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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur ein toter Jemenit
Eingestellt am 06. 09. 2003 18:55


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habibi
Autorenanw├Ąrter
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Der Tod eines Jemeniten

Der Tod eines Jemeniten

Die Aufregung war unbeschreiblich. Rolf war aufmerksam geworden, als der Generator, der die Stromversorgung der Baustelle sicherstellte, ungew├Âhnlich m├╝hsam zu arbeiten begann. So, als w├Ąre pl├Âtzlich ein zus├Ątzlicher Stromabnehmer zugeschaltet worden. Er war aus seinem provisorischen Baub├╝ro in einem Zimmer im Rohbau des neuen Sheraton Hotels in Jeddah auf den Balkon hinaus gegangen und hatte mit Unglauben gesehen, wie der Turmdrehkran ein riesiges B├╝ndel Bewehrungsstahl hochheben wollte. Das waren sicher mehr als neun Tonnen! Die ├ťberlastungssicherung des Kranes w├╝rde den Strom abschalten. Zu seiner Verwunderung geschah dies aber nicht. Der Kran hob das B├╝ndel hoch, der Dieselgenerator stampfte in einer ver├Ąnderten Frequenz. Als der Kranf├╝hrer die Last am Ausleger weiter hinaus fuhr, der Gittertr├Ąger sich abzusenken begann, sah Rolf, wie der Turm sich zur Last hin neigte. In Zeitlupe aber unaufhaltsam und v├Âllig unrealistisch fiel der obere Teil des Drehkranes nach vorne. Rolf konnte es nicht glauben, er hatte das Gef├╝hl, er k├Ânne den Turm halten, er brauche nur etwas zu sagen oder zu schreien und der Spuk habe ein Ende. Er war fokussiert auf die Last am Ende des Auslegers, er sah nicht die anderen Ereignisse. Bis der etwa 30 Meter lange Tr├Ąger auf den Boden knallte war Rolf ohne Gef├╝hl, erst dann begannen seine Sinne normal zu reagieren. Wie ein Film lief das vergangene Geschehen in seinem Kopf ab. Wie in einer R├╝ckblende erinnerte er sich an den kurzen Knall, wahrscheinlich als die Bolzen am oberen Drittel des Turmmastes brachen. Der Ausleger hatte gehalten, doch der Mast war gebrochen und damit die Last zu Boden gefallen. In der Folge war der gesamte Kran kollabiert und nur mehr der untere Teil des Mastes ragte verbogen hoch.
Der Kranf├╝hrer war mitsamt seiner Kabine in die Bewehrungseisen der in Bau befindlichen S├Ąulen gest├╝rzt und war gerade dabei, sich selbst daraus zu retten. Seine Kollegen kamen ihm zu Hilfe. Gott sei Dank keine Toten. Rolf besann sich darauf, dass er als Ausl├Ąnder in diesem Land bei einem Unfall mit ernsthaften Schwierigkeiten zu rechnen hatte. Die herbeieilenden Arbeiter aus dem Libanon und dem Jemen bedr├Ąngten ihn, sofort zum Hauptb├╝ro zu fahren, bevor die Polizei k├Ąme. Man w├╝rde alles f├╝r ihn erledigen.
Rolf rannte zu seinem Auto, das an der Hauptstrasse parkte und sah erst dabei das Ausma├č des Unfalles. Der Verkehr hatte sich gestaut, das drei Tonnen schwere Gegengewicht des Auslegers war auf die Fahrbahn gest├╝rzt und hatte ein Auto zerschmettert. Ein Teil des Auslegers lag quer ├╝ber der Fahrbahn. Rolf sprang in seinen Wagen und raste zum B├╝ro. Der Chef und Besitzer der Baufirma, ein Saudi, setzte sich unverz├╝glich mit seinen Freunden in den diversen Beh├Ârden in Verbindung. Dann verbot er Rolf, sich in den n├Ąchsten Tagen auf der Baustelle sehen zu lassen. Am Besten, er kroch bei Bekannten unter, bis alles geregelt w├Ąre.
Rolf wohnte drei Tage bei einer befreundeten Familie und bekam von denen die Situation gemeldet. St├╝ndlich bekam das Ereignis klarere Konturen.
Der jemenitische Kranf├╝hrer, alle Kranf├╝hrer in Jeddah waren Jemeniten, hatte die Sicherheitseinrichtung gegen ├ťberlastung des Kranes nach altbew├Ąhrter Sitte ├╝berlistet, indem er einen passenden Stein unter den Kontaktf├╝hler des Auslegers gekeilt hatte. Damit konnte er jede Last heben, ohne dass sich der Kran abschaltete. Das hatte er schon seit Jahren so gehalten. Dass damit die gesamte Konstruktion des Kranes ├╝berfordert war, darauf verschwendete er keinen Gedanken. Als der Kranmast gebrochen war und der Kranf├╝hrer in seiner Kabine mehr oder weniger langsam in die in Bau befindlichen S├Ąulen st├╝rzte, hatte er das Gl├╝ck, nicht von den Bewehrungseisen aufgespie├čt zu werden. Er kam mit einigen geringeren Sch├╝rfwunden davon. Zu seinem Verh├Ąngnis wurde, dass er sich, nachdem er aus den aufstehenden Armierungseisen geborgen war, theatralisch zu Boden sinken lie├č. Vielleicht waren es auch die Nerven, die ihn verlie├čen. Tatsache war, dass er von einigen hilfsbereiten Arbeitern hochgenommen wurde und sie ihn vom ersten Stock des Baues, dort, wo er aufgeschlagen war, hinunter zur Strasse tragen wollten. Dabei lie├čen sie ihn in der Hektik zwei Mal auf der Treppe fallen. Die vorderen Leute rannten zu schnell, die hinteren konnten nicht folgen. Zu seinem Ungl├╝ck hatten sie den Jemeniten mit den Beinen voraus transportiert und er fiel beide Male mit dem Kopf auf die Betonstufen. Letztlich ├╝berlebte er diesen Transport nicht. Sp├Ąter, im Unfallbericht, wurde als Todesursache der Sturz vom Kran angegeben.
Da der Kran verh├Ąltnism├Ą├čig langsam umfiel konnten alle in der N├Ąhe Arbeitenden sich aus dem Gefahrenbereich retten. Ein Pakistani wollte ├╝ber die Hauptstrasse auf die andere Stra├čenseite rennen, nachdem ihn einige Arbeiter gewarnt hatten. Er sah gar nicht nach oben, er wollte nur hin├╝ber und musste noch den Verkehr durchlassen. Damit war er zu sp├Ąt. Das Gegengewicht des Auslegers begrub ihn unter sich und traf auch noch ein Fahrzeug. Das Auto hatte Rolf bei seinem Abgang von der Baustelle gesehen, den Arbeiter nicht.
Am n├Ąchsten Tag standen alle Kr├Ąne der Stadt still, allgemeine Trauer der Jemeniten um ihren Kollegen. Aber schon am darauf folgen Tag war auf allen Baustellen wieder voller Betrieb. Die Blutgeldverhandlungen waren nach einem weiteren Tag abgeschlossen. F├╝r den Jemeniten. Die Familie des Pakistani ging leer aus, er war kein Araber. Die Polizei hielt sich weitgehend aus der Angelegenheit heraus, es war kein Saudi involviert, im Gegenteil, ein Saudi, der Baufirmeninhaber hatte Interesse, die Dinge m├Âglichst Amikabel zu l├Âsen.
Nach drei Tagen teilte selbiger Saudi dann Rolf mit, dass mit der Zahlung des Blutgeldes an die Familie des Kranf├╝hrers, der eigentlich selbst an diesem Unfall Schuld war, die Aff├Ąre erledigt sei. ÔÇ×Ein Gl├╝ck, dass es kein Saudi war, sondern nur ein Jemenit! W├Ąre sonst viel teurer gewordenÔÇť , das waren seine Worte.

