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Leselupe.de > Horror und Psycho
No Control
Eingestellt am 21. 03. 2003 08:54


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Gribsy
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2002

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Keine Kontrolle


Wie jeden Dienstag stand ich in der U-Bahnstation und wartete auf meinen Zug. Es war ein beschissener Tag gewesen. Zwei AuftrÀge waren mir mal wieder durch die Lappen gegangen. Denn diesmal hat mir der dunkle Reiter nicht geholfen. Vor einigen Tagen war er herausgekrochen aus meiner Seele und hatte sich gezeigt. Dark Rider, wie Jo ihn nannte war unkontrollierbar. Er kam und ging wann er wollte. Manchmal zu unpassenden Augenblicken.
Doch Jo liebte das animalische an ihm. Kennen gelernt hatten wir uns im Chat. Ein paar heiße Telefonate und das warÂŽs. Ich lĂ€chelte bei den Erinnerungen an unseren Telefonsex. Sie wollte mehr und der dunkle Reiter in mir auch. Doch was war mit meiner Frau. Meine Verantwortung ihr gegenĂŒber war grĂ¶ĂŸer als die Leidenschaft, die ich fĂŒr Jo empfand. Mehr war einfach nicht drin. Meine Frau und ich hatten uns grad ein Haus gekauft. Auch ein Baby war geplant. Da konnte ich sie doch nicht sitzen lassen. Nicht wegen einer Stimme am Telefon und einem Bild was gefaked sein könnte. Die Schulden hĂ€tten mich aufgefressen. Und war es das wert? FĂŒr eine Stimme, fĂŒr einen Nickname?
„NatĂŒrlich wĂ€re es das wert. Du könntest endlich leben.“ Wieder war diese Stimme in meinem Kopf, dunkel und furchteinflĂ¶ĂŸend. Jedoch hatte sie auch eine faszinierende Wirkung. Sie brachte Menschen mich dazu etwas zu tun, was ich nicht wollte. Sie flĂ¶ĂŸte mir Leben ein, indem sie es aus anderen Menschen heraussaugte. Ich saugte jeden Tag die Empfindungen anderer Menschen in mich auf. Ich schnupperte und ich sah GefĂŒhle. Bei Jo konnte ich sie nur hören. Mir war klar, wenn ich Jo sehen wĂŒrde, gĂ€be es kein ZurĂŒck mehr. Denn dann wĂŒrde ich alles von ihr in mich aufsaugen und dieser Gedanke erregte mich zutiefst, denn sie wĂŒrde es zulassen.
Die Gier nach den GefĂŒhlen, die ich von anderen Menschen in mich aufsaugte war unersĂ€ttlich. Ich roch ihre Furcht, sah ihre Angst in den Augen und genoss die Wut, mit der sie mich anstarrten. „Ja und es macht dich stark. Also nimm dir was du willst und genieße das Leben, welches ich dir schenke.“ Immer öfter kam diese Stimme in mein Bewusstsein. Manchmal konnte ich sie unterdrĂŒcken. Noch waren die meisten meiner Aktionen von Überlegung und Kalkulation geprĂ€gt. Doch wie lange noch?
Nur noch einige Minuten, bis meine Bahn kam Aus den Kopfhörern meines CD-Players dröhnte mir David Draiman „The Forsaken“ in die Ohren. Ich lehnte mich an eine SĂ€ule, vor der ich stand und schloss die Augen. Ich trĂ€umte einen Moment lang davon zu sein, wie der dunkle Reiter, ein Typ der vor Nichts Angst hatte. Bei einem Zwilling ist es schließlich nichts ungewöhnliches, dass zwei Seelen in seiner Brust schlugen. Aber diese multiple Persönlichkeitskacke war teilweise schon beĂ€ngstigend. Die zweite Seele in mir wurde immer stĂ€rker. Mit jedem Tag gewann sie mehr Macht ĂŒber mich und mein Handeln.
