijing, (16.03.03)
Bei diesem Wetter hier kann man echt schlechte Laune kriegen. Gestern und vorgestern hat es fast den ganzen Tag geregnet. Auch die Tage davor zeigte sich das Wetter nicht gerade von seiner besten Seite. Deshalb streiken wir auch und haben in dieser Woche nicht besonders viel unternommen. Die H├Âhepunkte waren der Sommerpalast, die 19. Mittelschule in Beijing und unser Marktbesuch gestern.
Zur Mittelschule fuhren wir mit einigen Lehrern der Botschaftsschule im Bus. Wir wurden in einem gro├čen Raum mit Sofas vom Schulleiter und den beiden Stellvertretern empfangen. Als Dolmetscherin war eine chinesische Lehrerin unserer Schule mit, da der Schulleiter kein Englisch sprach. Zuerst erz├Ąhlte er etwas ├╝ber die Schule allgemein und wir konnten Fragen stellen. In der 19. Mittelschule lernen 2.500 Sch├╝ler. In jeder Klasse sind 40-50 Sch├╝ler und jeder Jahrgang (Klasse 7-12) hat sieben Klassen. Diese Schule ist eine besser gestellte Schule in Beijing, denn die meisten Sch├╝ler zahlen Schulgeld. Die Sch├╝ler der Grundstufe zahlen kein Geld wenn sie aus dem umliegenden Wohngebiet kommen, denn in China gilt das Wohnortprinzip. Sie m├╝ssen einen Aufnahmetest absolvieren, wenn sie diesen bestehen, dann zahlen sie bis 15 Jahre nur die Materialkosten (ca. 200 RMB/Jahr), da so lange die Schulpflicht geht (Abi nach der 12. Klasse). Da die Schule aber einen sehr guten Ruf hat, wollen auch Sch├╝ler au├čerhalb des Schulbezirkes auf diese Schule oder auch solche, die den Aufnahmetest nicht bestehen. Sie m├╝ssen dann einmalig ziemlich viel Knete bezahlen (ca. 20.000 RMB in der Grundstufe - Klasse 7-9 und 30.000-50.000 RMB in den h├Âheren Klassen - also maximal ungef├Ąhr 5.500 Euro). Ab der 10. Klasse m├╝ssen alle Sch├╝ler im Jahr 1.000 RMB zahlen - wer den Aufnahmetest nicht bestanden hat nat├╝rlich mehr. Dadurch sind an dieser Schule entweder sehr gute Sch├╝ler oder Kinder mit gut verdienenden Eltern.
Dementsprechend ist die Schule auch besser ausgestattet als eine "normale" Mittelschule. Da giebt es zwei Computerkabinette mit jeweils 50 Rechnern, Beamer an der Decke (viel kleiner als unsere Monster), Kameras, die auf den Tisch der Lehrerin zeigen, damit die Sch├╝ler ├╝ber einen Fernseher auch in den hinteren Reihen sehen, was sie zeigt und sehr gut ausgestattete Fachkabinette (Materialien f├╝r den Kunst- und Werkunterricht, moderne und alte chinesische Musikinstrumente, einen runden Orchestersaal, riesiger Sportplatz etc.).
Chinesische Sch├╝ler haben sehr viel Unterricht. An dieser Schule sowie in ganz Peking wurde festgelegt, dass die Sch├╝ler sieben Stunden am Tag Unterricht haben (je 45 Minuten). Da sie vormittags vier und nachmittags drei Stunden haben, geht ein Schultag mit zweist├╝ndiger Mittagspause (in der die Kinder in die Schulmensa oder nach Hause gehen) von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr. In den chinesischen Provinzen ist samstags und sonntags ein ganz normaler Schultag und die Kinder haben je nach Alter 10 bis 12 Stunden Unterricht am Tag, weil sie zu bestimmten Zeiten im Jahr nicht zur Schule gehen k├Ânnen (Winter und Erntezeit) und dann eben aufgeholt werden muss, was verpasst wurde. In Peking ist der Wochenendunterricht dagegen offiziell verboten, aber an diesen Tagen hat ein Nachhilfeinstitut die Schule gemietet. Angestellt sind dort meist die selben Lehrer wie in der normalen Schule, weil das wohl ein sehr lukrativer Nebenjob ist. Da der Leistungsdruck in der Schule sehr stark ist, gibt es deshalb nur wenige Kinder, die nicht auch am Wochenende zur Schule gehen und Nachhilfeunterricht bekommen. Die Sch├╝ler k├╝mmern sich meist auch selbst um die Nachhilfe. So wurde eine Lehrerin der Botschaftsschule von Siebtkl├Ąsslern auf dem Schulhof angesprochen, ob sie einem M├Ądchen nicht Nachhilfe in Englisch geben k├Ânne. Dabei sprach dieses M├Ądchen sehr gut Englisch, aber sie wollte eben noch besser werden. Gelernt wird vor allem f├╝r die zentralen Pr├╝fungen, die nach jedem Schuljahr statt finden und entscheiden, ob ein Sch├╝ler in die n├Ąchste Klassenstufe versetzt wird.
Die Eltern geben viel Geld f├╝r die Bildung ihrer Kinder aus, weil sie wissen, dass diese sonst nicht weiter kommen. Deshalb m├╝ssen die Kinder dieser Schule nicht unbedingt reiche Eltern haben - viel Eltern sparen dann lieber f├╝r eine gute Bildung ihrer Kinder - in Deutschland undenkbar. Schon an der deutschen Botschaftsschule streiken die Eltern gegen eine Ganztagsschule, weil sie nicht bereit sind, mehr Geld f├╝r die Bildung ihrer Kinder auszugeben, auch wenn sie vielleicht einsehen, dass das besser w├Ąre f├╝r die Kinder. Dabei zahlt das Schulgeld eigentlich meist der Betrieb der Eltern. Aber sie wollen keinen Cent draufzahlen, obwohl die meisten hier sehr gut verdienen.
Was ich sehr interessant fand, ist die Bezahlung der Lehrer in China. Aber vielleicht sollte man eher sagen - an dieser Schule. 50% des Schulhaushaltes bezahlt die Stadt und 50% die Schule selbst. Deshalb ist man bestrebt guten Unterricht zu bieten, damit zahlungskr├Ąftige Eltern ihre Kinder dorthin schicken. Ein Mittel daf├╝r ist neben der Ausstattung die leistungsgerechte Bezahlung der Lehrer. Diese errechnet sich aus der Leistung der Sch├╝ler. Also: wer die besten Sch├╝ler hat, bekommt auch am meisten Geld. Sind die Sch├╝ler in einer Klasse schlecht, muss der Lehrer mit Gehaltk├╝rzungen oder sogar mit K├╝ndigung rechnen. An dieser Schule verdient ein durchschnittlicher Lehrer 3.000 RMB (zur Zeit ca. 330 Euro, der Kurs ist an den Dollar gekoppelt) im Monat. Auf dem Land sind es nat├╝rlich viel weniger und selbst an dieser Schule hat vor 10 Jahren ein Lehrer gerade mal 100 RMB verdient. Ein Lehrer unterrichtet 12-16 Stunden pro Woche, was sehr wenig klingt, aber wenn man bedenkt, dass die Klassenst├Ąrke bei bis zu 50 Sch├╝lern liegt, haben diese Lehrer nat├╝rlich viel mehr Vor- und Nachbereitungszeit. Jeder Lehrer hat auch nur ein Fach, f├╝r das man 4 Jahre an einer p├Ądagogischen Hochschule studieren muss. In Pension gehen die Chinesen ├╝brigens mit 60 Jahren, Frauen sogar schon mit 55.