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Traveller
???
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langatmig

Ein interessanter Situationsbericht aus einer anderen Welt. Leider etwas langatmig geschrieben. Etwas mehr gestrafft w├Ąre sie sch├Âner zu lesen.

was ist "verh├Ąltnism├Ą├čig langsam ", ich habe f├╝r so ein Ereignis kein Zeitgef├╝hl. Wie schnell f├Ąllt so einer "normal" ??
__________________
Einen wundersch├Ânen Tag w├╝nscht

Traveller Peter

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habibi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2003

Werke: 8
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Lieber Traveller
Ich habe Bedenken, dass, w├╝rde ich den Text k├╝rzen, Informationen, die f├╝r das Verst├Ąndnis notwendig sind, verloren gehen. Z.B. ├╝ber den Kran. Aber vielleicht bin ich in dieser Hinsicht zu ├Ąngstlich und jedermann wei├č um die Funktionsweise dieses Ger├Ątes!? F├╝r die Anregung vielen Dank.
Habibi

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo habibi,

vielleicht geht es ja auch nur mir so:
wenn ich den titel lese, mu├č ich immer an diesen doofen wildwestspruch von wegen nur tot ist gut denken.
aber genau das willst du ja nicht sagen.

gru├č

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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Ging mir genauso, Rainer ...

Gabi

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habibi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2003

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Rainer & GabiSils

ist tats├Ąchlich zu negativ. Werde den Titel ├Ąndern!
Habibi

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

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Zum Titel

Hallo, habibi!

Ich weiss nicht, ob ich den Titel ├Ąndern w├╝rde. Gerade durch den Titel bin ich auf Deine Geschichte aufmerksam geworden. Ein bisschen Straffen w├╝rde aber auch ich die Geschichte, denn f├╝r die vielen technischen Details eines Krans interessiert sich vermutlich nur ein kleiner Kreis. Ansonsten finde ich, ist die Kernaussage Deiner Kurzgeschichte am Schluss vorzufinden, im zweitletzten Satz: "Ein Gl├╝ck, dass es kein Saudi war, sondern nur ein Jemenit!" Ich vertausche die beiden wichtigen W├Ârter einmal und der Unterschied wird noch st├Ąrker sichtbar. Saudi=Weisser / Jemenit=Schwarzer. Das ganze Szenario h├Ątte sich also auch anderswo auf der Welt abspielen k├Ânnen ...

Ich w├╝nsche Dir ein sch├Ânes Wochenende!
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

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