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Leselupe.de > Science Fiction
Nur eine Reise
Eingestellt am 19. 09. 2011 16:30


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Marco Kaas
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Nur eine Reise

Er war lange Zeit gereist auf seinem Weg hierher. Zweifellos gab es nicht Viele au√üer ihm, die solch eine weite Reise ihre pers√∂nliche Geschichte nennen durften. Doch wie er den unber√ľhrten Himmel dieses Ortes zu √ľberschauen versuchte - nicht den Hauch einer Chance in Sicht, dieses Vorhaben in absehbarer Zeit zu einem Ende zu f√ľhren - da wurde ihm bewusst, dass er angekommen war. Seine Reise, so endlos sie einst erschienen war, hatte ihn nun doch in ein neues Zuhause gef√ľhrt. Nun war ihre Geschichte drauf und dran, bedeutungslos zu werden.
Der Weg war nie sein Ziel gewesen, so oft ihm die Menschen und allerlei sonderbare Wesen auf seiner Reise dies auch schmunzelnd vorgehalten hatten. Das Ziel war lediglich die Existenzberechtigung des Weges. Und nun, da er hier war, da w√ľrde er sie vergessen, seine Reise. Mit jedem Augenblick des Schwelgens in diesem Ort festigte sich seine Entscheidung. Die Erinnerung an seine Reise w√ľrde verschwinden, als w√§re er schon immer hier gewesen.
Hunderte Lichtjahre hatte er √ľberwunden in dem Versuche, sich von dem zu befreien, das er als die Fesseln der anthropogenen Zivilisation verstand. Jahrhunderte waren verstrichen, vielleicht auch Jahrtausende. Er hatte schlichtweg den √úberblick verloren. Aus dem tiefsten Inneren der posthumanen Zivilisation war er aufgebrochen in die Peripherie, wo er die Natur noch √ľber die Intelligenz thronend vermutet hatte. Den Wirren, den uns√§glichen Komplexit√§ten seiner Heimat hatte er entfliehen wollen, sich ein eigenes St√ľck Natur erobern. In ihr zu leben, mit ihr zu leben, einsam und frei im endlosen Spiel des himmlischen Uhrwerks und seiner Elemente.
Die Zivilisation um ihn herum allerdings hatte einen solchen Vorsprung gehabt, absurd war es ihnen allen erschienen, er k√∂nne Hunderte Lichtjahre √ľberwinden und sie dennoch √ľberholen. Wie eine Sto√üfront hatte sich die Kultur in die Milchstra√üe verbreitet, ja tat es noch immer. M√§chtige Kolonieschiffe voller schlafender Menschen, winzige Drohnen, beseelt von rein informationeller Intelligenz und nat√ľrlich all die Schattierungen dazwischen. Die Druckwelle der Intelligenzexplosion breitete sich fortw√§hrend mit kosmischer Geschwindigkeit in die Natur aus, und er hatte sie doch allen Ernstes √ľberholen, ja gar ihr entfliehen wollen.
H√ľrden hatte er dabei √ľberwunden, die ihn vielerorts zur lokalen Legende gemacht hatten. Sprung f√ľr Sprung hatte er zun√§chst Reisegelegenheiten zwischen den Sternen genutzt, problemlos und praktisch umsonst noch im Kern der Zivilisation, doch immer heikler, je d√ľnner die √∂rtliche Intelligenz ges√§t gewesen war. Ein kosmischer Tramp war er dort gewesen, ein suchender √úberlebensk√ľnstler.
Sp√§ter hatte er selbst komplexer werden m√ľssen, um all die Widerst√§nde auf seiner Reise noch zu √ľberwinden, ein posthumanes Wesen, das mehr und mehr Komplexit√§t angeh√§uft hatte auf seiner skurrilen Flucht vor eben dieser. Eines der schnellsten Schiffe des bekannten Weltraums hatte er schlie√ülich gehabt, war vielerorts gef√ľrchtet, beneidet und verg√∂ttert worden.
Aus dem Kern war er in die innere Peripherie geflogen, weiter in die √§u√üere, die Sph√§ren all der Gl√ľcksritter, Wanderer und Sternenh√ľter hatte er durchquert. Doch besiegt hatte er ihn nie, den unb√§ndigen Drang der Zivilisation, nach drau√üen zu streben und die tote Natur zu beseelen.
Mehr noch, als er eines Tages auf einer neuen Welt gestanden war - das Wettrennen um seine Ankunft abermals um einige Jahrzehnte verloren - da war ihm bewusst geworden, dass er eine Triebfeder gewesen war. Eine von Millionen und Milliarden zwar - ob nun hier, oder am unerreichbaren anderen Ende dieser unaufhaltsamen Kulturexplosion - dennoch eine Triebfeder unter Milliarden.
Mit dieser n√ľchternen Erkenntnis, dem Wissen um den heimlichen Zweck all seines Handelns, da war er auf einmal zufrieden. Die getriebene Sehnsucht nach diesem neuen, naturbelassenen Ort, seinem Ort, sie war kurzum einer unbezweifelbaren Klarheit darum gewichen, was er zu tun hatte.
Also nutzte er die F√§higkeiten der Zivilisation, die er nicht hatte √ľberholen k√∂nnen, und schuf sich sein neues Zuhause selbst. Er gr√ľndete eine Traumwelt, ein virtuelles Universum, den weiten, offenen Himmel, den er so lange gesucht hatte.
Da wurde ihm also bewusst, dass er angekommen war. Allein der Sicherheit halber wälzte er den Gedanken abermals, während er immer tiefer in diese neue Welt eindrang. Doch Zweifel fand er nicht. Keinen Halt, kein Misstrauen. Er beschloss, seine Reise zu vergessen und dieses neue Universum zu erschließen.
Er war nur eine Triebfeder unter Milliarden.