Die Sch├╝ler in China tragen alle Schulkleidung. Diese sieht meist wie ein Jogginganzug aus. F├╝r den Sportunterricht ziehen sich die Sch├╝ler oft auch gar nicht erst um. Jeder Sch├╝ler hat eine Nummer und seinen Namen an der Kleidung. Leider haben wir nicht heraus gefunden, wozu das gut ist. Aber vielleicht ist es so etwas wie ein Sch├╝lerausweis, der berechtigt, das Schulgel├Ąnde zu betreten. Manche Sch├╝ler hatten auch kleine Abzeichen und Orden an ihrer Kleidung. Diese bekommen sie f├╝r gute Leistungen in der Schule. An diesem Tag haben wir niemanden mit Halstuch gesehen, aber die Pioniere gibt es in China noch immer und diese sind wohl ├Ąhnlich organisiert wie die Jungen Pioniere der ehemaligen DDR, nur dass man hier wohl als Auszeichnung und mit guten Leistungen Pionier werden kann und das dann bis 16 Jahre ist. Das m├╝sste hei├čen, dass nicht alle Kinder Pioniere sind.
Jeden Morgen um halb zehn trifft sich die ganze Schule zur Morgengymnastik auf dem Schulhof. Wir haben das leider nicht sehen k├Ânnen, aber ich kann mir vorstellen, dass es schon beeindruckend ist, wenn 2.500 Sch├╝ler auf dem Schulhof die gleiche ├ťbung machen. Vor dieser Gymnastik machen die Sch├╝ler in ihren Klassen schon Augengymnastik, was wohl ganz typisch f├╝r China ist. Es soll vor M├╝digkeit sch├╝tzen und hilft angeblich der Konzentration. Der Anfang und das Ende einer Schule werden mit einem Schulappell signalisiert, bei dem sich auch alle Sch├╝ler auf dem Schulhof versammeln - ├Ąhnlich wie der Fahnenappell in der DDR.
Wir konnten auch ein bisschen in den Unterricht hineinschauen. Am Anfang der Stunde stehen die Sch├╝ler auf, wenn der Lehrer herein kommt und verbeugen sich. Der Englischunterricht wurde mit B├╝chern und einer Kassette abgehalten. Die Sch├╝ler sprachen im Chor nach oder die Lehrerin fragte einzelne Sch├╝ler ab, wobei der Sch├╝ler f├╝r die Beantwortung aufsteht. Auch der Vergleich der Chemiehausaufgaben wurde im Chor gemacht. Aber so diszipliniert wie man es in den Medien h├Ârt, waren die Sch├╝ler hier nicht. Sie winkten fr├Âhlich, wenn wir an ihrem Raum vorbei kamen oder riefen sogar, obwohl Unterricht war. Sie l├╝mmelten teilweise genau wie deutsche Sch├╝ler auf der Bank oder krakelten in ihre B├╝cher. Beim Klingelzeichen zur Pause wurde es sofort unruhig. Aufgestanden ist allerdings niemand - erst als die Lehrerin ein Zeichen gab.
Der Musikunterricht war ebenfalls ganz interessant. Die Kinder ├╝bten gerade ein Lied ein und sangen die Noten von der Tafel ab. Die Noten wurden aber nicht mit Noten aufgeschrieben, wie wir es kennen, sondern mit Zahlen. Nachdem sie das Lied so gesungen hatten, holten alle ein kleines Blasinstrument mit langem Schlauch hervor (Triolaverschnitt) und tr├Âteten das Lied zusammen. Das h├Ârte sich gar nicht schlecht an. Die Schule setzt einen Schwerpunkt auf Musik und gewinnt wohl schon seit 12 Jahren mit ihrem Orchester nationale Preise. Sie hatten sogar einen richtigen Orchestersaal und ein riesiges Arsenal an Instrumenten. F├╝r jedes Fach gab es bestimmte H├Ąuser. Im Haupthaus wurden nur die Hauptf├Ącher unterrichtet. F├╝r die anderen mussten die Sch├╝ler in die Fachgeb├Ąude wechseln. Auch ein Zeichen daf├╝r, dass es sich wohl kaum um eine normale Schule handelt.
In der Schule war es sehr kalt - nur in den R├Ąumen nicht, denn da war es stickig - kein Wunder bei 50 Leuten auf engstem Raum. Trotzdem wird diese Schule wahrscheinlich kein Vergleich sein zudem, was wir in der kommenden Woche in der Provinz Hebei sehen werden. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Schulsituation in der chinesischen Provinz ist. Aber wahrscheinlich kann man auch diese Schule wieder nicht als Ma├čstab nehmen, weil sie ja finanziell vom "Candlelight"-Verein der Deutschen Botschaftsschule unterst├╝tzt wird.
Am Freitag Abend waren wir noch im Kino. Es kam ein neuer chinesischer Film ("Together") mit englischen Untertiteln. Es ging um einen 13-j├Ąhrigen Jungen, der mit seinem Vater aus der Provinz nach Beijing kommt, um dort an einem Musikwettbewerb teilzunehmen, weil er so gut Violine spielt. Dort bekommt er auch Violinenunterricht und wohnt sp├Ąter sogar bei einem Lehrer, um auf einen Wettbewerb vorbereitet zu werden. Uns hat der Film sehr gut gefallen. Die Chinesen haben einen netten Humor und die Figur des Vaters, ein Koch aus der Provinz, war uns sehr sympathisch, denn er hat sein letztes Hemd daf├╝r gegeben, dass sein Sohn, Violine spielen kann. Also - falls der mal in Deutschland kommt: anschauen. Nach dem Kino wurden wir noch in eine tibetanische Bar eingeladen. Die Einrichtung war sehr bunt, aber gem├╝tlich. Auf einer kleinen B├╝hne sangen und tanzten ein paar Damen und Herren, meist die Bedienungen. Eine deutsche Gruppe tanzte nachher mit. Aber ansonsten war die Bar nicht so gut besucht. Wir probierten tibetanischen Milchtee und waren nicht besonders angetan davon, da er sehr salzig schmeckte. Dazu hatten wir Yak-Zunge bestellt, die dann aber ausverkauft war. Also nahmen wir etwas anderes vom Yak - irgendeine rote So├če, in die man kleine Geb├Ąckst├╝cke eintauchte. Das war nicht so gew├Âhnungsbed├╝rftig wie der Milchtee, aber doch sehr seltsam. Leider sahen wir keine M├Ânche, die dort manchmal auch einen trinken gehen sollen.
Gestern waren wir zuerst mit einer Lehrerin der Schule unterwegs. Sie zeigte uns einen Tr├Âdelmarkt, der uns wirklich gut gefiel. Die H├Ąndler waren nicht so aufdringlich wie in den Touristenecken, da hier auch nur sehr wenige Europ├Ąer herum liefen. Hier gab es vor allem Antiquit├Ąten, Teppiche, Korbwaren, Kleinm├Âbel, Porzellan, Get├Âpfertes, anderer Tr├Âdel und viele viele Dinge, bei denen wir gar nicht wussten, was das ├╝berhaupt ist. Und es war nat├╝rlich sehr voll. Aber es war trotzdem ein interessantes Erlebnis. Allerdings soll sich der Markt schon stark ver├Ąndert haben, er wird st├Ąrker reglementiert und die kleinen H├Ąndler werden in die Au├čenbereiche gedr├Ąngt.
Da es andauernd regnete und der Markt drau├čen unter einem riesigen Dach statt fand, wurde uns schnell kalt und wir fuhren zur Mittagszeit nach Hause. Dort starteten wir einen neuen Versuch, allein ins Restaurant zu gehen und hatten diesmal Gl├╝ck, denn wir bestellten Gerichte, die uns wirklich gut schmeckten. Nachmittags kam dann der Fahrer von Mathias und brachte uns mit Julian und seiner Freundin Manon- kaum zu glauben - auf den selben Markt wie am Vormittag. Da die beiden den Markt noch nicht kannten, gingen wir noch einmal dar├╝ber, schauten uns aber andere Ecken an als vorher, da der ganze Markt wirklich riesig ist. Danach fuhren wir zum so genannten "Vogelmarkt".
