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Leselupe.de > Science Fiction
Niklaas Wu
Eingestellt am 09. 05. 2004 02:19


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Rumpelsstilzchen
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Mit einem dosierten Beinstoß passte Niklaas Wu die Geschwindigkeit an. Eine leichte Korrektur mit den gespreizten Fingern der rechten Hand, um nicht zu viel Schub zu verlieren, dann lag er auf Kurs. Er bog den Rücken durch und konzentrierte sich auf seine Erektion. Fast unmerklich glitt er hinein, folgte den pulsenden Vibrationen, bis er den Kuss auf der Eichel spürte und gleichzeitig ein metallischer Schlag durch das Schiff hallte. Kontakt. Routiniert schlang er seinen Schwanz um einen Ast, um es zu verankern. Niklaas entspannte sich. Er hatte nicht damit gerechnet, dass das Andockmanöver ohne Feedback von der Orbitalstation so reibungslos funktionieren würde. „Na, Minherr Niklaas Wu, wie haben wir das wieder hingekriegt?“ Niklaas schüttelte sich selbst die Hand, was das Sensorion mit einem verständnislosen Brummton quittierte. Er grinste. „Wird Zeit, dass wir hier herauskommen.“ Trotzdem zögerte er noch, irgend etwas irritierte ihn. „Der Kuss...“ Wu runzelte die Stirn. „Er war warm.“ Er streckte die Zunge aus, um sich zu vergewissern. Die Station schmeckte ein wenig abgestanden, aber vertraut, wie Nachhausekommen nach langer Zeit. „Wir waren lange fort, Minherr. Zu lange.“ Er schüttelte den Gedanken ab und tastete umher. Warm. Der Duft von frischem Kaffee stieg ihm einladend in die Nase. „Jetzt haben wir schon Halluzinationen! Minherr Niklaas Wu, es wird ein schlimmes Ende mit uns nehmen!“ Nervös kicherte er in sich hinein. Es konnte nicht sein, nicht nach dieser Zeit. Entschlossen begann er zu würgen. Unmöglich.
Während sich hinter ihm das Sensorion schmatzend wieder schloss, lag er keuchend auf dem Boden, bis das unkontrollierte Zucken seiner Gliedmaßen nachließ. Niklaas hasste diese hilflosen Minuten, in denen die Reste des Sensorions, die wie Froschlaich an ihm klebten, zitternd verendeten und sich zu einem stinkenden eitergelben Schleim auflösten. Sein Magen verkrampfte sich zu einem harten Knoten, als er sich schließlich auf Händen und Knien aufrichtete. Gegen den Brechreiz ankämpfend, kroch er zur Kaue. „Wasser,“ befahl er.

Er blieb unter der Dusche, bis seine Fingerkuppen weiß und schrumpelig geworden waren, dann tappte er nackt und tropfend in die Kombüse. „Minherr Niklaas Wu, wir haben Hunger!“ verkündete er und wrang die nassen Haare aus, was die Kombüse mit einem missbilligenden Zischen kommentierte. „Zur Feier des Tages: geschleuderte Tetriseier!“ Er machte dem eingefallenen Gesicht in der spiegelnden Front des Koches eine Grimasse, dann teilte er seinen schwarzen Schopf in Strähnen und flocht sich den Zopf, während er auf seine Eier wartete.
Erst als er gesättigt und entspannt das Krabbeln der Putzer zwischen den Zähnen genoss, gestattete er sich, über seine weiteren Schritte nachzudenken.

Eigentlich war sein Plan ganz einfach: Das von den Schürfern auf dem Gasriesen geborgene Chinolit aus den Lagern der Station in die Frachträume seines Schiffes umladen und ab nach Hause. Wenn nicht..., ja wenn nicht hier dreihundertvierundfünfzig Jahre vergangen wären während seiner relativ nur zweijährigen Abwesenheit, die allerdings auch in dieser Dauer bei seiner Abreise nicht geplant war. Der unvorhergesehene Rücksturz aus dem Hyperraum und die langen Monate, in denen er mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Schwärze schoss und eine Zuchtstation improvisierte, um dann täglich mit zunehmender Verzweiflung die Dilatation auszurechnen, die so schrecklich viel schneller wuchs als der Kristall. Jeder dieser Tage hatte ihn unerbittlich um Monate von Kaya fort gezerrt. Wie er seine Feigheit verflucht hatte! Seine Furcht, bei Gegenschub seinen Vektor zu verlieren und bis zum Ende des Universums in der Leere umher zu irren. Er hatte Kaya vor sich gesehen, wie sich die Falten in ihre fröhliche Zuversicht gruben und die Hoffnungslosigkeit sie mit den Jahren beugte, bis der Tod sie endlich vom Warten erlöste. Oder hatte sie den Freitod gewählt, als das erste Grau sich in ihre blonde Mähne mischte und sie begriff, dass ihr Liebster längst durch die Zeit davon geeilt sein musste? Er würde es nie erfahren, der Saubermann der Station war gründlich.