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troubadour
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Interessanter Text, spannendes Thema. Nur scheint es mir eher ein Text √ľber eine Geschichte als eine Geschichte zu sein. Wenn du die Geschichte wirklich erz√§hltest, g√§be das einen Roman, wahrscheinlich einen guten.

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jon
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Die inhaltliche / konstruktionsbezogen Seite des Textes:

F√ľr mich klingt das auch eher wie der pomp√∂s formulierte Entwurf eines gewaltigen Romanes.

Was mich st√∂rt, und zwar wirklich, ist, dass das alles nach ganz "gewichtiger Philosophie" klingt, in Wirklichkeit aber nur unscharf formulierte Plotidee ist. Diese Idee lautet: Ein Wesen will der sich von Zentrum der Galaxis her ausbreitenden Zivilisation entfliehen, aktiviert daf√ľr Geist, Mittel und Kraft und l√§sst sich dann doch nur auf einem Planeten am Rand (nicht au√üerhalb) der Zivilisationszone nieder. Die einzigen anderthalb (halbwegs ausgef√ľhrten) ‚Äěphilosophische Ideen‚Äú darin sind die Frage nach der Machbarkeit und Sinnhaftigkeit von Zivilisationsflucht und damit verbunden die Rolle des Einzelnen im Ganzen. Und daf√ľr so viel Schmus und Get√∂ne?

Interessant w√§re in der Tat der Roman, der zus√§tzliche Fragen behandelt (nicht nur andeutet!). In diesem Entwurf sind einge erw√§hnt ‚Äď Selbstverwirklichung vs. gesellschaftliches Meinung, Selbstverwirklichung vs. ‚Äěwas opfere ich daf√ľr?‚Äú, Rolle als Gott/Universalfeind, Weg-Ziel-Debatte ‚Ķ Alles sehr spannende Fragen, ohne Zweifel, aber eben spannend in Sinne, sich damit zu besch√§ftigen, statt sie nur irgendwie anzudeuten.

Ich w√ľnsche mir den Roman. Wirklich.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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jon
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Stil, Klang, Semantik

Ich benutzte vorhin das Wort "Ged√∂hns". Ich meine damit zum einen diesen gewollt schw√ľlstigen Klang, den man gern bei ganz f√∂rchterbar wichtigen Generalerkenntnissen verwendet ‚Ästbesonders, wenn man das Gef√ľhl dieser Erkenntnis hat, sie aber irgendwie nur unklar in Worte fassen kann. Dass die hier enthaltenen "Erkenntnisse" tats√§chlich besser konkret (in einer Handlung) dargestellt werden sollten steht oben schon.