Das h├Ątten wir lieber nicht tun sollen. Dort gibt es n├Ąmlich Tiere und Zubeh├Âr zu kaufen. Die Fische hatten es ja noch relativ gut, auch wenn sie in gro├čen Plastikt├╝ten ankamen. Aber es gab sehr schicke Aquarien zu kaufen. Die Schildkr├Âten hatten es schon nicht mehr so gut. In einem kleinen Terrarium lagen sie alle ├╝bereinander und froren bestimmt entsetzlich in der K├Ąlte. Julian hatte sich schon einmal eine kleine davon gekauft, die aber nach kurzer Zeit schon eine merkw├╝rdige Augenkrankheit bekam und starb. In einer anderen Kiste waren schwarze Molche, von denen die meisten schon krepiert waren. Es gab gro├če Badewannen voll junger Hamster, die in der K├Ąlte und im Regen drau├čen standen. Viele von ihnen waren schon behindert und sahen auch so nicht besonders gesund aus. In kleinen K├Ąfigen sa├čen Katzen und warteten darauf, dass sie gekauft wurden. Eine einzelne Katze hatte nicht mal eine Decke und fror und mauzte ganz j├Ąmmerlich im Kalten. Aber das Schlimmste war ein kleiner Gitterverschlag (vielleicht 10 cm hoch und vierzig lang, bzw. breit), in dem unz├Ąhlige Wellensittiche eingequetscht waren. Sie hatten gar keinen Platz, sich zu bewegen, zertrampelten sich gegenseitig und verletzten sich ihre Fl├╝gel am Gitter - und alles in der regnerischen K├Ąlte. Tierschutz ist f├╝r die Chinesen weitgehend unbekannt. Tiere sind Ware, mit der man Geld verdient. Das hat mir China wirklich unsympathisch gemacht. Und ich hatte mich schon aufgeregt ├╝ber die kleinen Vogelk├Ąfige, in denen die Chinesen vor allem am Wochenende ihre V├Âgel mit in den Park schleppen und an die B├Ąume h├Ąngen. Aber da sitzen nur ein oder zwei V├Âgel drin (meist einheimische V├Âgel, aber auch Beos und Papageienarten) und nicht 100. Ich hoffe nur, dass es wenigstens den Hunden besser geht, die in Peking erst seit einiger Zeit ├╝berhaupt erlaubt sind. Noch sind es nicht so viele, aber die H├Ąufchen werden mehr. Zum Essen scheinen die aber nicht gehalten zu werden.
Anschlie├čend waren wir noch in einem gro├čen Kaufhaus. Dies war ├Ąhnlich aufgebaut wie bei uns Karstadt, aber alles gedr├Ąngter und mit noch mehr Kundschaft. Dementsprechend glaubt man sich auch eher in einem kapitalistischem Land als in China.
Heute ist mal wieder ein fauler Tag. Carsten kontrolliert Klassenarbeiten der 12. Klasse, ich schreibe Mails und wollte eigentlich Mah Jongg lernen, fand die Regeln aber zu kompliziert. Nachher gehen wir bestimmt noch schwimmen oder Tischtennis spielen. Und f├╝r meine Zwischenpr├╝fung muss ich schlie├člich auch mal was tun.

Beste Gr├╝├če von Carsten und Katja

Hallo aus Beijing, (20.03.03)

na das sind ja Nachrichten, die man hier im Internet liest. Die letzten drei Tage waren wir ja ein bisschen abgeschnitten von der Welt und haben so erst gestern erfahren, wie eng es steht und dass heute der Irakkrieg begonnen hat. China ruft zum Abbruch aller Kampfhandlungen auf und bekennt sich erstmals ├Âffentlich gegen den Krieg. Unsere Schule hat der Kriegsausbruch nur so weit betroffen, dass eine Mutter, die derzeit bei den Projekttagen mit hilft, in der amerikanischen Botschaft arbeitet. Diese Leute wurden heute alle mit ihren Familien in Sicherheit gebracht. F├╝r das Projekt war es egal, denn "Beijing by bike" war heute sowieso nicht drin, weil es wieder mal den ganzen Tag geregnet hat - so viel zur N├Ąhe Pekings zur W├╝ste Gobi.
Aber daf├╝r hatten wir f├╝r unsere Dorf-Exkursion aufs Land Bombenwetter. Der Himmel war blau, die Sonne schien wie verr├╝ckt. Nur im Schatten war es noch ziemlich kalt. F├╝r die M├Ądels in unserer Gruppe schien aber schon Hochsommer zu sein, denn die lie├čen sich echt nicht ausreden, dass 7┬░C noch zu kalt seien f├╝r Spaghettitr├Ągertops. Und in den Bergen war es sicherlich noch k├Ąlter, denn dort lag stellenweise noch Schnee - und da das vier Stunden weit weg von Peking ist, war es bestimmt auch kein Atomschnee. Schon die Hinfahrt in die Provinz Hebei (nord├Âstlich von Peking) war echt lohnenswert. Wir fuhren ├╝ber Badaling. Das ist einer der ber├╝hmtesten Orte von denen man auf die Chinesische Mauer klettern kann. Dort tummelten sich auch schon die Touristen, obwohl die Saison ja erst im Anlaufen ist. Es ist einfach grandios bei blauem Himmel durch die Berge zu fahren und die Mauer schl├Ąngelt sich dort in die Unendlichkeit. Badaling hat auch ein paar h├╝bsche Tempelanlagen und eine Festung. Die Mauer ist dort zum Teil dreifach gebaut, da die Stelle lange Zeit ein wichtiger Pass ├╝ber die Berge war.
Leider hatten wir keine Zeit zum Anhalten, da wir mit der Internatschule verabredet waren, die wir besuchen wollten. Vorbei kamen wir noch an einem tollen Bergsee und sagenhaften Felsen. Am meisten hat mich ein Felsen beeindruckt, der fast aussah wie Ayers Rock in Australien. Der war genau hinter der Schule. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt mit einem Minibus wurden wir in der Dorfschule im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten empfangen, denn die Schule hatte erst im Dezember ein komplettes Orchester aus Fanfaren, Trommeln und Becken gespendet bekommen. Vor dem Tor standen die M├Ądchen mit ihrer Schulkleidung und wedelten mit Flitterboas, die sie dann unseren Kindern umlegten. Es fehlte wirklich nur noch der rote Teppich. Das ganze Dorf hatte sich zusammen gefunden. Der Direktor der Schule hatte uns schon an der Grenze zur Provinz Hebei empfangen, obwohl das auch noch eine Stunde Fahrt war. Nach Hebei kommt man normaler Weise als Ausl├Ąnder gar nicht - nur, wenn man Verwandte oder Bekannte dort hat. Ausl├Ąndische Touristen d├╝rfen dort nicht herein. Aber wir waren ja eine Abordnung der Deutschen Botschaftsschule und von "Candlelight e.V.", einem Verein, der Spenden f├╝r Dorschulen in der chinesischen Provinz sammelt.
Wie gesagt - der Empfang war bombastisch f├╝r diese arme Schule, in der sich manche Sch├╝ler nicht mal die 25 Yuan (ca. 3 Euro) Schulgeld im Semester leisten k├Ânnen. Auch unsere Kinder waren sichtlich ger├╝hrt ├╝ber so viel Herzlichkeit. Als erstes lernten wir schon mal die chinesische Gem├╝tlichkeit kennen. Wir wurden in die Bibliothek der Schule gef├╝hrt, die wie alle R├Ąume der Schule einen kleinen Ofen hatte, dessen Rohr den Ru├č durch ein Loch im Fenster nach drau├čen leitete. Dort bekamen wir Tee, Wasser, Apfelsinen und Bonbons. Bis wir dann endlich wussten, wie es weiter gehen sollte, verging erst einmal eine Stunde. Bei den Chinesen geht eben alles ein bisschen langsamer. Das sollten wir noch viel ├Âfter in den folgenden zwei Tagen sp├╝ren, denn die meiste Zeit verbrachten wir Erwachsenen mit Warten auf die Offiziellen, denn als Ausl├Ąnder durften wir uns nur mit Begleitung fort bewegen. Den Kindern wurde die Zeit zum Gl├╝ck nie lang, denn die chinesischen Kinder waren sehr offen und bezogen unsere Kinder gleich in ihre Spiele mit ein. Zwei oder drei der Kinder konnten auch Chinesisch, so dass man sogar Fu├čballregeln miteinander vereinbaren konnte. Wir hatten aber auch eine offizielle ├ťbersetzerin dabei, die an der Deutschen Botschaftsschule Chinesisch unterrichtet.
Noch am Montag machten wir einen Rundgang durch das kleine Internat. In dieser Schule lernen 250 Kinder der 5. und 6. Klasse. Die Kleineren versucht man immer noch in den Grundschulen in der N├Ąhe ihres Heimatdorfes unter zu bringen, so dass sie jeden Abend nach Hause fahren k├Ânnen, aber selbst das ist nicht immer m├Âglich. Viele Bauernfamilien k├Ânnten es sich auch gar nicht leisten, ihre Kinder st├Ąndig auf ein Internat zu schicken - auch wenn es nur 50 Yuan Schulgeld pro Jahr kostet. An der Schule unterrichten 22 Lehrer und die Klassen sind etwas kleiner als in der Stadt - so 35-40 Kinder. Die Klassenr├Ąume waren sehr karg eingerichtet: uralte Schulb├Ąnke, jede anders, jede hatte eine andere Altersschw├Ąche. Ein Ofen stand in der Mitte des kleinen Raumes. Da die Fenster aber nicht dicht sind, war es trotzdem kalt, vor allem an den F├╝├čen. Zum Gl├╝ck haben die Kinder etwa 6 Wochen Winterferien, weil es im Januar und Februar einfach zu kalt ist in den Bergen, wenn man noch bedenkt, dass die meisten Kinder nicht einmal warme Schuhe oder Jacken haben. Wir bibberten in unseren dicken Goretex-Jacken und die Kinder liefen dort mit Hausschuhen, Turnschuhen und Trainingsjacke herum. Alle B├Ąnke haben zwar eine Querleiste, um die F├╝├če nicht auf den Boden stellen zu m├╝ssen (nach 10 min hat man dabei n├Ąmlich Eisf├╝├če), aber viel besser macht das die Sache auch nicht.
F├╝r die Kinder gibt es drei Mahlzeiten am Tag, die sie selbst bezahlen m├╝ssen. Sie kosten je 50 Fenn, also 0,5 Yuan. Das sind etwa 6 Cent - viel Geld f├╝r einige. Die Kinder bringen dazu ihre eigenen Sch├╝sseln und St├Ąbchen mit. Einen Essenraum gibt es nicht. Gegessen wird drau├čen oder im Schlafsaal, der aber nur abends geheizt wird, um Kohle zu sparen. Wir dagegen wurden vom Direktor zu Tisch gebeten, zwar auch in einem kalten Raum, aber wir bekamen nicht nur Reis mit Fleisch, sondern viele verschiedene Dinge - am beliebtesten auf dem Land ist scheinbar Tofu. F├╝r mich war das Essen schon etwas gew├Âhnungsbed├╝rftig, weil ich das meiste nicht kannte. Aber man sah, dass es das Beste war, was sie uns bieten konnten. Die chinesischen Kinder bekamen dagegen nur sehr einfache Gerichte wie etwa Gem├╝sereis. An einem Abend gab es sogar Wachteleier, aber die sind hier nicht so teuer wie in Deutschland. Zum Gl├╝ck gab es keine hundertj├Ąhrigen Eier (o:
Unsere Kinder waren erstaunlich zufrieden mit dem Essen und pickten sich eben heraus, was ihnen schmeckte. Ich h├Ątte bei den f├╝nf-Sterne-Restaurant-verw├Âhnten G├Âren eher erwartet, dass sie m├Ąkeln und herum zicken. Aber sie sp├╝rten, dass dieses Essen f├╝r die Leute etwas Besonders war und die K├╝chenfrauen schauten unseren Kindern begeistert zu wie sie ihre Speisen verputzten. ├ľfter h├Ârte man sogar "lecker lecker"-Rufe von den Kindern. Wir Erwachsenen sa├čen an einem anderen Tisch und mussten mit den "Offiziellen" Reisschnaps saufen. Die "Offiziellen" waren der Direktor der Schule, einige Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter und zwei Herren, die man vielleicht mit einem Kreisschulrat vergleichen kann. Allerdings verdienen die keine Beamtenbez├╝ge, sondern gerade mal 720 Yuan (ca. 80 Euro) im Monat. Die Lehrer der Schule verdienen gerade mal 300-500 Yuan. Und dann erz├Ąhlte uns der Direktor am Schluss unseres Besuches sogar noch (als der Kreisschulrat weg war), dass sie noch auf 10.000 Yuan f├╝r die L├Âhne ihrer Lehrer warten. Man fragt sich, von was diese Leute leben k├Ânnen, denn hungernde oder abgemergelte Menschen haben wir eigentlich nicht gesehen und ich glaube nicht, dass man die extra vor uns versteckt h├Ątte. Die Leute wirkten schon zufrieden mit dem was sie haben. F├╝r ihre Kinder (von denen die meisten Familien auf dem Land trotz der "Ein-Kind-Politik" immer noch zwei haben) erhoffen sie aber mehr und stecken deshalb ihren letzten Mao in sie hinein, damit die Kinder zur Schule gehen k├Ânnen, um sp├Ąter vielleicht mal aus dem Dorf heraus zu kommen.
Nach dem Abendbrot schauten wir uns noch die Schlafs├Ąle der Kinder an: 32 Betten auf vielleicht 50 qm. Ihre Habseligkeiten hatten die Kinder in bunt bemalten Holzkisten unter den Betten. In einem Regal standen ein paar Gl├Ąser mit undefinierbarem Inhalt - wahrscheinlich irgendwelche Kr├Ąuter, die die Kinder zwischendurch mal essen. Auch hier gab es wieder diesen Miniofen mitten im Raum. Schr├Ąnke gab es keine. Die sp├Ąrliche Lampe reicht nicht aus, damit die Kinder dort abends noch lesen oder Hausaufgaben machen k├Ânnen. Das m├╝ssen sie in den Klassenr├Ąumen machen. Viel Freizeit haben die Kinder sowieso nicht, weil sie jeden Tag von 8:00-17:00 Unterricht haben und selbst die Pausen mit Gymnastik verplant sind. Auch der Abend soll f├╝rs Lernen genutzt werden - laut Tagesplan. Von dem bekamen wir aber nicht all zu viel mit, da wegen uns eher der Ausnahmezustand herrschte und am Dienstag sogar schulfrei war.
Am Abend wurden wir dann in unser Hotel gebracht. Erst wollten wir ja in ein Hotel fahren, dass die Lehrerin, die das organisiert hat, schon kannte, aber dann entschieden wir uns f├╝r ein einfacheres im Ort, weil es billiger und nicht so weit weg war. Au├čerdem sollte es w├Ąrmer sein. Wie einfach das war, erfuhren wir erst als wir dort waren. Im Dorf gab es nur noch Matschwege, weil es den Tag vorher gerade geregnet hatte und wir staunten nicht schlecht als wir in einen Innenhof einbogen, um den herum ein paar verfallene Bretterbuden standen. Aber so schlimm war es dann doch nicht, da wir dann doch in ein richtiges Haus hinein gef├╝hrt wurden, in dem es Fliesen gab.
