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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nor
Eingestellt am 16. 01. 2005 00:15


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Jan Veluh
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2005

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Nor

Nor latschte schlapp-schlurfenden Schrittes durch die Fu├čg├Ąngerzone. Ihm war langweilig. Stinklangweilig! ├ätzent-Total-Super-Scheiss-Stinklangweilig!! Gut, er wusste in ner guten Stunde w├╝rde das wahrscheinlich vorbei sein, denn dann war er bei Joey. Und wenn man bei Joey ist und noch zuf├Ąllig Nor hei├čt, dann versprach esÔÇŽ Na ja wir werden noch sehen wie es zu werden versprach. Jedenfalls latschte er durch die Haubteinkaufsstra├če seiner Stadt und stierte finster vor sich hin.

Nor war das, was man im Allgemeinen als Punk bezeichnet. Nur konnte Nor eben diese allgemeinen Aussagen nicht besonders gut leiden. O.K. er hatte Feuermelderrot gef├Ąrbte Haare (sie waren auch schon mal gr├╝n und blau gewesen), rote Chucks mit zwei oder drei L├Âcher und Edingbeschmiert, abgewetzte Hosen, eine bepatche Lederjacke (stinkig und alt versteht sich) und haufenweise T-Shirts von irgendwelchen Bands oder mit Parolen linke Art. Eben der Klischee-Punker schlechthin. Aber andererseits lebte er zu Hause und nicht auf der Stra├če, trank Bier wie ein normaler Mensch und war aus ihm unerfindlichen Gr├╝nden, saugut in der Schule.

Er war gerade mal 1,64 m gro├č, was f├╝r einen 11. Kl├Ąssler ziemlich klein ist. Doch so klein er war, so gro├č war sein Mundwerk. Hinzu kam noch, dass er ├Ąu├čerst d├╝nn war. Normalerweise w├Ąre es nun Zeit Nors Innenleben (Gef├╝hlswelt, nicht Ged├Ąrmwelt) zu beschreiben, doch passte in diesen kleine Kerl selten mahr als ein Gef├╝hl auf einmal rein. Nur soviel sei gesagt: Es war ├Ąu├čerst ungew├Âhnlich ihn missmutig zu sehen, denn normalerweise ist es wahrscheinlicher ihn fr├Âhlich oder sogar frech grinsend durch die Gegend laufen zu sehen.

AlsoÔÇŽ Nor latschte wie gesagt schlapp-schlurfenden Schrittes durch die Haupteinkaufsstra├če seiner Stadt. Der Grund f├╝r seine eher depressiv anmutende Schrittweise ruhte leicht zerkn├╝llt und stark verhasst in der rechten Tasche der Lederjacke. Nur der anstehende Besuch bei Joey schien ihn aufheitern zu k├Ânnen. Er nutzte jede Gelegenheit, die ihm die schlampige Arbeit der Stadtwerke bot, kleinere Brocken aus dem Stra├čenbelag vor die F├╝├če der anderen, weniger stilvollen Menschen zu kicken, w├Ąhrend er sich seinen Weg durch die einkaufsw├╝tige Menge zu dem besseren von zwei Hippie-L├Ąden der Stadt bahnte.

Er brauchte Kerzen. Schwarze Kerzen. Wof├╝r brauchte Nor schwarze Kerzen? Nor brauchte schwarze Kerzen, um damit Joeys und seine neueste Aktion in die letzte Phase zu bringen. Aktion? Aktion! Er und Joey benutzten das Wort Aktion lieber als Streich, Neckerei, Abenteuer oder Bl├Âdsinn, wenn sie ihre Aktivit├Ąten zur Verarschung des Lebens ausf├╝hrten, planten oder vorbereiteten. Diesmal ging es darum, dass Joey aufgefallen war, dass es in ihrer gesamten Stadt keinen einzigen (wirklich gar keinen, nicht mal einen ganz ganz kleinen) satanistischen Baum gab. Das musste selbstverst├Ąndlich sofort ge├Ąndert werden. Also besorgten die Beiden sich haufenweise schwarze T├╝cher vom M├╝ll, rote und ein bisschen schwarze Farbe von irgendwo her, zimmerten sich aus alten Balken ein Sturzkreuz, bemalten es mit der schwarzen Farben und informierten sich ├╝ber satanische Zeichen und Symbole.