Hier nun der andere Aspekt dieses "Ged√∂hns": Wer so hoch in der Sprache greift, muss dabei einen sicheren Griff haben. Vieles hier wird nicht dadurch sprachlich komplex, weil viel Inhalt in wenig S√§tzen komprimiert werden m√ľsste (dieses "Problem" haben einige Autoren im Journalistik-Forum), sondern weil es aufgeblasen und ‚Äěverumst√§ndlicht‚Äú wird. Kann man machen ‚Ästwenn man es kann. In diesem Fall entstehen aber oft (z. B. inhaltliche) Unstimmigkeiten oder (z. B. semantische) Unsauberkeiten oder gar Fehler.

Hier Beispiele daf√ľr (sowie Fehler-Hinweise):


quote:
Nur eine Reise
Der Titel irrtiert. Was ist "nur" eine Reise? Er selbst sagt ja, dass es nicht "nur" die Reise ist, sondern in erster Linie das Ziel, was ihm wichtig ist. Er hat am Ende auch nicht "nur" die Reise, sondern er hat ja eben das Ziel (sein neues Leben, wenn auch nicht ganz wie erhofft). Und das gilt auch √ľbertragen: Nat√ľrlich ist Zivilisation immer eine Reise, aber eben nicht nur eine Reise. Sie ist auch ein Kette von Zielen.

quote:
Er war lange Zeit gereist auf seinem Weg hierher.
Heißt im Klartext: Auf dem Weg hierher war er lange Zeit gereist, eine gewisse Zeit aber auch nicht (wobei er womöglich sogar die meiste Zeit nicht gereist ist).


quote:
Zweifellos gab es nicht Viele außer ihm, die solch eine weite Reise ihre persönliche Geschichte nennen durften.
viele (klein schreiben)

quote:
Doch wie er den unber√ľhrten Himmel dieses Ortes zu √ľberschauen versuchte - nicht den Hauch einer Chance in Sicht, dieses Vorhaben in absehbarer Zeit zu einem Ende zu f√ľhren - da wurde ihm bewusst, dass er angekommen war.

Das "doch" ist falsch, dieses Wort zeigt einen Widerspruch oder etwas nicht Erwartetes an. Beides gibt es nicht zwischen/bei "langer Reise" und "angekommen sein". In die Kategorie "unerwartet" f√§llt allerdings sowas: "Oft glaubte er, dass die Reise nie enden w√ľrde, doch nun war er angekommen."


quote:
Seine Reise, so endlos sie einst erschienen war, hatte ihn nun doch in ein neues Zuhause gef√ľhrt.
Hier erst ist das "doch" richtig.

quote:
Der Weg war nie sein Ziel gewesen, so oft ihm die Menschen und allerlei sonderbare Wesen auf seiner Reise dies auch schmunzelnd vorgehalten hatten. Das Ziel war lediglich die Existenzberechtigung des Weges. Und nun, da er hier war, da w√ľrde er sie vergessen, seine Reise. Mit jedem Augenblick des Schwelgens in diesem Ort festigte sich seine Entscheidung. Die Erinnerung an seine Reise w√ľrde verschwinden, als w√§re er schon immer hier gewesen.
Bis "vergessen, seine Reise" ist es ok. Dann wiederholst du dich blo√ü noch. Symptomatisch dabei: Die Wiederholung greift stilistisch noch mal eine Etage h√∂her, als w√ľrde das zus√§tzlichen Inhalt schaffen. Tut es aber nicht. Sowohl, dass er es entscheidet, steht schon vorn drin (es wird ja aus seiner Sicht erz√§hlt), als auch, was er (warum) so entscheidet.


quote:
Hunderte Lichtjahre hatte er √ľberwunden in dem Versuche, sich von dem zu befreien, das er als die Fesseln der anthropogenen Zivilisation verstand.