Jo fuhr voll auf den Typen ab. Sie brauchte das. Ein wenig Liebe, ein bisschen Gewalt. Sie hatte mich am Telefon angebettelt und sie war gekommen. Wir wussten beide wie Darki, wie sie ihn liebevoll nannte aussah. Blaubraune Hautfarbe, rote Augen, die vor Gier funkelten und dann noch das weiße Haar, was ihm wirr ins Gesicht hing. Nur im Chat und per Telefon hatten wir miteinander gesprochen und uns geliebt. Sie hatte mit ihm spielen wollen, ihn gereizt. Sie hatte gedacht sie wĂ€re hart. Doch nun hatte er den Spieß umgedreht. Sie genoss es, wenn der dunkle Reiter sie am Telefon quĂ€lte. Wieder musste ich an die gestrige Nummer am Telefon denken und lĂ€chelte dabei.
Um zu sehen, ob meine Bahn kam öffnete ich fĂŒr einen Moment die Augen. Dann kam er. Ein wildfremder Typ ca. einen halben Kopf grĂ¶ĂŸer als ich. Und ich mit meinen 1,86 Metern war schon nicht klein. Er war breit, breiter als ich. Aber auch fett, lange nicht so sportlich wie ich. Er schaute kurz zu mir rĂŒber und sagte etwas. Seine Lippen bewegten sich, doch ich hörte nur „You see i can not be Forsaken....“ aus meinen Kopfhörern. Ein Grinsen huschte ĂŒber meine Lippen, weil es so lĂ€cherlich aussah, seine Bewegungen mit dem Mund zu beobachten. Er schaute mich weiter an und sprach immer noch mit mir. „Achtung, mach ihn platt. Der will was von dir!“ Ich versuchte die Stimme in mir zu verdrĂ€ngen, doch der dunkle Reiter war schon erwacht.
Fragend schaute ich ihn an. Konnte ich in seinem Gesicht einen Hauch von AggressivitĂ€t erkennen? Ich nahm den Hörer von einem Ohr und fragte ihn in einer normalen Tonlage: „Was haben Sie gesagt?“
Er war noch zwei Meter von mir entfernt und wĂ€re vielleicht vorbeigegangen. Doch als ich ihn ansprach kam er mit sicherem Schritt auf mich zu. Dabei Ă€nderte sich sein Gesichtsausdruck abrupt. Nun war es eindeutig. WĂŒtend sagte er zu mir: „Du sollst mir nicht auf meinen Unterleib starren.“
„Falsche Worte.“ schoss mir nur durch den Kopf. Mein Gesichtsausdruck Ă€nderte sich schlagartig. Die Lippen presste ich zu einem Strich zusammen und nahm gelassen meinen Kopfhörer ab. Nun war die Zeit des dunklen Reiters gekommen. Bereit zu kĂ€mpfen, bereit zu töten. „Dumm gelaufen Alter!“ Dachte ich bei mir, doch es waren seine Gedanken. Die Gedanken des dunklen Reiters.
„Du Wurm, du Nichts.“ Schrie mich der lebendig gewordene Fleischklops weiter an. Die umstehenden Menschen zeigten keinerlei Reaktion, genauso wenig wie ich. Was mochten sie jetzt denken, die sahen wie diese schwabbelnde Masse mich anmachte. Mir fiel ein Sprichwort ein, welches ich heute von einem Kunden gehört hatte. Alle Menschen denken nur an sich, nur ich denke an mich. Seine Hasstiraden, die er weiter abließ, hörte ich schon gar nicht mehr. Dark Rider wollte zuschlagen. Nicht fragen, was das Problem dieses Idioten war, der es gewagt hatte ich zu wecken. Ich spĂŒrte wie mein Herz anfing schneller zu schlagen, die Wut in mir hochstieg. Sie umklammerte mich, hielt mich gefangen. Es war als Ă€nderte sich mein Wesen grundlegend. Mit ausdrucksloser Mine starrte ich an dem Mann vorbei auf die Wand hinter den Gleisen. Er formte seine Finger zu einer Pistole und hob sie an meinen Kopf. „JETZT!“ Schrie es in mir.