Doch bevor sie den ganzen Bl├Âdsinn an einen Baum h├Ąngen konnten, sollte Nor noch besagte schwarze Kerzen besorgen und noch irgendwas satanischen, wenn er was f├Ąnde. Der Laden, vor dem Nor nun mittlerweile stand, war eine alte Lagerhalle, aus der ein Hippie, den alle nur Smog nannten, eine Mischung aus Cd-Platten-Buch-Klamotten-Hippiekleinkram-Laden mit Cafe gemacht hatte. Es ging die Legende um, dass Smog diese Lagerhalle und ein wenig Starkapital von seinen Vater, einem angeblich stinkreichen Industriellen, nach dem Studium geschenkt bekommen hatte, um sich ein Gesch├Ąft aufzubauen. Zus├Ątzlich bekam er das Versprechen, wenn sein Gesch├Ąft gut laufen sollte, er also bewiesen hatte auf eigenen Beinen stehen zu k├Ânnen, ihm sein restliches Erbe ausgezahlt werden sollte. Als sein Vater jedoch gesehen hatte, was Smog mit der Halle gemacht hatte, wurde er kurzer Hand enterbt. Wie viel davon wahr ist, wei├č keiner. Und Smog schwieg eisern.

Na ja Legende hin oder her, Nor betrat jedenfalls diesen Laden mit dem klangvollen Namen ÔÇ×Marie Jo┬┤sÔÇť. Drinnen kaufte er erst zwei schwarze und dann eine rote Kerze, um sich anschie├čen mit einer leicht bitteren Entwicklungshilfe-Cola aus Bulgarien auf einen Stuhl in einer Ecke fallen zu lassen. Immer noch missmutig schaute er sich langsam um. Er und Joey waren hier schon viele Male gewesen. Entweder, um den Auftritten von Songwritern oder jungen S├Ąngern/innen zu lauschen oder um einfach nur was zu trinken.

Smog hatte bei der notwendigen Renovierung die Decken abgesenkt, um Heizkosten zu sparen und den gro├čen Raum gem├╝tlicher zu machen. Gro├če Regale, randvoll mit B├╝chern und Cd┬┤s ragten von den W├Ąnden aus in den Raum und unterteilten ihn so in verschieden gro├če Nischen. Zusammen mit langen, verschieden farbenen T├╝chern, die von der Decke hingen und die Nischen abschlossen oder einfach nur den Raum mit Atmosph├Ąre versorgten, verlieh das der ehemals zugigen Halle etwas Verwinkeltes und Geheimnisvolles. Man konnte stundenlang im ÔÇ×Marie Jo┬┤sÔÇť herumlaufen und in den Regalen und Winkeln des Ladens w├╝hlen. Besonders, da in jeder Nische alles stand. Cd┬┤s, Platten und B├╝cher waren zwar innerhalb der Regale alphabetisch geordnet, doch gab es keine spezielle Abteilung nur f├╝r Klamotten oder nur f├╝r B├╝cher. Alles stand scheinbar wild durcheinander, schien aber doch einem geheimen Prinzip zu folgen, denn wenn man Smog fragte wo denn diese und jene Platte zu finden w├Ąre, antworte er ohne zu z├Âgern etwas wie: ÔÇ×Da hinten dritte Nische rechts, hinter dem roten Tuch. Da wo es am meisten noch Zimt riecht.ÔÇť