Aber so wirklich lecker war das Hotel nicht: Pissp├Âtte vor der T├╝r, der eine war noch nicht mal entleert, das Klo auf dem Gang hatte nur einen Vorhang der einem von oben etwa bis zum Bauch ging - sehr schlau bei diesen Lochtoiletten. Au├čerdem stank es nat├╝rlich erb├Ąrmlich im ganzen Flur danach, da die Sp├╝lung nur sehr sp├Ąrlich ging. Die Zimmer waren nicht wirklich sauber - auch die Bettw├Ąsche nicht. Zigarettenkippen lagen herum und Staubflusen. Wir Erwachsenen hatten sogar Zimmer mit so etwas wie einem Bad, aber auch das war keimig, stinkig und die Badewanne hatte keinen Wasseranschluss. Trotzdem kamen die Kinder lieber zu uns auf die Toilette. Das war immer noch besser als das Exhibitionistenklo auf dem Gang und wahrscheinlich ein Luxusklo gegen├╝ber den Schulklos, die ich pers├Ânlich lieber nicht besucht habe, da mir die Erz├Ąhlungen der Kinder schon gereicht haben. Ich hatte wirklich keine Lust mich ├╝ber ein stinkendes Loch zu hocken, auch dann nicht, wenn direkt neben mir ein nettes kleines chinesisches M├Ądchen hockt und ganz freundlich "Ni hao laoshi" ("Guten Tag Lehrerin!") sagt. Ich habe in diesen Tagen noch nie so gern in der freien Natur gek....
F├╝r jeden westlichen Touristen w├Ąre dieses Hotel ein Alptraum, zumal die chinesischen G├Ąste (speziell unsere beiden Fahrer) noch bis in die Puppen Mah Jongg spielten und sich laut unterhielten. Au├čerdem fiel irgend einem Irren ein so kurz vor Mitternacht sein Schwei├čger├Ąt heraus zu kramen. In der zweiten Nacht war es ein Hammer. Chinesen arbeiten scheinbar 24 Stunden am Tag. Aber wir waren hart und blieben. Und wieder musste ich ├╝ber die Kinder staunen. Sie hatten zwar schon vorher Bedenken, dass ihnen das Hotel gefallen w├╝rde, weil sie ja sonst wirklich nur mindestens vier Sterne gewohnt sind - das hier war ja nicht mal minus einer. Aber sie murrten nicht, sondern waren furchtbar verst├Ąndig, weil sie wussten, dass es wahrscheinlich immer noch besser war als die Wohnverh├Ąltnisse der Dorfbewohner. Au├čerdem waren die Kinder auch so furchtbar brav: gingen freiwillig ins Stinkebad, um sich zu waschen und Z├Ąhne zu putzen, machten allein um 10 das Licht aus und machten nach elf keinen Mucks mehr. Ein Traum f├╝r jedes Ferienlager, denn ansonsten waren sie echt nette Kids - die M├Ądels zwar ein bisschen zu verkreischt, aber was will man von acht 9-13-j├Ąhrigen G├Ąnsen erwarten? (o; Auch die vier Jungs waren echt in Ordnung und machten keinen Bl├Âdsinn.
Kurz vor dem Hotel fuhren wir noch an einem abendlichen F├Ąchertanz vorbei, der scheinbar so etwas wie Gymnastik f├╝r die Chinesen ist, da wir so etwas auch sch├Ân ├Âfter in den Parks von Peking gesehen haben. Da machen vor allem die ├Ąlteren Frauen mit, manchmal sogar M├Ąnner. Wir gingen dann noch mal hinaus, um uns das aus der N├Ąhe anzuschauen. Unsere Begleiter wurden davon anscheinend total ├╝berrascht, sie kamen uns jedenfalls ziemlich hektisch nachgerannt. Man wollte wohl nicht, dass wir uns unters Volk mischen und dieser Kreisschulrat schien seiner eigenen Bev├Âlkerung nicht ganz zu trauen. Angst hatten wir aber wirklich keine, auch wenn es schon dunkel war. Den Kindern wurde es nur etwas unheimlich, weil die Leute sehr nah kamen und neugierig schauten. Da waren die Kinder nicht so verst├Ąndig und schimpften ├╝ber die Glotzer und Gaffer. Erst als wir ihnen erkl├Ąrten, dass die wahrscheinlich noch nie wei├če Kinder gesehen haben, waren sie etwas einsichtiger, waren aber trotzdem genervt, weil auch die Internatssch├╝ler ihnen sehr auf die Pelle ger├╝ckt waren und sie an der Hand genommen hatten und nicht mehr los lie├čen.
Am n├Ąchsten Morgen a├čen wir wieder im Internat und die Kinder spielten mit den chinesischen Sch├╝lern auf dem Hof. Unsere Jungs waren nat├╝rlich stolz wie Oskar als sie haushoch gegen die chinesischen Kinder im Fu├čball gewannen, nachdem Carsten sie erst einmal aus dem Bus gelockt hatte, indem er mitspielte. Als dann aber sp├Ąter die gro├čen Jungs aus der sechsten Klasse gegen sie spielen wollten, die meist schon 14 waren, war es dann wohl aber doch nicht mehr so lustig, weil die ziemlich foulten. Danach gab dann es dann die festliche Zeremonie - wieder mit Pauken und Trompeten, einem echtem Zeremoniekomitee auf wackeligen Schulb├Ąnken und Dankesreden. Wir kamen uns vor wie in alten Zeiten, erst recht als unsere Kinder dann an die gespendeten Fanfaren kleine F├Ąhnchen mit Rotgardistenemblem heften durften und der Deutsche Botschaftsschule als Dank f├╝r die gespendeten Instrumente ein rotes Banner mit Beschriftung ├╝berreicht wurde.
Kulturbeitr├Ąge gab es auch. Die chinesischen Kinder hatten Lieder mit Fl├Âten, Keyboard und Schlagzeug einge├╝bt. Die Fl├Âten h├Ârte man leider gar nicht, aber der Knirps am Schlagzeug war echt gut. Vor allem hatte er Spa├č an der Sache. Ein Knirps sang dann noch aus voller Kehle ein Lied und die M├Ądchen tanzten mehrmals - mal mit F├Ąchern und mal ohne. Unsere Kinder hatten am Abend vorher noch schnell "Ein kleiner gr├╝ner Kaktus" und die deutsche Nationalhymne einstudiert. Au├čerdem wollten sie unbedingt nach dem "Ketchupsong" tanzen, was auch immer das war. Witzig war die Installation der Technik. Zwar hatte die Schule ein Mikro, aber nat├╝rlich nur einen altersschwachen Kassettenrecorder und keinen CD-Player. Also nahmen die Kinder die CD vom Discman auf einer Videokamera auf und hielten diese dann ans Mikro. War ganz sch├Ân umst├Ąndlich, aber den Kindern war dieser Song scheinbar wirklich wichtig und sie hatten viel Spa├č dabei.
Nach der Zeremonie gab es Mittag und wir warteten mal wieder ewig bis es weiter ging, denn am Nachmittag waren wir in einer anderen Dorfschule angemeldet. Diese lag in einem noch ├Ąrmeren Dorf und hatte 150 Sch├╝ler von der ersten bis sechsten Klasse, von denen nur 20 Kinder ├╝ber Nacht blieben. Im Winter sind es allerdings viel mehr, weil die Kinder trotzdem oft weite Schulwege haben und dann im Dunkeln nicht mehr nach Hause laufen k├Ânnen. Die kleinen Klassen waren hier sogar altersgemischt - nicht aus p├Ądagogischen Gr├╝nden wie in deutschen Reformschulen, sondern aus Platzmangel. Der Schlafsaal war noch ├Ąrmlicher und die Schweine und H├╝hner rannten ├╝ber den Schulhof. Die geh├Ârten wohl dem Lehrer, damit der genug zum Fr├╝hst├╝ck hat. F├╝r diese Schule hatten die Kinder Anziehsachen, S├╝├čigkeiten und Pl├╝schtiere gesammelt. Au├čerdem hatten wir Schulmaterialien gekauft. Bei der feierlichen ├ťbergabe kam dann noch ein chinesischer Rocker mit seiner Braut, schaute cool in die Runde und fuhr dann wieder ab. In dem Dorf mit unserem Hotel gab es n├Ąmlich auch einen Superluxusmotorradshop, den er wahrscheinlich kurz vorher besucht hatte. Komisch ist nur, dass ein Typ, der sich so eine Maschine leisten kann, noch auf dem Dorf lebt und nicht schon nach Peking abgedampft ist. Aber da w├╝rde er ja mit seinem Motorrad nicht mehr so sch├Ân auffallen.