„Salü Nickelchen, kennst Du den: Was macht man, wenn eine Blondine eine Handgranate nach einem wirft?“
„Man zieht den Ring und...“ Ihr Lachen perlte durch den Raum, als er abbrach und wie gestochen in die Höhe fuhr. „Kaya!“
„Hast Du jemand anderes erwartet?“ Die Granulen im Holotank formierten sich zu Kaya, seiner Kaya, begehrenswerte achtundzwanzig blonde Standardjahre. Mit einem spitzbübisches Lächeln zog sie die Nase kraus. „Ist das eine Art, einer Dame gegenüber zu treten?“ und deutete anklagend auf ihn. „Minherr Niklaas Wu, ich hoffe doch sehr, Du ziehst Dir was Ordentliches an, bevor Du mir Deine Aufwartung machst.“ Zwinkernd warf sie ihm eine Kusshand zu, bevor die Granulen auseinander stoben.

Unauffällig wischte sich Niklaas Wu die schweißfeuchten Hände an seinem Wams ab. Die Blotschen waren ungewohnt hart unter seinen Fußsohlen und die Strumpfhose kniff, dafür kontrastierte ihr Lindgrün hervorragend zum Orangerot seiner Rüschenbluse. Hatte zumindest das Kreaton gemeint, als Niklaas standesgemäße Kleidung anforderte. „Biomaten!“ Wenigstens hatte er seinen Zopf vor dem Schnitter bewahren können. Die fünffach gewundene Haarkrone stand ihm nicht schlecht, wie er mit einem letzten prüfenden Blick in die spiegelnde Oberfläche des Stationsschotts feststellte. Dann zeichnete er das Sesam auf das Schott.
„Wer begehrt Einlass?“ Mit einem kokettem Wimpernschlag richtete sich das Schleusenauge auf ihn.
„Minherr Niklaas Wu, Sternfänger und Herzgeborgener von Kayas Gnaden!“ Niklaas deutete eine Verbeugung an und rüttelte mit dem Oberkörper.
„So förmlich, Minherr?“, schaltete sich Kayas Stimme ein. Sie kicherte. „Komm endlich rein, Du alberner Kerl.“
Seufzend glitt das Schott vor ihm auf.
„Nimm den Läufer, er bringt Dich zur Zentrale. Eil’ Dich, Liebster, ich habe schon viel zu lange auf Dich gewartet.“
Die Sehnsucht in ihrer Stimme schlug in Wus Herz Trommelwirbel. Er schwang sich auf den Sitzhöcker und zog heftig am Lenkhorn, bis die Pseudopoden in den rasenden Rhythmus einfielen, um ihn zu Kaya zu tragen.

Er begriff es nicht. Und es war ihm verdammt egal! Kaya! Seine Kaya! Der Läufer trug ihn schlürfend den Zentralschacht hinunter.
„Minherr Niklaas Wu, wir sind der glücklichste Mann im Universum!“ flüsterte er sich zu. Auf der Nullebene nahmen die Pseudopoden ihren rasenden Wirbel wieder auf. Lachend rief er in den Fahrtwind: „Was sind zwei Jahre! Was sind dreihundertvierundfünfzig Jahre! Unsere Liebe ist ohne Zeit und für die Ewigkeit!“
Wie ein Hauch schwebte ihre Stimme durch den Gang: „Ja Nikki, ohne Zeit und für die Ewigkeit.“
Endlich glitt das Schott zur Zentrale vor ihm auf und als er sie sah, sang sein Herz und er sang mit ihm von seiner Sehnsucht nach Kaya, seinem Verlangen nach ihr, von der Süße ihrer Lippen, den Diamantsplittern in ihren Augen, den sanften Wölbungen und Tälern ihres Körpers. Er sang noch immer, als der Läufer abrupt stoppte und ihn in das Sensorion schleuderte.
Bis sie sich aus ihrer Umarmung lösten, verging eine ganzes Sternenleben. Und weil das so gar nichts machte, schüttelte Wu sich die Hand: „Minherr Niklaas Wu, wir sind der glücklichste Mann im Universum, ohne Zeit ...“
... und für die Ewigkeit!“, vollendete Kaya, als sie Niklaas wieder an sich zog.