Dazu muss gesagt werden, dass der Laden von einer Vielzahl herrlicher Ger├╝che erf├╝llt war, die von den T├╝chern, aus der K├╝che und von sonst wo noch stammten. Smog hatte die W├Ąnde in einem warmen rot gestrichen, das vom vordern Teil des Ladens zum Hinteren immer dunkler wurde. Im besagten hinteren Teil waren die Nischen gr├Â├čer und mit Tischen, Sofas, Sesseln, und St├╝hlen vollgestellt. Hinten rechts war eine kleine Theke, hinter der Smogs j├╝ngere (angeblich ebenfalls enterbte) Schwester Meike Getr├Ąnke (mit Alk und ohne), Kuchen, Pl├Ątzchen und belegte Brote zu geringen Preisen verkaufte. Vorne stand Smog an der Kasse und kassierte, wenn er nicht gerade durch die Laden schluffte, um ÔÇ×seinen LeutenÔÇť, wie er sagte, (er mochte das Wort Kunden nicht) zu helfen. ├ťber die kleinen, ├╝berall im Laden versteckten Lautsprecher lief best├Ąndig, leise im Hintergrund, entspannte Musik von Bands, die nur Menschen mit Stil h├Âren, die nach Nor Meinung eher rar ges├Ąht sind.

Nors Blick blieb an einem M├Ądchen heften, das im Schneidersitz in einem hohen Sessel in der N├Ąhe der Theke sa├č, Tee trank und las. Nor kannte sie von fr├╝heren Besuchen. Joey und er hatten sie Lemon-Girl getauft, da sie immer etwas trank, was auf der Karte als Lemon-Tea bezeichnet wurde. Eigentlich sollte es schwarzer Tee mit einem Spritzer Limone sein, doch da Smog sich aus irgendeinem Grund weigerte Limonen zu kaufen, war es eine Mischung aus Zirtonengras und noch Irgentwas, was dem hei├čen Wasser den Geschmack verlieh. Schwarzer Tee war jedenfalls nicht drin. Das Lemon-Girl wusste das und wahrscheinlich trank sie ihn auch genau aus diesem Grund.

Sie war, von zwei drei Zentimetern mehr oder weniger abgesehen, ├Ąhnlich gro├č (oder besser klein) wie Nor. Sie hatte schulterlange, schwarze Haare und sehr gro├če, graue Augen. Sie trug schwarze Chucks, aus denen rot wei├č geringelte Kniestr├╝mpfe hervorschauten, um sofort wieder in einer schwarzen Jeans zu verschwinden, ein schwarzes T-Shirt mit einem seltsamen Muster, dass Nor einmal in einem Buch ├╝ber Irland gesehen hatte, und weder Schmuck noch Make-up. Neben ihrem Sessel auf dem Boden lagen eine reichlich zerschlissene, graue Tweedjacke mit Lederflicken und ein stark bemalter Armeerucksack, von dem Nor durch einige Beobachtungen wusste, dass sich in ihm ein DinA4 Zeichenblock, eine Kladde, ein Notizbuch, haufenweise Bleistifte und Kugelschreiber, ein bis zwei B├╝cher, Discman, Cd┬┤s und manchmal ein Flasche Orangensaft befand.

Wahrscheinlich befand sich noch einiges Anderes in dem Rucksack, doch wenn dem so war wusste es niemand au├čer dem Lemon-Girl. ├ťberhaupt wussten weder Nor oder Joey noch irgendjemand, den sie kannten Genaueres ├╝ber sie, von den erw├Ąhnten ├äu├čerlichkeiten mal abgesehen. Nor hatte sie zwar schon auf Konzerten und auf ein, zwei Parties gesehen, doch hatte er sie noch nie sprechen geh├Ârt. Auf den Parties sa├č oder stand sie meistens mit einem fr├Âhlichen Hippiem├Ądchen mit h├╝ftlangen, blonden Haaren rum und unterhielt sich nur ab und zu mal mit einem der ├Ąlteren Jungen. Zum Beispiel hatte Joey einmal ein paar Worte ├╝ber Musik mit ihr gewechselt (Er war eineinhalb Jahre ├Ąlter als Nor). Dadurch wusste Nor nur, dass sie Pink Floyd und Nirvana mochte und die Beatles nicht leiden konnte. Mehr war ├╝ber sie nicht bekannt.