Blitzschnell ergriff ich seinen Zeigefinger und bog ihn so schnell, dass er brach. Fassungslose Augen sahen mich an. Und dann schrie er vor Schmerz. Doch ich ließ ihm keine Zeit. Schon packte ich ihn bei den Eiern und drĂŒckte zu. Er krĂŒmmte sich zusammen. Die Welt um mich herum verschwand. Es gab nur noch ihn und mich. Und in wenigen Minuten wĂŒrde es nur noch mich geben. Nach einigen Sekunden ließ ich ihn los. Ein HĂ€ufchen Elend, mehr stand nicht mehr vor mir. Der Typ wĂŒrgte. Ich kannte das GefĂŒhl, denn ich hatte mal einen Fußball voll darein bekommen. Das tut höllisch weh. Doch Dark Rider wollte noch mehr. Nun wollte er die Angst, die Panik von diesem Opfer in sich aufsaugen. Sein Opfer versuchte sich von ihm wegzubewegen. Doch schon beim ersten Schritt schoss der Absatz meines Schuhs auf sein Knie. Ein Knirschen und dann knickte der Typ ein. Ohne den Fuß abzusetzen ließ ich ihn gegen sein Kinn knallen. Wie in Zeitlupe fiel der Mann nach hinten und knallte mit dem Kopf auf den Boden.
Dark Rider hatte die Kontrolle ĂŒber den Körper gewonnen. Nun wollte er diesem Mann zeigen was Leben bedeutete. Immer wieder brachte er den Mann dazu auf diesen armen wicht, der dachte er wĂ€re hart, zuzuschlagen. Der dunkle Reiter kannte keinen Schmerz. Sah aber sehr wohl, wie die Fingerknöchel seines Körpers bei jedem Schlag immer etwas mehr anschwollen. Die Nase des Opfers war schon gebrochen und Blut floss in Strömen daraus. Blut welches bei jedem Schlag den er auf das Gesicht niederließ auch in sein Gesicht spritzte. Nun war seine Zeit gekommen. Die Zeit, allen Frust und den ganzen Hass rauszulassen. Es gab eine Zeit fĂŒr Leidenschaft und eine Zeit fĂŒr Gewalt. Manchmal auch fĂŒr beides zusammen, doch das wĂŒrde spĂ€ter kommen.
Der Typ hatte genug. Er flennte nur noch, dass ich aufhören sollte. Doch ich war vollkommen außer Kontrolle geraten. Ein diabolisches Grinsen huschte ĂŒber mein Gesicht. Ich roch sein Blut und es machte mich an. Dieser Geruch war so sĂŒĂŸlich, fast schon verdorben. Er versetzte mich weiter in Ekstase. Ich schlug immer und immer wieder zu. Die Schmerzen meiner Knöchel interessierten nicht mehr.
Plötzlich packten mich HĂ€nde an den Schultern. Sie zerrten mich unsanft von dem Typen weg. Sie zogen mich zurĂŒck in die RealitĂ€t. „NEEIIIIINNN!“ Schrie es in mir. Ich schĂŒttelte den Kopf und schaute mich um. Zwei Polizisten in Uniform zogen mich von dem blutenden und zuckenden Körper zurĂŒck. Ich sah Leute wie sie fassungslos den Kopf ĂŒber soviel BrutalitĂ€t schĂŒttelten. Die Beamten fingen an mich und die umstehenden Leute zu befragen.

