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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Noir York City
Eingestellt am 27. 11. 2003 14:15


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[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
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"It's like waking up at night.
left no choice than
putting a gun to your head
and pulling the trigger"


Die filterlose Lucky brannte im Aschenbecher vor sich hin. Er bemerkte es nicht.
Seine Aufmerksamkeit galt dem Bourbon vor ihm. Das dritte Glas heute Abend.
"Detective Payne? Detective-"
"Halt die Klappe, Sam. Ich bin nicht im Dienst. Nie wieder!"
Der Barkeeper sah ratlos drein. Als Payne heute Abend auf einen Drink herein gekommen war, hatte er ├╝bler ausgesehen als sonst ├╝blich: ein Klammerpflaster ├╝ber seiner rechte Augenbraue, eine Naht an der Schl├Ąfe. Ein Arm im Gips. Und sein Gang war von einem deutlichen Humpeln gezeichnet.
Er hatte nichts mehr gesagt, nachdem er seinen ersten Drink geordert hatte. Ein Blick zu Sam hatte gereicht, damit dieser sein Glas immer wieder auff├╝llte.
Nun stand Sam ratlos hinter der Theke, den Telefonh├Ârer in der Hand.
"Es ist das Department. Sie sagen, es handle sich um-"
"Ich sagte, es interessiert mich NICHT!"
Er unterstrich seinen Satz mit dem Whiskeyglas, das er hinter die Theke warf.
"Verdammt, was soll das? "
Sam bekam es mit der Angst. Payne war ein Held in NY. Er hatte sich mit den schlimmsten Gangs der Stadt angelegt- und gewonnen. Drei Jahre war das jetzt her. Der Rachefeldzug eines einzigen Mannes gegen Gewalt, Drogen und Korruption.
Aber das gab ihm kein Recht, sich so aufzuf├╝hren.
"Wei├čt du, es ist mir echt egal, wie du drauf bist. Du kannst dich gerne selbst mit deinen Leuten herumschlagen!"
Er stellte das Telefon auf den Tresen und legte Max den H├Ârer hin.
Und wartete auf einen weiteren Gewaltausbruch.
Der nicht kam.
Max hatte sich beruhigt. Er nahm den H├Ârer.
"Payne. ... Ja ... Wann wird das sein? ... Nein, ich m├Âchte nicht, dass es dort geschieht. ... Ja. Ich werde mich darum k├╝mmern"
Sam sah ihn neugierig an, als er auflegte.
"Tut mir leid wegen dem Glas. Die Woche war ├╝bel, ├╝bel und hart."
Sein Blick wanderte durch den Raum der kleinen Bar.
"Jetzt... muss ich schon wieder jemanden begraben, den ich liebe."
"Wer ist... ich meine... mein Beileid"
Ein bedr├╝cktes Schweigen breitete sich aus, als Sam die anderen Kunden bediente.
Mechanisch schenkte er Drinks aus, kassierte, gab Wechselgeld zur├╝ck.
Das Max Witwer war, wusste er. Irgendwann im letzten Jahr war er zu einem seine Stammg├Ąste geworden. Blieb l├Ąnger. Redete mit ihm. Er wusste, dass er sein Frau und seine Tochter verloren hatte.
M├╝nzen klimperten auf die Theke, als Max seine Drinks bezahlte.
"Behalt den Rest. Bis Bald"
"Bis Bald"
Aber Sam hatte das Gef├╝hl, ihn nicht mehr so schnell wieder zu sehen.
Vielleicht niemals wieder.

Der diensthabende Seargent nickte nur, als Payne die Polizeiwache betrat. Chief Bravuara war noch immer krank geschrieben- ihn hatte es noch schlimmer als Max erwischt, so weit das ├╝berhaupt m├Âglich war.
Mit einem scharfen Klicken entriegelte er die T├╝r zur Asservatenkammer. Mord grinste ihn von den W├Ąnden an, Abh├Ąngigkeit schaute aus den Regalen hervor. Die gesammelten Waffen schienen ihn anzustarren... oder auszulachen?
Seine H├Ąnde glitten suchend durch ein Board. Das Plastik des Beutels knitterte leise, als er es schlie├člich fand.
Die Waffe glitzerte tiefschwarz unter dem kalten Neonlicht. Was wie unregelm├Ą├čiger Lack aussah, war ihr Blut. Er schob sich den Beutel unter die Lederjacke und verlie├č die Asservatenkammer. Die T├╝r lie├č er unverriegelt ins Schloss fallen.