Leider hatten wir in dieser Dorfschule nur wenig Zeit, so dass wir auch bald wieder los mussten, um rechtzeitig zur├╝ck zur anderen Schule zu fahren, da dort unser Abendbrot wartete. Vorher f├╝hrten uns unsere chinesischen Begleiter durch das Dorf. In ein Haus durften wir sogar hinein. Aber Carsten meinte, dass es wahrscheinlich das Haus vom LPG-Vorsitzenden war, weil der Hof gepflastert war und vor der T├╝r ein kleiner neuer Transporter stand. Aber das Haus war trotzdem sehr einfach: zwei R├Ąume, einer diente als Wohnk├╝che mit einem gro├čen Wok als Herd. Einen richtigen Tisch gab es nicht, nur ein paar Hocker. Der Ofen war so gebaut, dass er durch die Wand geht und das Bett gleich mit beheizt. Der einzige Luxus im Haus war eine riesige Uraltglotze. Die Kinder erz├Ąhlten sp├Ąter, das einzige Spielzeug des Kindes dort war eine Spielzeugpistole und ein kleines Auto. Die St├Ąlle der Tiere waren aus Lehm und Stroh gebaut und Wasser gab es nur ├╝ber einen Brunnen. Auf unserer "Sightseeingtour" hatten wir einen kleinen Rattenschwanz Dorfbewohner dabei, die neugierig guckten und die meiste Zeit grinsten. Gro├čer H├Âhepunkt f├╝r unsere Kids war ein Babyesel, der gerade mal drei Tage alt war. Eigentlich wollten die Kinder noch S├╝├čigkeiten an die Dorfkinder verteilen, aber die sahen wir kaum, da die ja gerade erst aus der Schule kamen. Also wurden die Bonbont├╝ten mit roter Pappnase auch an ein paar zahnlose Alte verteilt. Die konnten sich damit wenigstens nicht mehr ihre Z├Ąhne verderben.
Das Abendessen im Internat war wieder reichlich und ungew├Âhnlich. Die Kinder waren schon etwas m├╝de von der Gafferei, aber spielen konnten sie trotzdem noch. Im Hotel gabs noch wilde Gruppenspiele, aber danach gingen die Kinder wieder furchtbar brav und ohne mit der Wimper zu zucken ins Bett. Am n├Ąchsten Morgen ging es noch einmal kurz zur Schule, wo die Kinder mit den chinesischen Sch├╝lern Interviews machten, die sie vorbereitet hatten, da die ganze Fahrt ja im Rahmen eines Projektes lief und die Kinder dazu auch etwas schreiben sollten. Bei der Verabschiedung gab es noch eine kleine Geldspende, die dadurch zustande kam, dass die Kinder durch das billige Hotel ja Geld gespart hatten. Da waren sie nat├╝rlich stolz wie Oskar als sie erfuhren, dass mit diesem Geld sechs Sch├╝lern ein ganzes Schuljahr finanziert werden k├Ânne, so dass sie nicht zu Hause bleiben m├╝ssen. Auf dem Heimweg kam dann doch noch eine merkw├╝rdige Eigenart der verw├Âhnten Gro├čstadtg├Âren zu Tage: Sie wollten unbedingt wandern und auf Berge klettern. Das machten wir dann auch, obwohl es schneite und arschkalt war. Auf dem Berg entdeckten wir dann noch kleine Lehmh├Âhlen, in denen scheinbar Hirten oder so wohnen, wenn sie ihre Ziegen dort weiden lassen, denn es gab eine kleine Feuerstelle und die eine H├Âhle war mit Bastmatten ausgelegt.
Als wir endlich wieder vor der Botschaftsschule standen, haben zwei Kinder, vor lauter Freude, wieder zu Hause zu sein, erstmal ihr komplettes Gep├Ąck im Bus vergessen und sind zum Schulbus gest├╝rmt. Zum Gl├╝ck konnten wir sie da noch mal rechtzeitig wieder heraus zerren. (o: Wir fuhren dann auch mit dem Schulbus nach Hause, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist. Die haben sich ganz sch├Ân affig mit ihrem Schulbus und arschteuer ist der auch - fast so teuer wie jeden Tag Taxi. Aber da wir mit dem Busbeauftragten h├Âchstpers├Ânlich bekannt sind - und der auch mit fuhr - konnten wir kostenlos mit fahren. Ja ja Vitamin B bringt einen voran. Zu Hause angekommen, st├╝rzten wir uns gleich ins Schwimmbad, um wieder porentief rein zu werden. Danach gingen wir noch thail├Ąndisch essen. Leider war mir noch etwas ├╝bel vom Essen der Vortage und das Essen kam auch so kleckerweise, dass es keinen Spa├č gemacht hat.
Heute hat Carsten unsere Projektgruppe im Stich gelassen und hat chinesisches Schach gelernt. Wir haben noch einmal die letzten Tage aufgearbeitet. Die Kinder haben zusammen getragen, was ihnen gefallen hat und ob sie ihre W├╝nsche f├╝r das Projekt best├Ątigt sahen. Alle waren hoch zufrieden. Danach belegten wir den Computerraum und jedes Kind war Experte f├╝r einen Teil der Expedition. Einige schrieben ├╝ber die Bauernh├Ąuser, andere werteten die Interviews aus oder schrieben etwas zu unseren Wanderungen. Sp├Ąter kam der abtr├╝nnige Carsten dann doch noch dazu und wir scannten gemeinsam Fotos ein, die schon fertig entwickelt waren. Eine Powerpointpr├Ąsentation habe ich dann auch noch erstellt, denn morgen werden die Projekte schon pr├Ąsentiert. Ziel des Projektes soll neben dem sozialen Lernen der Kinder eine Spendenaktion sein, da man den Schulen vor allem neue Stockbetten f├╝r die Internatssch├╝ler kaufen und den Schlafr├Ąumen neue Fenster verpassen m├Âchte. Eine Mutti hat uns begleitet und gefilmt. Leider musste sie schon einen Abend vorher fahren, weil sie zum Formel 1 nach Malaysia wollte. Aber sie hat versprochen, dass sie uns eine Kopie des Films am n├Ąchsten Montag mitbringt. Durch die ganze Hexerei am Computer waren wir heute 11 Stunden in der Schule. Davon war ich sieben Stunden im Computerkabinett. Vorher war noch ein Mathematikwettbewerb, den wir beaufsichtigt haben.
Eigentlich wollten wir ja am Wochenende nach Xian zur Terrakotta-Armee, aber das ist uns f├╝r die letzten Tage zu stressig. Zudem sind wir von den Ming-Gr├Ąbern noch ziemlich entt├Ąuscht und in Xian soll es genauso n├╝chtern aussehen. Au├čerdem ist mal wieder Mistwetter, so dass wir lieber hier bleiben. Am Samstag geht es wieder mit Siemens in die Berge und am Sonntag f├Ąhrt eine Lehrerin mit uns vielleicht raus, weil ihre Tochter auch gerade ein Praktikum an der deutschen Botschaftsschule macht. Am Montag muss ich ja noch mal zwei Stunden in Politik ran, dann kommt leider schon die gro├če Verabschiedung. Am Dienstag gegen 11 Uhr geht dann unser Flieger gen home. Stephanie bl├Âdelte schon rum, ob sie uns wegen dieser mysteri├Âsen Lungenkrankheit aus S├╝dchina ├╝berhaupt rein lassen. Aber wir sind ja in Nordchina. Allerdings geht es ja nun auch im Irak los und die ersten Fl├╝ge aus Asien werden schon umgeleitet. Hoffen wir das Beste, also in diesem Fall, dass der Krieg gar nicht erst richtig los geht.