Manche Menschen denken eben doch nicht nur an sich.

__________________
Ich muss schreiben oder man diagnostiziert Multiple Persönlichkeitsspaltung bei mir.

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Evchen13
???
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Hallo!

Ich habe deine Geschichte noch einmal a bissel nach Kommas und so korrigiert. Außerdem ist mir aufgefallen, dass du so schrecklich viel war, hĂ€tte, hatte ... verwendest, dies versuchte ich auch, ein wenig umzustellen. Na ja lese es dir durch, und wie gesagt, ich bin ja selber nicht perfekt und es ist einfach von einem Laien durchgesehen.

Dann noch so ein Typ von mir. Vielleicht stellst du so dĂŒstere Geschichten in das Horror-Forum. Hier findest du mehr Lesepublikum, welches diese Art Texte mag, eventuell.

So, das war es mal wieder von mir und der Text ist schon besser. Er zeigt die zwei Seelen, zeigt den Werdegang, lÀsst den Verfall etwas erahnen. Ist nicht schlecht.

Also, dann

Gruß von Ev


Keine Kontrolle


Wie jeden Dienstag stand ich in der U-Bahnstation und wartete auf meinem Zug. Es war ein beschissener Tag. Zwei AuftrÀge gingen mir durch die Lappen. Diesmal half mir der dunkle Reiter nicht. Vor einigen Tagen kroch er aus meiner Seele heraus und zeigte sich das erste Mal. Dark Rider, wie Jo ihn nannte, war unkontrollierbar. Er kam und ging wann er wollte. Manchmal zu unpassenden Augenblicken.
Doch Jo liebte das animalische an ihm. Kennen gelernt hatten wir uns im Chat. Ein paar heiße Telefonate und das warÂŽs. Ich lĂ€chelte bei den Erinnerungen an unseren Telefonsex. Sie wollte mehr und der dunkle Reiter in mir auch.

Aber was wĂŒrde aus meiner Frau, aus meiner Liebe werden? Liebe? Meine Verantwortung ihr gegenĂŒber war grĂ¶ĂŸer als die Leidenschaft, die ich fĂŒr Jo empfand. Mehr vermochte ich einfach nicht zu geben. Meine Frau und ich hatten uns grade ein Haus gekauft. Auch ein Baby war geplant. Da konnte ich sie doch nicht sitzen lassen. Nicht wegen einer Stimme am Telefon und einem Bild, was gefaked sein könnte. Die Schulden hĂ€tten mich aufgefressen. Und war es das wert? FĂŒr eine Stimme, fĂŒr einen Nickname?

„NatĂŒrlich wĂ€re es das wert. Du könntest endlich leben.“ Wieder erschall diese Stimme in meinem Kopf, dunkel und furchteinflĂ¶ĂŸend. Jedoch hatte sie auch eine faszinierende Wirkung. Sie brachte mich dazu etwas zu tun, was ich nicht wollte. Sie flĂ¶ĂŸte mir Leben ein, indem sie es aus anderen Menschen heraussaugte. Ich sog jeden Tag die Empfindungen anderer Menschen in mich auf. Ich schnupperte GefĂŒhle und ich sah GefĂŒhle. Bei Jo konnte ich sie nur hören. Mir war klar, wenn ich Jo sehen wĂŒrde, gĂ€be es kein ZurĂŒck mehr. Dann wĂŒrde ich alles von ihr in mich absorbieren und dieser Gedanke erregte mich zutiefst, denn sie wĂŒrde es zulassen.
Die Gier nach den GefĂŒhlen, die ich von anderen Menschen in mich aufnahm; schien unersĂ€ttlich zu sein. Ich roch ihre Furcht, sah ihre Angst in den Augen und genoss die Wut, mit der sie mich anstarrten.
„Ja und es macht dich stark. Also nimm dir was du willst und genieße das Leben, welches ich dir schenke.“ Immer öfter kam diese Stimme in mein Bewusstsein. Manchmal konnte ich sie unterdrĂŒcken. Überlegung und Kalkulation prĂ€gten die meisten meiner Aktionen, noch. Doch wie lange noch?

Die Uhr tickte und in wenige Minuten war die Abfahrtszeit fĂŒr die Bahn. Aus den Kopfhörern meines CD-Players dröhnte mir David Draiman „The Forsaken“ in die Ohren. Ich lehnte mich an eine SĂ€ule, vor der ich stand und schloss die Augen. Ich trĂ€umte einen Moment lang davon, so zu sein, wie der dunkle Reiter. Ein Typ, der vor Nichts Angst hatte. Bei einem Zwilling ist es schließlich nichts ungewöhnliches, dass zwei Seelen in seiner Brust schlugen. Aber diese multiple Persönlichkeitskacke war teilweise schon beĂ€ngstigend. Die zweite Seele in mir wurde immer stĂ€rker. Mit jedem Tag gewann sie mehr Macht ĂŒber mich und mein Handeln.

