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Leselupe.de > Humor und Satire
Nimmersatt
Eingestellt am 18. 07. 2008 02:56


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Micham
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2008

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Vor einer Woche hat sich mein Rippchen mal wieder aus dem Staub gemacht. Nun turnt sie irgendwo in Germanyland rum und ich sitze hier vor einem leeren K├╝hlschrank. Kenne ich alles noch vom letzten Mal. Keine Frikadellen, kein K├Ąse, kein gar nix. Amerikanische K├╝hlschr├Ąnke sind riesig; da wird einem schnell bewusst, wie bedr├╝ckend g├Ąhnende Leere sein kann.

Ok, das Gefrierfach ist gef├╝llt mit zahlreichen Mikrowellengerichten. Wie mein Rippchen jedoch annehmen konnte, dass ich von etwas satt werde, welches das Wort "Mikro" beinhaltet, ist mir schleierhaft. Seit sieben Tagen versuche ich das nun schon und es klappt nicht.

W├Ąhrend sich in ein deutsches Gefrierfach gerade mal ein Stiel ohne Eis reinzw├Ąngen l├Ąsst, kann ich hier f├╝r mehrere Monate Essensvorr├Ąte verstauen und habe dann immer noch gen├╝gend Platz, um mir ein kleines Ein-Mann-Iglu zu bauen. An Auswahl fehlte es mir demnach ├╝berhaupt nicht. Dennoch stehe ich nicht sonderlich auf Tiefk├╝hlkost. Als Kind habe ich mich immer ├Ąngstlich im Hinterhof versteckt, wenn der bofrost*-Mann kam. Er war daf├╝r verantwortlich, dass ich mehrmals im Monat H├╝hnerfrikassee mit ganz viel Knorpel essen musste. Ich m├╝sste kotzen, w├╝rde ich jetzt noch weiter dar├╝ber reminiszieren.

Wer kann es mir da ver├╝beln, wie ich die ersten 48 Stunden relativ kritisch den Inhalt der Gefriertruhe begutachtete, bevor ich es endlich auf einen Versuch ankommen lie├č? Ich begann meinen Vorsto├č in die Welt der tiefgefrorenen Fertiggerichte mit einen Griff nach den h├╝bsch aussehenden "Budget Meals". Sie hei├čen so, weil sie sehr erschwinglich sind. Wer sich die verschiedenen Pasta-Variationen etwas genauer ansehen m├Âchte und gerade kein Mikroskop zur Hand hat, der sollte gleich ein Zehnerpack aufw├Ąrmen und das Ganze auf einen Teller bef├Ârdern. Mit einer gro├čen Lupe sieht das dann schon sehr lecker aus. Ein V├Âllegef├╝hl stellt sich leider nicht ein, es sei denn, man zwingt sich, die Verpackung mitzuessen, oder man besorgt sich einen Laib Brot als Beilage.

Nach ein paar Tagen hatte ich von den Budget Meals die Schnauze voll. Der letzte Satz ist nat├╝rlich gelogen. Mein Mund ist schon lange nicht mehr voll gewesen. Zum Gl├╝ck gibt es auch Gerichte f├╝r den hungrigen Mann. "Hungry Man" schreit es einem da von den recht gro├čen Pappschachteln entgegen. Hier wird echten M├Ąnnern geboten, wonach sie sich wirklich sehnen: Fleisch.

Die Anweisungen zur Zubereitung der Machokost ist unfassbar kompliziert. Den Da Vinci-Code hat man schneller entschl├╝sselt. Mit einem Messer muss man pieksen, an bestimmten Stellen schneiden, peinlichst genau die Aufw├Ąrmzeiten beachten und zwischendurch immer wieder r├╝hren. Kochen ist wahrscheinlich einfacher.

Gestern Abend gab es Steak in Pilzso├če mit Erbse. Ja, Erbse! Auf der Verpackung war es etwas gro├čz├╝giger formuliert, aber die Realit├Ąt sah anders aus. Geschlagene vierzehn Minuten werkelte ich ungeduldig an meinem Essen, bis die Mikrowelle endlich das finale Ding machte. Meine H├Ąnde zitterten vor Aufregung und Hunger, und als ich ungeschickt die halb zerfetzte Plastikfolie vom Plastiktellerchen entfernte, kam mir nicht nur hei├čer Dampf, sondern auch die Erbse entgegen. Ich glaubte zu sehen, wie sie mir zum Abschied zuwinkte, ehe sie in den Spalt zwischen Herd und Arbeitsplatte st├╝rzte. Trauernd blickte ich auf das leere Mikrofach im Plastiktellerchen. Dort war mal eine Erbse heimisch gewesen.

Im Wohnzimmer pflanzte ich mich mit meiner Mahlzeit auf die Couch. Ich war zu ausgehungert, um ein Tischgebet zu sprechen, jedoch rieb ich an einer Hasenpfote und w├╝nschte mir, dass das Steak medium zubereitet war und es mich s├Ąttigen w├╝rde. Ich sollte es nie erfahren, weil mir das Steak immer wieder durch die Zacken der Gabel fiel. Der Erbse w├Ąre das nicht passiert! Anstatt einen L├Âffel zu besorgen, versuchte ich es bockig solange, bis das verdammte St├╝ck Fleisch unauffindbar im flauschigen Teppich verschwand.

"Arschkacke!", fluchte ich, leckte gierig die pilzlose Pilzso├če aus dem Plastiktellerchen und verbrannte mir dabei ├╝belst die Zunge. Verzweiflung, Wut und Schmerzen vertrieben jegliches Hungergef├╝hl. Ich erinnerte mich, auf der Verpackung eine Telefonnummer gesehen zu haben: Any comments? Call 1-800-D-E-L-I-C-I-O-U-S

Dies tat ich auch, weil ich mich beschweren wollte. Eine freundliche Frauenstimme fl├Âtete eine zweimin├╝tige Begr├╝├čungsformel durch die Leitung, bis ich sie unterbrechen musste, ehe meine Zunge zu sehr anschwoll.

"Let me tell you something, bitch."

"Please do."

"You suck!!!"

"Only if you ask nicely", kam es schlagfertig zur├╝ck. Ich war entt├Ąuscht.

Etwas sp├Ąter meldete sich mein Rippchen aus Germanyland. Sie wollte sich nach meinem Wohlbefinden erkundigen.

"Schnuckie, isch hab scho'n hunger!", weinte ich.

"Wasch schagscht du?"

"Hey, machscht du disch ├╝ber misch luschtig?"

"Nee, wiescho? Isch esche gerade Schteak mit Pilschschosche und Erbschen. Und du?"

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