Nor sah auf die Uhr, erkannte, dass er in einer halben Stunde bei Joey sein wollte, und er zu Fu├č w├╝rde gehen m├╝ssen, trank seine Cola auf, zahlte und ging Richtung Ausgang. Als er grade an einem St├Ąnder mit drei R├Âcken, haufenweise Schals und einem riesigen Strohhut vorbeikam, f├╝hlte er, wie ihm jemand auf die Schulter tippte. Interessiert drehte Nor sich um und sah, wie ihm jemand ein Gummih├╝nchen unter die Nase hielt. Er war reichlich verwirrt und griff sich unwillk├╝rlich an die Ges├Ą├čtaschen seiner Hose, wo das H├╝nchen eigentlich h├Ątte sein sollen. Er hatte es besorgt, da Joey gemeint hatte, dass so ein satanistischer Baum auch ein Opfer verlangen w├╝rde. Also wollten sie dass Gummihuhn dem Baum opfern. Nor hatte der Gedanke gefallen, dass es hinten aus der Tasche rausschaut, damit es noch etwas von der Welt sieht, bevor sie seine Seele dem Teufel als Geschenk anbieten w├╝rden.

ÔÇ×Ist das deins?ÔÇť fragte eine leise Stimme von irgendwo hinter dem Gummih├╝nchen. ÔÇ×Ja, das ist meinsÔÇť, erwiderte er und nahm es grinsend an sich. Hinter dem Statansh├╝hnchen kam das Lemon-Girl zum Vorschein, das ihn mit leeren Augen fragend anblickte. Ihr Blick verwirrte Nor, denn noch nie hatte er derart traurige Augen gesehen. Das M├Ądchen konnte seine Gedanken auf seinem Gesicht lesen, senkte den Blick und wandte sich zum Gehen. ÔÇ×He, Danke!ÔÇť, rief er ihr hinterher. ÔÇ×Ohne das Viech h├Ątten wir den Baum gar nicht einweihen k├Ânnen.ÔÇť ÔÇ×Baum?ÔÇť, fragte sie, w├Ąhrend sie sich mit ausdruckloser Miene umdrehte. ÔÇ×Baum.ÔÇť, antwortete er. ÔÇ×Baum.ÔÇť, antwortete sie. ÔÇ×Wieso Baum?ÔÇť, fragte sie und hob dabei skeptisch die linke Augenbraue (von ihr aus gesehen). Nor erkl├Ąrte ihr was sie vorhatten. Dabei begann er immer breiter zu grinsen, als ob ihm gerade erst auffallen w├╝rde wie genial die ganze Sache eigentlich ist.

Als er fertig war zu erz├Ąhlen fragte er: ÔÇ×Willst Du nicht mitkommen? Wird lustig!ÔÇť Das Lemon-Girl z├Âgerte. Als w├╝rde ihr der Gedanke an Etwas derart bescheuert-lustiges Unbehagen bereiten. Doch schlie├člich sagte sie: ÔÇ×Ich schau vielleicht mal vorbeiÔÇŽ Mal sehen.ÔÇť ÔÇ×Super!ÔÇť Nor beschrieb ihr noch schnell den Weg zum H├Âllenbaum in Spee und ging anschlie├čend aus dem Laden und dann links. In Richtung Joey. Als Nor bei Joey ankam, gammelte dieser wie ├╝blich auf seinem Bett rum und tat etwas Bescheuertes. Vorgestern hatte er versucht mit kleinen Papierst├╝ckchen eine Polizeim├╝tze zu treffen. Die M├╝tze hatte er nach einer Demo auf der Stra├če gefunden und eingesackt. Jedoch bekam jeder, der ihn fragte woher das Ding stamme, zu h├Âren, wie er es einen zwei Meter gro├čen Bullen in einem harten Zweikampf abgeluchst hatte. Und wer das dann auch noch glaubte, musste sich anschlie├čend anh├Âren wie Joey den gutgl├Ąubigen Zeitgenossen bis zu F├╝nf Minuten hemmungslos auslachte.

Diesmal lag er auf dem R├╝cken und vor ihm auf dem Tisch lagen einige leere Bierdosen und ein dreckiger Tennisball. Nor platzte grummelnd ins Zimmer rein (er hatte sich auf dem Weg wieder an das leicht zerkn├╝llte und stark verhasste Ding in seiner Lederjacke erinnert) schaute sich das Szenario an und fragte: ÔÇ×Wasn┬┤ hier los?ÔÇť ÔÇ×Hab Bierdosen abgeworfen, doch nun bin ich zu faul aufzustehen und sie wieder aufzustellen.ÔÇť, sagte Joey ohne aufzublicken, dann musterte er Nor von oben bis unten. ÔÇ×Sieht dir ├Ąhnlich.ÔÇť, antwortete dieser. ÔÇ×Ja, Ja. Sag malÔÇŽ wat guckste┬┤ denn so depressiv? Sag an!ÔÇť ÔÇ×Da guck dir denn Schei├čdreck an!ÔÇť Mit angewidertem Blick zog Nor mit spitzten Fingern ein St├╝ck Papier (es war leicht zerkn├╝llt und stark verhasst) aus einer Tasche seiner Lederjacke und warf es auf Joeys Bauch. Neugierig entfaltete er es, betrachtete es mit kritischem Blick und begann lauthals zu lachen.

ÔÇ×Das ist nicht witzig du Mistkerl!ÔÇť, keifte Nor emp├Ârt. Joey brachte sich nur m├╝hsam unter Kontrolle und sagte immer noch leicht kichernd: ÔÇ×Alter, ich kenn echt niemanden, der sich ├╝ber ne drei-plus in nem Chemietest so anpissen kann! Verdammt! Wann lernst du endlich, dass es nur Schule ist?ÔÇť ÔÇ×Ja, ja. Ehrlich du bist nen ziemlicher Schei├č-Freund.ÔÇť N├Âlte Nor und schmiss sich schmollend in den einzigen Sessel im Zimmer. ÔÇ×Leck mich.ÔÇť, grinste Joey und fragte: ÔÇ×Hast du den Kram besorgt?ÔÇť ÔÇ×Klar! Hier.ÔÇť Mit diesen Worten pfefferte Nor Joey die T├╝te vor den Sch├Ądel, der sie relativ geschickt auffing und mit einem gemurmelten: ÔÇ×Du wirfst wie ein M├Ądchen.ÔÇť, die Sachen ausgiebig begutachtete. ÔÇ×Astrein.ÔÇť, sagte Joey nach einer Weile.

ÔÇ×Lass gehen. Wir m├╝ssen jetzt langsam los." Sie gingen nach unten und zogen sich ihre nach allgemeinem Verst├Ąndnis kaum noch tragbaren Lederjacken an. Ab durch die T├╝r, die Treppen runter aus der Haust├╝r raus, auf die Stra├če. Frei! Nor dachte, w├Ąhrend sie sich gem├Ąchlich in Richtung Stadtrand aufmachten, ├╝ber das Lemon-Girl nach.

Sie war eigentlich sehr s├╝├č gewesen. Er konnte ich sehr gut vorstellen, mit ihr mal was zu trinken. Bei nem Tee oder nem Bier, je nachdem, w├╝rde er sie fragen ob sie nicht zum Beispiel eine Band zusammen gr├╝nden wollen. Sie w├╝rden oft proben, er k├Ânnte sie oft sehen. Nach einer Weile w├╝rden sie dann auch etwas Erfolg haben und noch nach Jahren zusammen touren und Cd's aufnehmen. Sie w├╝rden sich immer n├Ąher kommen, sie w├╝rden durch eine sehr tiefe Freundschaft verbunden sein. Sie w├╝rden sich verlieben. Sie w├╝rden viele Reisen machen, sie w├╝rden heiraten, sie w├╝rden zusammen alt werden. Sie w├╝rden in einer Urne zusammen Beeerdigt werden. Er w├╝rde gl├╝cklich sein.