Liebe Gr├╝├če und bis bald, Carsten und Katja

Nihao aus Beijing, (24.03.03)
Hier kommt nun schon die 11. und letzte Mail aus China. Die Zeit verging echt rasend schnell und wir w├╝rden wirklich sehr gern noch bleiben. Ich war gestern echt fertig, weil ich hier einfach nicht mehr weg m├Âchte. Carsten packte erst heute die Wehmut als er sich von der 12. Klasse verabschiedete, bei der er Deutsch unterrichtet hat. Zum Ausgleich ├Ąrgerte er sich mal wieder ├╝ber die doofe 10. Klasse, die seinen Geschichtsunterricht nicht mitmachen wollte.
Aber kommen wir lieber zu den sch├Âneren Ereignissen der letzten Tage. Am Samstag machten wir zusammen mit f├╝nf chinesischen Ingenieuren und Mathias von aus Siemens einen Ausflug in die Berge, zum Mil Fung Shan, um genau zu sein. Dort sollte uns ein taoistischer Tempel f├╝r den Himmelsgott erwarten. Zhou, der Fahrer von Mathias, der mal wieder seinen Freund geschickt hatte, um uns zu fahren (Mathias meint, das seien alles Leute, die Wettschulden bei Zhou h├Ątten), sagte, dass wir da nur den Berg rauf m├╝ssten, dann k├Ąme der Tempel und dann sollten wir den Berg auf der anderen Seite wieder herunter laufen. Dort sollte der andere Fahrer dann auf uns warten.
Wir stiegen also frohgemut aus dem Wagen und der Fahrer brauste davon. Irgendwie hatten unsere mitreisenden Chinesen aber vergessen, nach dem genauen Weg zu fragen. Also kraxelten wir den Berg erst einmal ein St├╝ckchen rauf. Schon nach 50 Metern waren wir schon ganz sch├Ân am Pusten. Als wir bereits eine Weile gelaufen waren, kamen die Chinesen erst einmal auf die Idee, nach dem Weg zu fragen. Der herunter kommende Wanderer, den sie fragten, zeigte dann erst einmal in die entgegen gesetzte Richtung und erz├Ąhlte irgendetwas lang und breit. Die Chinesen ├╝bersetzten uns seinen Roman dann auf Englisch. Wir sollten zum Tempel rauf, dann den Berg auf der gleichen Seite wieder herunter, dann zum n├Ąchsten Berg, den auf der anderen Seite wieder herunter und dann noch einen Berg wieder rauf und wieder runter. Das sollten wir also in drei Stunden schaffen? Der Wanderer meinte, dass man dazu vier oder f├╝nf Stunden br├Ąuchte, aber da er den genauen Weg auch nicht wusste, meinte, er, bestimmt etwas l├Ąnger. Dort oben wohnt ja auch keiner, den man fragen kann.
Da wir keine Lust hatten, in den Bergen der chinesischen Provinz verschollen zu gehen, rief Mathias Zhou an, damit der unseren Fahrer anrufe, dass der wieder zu unserem Ausgangsort komme, um uns dort wieder abzuholen. Wir konnten den Fahrer ja nicht erreichen, weil wir auf dem Berg standen und er im Tal hinter dem ├╝bern├Ąchsten Berg war, so dass wir keine Funkverbindung hatten. Wir sind echt froh, dass wir unsere f├╝nf chinesischen Begleiter ├╝berreden konnten, dass uns ein Berg reicht. Sie waren ja der Meinung, dass man ruhig alle drei Berge besteigen k├Ânnte. Wir haben f├╝r den einen schon eine dreiviertel Stunde gebraucht bis wir oben waren.
Oben angekommen (*schnaufschnauf*), erfuhren wir erst einmal, dass dieser Tempel ein so genannter Babytempel ist, wo die Leute hingehen, wenn sie sich ein Baby w├╝nschen. Da kamen von Mathias nat├╝rlich gleich bl├Âde Bemerkungen. Die Chinesen hatten zum Gl├╝ck einen aus ihrer Mitte im Visier, der erst vor ein oder zwei Jahren geheiratet hat und noch keine Kinder hat. Die anderen waren noch j├╝nger - etwas ├Ąlter als Carsten. Als wir die Tempelanlage betraten, sah man als erstes ein quietschbuntes Bild mit zwei Babys darauf und einem fliegenden Pferd in der Mitte. Einer unserer chinesischen Begleiter erkl├Ąrte uns, dass im letzten Jahr das Jahr des Pferdes war und sie das Bild f├╝r dieses Jahr (das Jahr des Schafes) noch nicht umdekoriert h├Ątten, da die Touristen- und scheinbar auch Pilgerersaison erst im Mai beginnt.
Die vielen kleinen Tempel sahen so aus wie die meisten chinesischen Tempel: Dachreiter (dazu komme ich sp├Ąter), gro├če Zinkwannen davor f├╝r die R├Ąucherst├Ąbchen, die die Chinesen zu Massen anz├╝nden und dort hinein tun, und im Tempel ein oder mehrere Buddhas mit Kissen davor, so dass man sie anbeten kann. Vor den Buddhas stehen dann immer gro├če Tische mit Opfergaben. Auch hier war es wieder frisches Obst, unangez├╝ndete R├Ąucherst├Ąbchen und extra f├╝r den Babytempel quietschbunte (echte) Geburtstagstorten aus Zuckermasse (f├╝r den Geburtstag des Buddhas - nicht f├╝r das Baby) und Kinderschuhe. Erstaunlich war, dass es hier auch weibliche Buddhas gab. Das ist sonst nicht so. Die Halle mit dem Himmelsgott, dem h├Âchsten Gott der Taoisten, war fast zur H├Ąlfte mit gespendeten R├Ąucherst├Ąbchen zugesch├╝ttet und die Leute haben gro├če, mit goldenen Schriftzeichen bestickte Banner aufgeh├Ąngt - als Dank an den jeweiligen Gott - wahrscheinlich, weil sich Kindersegen eingestellt hatte. Mathias erz├Ąhlte uns, dass der Segen f├╝r ein Baby wohl vier Monate h├Ąlt, wenn man auf diesen Berg zum Tempel kraxelt. Wenn es nach vier Monaten immer noch nicht geklappt hat, muss man eben noch mal rauf.
Wir werden wahrscheinlich nie Kinder kriegen, denn wir haben zwei Dachreiter geklaut, die hinter einem Tempel auf einem Schutthaufen lagen. Dachreiter sind Tonfiguren, die auf dem Dachfirst von Tempeln und F├╝rstenh├Ąusern sitzen. Sie haben verschiedene Bedeutungen. Als erstes sitzt immer ein L├Âwe. Der soll die b├Âsen Geister erschrecken. Nur auf Tempeln sitzen Pferde, die alle D├Ąmonen endg├╝ltig in die Flucht schlagen sollen. Bei den anderen wissen wir die Bedeutung nicht so genau. Den L├Âwen nehmen wir selbst mit und das Pferd haben wir Steffi geschenkt, weil sie vom chinesischen Sternzeichen ein Pferd ist. Sie hat sich sehr dar├╝ber gefreut, denn Dachreiter bekommt man nicht so einfach zu kaufen. Sie sind aber etwas typisch Chinesisches und sehen wirklich schick aus. Mal sehen, ob unser L├Âwe den Flug im Hartschalenkoffer ├╝berlebt. Carsten f├╝hlte sich beim Einpacken wie ein Dieb, aber wir denken, dass sie die Viecher echt weg geworfen h├Ątten, denn der Tempel, an dem der Schutthaufen lag, war gerade neu gemacht worden und die Dachreiter darauf waren ganz neu. Mit unserer Last kletterten wir den Berg wieder herunter und haben allein f├╝r diesen Berg schon fast drei Stunden gebraucht. Wer wei├č, wann wir dann endlich den dritten erklommen h├Ątten.
Nach unserer Kraxelei waren wir noch beim Italiener essen, was f├╝r die Chinesen nat├╝rlich etwas ganz Besonderes war. Wir warteten sehr gespannt darauf, wie sie sich mit Messer und Gabel anstellen. Aber das lief ganz gut. Zwar hielt der eine die Schneide des Messers nach oben und wunderte sich wahrscheinlich, warum seine Pizza so z├Ąh ist und sich nicht zerschneiden l├Ąsst und der andere hielt seine Gabel sehr merkw├╝rdig - wie sonst seine St├Ąbchen. Das sah aber elegant aus. Es hat eine ganze Weile gedauert bis sie etwas ausgew├Ąhlt hatten. Da geht es ihnen ja wie uns, wenn wir vor einer chinesischen Speisekarte sitzen. Diese war auf Englisch und auf Chinesisch standen nur die Namen der Gerichte, aber nicht, was das eigentlich ist. Zwar k├Ânnen sie sehr gut Englisch, aber Pizza kennen sie ja gar nicht. Wir mussten ihnen dann auch erst einmal erkl├Ąren, dass man nur ein Gericht bestellt, h├Âchstens noch eine Vorspeise und ein Dessert. F├╝r Chinesen ist es ja sehr ungewohnt, nur ein Gericht zu haben, weil man hier sehr viele Kleinigkeiten auf dem Tisch zu stehen hat, von denen man dann mal hier und mal da nascht. Das macht viel mehr Spa├č als nur an einer Pizza zu kauen. Unsere Begleiter fanden dann auch eine elegante L├Âsung und tauschten Pizzast├╝ckchen. Es blieb ziemlich aber viel ├╝brig, denn ein chinesischer Magen ist sicherlich nicht darauf eingestellt, so viel von einer Sorte zu essen. Uns hat es aber lecker geschmeckt, trotzdem uns die chinesische K├╝che auch sehr gut schmeckt (auch wenn ich heute in der Kantine die frittierten H├╝hnerf├╝├če zur├╝ckgestellt habe, nachdem ich sie zuerst f├╝r Keulchen gehalten habe). Carsten mochte das italienische Essen aber nicht so, weil es viel langweiliger als das chinesische ist.
Am Sonntag fuhren wir zum Hong Quiao, dem so genannten Perlenmarkt, auf dem wir schon einmal mit Steffi waren. Eine Grundschullehrerin und eine Sch├╝lerin aus der 12. hatten uns auch ein Kaufhaus daneben empfohlen, in dem es nur Spielzeug und Schreibwaren gibt. Dort kauften wir dann ein Mah-Jongg-Spiel und vier chinesische Schachspiele, weil die Verk├Ąufer uns sehr gute Preise machten und auch mit sich handeln lie├čen. Ein Schachspiel schenkten wir gleich Mathias, der es nun wahrscheinlich jeden Morgen mit seiner siebenj├Ąhrigen Tochter spielen muss. Eins schenkt Carsten einem Freund, eins nehmen wir als Vorlage, damit sich irgendwelche Kinder in der Schule mal ein eigenes im Werkunterricht bauen k├Ânnen, denn chinesisches Schach wird nur mit Scheiben gespielt, auf denen dann die entsprechenden Zeichen sind. Das vierte Schachspiel war eines mit richtigen Figuren aus Zinn, das wir selbst behalten wollen. Es sieht sehr schickt aus, da beim chinesischen Schach auch Elefanten, Wagen und Kanonen mit spielen. Danach gingen wir, schon voll bepackt, in den Perlenmarkt. Dort wollten wir einen Pullover kaufen, aber da kannten die wieder nur Phantasiepreise: 560 Yuan f├╝r einen dicken Pullover, f├╝r den man anderswo h├Âchstens 60 zahlt. Daf├╝r kann man dort aber Perlen sehr g├╝nstig kaufen, da die in China gez├╝chtet werden. Wir haben eine f├╝r Carstens Oma erstanden - f├╝r 40 Yuan (nicht mal 5 Euro). Stephanie (unsere Gastgeberin) meint, die w├Ąre wirklich echt. Aber auch wenn sie nicht wirklich echt ist, w├Ąre das f├╝r 5 Euro ja nicht so tragisch. Schon der Gedanke, vielleicht eine echte Perlenkette zu tragen, ist f├╝r Carstens Oma sicherlich schon toll.
Da wir im Perlenmarkt keinen preiswerten Pullover bekamen, fuhren wir wieder zur├╝ck und gingen noch in den Lido Markt, wo wir schon unsere anderen Sachen gekauft hatten. Abends waren wir noch schwimmen und staunten nicht schlecht, dass um halb zehn noch ein Paar mit seinen beiden etwa zweij├Ąhrigen Kindern und der Ayi (Hausangestellte) schwimmen waren. Die beiden Knirpse planschten aber noch ganz wach im Wasser. Vielleicht haben sie einen anderen Tagesablauf als wir.
Heute war in der Schule gro├če Verabschiedung in der gro├čen Pause. Herr Meschede, der Rektor, hat uns noch ein Pr├Ąsent ├╝berreicht (Beutel, Mousepad, Basecap und Tasse mit Schullogo) und uns alles Gute gew├╝nscht. An dieser Schule ist es ein Einziges Kommen und Gehen, denn bevor uns Herr Meschede verabschiedete, hat er noch einen neuen Kollegen vorgestellt - den neuen Technikleiter oder so. Nach der offiziellen Verabschiedung hatten wir jeder noch eine Stunde Unterricht - ich in der 8. Klasse (Gemeinschaftskunde) und Carsten in der vermaledeiten 10. Klasse (Geschichte). Jetzt sitzen wir zu Hause und warten noch auf die Frau des Direktors, die uns noch ein paar Fotos von unserem Ausflug nach Hebei vorbei bringen m├Âchte. Ein Video von der Fahrt haben wir schon. Nachher wollen wir vielleicht auch noch mal zu Heidi her├╝ber, die sozusagen unsere Mentorin an der Schule war und uns bei unseren Unterrichtsvorbereitungen geholfen hat. In ihren Klassen haben wir auch unterrichtet. Sie ist wirklich sehr nett. Schade, dass wir schon wieder weg m├╝ssen. Damit es uns auch richtig schwer f├Ąllt, war es heute supersonnig und 16 Grad. Morgen sollen es 20 werden. Der Abschied f├Ąllt schwer und meine Freude auf zu Hause ist verhalten, denn mich erwartet Lernerei f├╝r die Zwischenpr├╝fung in Deutsch.
Es waren unvergessliche Wochen in Peking und auch wenn ich jetzt vielleicht noch sage, dass ich hier unbedingt einmal arbeiten m├Âchte, w├Ąre das vielleicht nicht so gut, denn in f├╝nf oder sechs Jahren, ist Peking ein anderes Peking als wir es kennen und die Lehrer sind auch nicht mehr hier, die wir m├Âgen. Peking und die Deutsche Schule werden dann wieder neu f├╝r uns sein, vielleicht auch sch├Ân, aber dann k├Ânnen wir auch gleich eine andere Stadt kennen lernen. So 60 Jahre habe ich in meinem Leben ja noch vor mir. Bestimmt kommen wir noch einmal her, den Beijing ist uns ans Herz gewachsen.
Morgen um 11:10 Uhr geht unser Flieger nach Amsterdam. Ich bin sehr gespannt, ob alles klappt und vielleicht freue ich mich dann auch auf zu Hause, noch nagt der Abschied an mir.

Liebe Gr├╝├če und bald wieder aus Potsdam, Carsten und Katja

__________________
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich K├Ąstner)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!