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Irritierend fremd-farbig und deshalb schwer zu lesen … Hat aber seinen Reiz, auch wenn sich sowas wie ein Lesefluss bei mir nicht einstellte.


Was ich allerdings ZU undurchsichtig fand:
* Er hatte einen Plan. Ist er ein Krimineller?
* Er tat was während der Nicht-Hyperaum-Reise? Züchten? Einen Kristall? Wozu? Was für einen?
* Was für eine Furcht? Hier hat sich das Technik-Blabla verselbstständigt, oder? (Es hätte gereicht: "Wie er seine Feigheit verfluchte, die ihn aus dem Hyperraum springen ließ.") PS: Wieso geht er nicht einfach zurück in den Hyperraum?
* Was fĂĽr ein Saubermann war wo grĂĽndlich?

… und ein Stück weiter:
* Vor welchem Schott dinert Niklas? Es klingt, als stände er vor Kayas Kabine (oder dem Raum mit dem Holotank, in dem sich Kaya bildet) und bitte um Einlass – aber statt „reinzugehen“, geht er offenbar raus (auf einen Gang) und fährt dann zum Sensorion…
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Rumpelsstilzchen
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Recht hast Du, für eine Kurzgeschichte ist der Niklaas ein wenig fremdlastig geraten. Als wär's ein Stück von mehr, das noch in Gedanken treibt und Ideen keimt.
Wenn ich es erklären muss, ist es so missraten.

Was Dich benebelte, klärt allerdings der Text:
Auch Gesetzestreue pflegen nicht ganz planlos zu handeln.
Ungeplant war allerding die Havarie: Kristall kaputt - Sturz aus dem Hyperraum (jetzt frag' bitte nicht, wofür er nötig ist, bin kein Hyper) - züchtet einen neuen Kristall mit improvisierten Mitteln, während er sich nahe der Lichtgeschwindigkeit bewegt = Dilatation.
Darauf beruht der Plot der Geschichte!

Saubermann? NatĂĽrlich der von der Orbitalstation, ein bionischer Reinigungsautomat.
Alles sehr bionisch, auch das Schott der Station, an der er angedockt hat. kaum hindurch, 'reitet' er zur Zentrale.
Der Holotank ist doch nur ein Abbildungsgerät, eine Art 3D-Fernseher, natülich auch ganz bionisch.

ZĂĽndete eine Nebelkerze und irrte lichter
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Ahhhja… na diese Miss/Unverständnisse lassen sich doch ganz fix (auch im Text) beheben:


Zum Beispiel die Sache mit dem Kristall: Warum nicht den Zusammenhang benennen …

Der plötzliche Bruch des Kristalls und der daraus resultierende unvorhergesehene Rücksturz aus dem Hyperraum und . Dann die langen Monate, in denen er mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Schwärze schoss und eine Zuchtstation improvisierte, um dann täglich mit zunehmender Verzweiflung die Dilatation auszurechnen, die so schrecklich viel schneller wuchs als der neue Kristall.


Den Saubermann hielt ich auch erst für den "Leichenbestatter & Straßenkehrer". Dann dachte ich: Offenbar beseitigt der Typ auch alle persönlichen Aufzeichnungen (denn auch das ist er und nicht etwas nur ein Effekt der alngen Zeit, sagts du/denkt Niklaas) Einmal auf dieser Denkschiene gelandet dachte ich: Dann ist dieser "Saubermann" offenabr auch dafür verantwortlich, dass Kaya keine Nachfahren gehabt haben kann, in deren Familiengedächtnis Kayas Geschichte hätte fortleben können … und all das – so eine "Aufräum-Macht" – geht über bloßes Saubermachen weit hinaus, klingt nach Geheimdeinst, Diktatur oder sowas in der Art…


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