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Leselupe.de > Kurzprosa
No Man is an Island
Eingestellt am 14. 09. 2004 23:42


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Sonic
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

Werke: 4
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Ab und zu saß er in seinem abgedunkelten Zimmer. Das fahle Licht der Straße und ihr LĂ€rm drangen nur gedĂ€mpft zu ihm, das anschwellende und absterbende GerĂ€usch vorbeifahrender Wagen, der nervenzerfetzende Krach von MotorrĂ€dern und Mofas und ab und an der -im Vergleich dazu harmlos wirkende- LĂ€rm von Bussen und LKW. Im Halbdunkel zwischen Tag und Nacht, zu frĂŒh um aufzustehen und zu spĂ€t, um einfach zu schlafen saß er auf einer Insel zwischen Gestern und Heute, zwischen hell und dunkel, zwischen Stille und LĂ€rm.
Allerlei Gedankenfetzen schwirrten durch seinen Kopf, unzusammenhÀngend und, in der DÀmmerung zwischen TrÀumen und Denken, unmöglich zu verfolgen. Also schrieb er. Denn auch wenn die im Halbdunkel zu Papier gebrachten SÀtze keine Klarheit in seinen Gedanken schaffen oder ersetzen konnten, so konnte er wenigstens einen auf diese Weise greifen.
Aber Àhnlich den Quantenteilchen, die beim Messen ihren Zustand Àndern, waren sie in der Niederschrift nicht mehr seine Gedanken, sondern eine Geschichte. Sie mussten zu einer werden, da sich Gedanken nicht schreiben lassen. Schreiben kann man immer nur Worte, eines nach dem anderen, bestimmt von den Regeln der Grammatik (wenn sie nicht nur Worte bleiben sollen). Sie entfernen sich immer weiter von dem Gedanken, der die Niederschrift auslöste. Nach ungefÀhr einer Seite konnte er nicht mehr erkennen, was das Geschriebene mit seinen Gedanken zu tun hatte und hörte auf.
Folgenlos war die Niederschrift deswegen nicht. Sie brachte Ordnung in das Chaos, da er wĂ€hrend des Schreibens andere Gedanken nicht mehr verfolgen konnte. Am Ende war sein Kopf leer, so, als hĂ€tte er seine Gedanken auf das Papier umgebettet. In Wahrheit hatte er sie einfach kurzzeitig vergessen oder verdrĂ€ngt und ging zufrieden ins Bett. Er verließ die Insel gereinigt und hatte das GefĂŒhl, auf ihr etwas hinterlassen zu haben, was er spĂ€ter wieder abholen könnte.

__________________
Adding sound to movies would be
like putting lipstick on the
Venus de Milo. --

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Sylvia
Hobbydichter
Registriert: Sep 2004

Werke: 2
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Hallo Sonic,

eine nette Geschichte. Die LĂ€nge, bzw. KĂŒrze der Story finde ich gut. Nur einige SĂ€tze finde ich zu lang, es sind AufzĂ€hlungen. Als stilistisches Mittel, hĂ€tte ein langer Satz mit AufzĂ€hlungen gelangt, wie z.B. der erste Satz.

Gruß
Sylvia

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