was er als Fesseln verstand
√Ąm ‚Ķ Ich wei√ü, es ist schwierig, f√ľr Au√üerirdische ad√§quate Bezeichnungen zu finden (da "er" aus dem Zentrum der Galaxis stammt, ist er Nicht-Mensch), das Dilemma l√§sst sich wohl auch nicht l√∂sen. Also wenn "anthropogen" eigentlich "von seiner Spezies geschaffen" hei√üt, dann will er gar nicht weg von Zivilisation, sondern von dieser speziellen Zivilisation. Er will also nicht ‚Äď wie im Folgenden behauptet ‚Äď dorthin, wo Natur noch √ľber Intelligenz thront, sondern nur dorthin, wo seinesgleichen noch nicht formend aktiv geworden ist. Da es (wie vor mit ‚Äěwunderliche Wesen‚Äú notiert ist) auch andere Intelligenzen als seine Spezies gibt, k√∂nnte er also eigentlich auch "nur" in eine anderen Zivilistationsbereich wollen. Kurz gesagt: Das Wort "antropogen" klingt zwar f√∂rchterbar wesentlichen, schafft aber eigentlich eher Un- als Klarheit.

quote:
Aus dem tiefsten Inneren der posthumanen Zivilisation war er aufgebrochen in die Peripherie, wo er die Natur noch √ľber die Intelligenz thronend vermutet hatte.

Was ist eine "posthumane" Zivilisation? Tolles, sehr gewichtig klingendes Schlagwort, aber es stiftet Verwirrung. Ich schlage mal nach: Da steht was von "Unsterblichkeit in der Virtualit√§t" (er ist doch wohl aber sehr real, immerhin reist er doch auch in klassischem Sinne wirklich), etwas von "Mensch darf in Natur nicht zerst√∂ren" (warum will er dann weg, wenn es dort intakte Natur gibt?) und was von "k√ľnstlicher Erweiterung" (die "er" nicht hat? / die er ablegt ‚Äď einfach so? / die er beibeh√§lt? ‚Ästmit welcher Konsequenz?) Das Problem ist hier, dass diese "posthuman" kein konkretes, f√ľr jeden Leser eindeutig identifiezierbares Bild erzeugt. Normalerweise w√ľrde auch "er" posthuman ‚Äď also nicht-menschlich sein, das sieht der Leser aber nicht (und in Wirklichkeit geht es ja auch nicht darum, sondern um extrem menschliche Bed√ľrfnisse und Wirkweisen) In einem Roman w√§re Platz, die Unterschiede zu zeigen, um letztlich darauf zu kommen, dass (wohl) dieses Menschliche (Freiheit/Zivilisation) auch posthuman erhalten bleiben wird.
√ľber der Intelligenz thronend (Thronen ist semantisch "nur" eine spezielle "Form" des Sitzens.)



quote:
Die Zivilisation um ihn herum allerdings hatte einen solchen Vorsprung gehabt, absurd war es ihnen allen erschienen, er k√∂nne Hunderte Lichtjahre √ľberwinden und sie dennoch √ľberholen.
Wer sind "sie alle" (denen es absurd erscheint)? Helfer? Sympatisanten? Einfach nur Mitmenschen? Oder gar "Gegner"?
Wie um Himmel willen kommst du hier auf "dennoch"? Das hei√üt im Umkehrschluss: Nur wenn er hier bleibt, kann er sie √ľberholen.


quote:
M√§chtige Kolonieschiffe voller schlafender Menschen, winzige Drohnen, beseelt von rein informationeller Intelligenz und nat√ľrlich all die Schattierungen dazwischen.

Was ist mit den Schiffen, was tun sie/wird ihnen getan?
Ich versuch mal Klartext: Mächtige Schiffe = winzige Drohnen? Menschen = winzige Drohnen? Schattierungen zwischen was?
Was ist "informationelle Intelligenz"?


quote:
Die Druckwelle der Intelligenzexplosion breitete sich fortw√§hrend mit kosmischer Geschwindigkeit in die Natur aus, und er hatte sie doch allen Ernstes √ľberholen, ja gar ihr entfliehen wollen.
1., 2., 3. oder 4. kosmische Geschwindigkeit? Nein im Ernst: Wer mit ‚Äěgehaltvollen Fachworten‚Äú wie "anthropogen" und "posthuman" operiert, der kann nicht einfach nach Belieben andere Fachworte als Umgangssprache umdefinieren. (Besonders nicht bei so hochgestochem Klang.)



quote:
H√ľrden hatte er dabei √ľberwunden, die ihn vielerorts zur lokalen Legende gemacht hatten.

