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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur eine Affäre
Eingestellt am 09. 04. 2003 20:02


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Antaja
Hobbydichter
Registriert: Apr 2003

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Nur eine Affäre

Ein Sommerabend. Die Tür krachte ins Schloss. Einfach abgehauen war er, der feige Hund. Rien ne va plus. Nina hasste es, wenn die Seifenblase platzte. Alles was blieb war Leere, war Stille. Immer die gleiche beschissene Leier. Kraftlos ging sie nach oben. Im Wohnzimmer kroch die Einsamkeit aus allen Ritzen auf sie zu. Unruhig griff sie irgendeine CD aus dem Regal. Anscheinend mussten diese Hüllen immer klemmen. Tränen liefen über ihr Gesicht, als sie den Startknopf drückte. Sie sackte auf´s Sofa und wollte nie wieder aufstehen.
Aus weiter Ferne drang eine Stimme an ihr Ohr. Sie kannte sie nicht. Ein Kabarettist begann aus Jugendjahren zu erzählen. Ein Komiker, mein Gott, wie witzig, dachte sie voller Sarkasmus. Und dann Kabarett auf CD. Das ist wie Abba´s Lachspastete aus der Tube, es hat weder was mit gutem Essen noch mit Musik zu tun. Das Leben ist grausam. Sie ließ ihn reden.
Sie wollte nicht, aber sie musste an Tommy denken. Ihren Tommy. Sie waren mit 18 schon mal ein Paar. Irgendwann war die Liebe weg und sie trennten sich. Und vor zwei Jahren begegneten sie sich wieder. Ganz zufällig. Szenen tauchten auf, Bilder, Worte, Lachen, seine Hände, seine Küsse, das Funkeln seiner Augen. Nächtelang saßen sie an seinem Küchentisch und drehten in Gedanken die absurdesten Filme. Wie vor kurzem, als sie seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder einen Joint rauchten. Mit der Droge stand die Zeit still. Im Hintergrund lief leise Musik. Sie redeten über Dejavus. Stundenlang. Irgendwann war alles gesagt. Sie sahen sich an, lächelten, schwiegen. Dann brach Nina nachdenklich das Schweigen: \"Dieser Song kommt mir so bekannt vor, haben wir den nicht schon mal irgendwo gehört. Wer ist denn das überhaupt?\" Tommy erwiderte verwundert: \"Genau das gleiche habe ich auch gerade überlegt.\" Er ging nach nebenan zur Anlage um nachzusehen. Musiktitel konnte er sich genauso wenig merken wie Nina. \"Ich brech zusammen,\" hörte sie ihn dann loslachen, \"na klar haben wir den schon gehört, genau dreiundfünfzig Mal. Ich hab das Autorepeat nicht ausgeschaltet.\" Die Geschichte wurde zum Running Gag. Immer wenn sie sagte: \"Honeylein, leg doch noch mal dieses geile Stück auf\", grinste er schon: \"Welches denn?\" Sie: \"Na du weißt schon, dieses Stück, dass man stundenlang hören kann ohne es zu merken.\" Jedes mal Gebrüll und höllisches Gelächter auch ohne Droge.
Und jetzt war er weg. Er war noch nicht mal mit in die Wohnung gekommen. Kaum hatte sie ihm freudestrahlend geöffnet, begann das Drama. \"Nina, ich möchte nicht, dass du dir falsche Hoffnungen machst,\" sagte er . \"Ich bin und bleibe der geborene Single. Mehr als eine Affäre ist nicht drin.\"
Zuerst verschlug es ihr die Sprache, dann sprudelte es aus ihr heraus: \"Spinnst du jetzt völlig, du dämlicher Hund? Wir sind seit zwei Jahren zusammen. Ich jedenfalls liebe dich! Was ist das für ein beschissener Vorschlag?\" Voller Wut knallte sie die Tür zu und holte tief Luft . Als sie gleich danach die Tür wieder öffnete, war der Platz davor leer. Zu Tode erstarrt sah Nina nur noch die Scheinwerfer des wegfahrenden Autos.
