Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
374 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Noir York City Blues Mk II
Eingestellt am 08. 06. 2004 10:13


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 24
Kommentare: 96
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um [aZrael] eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo liebe Mitlupianer!

Nachdem ich einige konstruktive Kommentare zu meinem ersten Werk bekomen hatte und inzwischen mein Studium mir auch wieder etwas Zeit lie├č, meine Tastatur zu q├Ąhlen *g*, folgt hier nun die ├╝berarbeitete Gschichte um Max.

mfg, aZrael


Noir York City Blues

"It's like waking up at night.
left no choice than
putting a gun to your head
and pulling the trigger"



Die filterlose Lucky brannte im Aschenbecher vor sich hin. Er bemerkte es nicht.
Seine Aufmerksamkeit galt dem Bourbone vor ihm. Das dritte Glas heute abend.
"Detective Payne? Detective-"
"Halt die Klappe, Sam. Ich bin nicht im Dienst. Nie wieder!"
Der Barkeeper sah ratlos drein. Als Payne heute abend auf einen Drink herein gekommen war, hatte er ├╝bler ausgesehen als sonst ├╝blich: Ein Klammerpflaster ├╝ber seiner rechte Augenbraue, eine Naht an der Schl├Ąfe. Ein Arm im Gips. Und sein Gang war von einem deutlichen Humpeln gezeichnet.
Er hatte nichts mehr gesagt, nachdem er seinen ersten Drink geordert hatte. Ein Blick zu Sam hatte gereicht, damit dieser sein Glas immer wieder auff├╝llte.
Nun stand Sam ratlos hinter der Theke, den Telefonh├Ârer in der Hand.
"Es ist das Department. Sie sagen, es handle sich um-"
"Ich sagte, es interessiert mich NICHT!"
Er unterstrich seinen Satz mit dem Whiskeyglas, das er mit dem gesunden Arm hinter die Theke warf.
"Verdammt, was soll das?"
Ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl, leicht und kalt, stieg in Sam auf. Payne war ein Held in NY. Er hatte sich mit den schlimmsten Gangs der Stadt angelegt- und gewonnen. Drei Jahre war das jetzt her. Der Rachefeldzug eines einzigen Mannes gegen Gewalt, Drogen und Korruption. Eines einsamen Mannes.
Aber das gab ihm kein recht, sich so aufzuf├╝hren.
"Wei├čt du, es ist mir echt egal, wie du drauf bist. Du kannst dich gerne selbst mit deinen Leuten herumschlagen!"
Er stellte das Telefon auf den Tresen und legte Max den H├Ârer hin.
Und wartete auf einen weiteren Gewaltausbruch.
Der nicht kam.
Max hatte sich beruhigt. Er nahm den H├Ârer: "Payne. ... Ja ... Wann wird das sein? ... Nein, ich m├Âchte nicht, dass- ... Ja. Ich werde mich darum k├╝mmern"
Sam sah ihn neugierig an, als er auflegte.
"Tut mir leid wegen dem Glas. Die Woche war ├╝bel, ├╝bel, lang und hart."
Sein Blick wanderte durch den Raum der kleinen Bar.
"Jetzt... muss ich schon wieder jemanden begraben."
"Wer ist... ich meine... mein Beileid"
Ein bedr├╝cktes Schweigen breitete sich aus, w├Ąhrend Sam die anderen Kunden bediente.
Mechanisch schenkte er Drinks aus, kassierte, gab Wechselgeld zur├╝ck.
Das Max Witwer war, wusste er. Irgendwann im letzten Jahr war er zu einem seiner Stammg├Ąste geworden. Blieb l├Ąnger. Redete mit ihm. Er wusste, dass er seine Frau und seine Tochter verloren hatte.
M├╝nzen klimperten auf die Theke, als Max seine Drinks bezahlte.
"Behalt den Rest. Bis bald"
"Bis bald"
Aber Sam hatte das Gef├╝hl, ihn nicht mehr so schnell wieder zu sehen.
Vielleicht niemals wieder.