Jo fuhr voll auf den Typen ab. Sie brauchte das. Ein wenig Liebe, ein bisschen Gewalt. Sie hatte mich am Telefon angebettelt und sie war gekommen. Wir wussten beide wie Darki, so nannte sie ihn liebevoll, aussah. Blaubraune Hautfarbe, rote Augen, die vor Gier funkelten und dann noch das weiße Haar, was ihm wirr ins Gesicht hing. Nur im Chat und per Telefon hatten wir miteinander gesprochen und uns geliebt. Sie wollte mit ihm spielen, ihn reizten. Sie dachte, sie wĂ€re hart. Doch nun drehte er den Spieß um. Sie genoss es, wenn der dunkle Reiter sie am Telefon quĂ€lte. Wieder musste ich an die gestrige Nummer am Telefon denken und lĂ€chelte dabei.

Um zu sehen, ob meine Bahn kam, öffnete ich fĂŒr einen Moment die Augen. Da kam er. Ein wildfremder Typ, ca. einen halben Kopf grĂ¶ĂŸer als ich. Und ich mit meinen 1,86 Metern war schon nicht klein. Er war breit, breiter als ich. Aber auch fett, lange nicht so sportlich wie ich. Er schaute kurz zu mir rĂŒber und sagte etwas. Seine Lippen bewegten sich, doch ich hörte nur „You see i can not be Forsaken....“ aus meinen Kopfhörern. Ein Grinsen huschte ĂŒber meine Lippen, weil es so lĂ€cherlich aussah, seine Bewegungen mit dem Mund zu beobachten. Er schaute mich weiter an und sprach immer noch mit mir. „Achtung, mach ihn platt. Der will was von dir!“ Ich versuchte die Stimme in mir zu verdrĂ€ngen, doch der dunkle Reiter war schon erwacht.