Das waren nicht die H√ľrden, sondern dass er sie √ľberwunden hat. Mein Ruf in der Firma beruht auch nicht darauf, dass es Text gibt, sondern dass ich Text machen kann.


quote:
Sp√§ter hatte er selbst komplexer werden m√ľssen, um all die Widerst√§nde auf seiner Reise noch zu √ľberwinden, ein posthumanes Wesen, das mehr und mehr Komplexit√§t angeh√§uft hatte auf seiner skurrilen Flucht vor eben dieser.
Das ist wieder dieses Problem mit dem Sichtbarsein des ‚Äěposthuman‚Äú. Was genau meinst du damit, wie genau muss der Leser sich diesen "er" denn nun vorstellen?

quote:
Eines der schnellsten Schiffe des bekannten Weltraums hatte er schlie√ülich gehabt, war vielerorts gef√ľrchtet, beneidet und verg√∂ttert worden.
Also Moment mal! Eben noch hat er SICH "verbessert", jetzt HAT er eines der schnellsten Schiffe (hat also sein Schiff verbessert, oder?)?

quote:
Doch besiegt hatte er ihn nie, den unbändigen Drang der Zivilisation, nach draußen zu streben und die tote Natur zu beseelen.
Das wollte er doch auch nie! Er wollte aus der Ziv. weg, nicht die Ziv. ändern!
Tote Natur? Also unbelebte Planeten und/oder Planeten-Teile? Macht sie wirklich einen Bogen um belebte Planeten?


quote:
Mehr noch, als er eines Tages auf einer neuen Welt gestanden war - das Wettrennen um seine Ankunft abermals um einige Jahrzehnte verloren - da war ihm bewusst geworden, dass er eine Triebfeder gewesen war.
Das Wettrennen um seine Ankunft? Um DIE (Erst-)Ankunft.
Inhalt: Na soooo toll kann sein Schiff nicht sein, wenn er es noch immer nicht geschafft hat, als Erster da zu sein. (Der Witz ist doch, dass er, wenn er ankommt, die Ziv. quasi mitbringt, nicht, dass andere die Ziv. schon Jahrzehnte vor ihm dahin getragen haben. Dann sind die nämlich die Triebfeder, er ist nur nur ein Nachfolger, ein Sich-Einrichter.)

quote:
Eine von Millionen und Milliarden zwar - ob nun hier, oder am unerreichbaren anderen Ende dieser unaufhaltsamen Kulturexplosion - dennoch eine Triebfeder unter Milliarden.
Doppelt gemoppelt: Er ist zwar eine unter vielenm aber dennoch eine unter vielen. Was du meinst ist wohl "Er ist nur eine Treibfeder von vielen, aber nichtdestoweniger eine Triebfeder."

quote:
Die getriebene Sehnsucht nach diesem neuen, naturbelassenen Ort, seinem Ort, sie war kurzum einer unbezweifelbaren Klarheit darum gewichen, was er zu tun hatte.
Was ist eine "getriebene Sehnsucht"?

quote:
Also nutzte er die F√§higkeiten der Zivilisation, die er nicht hatte √ľberholen k√∂nnen, und schuf sich sein neues Zuhause selbst.
Grrrr … das wollte er doch von Anfang an: Sich sein Zuhause selbst schaffen, das ist kein Ergebnis dieser Erkenntnis (das "also" ist falsch).

quote:
Er gr√ľndete eine Traumwelt, ein virtuelles Universum, den weiten, offenen Himmel, den er so lange gesucht hatte.
Also Moment mal! Am Anfang steht da, dass er diesen un√ľberschaubar weiten Himmel unber√ľhrt vorfindet ‚Äst das kann man von einem geschaffenen Himmel wohl kaum sagen. Und er schafft sich an dem Ort, den er auf der Suche nach purer Natur gefunden hat, eine Kunstwelt? Warum?

quote:
Allein der Sicherheit halber wälzte er den Gedanken abermals, während er immer tiefer in diese neue Welt eindrang.