Der diensthabende Seargent nickte nur, als Payne die Polizeiwache betrat, achtlos an ihm vorbei lief und in den Zimmerfluchten verschwand.
Mit einem scharfen Klicken entriegelte Max die T├╝r zur Asservatenkammer. Mord grinste ihn von den W├Ąnden an, Abh├Ąngigkeit schaute aus den Regalen hervor. Die gesammelten Waffen schienen ihn anzustarren... oder auszulachen?
Seine H├Ąnde glitten suchend durch ein Board. Das Plastik des Beutels knitterte leise, als er es schlie├člich fand.
Die Waffe glitzerte tiefschwarz unter dem kalten Neonlicht. Was wie unregelm├Ą├čiger Lack aussah, war ihr Blut. Er schob sich den Beutel unter die Lederjacke und verlie├č die Asservatenkammer. Die T├╝r lie├č er unverriegelt ins Schloss fallen.

Mit hallenden Schritten stieg er ins Untergeschoss hinab. Die ausgetretene Metalltreppe schien ihm wie der Schlund der H├Âlle, mit einer Dunkelheit an ihrem Ende, die ihn verschlingen w├╝rde.
Der Gerichtsmediziner sah von seiner Zeitung auf, als er die Pathologie betrat.
"Guten Abend, Detective. Hat die Abteilung sie verst├Ąndigt?"
"Ja, hat sie. Danke. Ich wei├č, dass das nicht selbstverst├Ąndlich ist, aber..." Der Satz blieb abgebrochen im Raum h├Ąngen. Die Stille wurde nur vom Rauschen der K├╝hlanlage und dem Knittern der Zeitung unterbrochen, die der Pathologe pedantisch zusammen legte.
"Ich wei├č. Sie haben schon wei├č Gott genug erlebt. Aber wann k├Ânnen wir es uns schon aussuchen."
Keiner der beiden konnte darauf eine Antwort geben. Aber das war auch nicht n├Âtig.
"Ich m├Âchte sie gerne noch einmal sehen. Wo..."
"Reihe 2, Schiene 5"
"Danke"
Die Zeitung raschelte, als sich der Pathologe wieder in den Sportteil vertiefte.

Kaltes Neonlicht schnitt tiefe Schatten in sein Gesicht, als er die K├╝hlkammer betrat. Einen Augenblick lang schien er Atem zu fassen, sich bereit zu machen. Einen kurzen Augenblick lang waren seine Lieder geschlossen.
Dann trat er an die K├╝hlzeile heran und zog mit einem entschlossenen Ruck die Bahre aus der Wand.
Mit einem trockenen Klacken rastete der Mechanismus ein.
Da lag sie.
Ein Gesicht in Prim├Ąrfarben gehalten: weise Wangen, von schwarzem Haar eingerahmt. Und rote Lippen, die er so kurz nur ber├╝hren durfte. Und die trotz der unmenschlichen K├Ąlte hier unten, die Leben per se zu negieren schien, noch immer
Seine Hand stahl sich in ihr Haar. Ohne sein Zutun streichelte er ihre Stirn, von der K├Ąlte nicht zur├╝ck schreckend.
Er ├Âffnete den Rei├čverschluss seiner Jacke. Holte den Plastikbeutel mit der Waffe hervor. Und erbrach mit einem Knacken die Versiegelung.
K├╝hl und hart lag die Pistole in seiner Hand. Unregelm├Ą├čigkeiten konnte er am Griff ertasten. Ihr Blut, zu unregelm├Ą├čigen Mustern erstarrt. Erstarrt.
Mit einem satten Klacklaut lie├č er das Magazin herausfallen. Dann begann er mechanisch, es mit den Kugeln aus seiner Jackentasche nachzuladen. Jede einzelne Patrone dehnte die Zeit weiter, die ihn von ihr trennte. Dann schob er es wieder in den Griff.
Lud durch. Gut.
Er setzte sich zu ihr. Nahm ihren Kopf in den Scho├č und begann ihr all das zu erz├Ąhlen, das er ihr vorher nicht sagen konnte.
Fast zehn Minuten hielt er seinen einsamen Monolog an ihrer leeren H├╝lle. Zum Abschluss k├╝sste er sie auf die kalte Stirn.
Dann nahm er den Pistolenlauf in den Mund und dr├╝ckte ab.
Ohne Zweifel oder Reue.

__________________
Die klimatischen Bedingungen in der H├Âlle sind sicher unerfreulich, aber die Gesellschaft dort w├Ąre von Interesse.

Oscar Wilde (1854-1900), ir. Schriftsteller

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zinndorfer
???
Registriert: Jun 2004

Werke: 6
Kommentare: 323
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zinndorfer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo aZrael, ich bin mir zwar nicht sicher, ob du im richtigen Forum mit dem Text bist, aber er ist genregem├Ą├č gut gemacht und bedient das Wording und die Anforderungen an pr├Ągnante Dialoge und einsame Steppenwolfgestalten meiner Ansicht bruchlos. Leider wimmelt der Text noch voller Fehler und f├╝r einige Abs├Ątze habe ich sie hervorgehoben.Einige Abs├Ątze w├╝rde ich noch zusammenziehen. Gru├č Zinndorfer


Noir York City Blues

"It's like waking up at night.
left no choice than
putting a gun to your head
and pulling the trigger"


Die filterlose Lucky brannte im Aschenbecher vor sich hin. Er bemerkte es nicht.
Seine Aufmerksamkeit galt dem Bourbone vor ihm. Das dritte Glas heute abend.
"Detective Payne? Detective-"
"Halt die Klappe, Sam. Ich bin nicht im Dienst. Nie wieder!"
Der Barkeeper sah ratlos drein. Als Payne heute abend auf einen Drink herein gekommen war, hatte er ├╝bler ausgesehen als sonst ├╝blich: Ein Klammerpflaster ├╝ber seiner rechte Augenbraue, eine Naht an der Schl├Ąfe. Ein Arm im Gips. Und er humpelte.
Er hatte nichts mehr gesagt, nachdem er seinen ersten Drink geordert hatte. Ein Blick zu Sam hatte gereicht, damit dieser sein Glas immer wieder auff├╝llte.
Nun stand Sam ratlos hinter der Theke, den Telefonh├Ârer in der Hand.
"Es ist das Department. Sie sagen, es handle sich um-""Ich sagte, es interessiert mich NICHT!"
Er unterstrich seinen Satz mit dem Whiskeyglas, das er mit dem gesunden Arm hinter die Theke warf.
"Verdammt, was soll das?"
Ein merkw├╝rdiges Gef├╝hl, leicht und kalt, stieg in Sam auf. Payne war ein Held in NY. Er hatte sich mit den schlimmsten Gangs der Stadt angelegt- und gewonnen. Drei Jahre war das jetzt her. Der Rachefeldzug eines einzigen Mannes gegen Gewalt, Drogen und Korruption. Eines einsamen Mannes.
Aber das gab ihm kein recht, sich so aufzuf├╝hren.
"Wei├čt du, es ist mir echt egal, wie du drauf bist. Du kannst dich gerne selbst mit deinen Leuten herumschlagen!"
Er stellte das Telefon auf den Tresen und legte Max den H├Ârer hin.
Und wartete auf einen weiteren Gewaltausbruch.
Der nicht kam.
Max hatte sich beruhigt. Er nahm den H├Ârer: "Payne. ... Ja ... Wann wird das sein? ... Nein, ich m├Âchte nicht, dass- ... Ja. Ich werde mich darum k├╝mmern"
Sam sah ihn neugierig an, als er auflegte.
"Tut mir leid wegen dem Glas. Die Woche war ├╝bel, ├╝bel, lang und hart."
Sein Blick wanderte durch den Raum der kleinen Bar.
"Jetzt... muss ich schon wieder jemanden begraben."
"Wer ist... ich meine... mein Beileid"
Ein bedr├╝cktes Schweigen breitete sich aus, w├Ąhrend Sam die anderen Kunden bediente.
Mechanisch schenkte er Drinks aus, kassierte, gab Wechselgeld zur├╝ck.
Das Max Witwer war, wusste er. Irgendwann im letzten Jahr war er zu einem seiner Stammg├Ąste geworden. Blieb l├Ąnger. Redete mit ihm. Er wusste, dass er seine Frau und seine Tochter verloren hatte.
M├╝nzen klimperten auf die Theke, als Max seine Drinks bezahlte.
"Behalt den Rest. Bis bald"
"Bis bald"
Aber Sam hatte das Gef├╝hl, ihn nicht mehr so schnell wieder zu sehen.
Vielleicht niemals wieder.