Fragend schaute ich ihn an. Konnte ich in seinem Gesicht einen Hauch von AggressivitÀt erkennen?
Ich nahm den Hörer von einem Ohr und fragte ihn in einer normalen Tonlage: „Was haben Sie gesagt?“
Er war noch zwei Meter von mir entfernt und wÀre vielleicht vorbeigegangen. Doch als ich ihn ansprach kam er mit sicherem Schritt auf mich zu. Dabei verÀnderte sich sein Gesichtsausdruck abrupt. Nun war es eindeutig.
WĂŒtend sagte er zu mir: „Du sollst mir nicht auf meinen Unterleib starren.“
„Falsche Worte.“ schoss es mir nur durch den Kopf. Mein Gesichtsausdruck bekam schlagartig ein anderes Aussehen. Die Lippen presste ich zu einem Strich zusammen und ich nahm gelassen meinen Kopfhörer ab. Nun war die Zeit des dunklen Reiters gekommen. Bereit zu kĂ€mpfen, bereit zu töten. „Dumm gelaufen Alter!“ Dachte ich bei mir, doch es waren seine Gedanken. Die Gedanken des dunklen Reiters.
„Du Wurm, du Nichts.“ Schrie mich der lebendig gewordene Fleischklops weiter an. Die umstehenden Menschen zeigten keinerlei Reaktion, genauso wenig wie ich. Was mochten sie jetzt denken? Sie sahen, wie diese schwabbelnde Masse mich anmachte. Mir fiel ein Sprichwort ein, welches ich heute von einem Kunden gehört hatte. „Alle Menschen denken nur an sich, nur ich denke an mich.“ Seine Hasstiraden, die er weiter abließ, hörte ich schon gar nicht mehr. Dark Rider wollte zuschlagen. Nicht fragen, was fĂŒr ein Problem dieser Idiot hatte, der es wagte, dich zu wecken. Ich spĂŒrte, wie mein Herz anfing schneller zu schlagen, die Wut in mir hochstieg. Sie umklammerte mich, hielt mich gefangen. Es war, als Ă€nderte sich mein Wesen grundlegend. Mit ausdrucksloser Mine starrte ich an dem Mann vorbei auf die Wand hinter den Gleisen. Er formte seine Finger zu einer Pistole und hob sie an meinen Kopf.
„JETZT!“ Schrie es in mir.
Blitzschnell ergriff ich seinen Zeigefinger und bog ihn so schnell um, dass er brach. Fassungslose Augen sahen mich an. Und dann schrie er vor Schmerz. Doch ich ließ ihm keine Zeit. Schon packte ich ihn bei den Eiern und drĂŒckte zu. Er krĂŒmmte sich zusammen. Die Welt um mich herum verschwand. Es gab nur noch ihn und mich. Und in wenigen Minuten wĂŒrde es nur noch mich geben. Nach einigen Sekunden ließ ich ihn los. Ein HĂ€ufchen Elend, mehr stand nicht mehr vor mir. Der Typ wĂŒrgte. Ich kannte das GefĂŒhl, den Schmerz, denn ich hatte wĂ€hrend eines Fußballspieles auch einmal einen Volltreffer abbekommen. Das tut höllisch weh.
Doch Dark Rider wollte noch mehr. Nun wollte er die Angst, die Panik von diesem Opfer in sich aufsaugen. Sein Opfer versuchte sich von ihm wegzubewegen. Doch schon beim ersten Schritt schoss der Absatz meines Schuhs auf sein Knie. Ein Knirschen und dann knickte der Typ ein. Ohne den Fuß abzusetzen ließ ich ihn gegen sein Kinn knallen. Wie in Zeitlupe fiel der Mann nach hinten und knallte mit dem Kopf auf den Boden.
Dark Rider hatte die Kontrolle ĂŒber meinem Körper gewonnen. Nun wollte er diesem Mann zeigen, was Leben bedeutete. Immer wieder brachte er den anderen Mann in mir dazu, auf diesen armen Wicht, der dachte er wĂ€re hart, zuzuschlagen. Der dunkle Reiter kannte keinen Schmerz. Sah aber sehr wohl, wie die Fingerknöchel seines Körpers bei jedem Schlag immer etwas mehr anschwollen. Die Nase des Opfers war schon gebrochen und Blut floss in Strömen daraus. Blut, welches bei jedem Schlag, den er auf das Gesicht niederließ, auch in sein Gesicht spritzte. Nun war seine Zeit gekommen. Die Zeit, allen Frust und den ganzen Hass rauszulassen. Es gab eine Zeit fĂŒr Leidenschaft und es gab eine Zeit fĂŒr Gewalt. Manchmal auch fĂŒr beides zusammen, doch das wĂŒrde spĂ€ter kommen.

Der Typ hatte genug. Er flennte nur noch, dass ich aufhören sollte. Doch ich geriet vollkommen außer Kontrolle. Ein diabolisches Grinsen huschte ĂŒber mein Gesicht. Ich roch sein Blut und es machte mich an. Dieser Geruch war so sĂŒĂŸlich, fast schon verdorben. Er versetzte mich weiter in Ekstase. Ich schlug immer und immer wieder zu. Die Schmerzen meiner Knöchel interessierten nicht mehr.

Plötzlich packten mich HÀnde an den Schultern. Sie zerrten mich unsanft von dem Typen weg. Sie zerrten mich in die RealitÀt.
„NEEIIIIINNN!“ Schrie es in mir. Ich schĂŒttelte den Kopf und schaute mich um. Zwei Polizisten in Uniform zogen mich von dem blutenden und zuckenden Körper zurĂŒck. Ich sah Leute, wie sie fassungslos den Kopf ĂŒber so viel BrutalitĂ€t schĂŒttelten. Die Beamten fingen an, mich und die umstehenden Leute zu befragen.

Manche Menschen denken eben doch nicht nur an sich.

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