Das war vor über zwei Stunden. Erst jetzt wich die Starre. Ninas Wut schäumte wieder hoch. Sie stand auf, begann verheult durch´s Zimmer zu gehen. Zuerst langsam, dann schneller. Dann fing sie an vor sich hin zu fluchen: \"So eine verdammte Scheiße! Dieses Arschloch! Der meint das tatsächlich ernst! Was für ein beschissener Typ! Verflucht noch mal Tommy, du Arsch!“
Es knackte unter ihrem Fuß. \"So ein Mist! Früher mit Schallplatten wär das nicht passiert. Blöder, moderner Scheiß.\" Nina stand mitten auf der zersplitterten CD-Hülle. Sie bückte sich, um die Plastikscherben aufzuheben - da plötzlich trafen sich ihre Blicke.
Was guckte der blöde Komiker sie so ironisch an? Machte der sich etwa lustig über sie? Laut fuhr sie ihn an: \"Vergiss es, du bringst mich nicht zum Lachen, du nicht und damit basta.\" Der lacht mich wirklich aus, dachte sie. Aber warum? Weil ich hier wie Rumpelstilzchen durch die Wohnung tobe und meinem Ex-Lover kleine Warzen an den Schwanz wünsche?
\"Verdammt, die sollen doch nur hässlich machen, nicht weh tun. Nun hab mal ein bisschen Humor du Komiker.\" Nach Luft schnappend plumpste sie auf´s Sofa. Hilfe, ich rede mit einem Inlett, schoss es ihr durch den Kopf. Jetzt war aber Schluss. Das knittrige Hochglanzpapier segelte hinter´s Sofa. So, und jetzt weiter im Text. Tommy hatte sein Fett noch lange nicht weg. Mit Elan sprang sie auf, bereit ein gewaltiges Gewitter von Verwünschungen loszulassen.
Blitz und Donner erstarben im Ansatz, hängende Schultern, Leere im Kopf, das war alles. Der Faden war weg. Sie wurde den Scheiß-Blick des Scheiß-Komikers nicht los. Verdammt, diese Augen machen mich wahnsinnig, fluchte sie still vor sich hin. Sie holte tief Luft, das war doch alles völlig absurd hier. Sie brauchte jetzt dringend einen Wein.
Als Nina mit der halbleeren Flasche aus der Küche zurückkam, schmunzelte sie. Umständlich rückte sie das Sofa ein Stück von der Wand ab und angelte kopfüber sein Bild wieder hervor. Ironisch lächelnd blickte sie ihn an: \"Na gut, du hast gewonnen. Dann zeig mir mal wie komisch du bist.\" Sie drückte den Startknopf.
Er sah frech aus. Und er war sexy. Und er redete auch so. Seine Stimme erzählte mit beißendem Spott und voller Selbstironie von traumatischen Jugenderlebnissen. Nina tauchte ein in seine Geschichten. Sie fühlte sich nicht selten ertappt. Verflixte Jugendzeit, außer Schallplatten und straffer Haut war früher wirklich nicht viel besser, ging es ihr durch den Kopf. All ihre verblichenen Helden marschierten in Gedanken auf. Klar, Gründe gab es genug sie zu lieben, aber all die geliebten Arschlöcher hatten Eins gemeinsam: wenn man ihnen zu nahe kam, waren sie schneller weg, als man bis drei zählen konnte. Die gleiche Leier rauf und runter. Sie hatte einfach keinen Bock mehr auf diese Gefühlskacke. Dieser Komiker brachte sie zum Lachen. Und er hatte Sex-Appeal. Und genau das war´s was sie jetzt wollte, Lachen und Spaß haben. Scheiß auf große Gefühle. Sie hörte ihn gerade noch sagen: \"Bange machen gilt nicht\", dann war die CD zu Ende.
Als Nina am nächsten Morgen die Plastikscherben einsammelte, entdeckte sie auf der Rückseite der CD-Hülle seinen Tourplan. Im Dezember würde er ein Gastspiel in ihrer Stadt geben.