Mit hallenden Schritten stieg er ins Untergeschoss hinab. Die ausgetretene Metalltreppe schien ihm wie der Schlund der H├Âlle, mit einer Dunkelheit an ihrem Ende, die ihn verschlingen w├╝rde.
Peter Sheppard sah von seiner Zeitung auf, als er die Pathologie betrat.
"Guten Abend, Detective. Hat die Abteilung sie verst├Ąndigt?"
"Ja, hat sie. Danke. Ich wei├č, dass das nicht selbstverst├Ąndlich ist, aber..." Der Satz blieb abgebrochen im Raum h├Ąngen. Die Stille wurde nur vom Rauschen der K├╝hlanlage und dem Knittern der Zeitung unterbrochen, die Sheppard pedantisch zusammen legte.
"ich wei├č. Sie haben schon wei├č Gott genug erlebt. Wann k├Ânnen wir uns schon diejenigen aussuchen, die wir lieben?"
Keiner der beiden konnte darauf eine Antwort geben. Aber das war auch nicht n├Âtig.
"Ich m├Âchte sie gerne noch einmal sehen. Wo?..."
"Reihe 2, Schiene 5"
"Danke"
Die Zeitung raschelte, als sich der Pathologe wieder in den Sportteil vertiefte.
Kaltes Neonlicht schnitt tiefe Schatten in sein Gesicht, als er die K├╝hlkammer betrat. Einen Augenblick lang schien er Atem zu fassen, sich bereit zu machen. Einen kurzen Augenblick lang waren seine Lieder geschlossen.
Dann trat er an die K├╝hlzeile heran und zog mit einem entschlossenen Ruck die Bahre aus der Wand.
Mit einem trockenen Klacken rastete der Mechanismus ein.
Da lag sie.
Ein Gesicht in Prim├Ąrfarben gehalten: weise Wangen, von schwarzem Haar eingerahmt. Und rote Lippen, die er so kurz nur ber├╝hren durfte.
Seine Hand stahl sich in ihr Haar. Ohne sein Zutun streichelte sie ihre Stirn, von der K├Ąlte nicht zur├╝ck schreckend.
Gleichzeitig ├Âffnete er den Rei├čverschluss seiner Jacke. Holte den Plastikbeutel mit der Waffe hervor. Und erbrach mit einem Knacken die Versiegelung.
K├╝hl und hart lag die Pistole in seiner Hand. Unregelm├Ą├čigkeiten konnte er am Griff ertasten. Ihr Blut, zu unregelm├Ą├čigen Mustern erstarrt. Erstarrt.
Er setzte sich zu ihr. Nahm ihren Kopf in den Scho├č und begann ihr all das zu erz├Ąhlen, was er ihr vorher nicht sagen konnte.

Fast zehn Minuten hielt er seinen einsamen Monolog neben ihrer leeren H├╝lle. Zum Abschluss k├╝sste er sie auf die kalte Stirn.
Dann setzte er sich die M├╝ndung unters Kinn und dr├╝ckte ab.
Ohne Zweifel oder Reue.


__________________
Die klimatischen Bedingungen in der H├Âlle sind sicher unerfreulich, aber die Gesellschaft dort w├Ąre von Interesse.

Oscar Wilde (1854-1900), ir. Schriftsteller

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Pritt
Hobbydichter
Registriert: Oct 2003

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Hallo aZrael!

