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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur ein Termin
Eingestellt am 25. 11. 2001 22:16


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Ann-Kathrin Deininger
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Registriert: Sep 2000

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Der SchlĂŒssel knarrt im Schloß. Die TĂŒrklinke quietscht. Die TĂŒr klemmt. Gewicht lehnt sich dagegen. Die TĂŒr geht auf. Er rennt den Flur entlang, wie jeden Morgen. FrĂŒhstĂŒcken tun sie zusammen. Er sieht wie der Mann durch die TĂŒr tritt. Er fĂ€llt ihm um den Hals. Papa. Der Mann hebt ihn hoch, dreht sich um, setzt ihn ab. Er zieht die MĂŒtze vom Kopf, wartet. Der Junge lĂ€uft den Flur entlang, in die KĂŒche. Mama, Papa ist gekommen. Erst, als er verschwunden ist, zieht der Mann den Mantel aus, schleicht sich ins Schlafzimmer.
Er trÀgt Jeans und ein altes Hemd, beides schwarz. Fast eine Uniform. Steht vorm Spiegel, als der Junge wiederkommt. Du bist schon umgezogen? Ist enttÀuscht. Sieht gerne die Uniform. Der Junge dreht sich im Raum um. Wo ist sie? Der Mann brummt. Im Schrank. Geh jetzt Mama helfen. Schon gut.
Der Mann sieht sie am Tisch. Hat so traurige Augen, denkt er. Sie lĂ€chelt, als sie ihn sieht. Der Junge sitzt schon und ißt. Der Mann setzt sich, trinkt einen Schluck, beginnt zu essen. Er betrachtet dabei seine Frau. Eine Schande, das alte Kleid, wo sie so hĂŒbsch ist. Aber sie hat doch kein Geld. Du mußt mĂŒde sein, sagt sie, mußt schlafen. Hast viel gearbeitet. Sie kĂŒĂŸt ihn sanft auf die Stirn, wie ein kleines Kind.
Papa, holst du mich ab, von der Schule? Ja. Jaja. Der Junge steht auf, rennt durch den Flur, wie jeden Morgen. Die TĂŒrklinke quietscht. Die TĂŒr fĂ€llt zu.
Sie sitzen am Tisch und essen. Ich muß zur Arbeit, sagt sie. Warte. Er steht auf. Ich ... muß dir was sagen. Sie kommt nĂ€her. Schlingt einen Arm um seinen Hals. Ja? Ihre Augen sehen traurig aus. So traurig. Ich hab dich lieb, sagt er. Sie lĂ€chelt. Ich muß gehen, sagt sie leise. Er kĂŒsst sie, lĂ€ĂŸt sie gehen.
Als sie fort ist, guckt der Mann auf die Uhr. Er hat noch einen Termin. Nur einen. Schon seit Wochen nur einen Termin. Er sieht, er kann noch schlafen, bevor er geht. Macht er nicht. Er liest Zeitung, nur ein, zwei Seiten. Anzeigen. Nur ein Termin. Er lĂ€ĂŸt den Kopf hĂ€ngen. Guckt fernsehen. Dann geht er, den Jungen holen.
Papa! Der Junge lÀuft auf ihn zu, umarmt ihn. Jetzt gehen wir nach Hause? Ich hab noch einen Termin. Gleich um die Ecke.
Der Junge steht vor dem GebÀude. Der Mann lÀuft hinein, hat nur einen Termin. Der Junge wartet. Da hÀngt ein Schild an dem Haus. Ein A ist da drauf. Das kann er lesen. Ein A. Der Mann kommt wieder, hat nicht lange gebraucht. War nur ein Termin, sagt er. Wir gehen nach Hause.
Als sie zu Hause sind, muß der Mann sich fertigmachen, zur Arbeit. Der Junge sieht, dass er die Uniform nicht anzieht. Vielleicht kriegt er eine neue. Der Mann geht zur Arbeit. Kurz darauf kommt die Frau.
Sie sitzen am Tisch und essen. Der Junge sagt, Mama, Papa hatte einen Termin. Ja, das hat er manchmal. Er hat seine Uniform nicht angezogen. Er kriegt vielleicht ne neue. Da, wo er heute war, das Haus, da war ein großes A drauf. Ihre Augen blinzeln traurig. Das kann nicht sein, das verwechselst du. Es sah so aus. Der Junge malt das A auf die Serviette.
Die Frau beginnt zu weinen.

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