Ein Wintermorgen. Müde und angetrunken ließ Nina die Tür ins Schloss fallen. Was für eine Nacht. Sie hatte bekommen, was sie wollte. Sie hatte mit ihm geschlafen.
Bis es endlich dazu kam, war die Zeit nach seinem grandiosen Auftritt und der ersten Berührung, wie der Gang durch ein verstaubtes Wachsfigurenkabinett. Beim Essen und anschließend in der Kneipe redete er stundenlang mit seinem Tontechniker über Musik. Wer, wann, mit wem, welchen Song geschrieben, vertont, veröffentlicht hatte. Wer, wann mit welchem Schlagzeuger eben diesen Song gecovert hatte. Musik der 70iger, 80iger und 90iger Jahre rauf und runter. Meine Fresse, dachte Nina, das haben die Jungs mit 18 gemacht. Damals ging es darum sich zu beweisen. Wer am meisten Namen und Songtitel drauf hatte, war der Platzhirsch. Wollte sie als Mädchen nicht im Abseits versauern, musste sie sich auch mit diesem Mist beschäftigen. Irgendwie mussten die Prinzessinnen ja mit den Prinzen ins Gespräch kommen. Aber das war vor 20 Jahren.
Gestern war es kein bisschen anders. Ein skurriler Ritt in die Vergangenheit, nur nicht auf der Comedy-Bühne, sondern im wirklichen Leben. Zum Glück ersparte sich Nina diesmal die Anstrengung mitreden zu wollen. Sie ließ die zwei ihre Wir-sind-ja-so-bewandert-in-Sachen-Musik-Arie abspulen und kommentierte ab und an mit bösem Spott. Ganz ohne hätte sie es nicht überstanden. Zwischendurch war sie ein- zweimal versucht zu gehen. Aber dann meldete sich der Ehrgeiz. Verdammt, sie wollte Lachen, sie wollte Spaß, sie wollte ihn. Wer so auf CD-Covern lächelt, muss einfach mehr drauf haben. Außerdem war sie schon ziemlich weit gekommen. Immerhin saß sie mit ihm mitten in der Woche in einer düsteren Spelunke und soff. Und wenn sie erst mal am Zuge war, ihm die Zähne auf ihre Art zu zeigen, würde er sicher nicht mehr reden wollen. Also blieb sie.
Nach einer Unmenge Hochprozentigem rückten sie endlich näher zusammen. Schon beim ersten Kuss war klar, dass zumindest ihre Körper eine gemeinsame Sprache sprachen. Phantasievoll spielten ihre Zungen miteinander. Lange, sehr lange.
\"Ich möchte mit dir schlafen,\" hauchte Nina irgendwann in sein Ohr. \"Nächstes Mal sagst du früher Bescheid, was du willst\" , flüsterte er lächelnd und legte mit geschlossenen Augen genussvoll den Kopf in den Nacken. Sie suchte den Blickkontakt, nahm sein Gesicht in die Hände und sagte mit Funken sprühenden Augen: \" Du Blödmann, lass es uns erst mal jetzt tun.\" Das Hotel war alt und schäbig, aber das störte sie nicht. Ebenso wenig das quietschende Bett .
Als Nina Stunden später aufstand um sich anzuziehen, holte er sie noch einmal zurück ins Bett. Er hielt sie lange fest und flüsterte: \"Du bist einzigartig. Ich möchte dich ganz schnell wiedersehen.\" \"Ruf mich an\", erwiderte Nina und gab ihm die erst beste Nummer, die ihr einfiel. Zum Abschied hauchte sie ihm ins Ohr, wie umwerfend sexy er sei und bedankte sich mit einem charmanten Lächeln für die schöne Nacht . Zumindest für die zweite Hälfte, setzte sie in Gedanken hinzu. Und das war verdammt ehrlich gemeint.
Auf dem Nachhauseweg pfiff sie vor sich hin und dachte: Weiß der Teufel, ob wir uns wiedersehen. Vielleicht wenn er mal wieder in der Gegend ist. Ich jedenfalls habe mich gerade ans Single-Sein gewöhnt. Mehr als eine Affäre ist nicht drin.

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Liebe lebt von liebenswerten Kleinigkeiten (Theodor Fontane)

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Antaja.


Also ich versuchs mal. Also das, was mich an deinem text gleich mal am meisten gestört hat, war die art, wie du die dialoge einbaust, rein optisch. Das verwirrt ein bisschen, mit den schrägstrichen und mitten im text.
Ich persönlich bin ein ziemlich bequemer mensch und mag mich beim lesen nicht mehr anstrengen als unbedingt notwendig. Und ich hab lieber, wenn dialoge abgesetzt sind und klar als dialoge erkennbar.

Am anfang sind mir viel zu viele informationen auf einmal drin. Zuviel hektik. Eine hektische einsamkeit, in der sich kabarettisten mit lachspasteten vermischen und das hat dann gar nichts wirklich mit der geschichte zu tun. Das verwirrt mich. Wie gesagt, ich bin ein bequmer mensch und mir geht das alles zu schnell und ist das alles zu viel.

Dann schreibst du mal „zu tode erstarrt ...“ das scheint mir in der situation ein bisschen übertrieben, gleich zu tode zu erstarren, wenn man jemanden als dämlichen hund beschimpft, die tür zuknallt und der steht dann nicht mehr davor. Überhaupt wirkt die gute nina reichlich überdreht. Und aggressiv. Aber protagonistinnen müssen ja auch nicht immer sympathisch sein. (ach könnte ich das nur auch)

Und du betonst mir die wut zu sehr. Das kann man eh nicht übersehen, dass sie wütend ist, da musst du nicht noch schreiben: voller wut .... und gleich drauf: ninas wut schäumte wieder hoch.

Die ganze geschichte ist mir zu hektisch, zu wütend, zu aggressiv. Es macht keinen spaß, sich in nina hineinzuversetzen. Obwohl ich ja sonst glaub, dass mehr mehr ist, plädiere ich hier auf „weniger wäre mehr“.

Ich hab eher mitgefühl mit den arschlöchern, die wieder abhauen. Ich würde auch nicht wollen, dass diese nina mir zu nahe kommt, ihre wut an mir auslässt und mich beschimpft.

Irgendwann kann ich mich einfach nicht mehr auf den text konzentrieren. Die egoistische nina wird mir noch unsympathischer als sie es schon ist und die ganze sache mit dem kabarettisten interessiert mich dann nicht mehr.

Warum der kabarettist diese völlig besoffene nina (nach einer unmenge von hochprozentigem) dann auch noch einzigartig findet, ist mir völlig unverständlich.

Alles in allem denk ich mir, du könntest aus der geschichte mehr machen, wenn du das überflüssige streichst, wenn du auch ein bisschen ruhe zum durchatmen reinbringst und nina wenigstens ein bisschen sympathisch machst.

Die k.

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Antaja
Hobbydichter
Registriert: Apr 2003

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Kommentare: 1
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Liebe k.

Zu erst einmal vielen Dank für´s Lesen und auch für Deine Anmerkungen.
Die Optik meiner Dialoge stört mich genauso wie Dich. Muss ein Formatierungsfehler beim Einstellen gewesen sein, im Original sind die abgesetzt und ohne Schrägstriche.
Die Wut habe ich vielleicht wirklich zu sehr in den Vordergrund gestellt. Zumindest war es nicht meine Absicht Nina so negativ darzustellen.
Insgesamt wollte ich dem allzu bekannten Plot - sie liebt ihn, er will sich nicht binden, sie leidet - eine neue Wendung geben, indem ich die Geschichte ins Absurde abgleiten lasse und sie am Ende den Spieß umdreht.
Da kommt man natürlich nicht so leicht hin. Also ging es mir erstmal um all die chaotischen und widersprüchlichen Gefühle
(Trauer, Einsamkeit, Wehmut, Leere, Ironie, Sarkasmus, Wut ....). Das ist natürlich turbulent was da alles abläuft. Die Wut war mir deswegen wichtig, weil sie die Protagonistin wieder in Bewegung bringt. Dass die Wut so ein Übergewicht bekommen hat, ist vielleicht ne Freudsche Fehlleistung. Ich kann im Geiste furchtbar wütend sein, meistens leider auch nur da. (Muß aber zugeben, dass es echt Spaß gemacht hat, Nina so wütend sein zu lassen!!)
Ich werde mir die Geschichte in jedem Fall unter Zuhilfenahme deiner Anmerkungen noch mal vornehmen, irgendwie hatte ich auch die ganze Zeit das Gefühl sie ist zu vollgestopft.
Also noch mal Danke und hab noch nen schönen Abend.
Antaja



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