In diesem Moment sp├╝rte Nor wie ihm der K├╝hlergrill eines Schwerlasttransporters mit ungef├Ąhr 63 km/h gegen die Schulter prallte. Durch die Wucht des Aufpralls renkten sich seine R├╝ckenwirbel aus und durchtrennte dabei den Hauptnervenstrang zum Gehirn. Nor war sofort Tod.
Joey, der nur seitlich gestreift wurde, kam mit gebrochenem Arm und vielen Schuldgef├╝hlen ins Krankenhaus. Dort nam er sich das leben, sobald er aufstehen konnte, indem er aus dem Fenster des 9. Stocks sprang.

Das Lemon-Girl hatte nur einen kurzen Auftritt in dieser Geschichte.




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Es gibt keine Nihilisten, denn wer glaubt an nichts zu glauben, glaubt an etwas.

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lintschi
Festzeitungsschreiber
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hallo jan!

mir gef├Ąllt diese geschichte sehr gut.
ich hab halt so hineingelesen und konnte dann nicht aufh├Âren. das ist, meiner meinung nach, immer das beste was man ├╝ber eine geschichte sagen kann. ich wollte einfach wissen, was "herauskommt".

mir gef├Ąllt die beschreibung des jungen mannes. die coolness (so glaube ich nennt man das heute), die doch eigentlich gar keine ist. ich finde, er ist wirklich ganz toll beschrieben!
dann der laden, in dem ich mich gleich wohlgef├╝hlt hab.
auch dieses beginnende verlieben, das mit einer nicht einmal wirklich wahrgenommenen hoffnung beginnt.

und dann - so schnell kann's gehen!
wirklich gut.

das einzige das mich st├Ârt, sind einige ordentliche rechtschreib- und satzfehler. mich irritieren rechtschreibfehler oft beim lesen. ich nehme an, dass es sich zwar nur um fl├╝chtigkeitsfehler handelt, aber ich glaube, es w├Ąre gut, eine geschichte diesbez├╝glich zu ├╝berarbeiten, bevor man sie herausgibt.

sch├Ânen sonntag!
lintschi
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mein weblog: die liebe als ph├Ąnomen

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Jan Veluh
Wird mal Schriftsteller
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danke f├╝r das nette Lob, ich war mir gerade bei dieser Geschichte sehr unsicher, ob sie gut oder grausig ist.

Das mit den Fehlern ├Ąrgert mich auch, aber ich hab sie durch die Word Kontrolle und durch probe lesen von zwei freunden geschickt.

Ich scheine leicht Legastenisch zu sein, was auch meine eltern lange zeit vermutet haben, sher lustig f├╝r jemanden, der Autor sein m├Âchte, aber naja.
Nebenbei: Der Laden beruht auf einen Laden an der Westk├╝ste Irlands, der Cd-Laden, Caf├ę und Plattenfirma (!) kombiniert.
Sowohl Nor als auch Joey gibt es wirklich, allerdings schauen sie immer nach links und rechts, wenn sie ├╝ber die Star├če gehen.

