Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5553
Themen:   95287
Momentan online:
428 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur die Fliegen, die Fliegen nerven so!
Eingestellt am 09. 01. 2015 21:31


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Skala
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2015

Werke: 1
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Skala eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Eigentlich war es ein sch├Âner Sommer, dachte er und griff nach seiner Fliegenklatsche. Die mit dem blauen Griff, aber er hatte noch zwei andere, eine rote und eine schwarze, wo die war, wusste er nur nicht mehr.
Das kleine Tierchen hatte sich auf den K├╝chentisch gesetzt, direkt neben sein Mittagessen, Spinat und Kartoffelp├╝ree. Die Fischst├Ąbchen waren verbrannt, als er auf der Jagd nach vier Fliegen gewesen war, die sich heimlich in die K├╝che geschlichen hatten. Eklige Biester. Derentwegen hatte er die Fischst├Ąbchen wegwerfen m├╝ssen.
Diese Fliege war die f├╝nfte heute. Nur in der K├╝che. Vorsichtig hob er die Fliegenklatsche. Verharrte einen Moment. ÔÇ×SayonaraÔÇť, fl├╝sterte er und lie├č die Fliegenklatsche unvermittelt auf das arme Tier niedersausen. Dr├╝ckte noch einmal extra zu, presste es zu Matsch.
Zufrieden lie├č er die platte Fliege platte Fliege sein und begann zu essen.
Eigentlich war es ein sch├Âner Sommer, dachte er, aber die Fliegen, die waren wirklich schlimm. Ein Schwei├čtropfen l├Âste sich an seinem Haaransatz, rann seine Stirn hinab um dann auf seiner Augenbraue h├Ąngen zu bleiben. Ein widerliches Gef├╝hl. Er wischte den Tropfen mit dem Handr├╝cken ab und schob sich die letzte Gabel Kartoffeln in den Mund.
Schon wieder eine Fliege. Nein, zwei. Eine am Toaster, sich im durchs Fenster fallenden Lichtstrahl sonnend, eine am K├╝hlschrank. Er sprang auf, griff nach der Fliegenklatsche, an der noch die Reste von Fliege Nummer f├╝nf klebten und machte der Toaster-Fliege den Garaus. Die K├╝hlschrank-Fliege entwischte ihm, aber nur ganz knapp, sagte er zu sich, und das Biest w├╝rde schon sehen, wo es bliebe.
Am K├╝hlschrank klebte neben einem alten Fliegenkadaver ein zerknittertes Farbfoto. Sommerurlaub in Sizilien. Meer, Sand, er und sie. Bevor sie die Koffer gepackt und sich mit einem fr├Âhlichen ÔÇ×Bye, bye!ÔÇť davongemacht hatte.
Er legte sein Mordinstrument an die Seite und ├Âffnete das einzige Fenster in der kleinen K├╝che. Ein Hitzeschwall schwappte in den Raum, der die miefige Luft f├╝r einen kurzen Moment aufwirbelte.
Er lie├č das Fenster offen und trat in den kleinen Flur. Ein leises Summen drang an sein Ohr. Fliegen. Im Flur z├Ąhlte er jetzt bereits f├╝nfzehn ÔÇô nein, sechzehn ÔÇô, aber im Wohnzimmer war es noch schlimmer. Dort musste ein Nest sein, irgendwo. Vielleicht sollte er einen Fachmann rufen.
Er ging zur├╝ck in die K├╝che, holte die blaue Fliegenklatsche und richtete ein Massaker im Flur an. Vierzehn Opfer, stellte er befriedigt fest.
Er ging ins Wohnzimmer. Erschlug schon an der T├╝r vier Fliegen. Am Fernseher sa├čen noch mehr. Die meisten fanden ihren Tod unter seiner Fliegenklatsche.
Dann hatte er keine Lust mehr. Er legte das blaue St├╝ck Plastik, das bereits in seiner verschwitzten Hand zu schmelzen schien, auf den Wohnzimmerschrank, ging zum Sofa und setzte sich neben seine Mutter.
Er schmiegte sich an sie, legte seinen Kopf auf ihre Schulter und f├╝hlte, wie zu dem ganzen Schwei├č auch noch eine einzelne Tr├Ąne seine Wange herunterlief.
ÔÇ×MuttiÔÇť, schluchzte er, seine H├Ąnde um ihre legend, die gefaltet in ihrem Scho├č ruhten, ÔÇ×Mutti, ich w├╝nschte, du h├Ąttest diesen Sommer erlebt. Er ist eigentlich ganz sch├Ân, wei├čt du, nur die Fliegen, die Fliegen nerven so!ÔÇť

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
H├Ąufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Skala, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Ma├če an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den h├Ąufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

"Sch├Âne" Geschichte - und Norman Bates l├Ąsst gr├╝├čen. :)


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


van Geoffrey
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2011

Werke: 21
Kommentare: 77
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um van Geoffrey eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Ja

Ja, auch der durch's Fenster fallende Lichtstrahl, in dem sich die Fliege sonnt, ist so ein scheibar belangloses Bild, das zum Ganzen dazuzugeh├Âren scheint.
Oder Spinat mit Kartoffelp├╝ree.
Ich finde diese scheinbar belanglosen Dinge, die einfach wie absichtslos dazwischengeschoben sind, stellen eine gute Technik dar, die Geschichte aufzulockern.
Finde ich viel besser, als alles minti├Âs zu beschreiben.
Man kann rasche Spr├╝nge zu den verschiedensten Themen machen - das w├Ąren im Film die Schnitte und schnellen Szenenwechsel.
Man kann auch gut - in Anlehnung an die guten alten Filme - mal einen "Schnitt" machen, und die Szene aus einer anderen Perspektive zeigen. Hitchcock machte immer wiede diese Schnitte, wo dann das Zimmer von au├čen durch's Fenster gezeigt wurde. Das k├Ânnte dann so aussehen: Ein Mann blickt zum Fenster hoch, geht zur Gegensprechanlage, z├Âgert, geht wieder - und wieder Schnitt zum Zimmer. Der Mann drau├čen hat nichts mit der Handlung zu tun, aber er baut Spannung auf, und man r├Ątselt, was der mit der Geschichte zu tun hat.
Sicher gibt es noch andere Tricks, eine Geschichte rund zu machen, aber ich wollte dich ermutigen, das immer wieder einmal zu verwenden.
Es k├Ânnte sein, dass du dazu ein besonderes Talent hast.
Das wird alles noch wachsen, aber wenigstens best├Ątige ich das, was ich als besonders gelungen erkenne.

LG

Bearbeiten/Löschen    


LyrikAmbition
Hobbydichter
Registriert: Jan 2015

Werke: 3
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um LyrikAmbition eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


Eine geniale Geschichte!

Das Ende gef├Ąllt mir sehr gut und es hinterl├Ąsst noch einige Spuren, die einen zum Nachdenken bringen.
Das einzige was mich vielleicht am Anfang leicht gest├Ârt hat, waren die h├Ąufigen Kommas bei z.B. den Fliegenklatschen. Ist aber Geschmackssache.

Liebe Gr├╝├če,
LyrikAmbition
__________________
ÔÇ×Beurteile nie einen Menschen, wenn du seine Geschichte nicht kennstÔÇť

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung