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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur eine Geschichte?
Eingestellt am 18. 12. 2001 11:59


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Haget
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Haarige Nachbarn
Haget 5/00

Meinen ersten Hunde-Nachbarn kann ich kaum vergessen, weil in der Verwandtschaft immer wieder diese kleine Begebenheit aus meiner jĂŒngsten Kindheit aufgetischt wird. Es war Roland, ein SchĂ€ferhund in noch nicht der heute modernen spitz nach hinten zulaufenden Keilform, aber offensichtlich kinderlieb wie diese in der Regel. Ich konnte schon zu ihm laufen, ihn lieb haben und mit ihm sprechen. Nur von ihm sprechen – dieses fiel mir bei „Roland“ recht schwer: Es wurde stets „Brroland“ daraus. Ich war unglĂŒcklich darĂŒber, wurde aber getröstete: „Bis du zur Schule kommst ....“
Eines Tages war ich verschwunden. Man fand mich vor der hinter dem Friedhof liegenden Schule mit diversen BilderbĂŒchern unter dem Arm: „Will zur Schule, Brroland lernen!“

Tante Lotte hatten einen eigenen Hund, wohl etwas grĂ¶ĂŸer als Roland, dabei aber schlanker und rassig-elegant. Dieser Arno war ein „echter“ Hund; eine Bezeichnung, die mich mehr verwirrte als aufklĂ€rte. Da er von einem pensionierten Polizisten in der Nachbarschaft irgendwie nebenbei ausgebildet wurde, fiel er irgendwo angenehm auf und wurde eingezogen. Es war Krieg und er kam „echt“ zu den Soldaten.
Roland habe ich geliebt; Arno bewundert und respektiert. Arno war nie unfreundlich, aber leicht „englisch-reserviert“; ihn zu streicheln war fĂŒr mich eine Art Heldentum.

Viele Jahre spĂ€ter wohnte Tante Lotte in Nr. 6 einer Straße mit DoppelhĂ€usern. Seitlich eng zu den Nachbarn, nach hinten langer Schlauch-Garten. Und hatte wieder einen Hund - einen fast eigenen. Es war die Nelly vom Nachbarn Nr. 8; GrĂ¶ĂŸe und Aussehen Ă€hnlich einem Terrier, ansonsten mit den Merkmalen vieler „echter“ Hunde. So ganz das Gegenteil vom frĂŒheren Gentleman Arno.

Tante Lotte und Nelly liebten sich. Kam Tante Lotte in den Garten, wurde sie freundlich begrĂŒĂŸt und oft sprang Nelly dabei ĂŒber den niedrigen Zaun. Tante Lotte war viel im Garten! Wenn nicht, wurde sie laut, deutlich und erfolgreich von Nelly dazu aufgefordert. Vor Jahren hatte Nelly auch mal Junge gehabt, von denen Tante Lotte noch jahrelang schwĂ€rmte.
Nelly war in gleicher Weise freundlich zu Tante Lottes Besuchern und fremden Passanten. Und sie reagierte begeistert, wenn VorĂŒbergehende den kleinen Stock unter dem Gartentor sahen und ihn so nach hinten in den Garten warfen, daß sie ihn nach wildem Spurt zurĂŒckbringen konnte, in der Hoffnung auf erneuten Wurf oder den nĂ€chsten freundlichen Werfer. – FĂŒr Tante Lotte war Nelly ĂŒbrigens immer „er“; ob in Erinnerung an Arno oder in Ableitung von „der Hund“, weiß ich nicht. Einen besseren Nachbarn konnte man sich fĂŒr Tante Lotte nicht wĂŒnschen!

Weniger GlĂŒck hatte Herr Burg, der auch in dieser Straße wohnte. Er hatte einen ekelhaften KlĂ€ffer als engen Nachbarn, der kaum vom Maschendrahtzaun wich, wenn Herr Burg im Garten war und dabei wohl auch nur selten schwieg. Seit Herr Burg versucht hatte, ihn mit erhobener Schaufel endlich einmal von dort zu vertreiben, sah er zur BegrĂŒĂŸung auch noch des eigentlich nur kleinen Hundes krĂ€ftiges Gebiß und hörte regelmĂ€ĂŸig grollend-drohendes Knurren.

Herr Burg hatte sogar vergeblich versucht, dieser Töle das ewige KlĂ€ffen mit Hilfe des Gerichts zu verbieten; dieses hatte ihm nach Besichtigung des Hundes nicht geglaubt, daß er Angst um sein Leben haben mĂŒsse. Seitdem wurde jeder zufĂ€llig VorĂŒbergehende abgefangen und mit „Das Wetter soll wĂ€rmer werden!“ in ein GesprĂ€ch gezogen, welches dann stets schnell in eine AufklĂ€rung ĂŒber den schlimmen Nachbar-Köter wechselte.

Kaum zu glauben: Aber Herr Burg wohnte in Haus Nr. 10; die schlimme und laute Bestie war Tante Lottes Liebling Nelly! Zum GlĂŒck war Herr Burg ja nicht Tante Lottes direkter Nachbar, denn er war natĂŒrlich ganz automatisch der und das Böse in Person!

Ich besuchte Tante Lotte mit meiner Frau und wurde eines Tages auch als unbekannter Passant von Herrn Burg in ein HundegesprĂ€ch verwickelt. Und ich machte Herrn Burg die Freude, seinen Garten mit der schlimm-drohenden Nachbarschaft zu besichtigen. Nur funktionierte die VorfĂŒh-rung irgendwie nicht. Nelly bellte zwar kurz freundlich zur BegrĂŒĂŸung – zu meiner BegrĂŒĂŸung! – stand dann aber nur schweigend und erwartungsvoll schwanzwedelnd hinter dem Drahtgeflecht. Sie wußte ja durch unsere Bekanntschaft von der anderen Seite ihres GrundstĂŒcks in meiner Hosentasche gute Sachen, nĂ€mlich ihre Lieblings-Hundekekse! Und unauffĂ€llig erhielt Sie dann auch nebenbei welche davon.

Herr Burg mußte eine Zwillingsschwester der frĂŒheren „Bestie“ hinter dem Maschendraht vermuten. Diesen Hund hatte er noch nie gesehen, zumindest nicht so! Und Nelly? Sie hatte das Anknurren und -bellen sicherlich nur als eine Art Spiel angesehen und war auch diesem Nachbarn nie böse gewesen; er spielte eben sonst nur anders mit ihr. Und vom gewesenen Gerichtsstreit wußte sie wohl auch nichts. – Als ich ging, hatte Herr Burg Nelly schon mal gestreichelt und ich hatte ihm auch meine restlichen Hundekekse zur weiteren „Bestechung“ ĂŒberlassen. Von Tante Lotte erfuhr ich spĂ€ter, daß Nelly nun auf beiden Seiten des GrundstĂŒcks gern gehört und gesehen wurde

Herr Burg hatte also endlich seinen haarigen Nachbarn wirklich kennengelernt und so einen neuen Freund gefunden. Aber auch seinen gewohnten alten „Erbfeind“ verloren! Seine GesprĂ€che mit Passanten landeten nun immer beim BrieftrĂ€ger, der ihm die Post stets zu frĂŒh, zu spĂ€t oder falsch herum in den Briefkasten steckte und einfach zu „knurrig“ sei.

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Haget wĂŒnscht Dir Gutes!
Selbst dĂŒmmste SprĂŒche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. eine wunderschöne geschichte haste da geschrieben. zu anfang etwas hölzern, aber sie wird beinahe von zeile zu zeile besser. ein sehr erfreuliches ende rundet die sache angenehm ab. kommt in meine sammlung. ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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