Man kann in eine existierende Welt eindringen, er schafft diese Welt allerdings grad erst.

quote:
Doch Zweifel fand er nicht. Keinen Halt, kein Misstrauen.
Er findet keinen Halt? Also driftet er ab, oder was?



Jetzt, beim Aufdr√∂seln, merke ich, dass der Text auch als Entwurf noch m√§chtig hakt. Was genau da passiert, welche "Beweggr√ľnde" er tats√§chlich hat bzw./oder wie die sich im Laufe √§ndern, wird zunehmend schwammiger. Ged√∂hns eben.


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Marco Kaas
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Ich sehe, eine Menge interessante Kritik hier. "Nur eine Reise" hatte f√ľr mich den Charakter eines kleinen Experiments, das ich bei genauerer Betrachtung wohl als fehlgeschlagen ansehen muss. Aber gehen wir strukturiert vor:

- Kernpunkt der Kritik - und f√ľr mich sehr ernstzunehmend - ist der Mangel an Inhalt, insbesondere aber die Spannung zwischen meiner Sprache und dem Mangel an Inhalt. Ich mag einen starken Hang dazu haben, pathetische Sprache zu r√ľhren, aber wo der Inhalt sehr begrenzt bleibt, verstehe ich durchaus, dass sich der Begriff "Ged√∂ns um nichts" aufdr√§ngt.
Zusammen damit, dass hier eine sehr lange Geschichte in einem sehr kurzen Text umrissen wird und scheinbar eher den Eindruck von Unvollständigkeit erweckt, als die Phantasie anzuregen, ist damit wohl die zentrale Intention des Textes verfehlt. Scheiße passiert, nehme ich an .

- Auch sto√üen mir viele Missverst√§ndnisse bzw. Nachfragen nach inhaltlicher Klarheit auf, die offenkundig nicht gegeben war. "Anthropogen" hei√üt hier tats√§chlich "vom Menschen Verursacht" (vom Zentrum der Milchstra√üe ist nie die Rede), "posthuman" hei√üt im Kontrast dazu nicht mehr menschlich (wenn auch sehr unspezifisch), und ich gehe davon aus, dass ein eben solches Wesen keine klare Trennung mehr zwischen seiner eigenen Komplexit√§t und der seiner unmittelbaren technischen Hilfsmittel (zum Beispiel eines Schiffes) ziehen kann/wird. All diese Ideen fallen aber allem Anschein nach der K√ľrze des Textes zum Opfer, was beim besten Willen wohl nicht f√ľr den Text spricht.

- "1., 2., 3. oder 4. kosmische Geschwindigkeit?" Zugegeben, keine davon. Ich wollte dem Leser klanglose Begriffe wie "mit einem signifikanten Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit" ersparen. Der Schuss ging nach hinten los.

- Nimmt man einige weitere der angesprochenen Fehlerchen dazu, h√§tte man zweifellos eine ordentliche Basis, Korrekturen anzugehen. Zun√§chst also vielen Dank f√ľr den Aufwand dieser Kritik, der nicht zu untersch√§tzen ist.

Da allerdings die Kernkritik das zentrale Konzept der Geschichte erfolgreich angreift, dr√§ngt sich die Frage auf, ob ein Herumoperieren an dieser Geschichte √ľberhaupt noch Sinn macht. Ich komme zu der Schlussfolgerung, dass es das nicht tut. Die Geschichte an sich mag eines Tages in einem Roman tats√§chlich besser aufgehoben sein, in jedem Fall aber in einem Format, das sich von diesem Konzept unterscheidet.

Dar√ľber hinaus wird mir wieder bewusst, warum ich gerade von Kurzgeschichten so lange die Finger gelassen habe - sie sind schlichtweg ein wesentlich anspruchsvolleres Format, als man auf den ersten Blick meinen k√∂nnte .

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