Vielen Dank nochmal
Alles Gute
Jan
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Billenstone Nati
Autorenanw├Ąrter
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Hi Nor,
Du hast einige Satzpassagen in deiner Geschichte die wirklich sehr gut sind
Die Geschichte ist auch interessant aufgebaut, trotzdem ├ľrtlichkeiten, Charakter und Aussehen der Prot. ausf├╝hrlich beschrieben sind, hinterl├Ąsst diese keine Langweile. Diese gewisse schlaksige Unbek├╝mmertheit kann man gut nachempfinden.
Der Schluss ist im Vergleich zum Rest der Geschichte n├╝chtern, fast w├╝rde ich sagen ├╝berhastet, als w├Ąre dir die Energie bis zum Schluss ausgegangen.
Nors Gedanken mit Lemongirl den Rest seines Lebens zu verbringen passt nicht zum Charakter dieses schlapp-schlurfendrote Chucks tragenden, mit zwei oder drei L├Âcher und Eding beschmiert, abgewetzte Hosen, eine bepatche Lederjacke (stinkig und alt versteht sich) und haufenweise T-Shirts von irgendwelchen Bands oder mit Parolen linke Art, Typen.
Mit dem Schluss, Joey aus dem Fenster springen zu lassen, hast du es dir ziemlich leicht gemacht, damit nimmst du ihr auch die Spannung nach dem Unfall Nors. Finde ich.
Ich finde das der Aufbau der Geschichte auch ein langes Ende vertr├Ągt, die ich gerne lesen w├╝rde.
Mit lieben Gr├╝├čen
Billenstone Nati

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Jan Veluh
Wird mal Schriftsteller
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ich muss gestehen, dass die geschichte eigentlich der anfang eines noch nicht fertigen romans darstellt und ich wollte mal einen kleinen fledtest mit euch veranstalten.

ÔÇ×Lass gehen. Wir m├╝ssen jetzt langsam los." Sie gingen nach unten und zogen sich ihre nach allgemeinem Verst├Ąndnis kaum noch tragbaren Lederjacken an. Ab durch die T├╝r, die Treppen runter aus der Haust├╝r raus, auf die Stra├če. Frei!

nach diesem absatz kommt das ende, das ihr kennt, und das nicht im buch ist. ich hab es wirklich etwas ├╝berhastet geschreiben, weil ich diesen anfang testen wollte und ich brauchte ja ein ende. kompliment an deinen instikt B.N.

Also keine angst, alles was du nicht mochtest an der geschichte kommt am ende nicht ins buch. danke f├╝r dein kompliment betreffent den rest, der mir wichtig ist. das ende ist wie gesagt nur f├╝r hier und auch nrecht provisorisch
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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

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Kommentare: 497
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Hallo Jan Veluh!

Diese Geschichte best├Ątigt meine Eindr├╝cke, die ich bereits bei deinem Text "Die Parkbank" gewinnen konnte. Diese Nor-Story hier ist aber bedeutend besser. Manches ist zwar haarstr├Ąubend, aber im Gro├čen und Ganzen hast du einen Ton, der neu, originell, der sehr authentisch klingt. Damit ├╝berzeugst du mich. Alles, was an deinem Text schlecht ist, kann ein Lektor korrigieren. Da du aber wohl keinen finden wirst, der sich so viel Arbeit macht, solltest du selbst was daran tun. Straffen, straffen, straffen. Der Schluss ist zwar sch├Ân grotesk, aber doch so nach dem Motto hingehauen: Jetzt muss ich mal ans Ende kommen. Da l├Ąsst man halt den Prot ├╝ber die Klinge springen oder unters Auto kommen.

Auch dein Witz ist charmant-b├Âs. Die Idee des sich Selbstkommentierens ist ja auch hier fragmentarisch vorhanden. W├Ąhrend du dir am Anfang sehr viel Zeit f├╝r Detailbeschreibungen nimmst, gehtÔÇÖs gegen Ende hoppla-hopp. Da sollte es einen Ausgleich geben. Die Dialoge sind auch okay bis auf die SchreibweiseÔÇŽ

Dass sich alles um diesen Baum dreht, der dann gar nicht vorkommt ÔÇô das finde ich auch recht satirisch.

Nimm bitte wenigstens die offenkundigen Rechtschreibfehler raus. Das Word-Korrekturprogramm w├╝rde da schon einiges richten. Bitte, tue was f├╝r deinen Text. Zun├Ąchst die einfachen Dinge. Rechtschreibung, Abs├Ątze einf├╝gen, ein paar ├╝berfl├╝ssige S├Ątze streichen. Nur so wird er auch mehr Leser finden.

Viele Gr├╝├če
Monfou

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