Die Story gef├Ąllt mir durch die Bank gut. Besonders sch├Ân finde ich diese tr├Ąge, schleppende Stimmung, so als w├╝rden sich die Geschehnisse quasi aufraffen m├╝ssen, um ├╝berhaupt in die G├Ąnge zu kommen. Dass am Ende nur der Tod stehen kann, kommt mir logisch vor. Lesen hat Spa├č gemacht.
Winzige Hinweise:
Zu Anfang: Als Payne (Pain...sehr sch├Ân) heute Abend auf einen Drink hereingekommen war, hatte er ├╝bler ausgesehen als sonst ├╝blich.
Sonst und ├ťblich sind hier Synonyme, eins reicht.

am Ende: ...und rote Lippen, die er nur so kurz ber├╝hren durfte.
Ist ein Zeitfehler: Du meinst bestimmt: ...die er nur so kurz hatte ber├╝hren d├╝rfen

Und gestolpert bin ich ├╝ber das Verb "erbrach", als er die Versiegelung ├Âffnet. Aber vielleicht was es ja auch Absicht, dass der Leser kurz damit rechnet, jetzt erbricht Payne sich? Wenn nicht, finde ich "zerbrach" oder "knackte" passender...
Gru├č, Pritt

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Pali
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Okay, ich hab' Max Payne 2 nicht gespielt...ist das das originale Ende oder spinnst du ein offenes Ende (á la Max Payne 1) weiter?

Oh, lass mich raten: Die Leiche ist Mona, oder?

├ťbrigens: Ordentliche Arbeit.
__________________
Ich lebe ├╝ber meinen Verh├Ąltnissen, aber unter meinem Niveau.

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[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
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Hi

Hi Pritt & Pali!

Jepp.... meine Geschichte ist eine Vortsetzung des zweiten Teils von Max Payne. Mir hat das Ende einfach nicht gefallen- ich HASSE endlose Serien! Irgendwann ist es einfach Zeit, einen Schlu├čpunkt zu setzen. Und genau das wollte ich mit meiner Story tun.

Insofern hast du recht, Pali: die Leiche ist Mona.

@Pritt: Mit dem Zeitfehler hast du mich dran bekommen, das war eine Schlampigkeit meinerseits. *seufzel* Manchmal denke ich, ich bin ein verkappter Legastheniker...

Allerdings: das "erbrach" wollte ich an dieser Stelle absichtlich, da es einfach ein "h├Âherer Stil" ist. Ich finde das Ebrechen des Siegels (ups, da war es schon wieder) signalisiert quasi das Ende, bzw. das Einsetzen des Endes. Insofern wollte ich es etwas pathetischer klingen lassen. btw: deine Story mit den Zombies war FANTASTISCH. Ich arbeite selber als Aushilfe an einer ARAL und manche meiner Kunden wirken etwas... hm... hirnlos. *lach*

Mit freundlichen Gr├╝├čen,
Sebastian
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[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
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Aber ich h├Ątte jetzt doch mal ne Frage... Wenn euch meine Geschichte gef├Ąllt, warum bewertet ihr sie denn dann nicht? *grinsel*... ist mir gerade so eingefallen

mfg, Sebastian
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Oscar Wilde (1854-1900), ir. Schriftsteller

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

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Kommentare: 375
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6 von 10 Punkten

Ein Gro├čteil der Geschichte gef├Ąllt mir gut: spannend und unterhaltsam geschrieben. Allerdings unterschreibe ich die Anmerkungen von Pritt weitestgehend; das "erbrach" hat mir gefallen. Aber es gibt da hin und wieder Fl├╝chtigkeitsfehler. Also bitte ├╝berarbeiten..

Wo es bei mir hakte, war ein Teil des ersten Absatzes, etwa zwischen "Verdammt, was soll das?" (wo du klarer machen solltest, wer das sagt) bis "Dass Max Witwer war". Da ist zum einen die H├Ąufung von "...", das man auch mal durch einen Gedankenstrich ersetzen k├Ânnte. Zum anderen h├Ątte ich mir da ein wenig mehr Beschreibung erwartet. Es ist also nicht "falsch" geschrieben, sondern nur zuwenig. Die Gef├╝hlszust├Ąnde von Max wechseln zu rasch, und die ├ťberblende (gibt es dieses Wort eigentlich..?) zu Sams anderen G├Ąsten fand ich wenig gelungen.

Ansonsten kenne ich Max Payne nicht, denke aber dennoch, die Geschichte verstanden zu haben. So mu├č es sein.
__________________
Andrea Rohmert

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