Bearbeiten/Löschen    


[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 24
Kommentare: 96
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um [aZrael] eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
*soiphz*

Vielen Dank f├╝r deine konstruktive MItarbeit. Jetzt habe ich das schon durch den Rechtschreibfilter laufen lassen- und es gelingt mir einfach nicht, alle zu eliminieren... manchmal f├╝hle ich mich wirklich als Legastheniker. Und es freut mich sehr, dass dir mein kurzes St├╝ck Text gefallen hat =)

mit freundlichen Gr├╝├čen,
aZrael
__________________
Die klimatischen Bedingungen in der H├Âlle sind sicher unerfreulich, aber die Gesellschaft dort w├Ąre von Interesse.

Oscar Wilde (1854-1900), ir. Schriftsteller

Bearbeiten/Löschen    


Pali
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 8
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Pali eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich hab's ja schon letztes Mal f├╝r gut befunden; da ├Ąndert sich auch jetzt nichts daran (und ├╝ber die Herkunft deiner Figuren schweig ich jetzt auch mal ganz diskret...)

Ich w├╝rde dennoch gerne mal was hier von dir lesen, was einen ├Ąhnlichen Ton anschl├Ągt, aber vollst├Ąndig auf deiner eigenen Phantasie fu├čt.


Nebenbei: Gute Signatur.
__________________
Ich lebe ├╝ber meinen Verh├Ąltnissen, aber unter meinem Niveau.

Bearbeiten/Löschen    


[aZrael]
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 24
Kommentare: 96
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um [aZrael] eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Pali!

Danke f├╝r das freundliche Lob am Text. Ich wollte diesmal einfach noch die unsauberen stellen abschmiergeln, die sich bei der Erstver├Âffentlichung fanden.... und ja, da ich in 6 Wochen wieder Semsterferien habe, d├╝rfte es bald auch mal wieder was neues aus meine Feder geben =)
Zu den Figuren; dazu lass mich jetzt einfach mal Brecht zitieren: "Es geht nicht ums erfinden, sondern finden".
Aber ich wei├č nat├╝rlich gaaanz genau, was du meinst.

Liebe Gr├╝├če,
aZrae

ps.: Ja, ich mag auch meine Signatur
__________________
Die klimatischen Bedingungen in der H├Âlle sind sicher unerfreulich, aber die Gesellschaft dort w├Ąre von Interesse.

Oscar Wilde (1854-1900), ir. Schriftsteller

Bearbeiten/Löschen    


Pali
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 8
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Pali eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich h├Ątte ja jetzt eher drauf getippt, dass du noch mal Oscar Wilde zitierst:

quote:
"Talent leiht aus, aber Genie klaut."



So, aber damit das ganze doch noch ein bisschen Textarbeit erh├Ąlt, hier ein n├╝tzlicher Verbesserungsvorschlag:

Bourbone = Bourbon

Der "Bourbon" ist der amerikanische Single Malt Whiskey, den du meinst; ein "Bourbone" ist ein Abk├Âmmling einer franz├Âsischen Adelsfamilie. So kann man's sich gut merken.



__________________
Ich lebe ├╝ber meinen Verh├Ąltnissen, aber unter meinem Niveau.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!