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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur eine von vielen Welten
Eingestellt am 24. 11. 2015 00:45


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Elektro
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Feb 2015

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Nur eine von vielen Welten
(FĂŒr meinen Sohn Daniel, der auch in einer anderen Welt lebt)

Pauls Augen brannten. Die Nacht hatte er in der Sternwarte verbracht und nicht, wie ĂŒblich, vor dem Computer. Beeindruckender fand er es, mit dem Teleskop den wahren Sternenhimmel zu beobachten, anstatt seine Zeit lediglich kĂŒnstlichen Bildern zu schenken. Rings um ihn herum stapelten sich Berge von Papiere sowie Berechnungen verschiedener Sterne und Planeten, denn - intelligentes Leben zu finden und eine neue Welt zu entdecken - DAS war Pauls Traum.
Halb sieben - eine halbe Stunde, bis es in den wohlverdienten Urlaub gehen wĂŒrde. Paul freute sich auf den Abend, dann könnte er nĂ€mlich wieder mit Josef philosophieren. Im Garten stand ein altes, gemauertes Gartenhaus mit einer Holzterrasse. Gleich daneben ein beschaulicher Teich, in den sich leise plĂ€tschernd ein kleiner Wasserfall ergoss. Immer mal wieder saßen wir hier, um bis tief in die Nacht Sterne zu beobachten und dabei ĂŒber Gott und die Welt zu philosophieren.
Nicht selten fĂŒhrte dies zu wuchtigen Wortgefechten - kein Wunder, wenn zwei Welten – ein Atheist und ein Geistlicher – aufeinandertrafen.
xxx
Langsam wurde es Nacht, und unser Volk versammelte sich wie jeden Abend, um sich auszutauschen.
Ein jeder konnte, wenn er es sich selbst erlaubte, sich den anderen öffnen, seine Gedanken offenbaren und mit dem anderen philosophieren.
Schon immer formten sich zwei Gruppen – die GottesfĂŒrchtigen und die Zweifler.
Einige kamen aus kleinen kalten Welten – ohne Vater, ohne Mutter.
Andere hatten Eltern – lebten hier in dieser.
Dann waren da noch zwei sehr Alte - aus einer sehr großen Welt, in der es keine Nahrungsgeschenke und Wunderheilungen gab. Sie wurden aus Ihrer Welt gerissen und mussten die Kinder zurĂŒcklassen.
"Es muss schön sein, Eltern zu haben! Ich komme aus einer anderen Welt, in der es keine Eltern gibt."
"ErzÀhl uns davon!"
"Nun, die Welt, in der ich aufgewachsen bin, ist sehr klein, kalt und kahl. Glatte, undurchdringliche Grenzen umgeben sie. Es gibt keine Pflanzen, kein anderes Leben."
" Wie habt ihr dort gelebt?"
"Wir waren viele kleine Schwestern und BrĂŒder. Alte gab es dort nicht. Einen Vater oder eine Mutter besass niemand von uns. Das Wasser war immer gleich warm und jeden Tag gab es reichlich Nahrung. Es wurde nicht langsam dunkel und langsam wieder hell wie hier. Tag und Nacht wechselten immer mit einem Mal um die gleiche Zeit. Mal fĂŒr sich zu sein, sich zwischen Pflanzen zu verstecken, zu spielen und tĂ€glich neue Dinge zu erforschen – kannten wir nicht.
Es schmerzte sehr, wenn Gott wieder mal ein paar von uns holte! Und fast tĂ€glich verließen uns einige.“
"Und wie bist Du in unsere Welt gekommen?“, wurde einer der Neuen gefragt.
"Etwas tauchte tief in unsere Welt ein und kam geradewegs auf mich zu. Panische Angst ergriff mich, als ich durch die Grenze gezogen wurde – Gott mich anfasste. Ich dachte, er wĂŒrde mich umbringen. Man, man kann nicht atmen und, und droht zu ersticken. Die plötzliche Schwere zerdrĂŒckte mir beinah‘ die Eingeweide. Mit noch drei anderen fand ich mich in einer noch kleineren, plastischen Welt wieder, in welcher wir durch Zeit und Raum reisten, bevor wir in eure Welt eintauchten.“
xxx
Als Josef kam, dÀmmerte es bereits.
"Hast Du endlich Gott gesehen?", waren seine ersten Worte, mit denen er mich begrĂŒĂŸte.
Ironie gepaart mit einem Hauch von Angst schwang mit in seiner Stimme.
„Leider noch nicht“, lachte ich. „Du kannst deinem Beruf also noch eine Weile nachgehen. Ich umarmte ihn und freute mich auf einige Stunden geistreicher GesprĂ€che.“
„Die Nacht verspricht warm zu bleiben – sicherlich eine Nacht nimmer endender Diskussionen.“
"Wir sind beide Suchende. Ich – nach fremden Welten und Du – nach „unserem“ Gott."
"Es gibt Myriaden von Welten im Universum. Und wenn dort intelligente Wesen „wohnen“, werden sie mit Sicherheit auch einen oder mehrere Götter haben. Also hör endlich auf, mit dem einzig wahren und richtigen Gott. Es ist einfach nur dein Gott.“
"Solange du mir keine Aliens vorstellst, die den Richtigen anbeten, und dass auch beweist, kannst du mich nicht von meinem Glauben abbringen."
"Wir finden immer mehr Planetensysteme mit sogenannten Supererden.
Es wird nicht mehr lange dauern und wir werden außerirdisches Leben entdecken.
Doch wahrscheinlicher ist es, dass Sie UNS finden werden.
Was wĂŒrdest Du sagen, wenn sie uns erzĂ€hlen, das Ihre Rasse vor einigen Tausend Jahren das Leben auf die Erde gebracht haben?"
"Halt, genug! Auch du hast noch keine Beweise! Alles nur Wunschgedanken und Spekulation! Wir sind Menschen! - In Ordnung, ich gebe ja zu, dass die Welt nicht in sieben Tagen erschaffen wurde. Aber wir haben uns eigenstĂ€ndig, mit Hilfe von Gott, entwickelt. Wir sind doch keine ZĂŒchtung irgendwelcher fremder Lebewesen."
"Warum nicht? Wir zĂŒchten Rinder, Schweine, Schafe, HĂŒhner oder auch Fische. Und wir verĂ€ndern das Erbgut von Tieren und Pflanzen."
xxx
"Es wurden wieder zwei von uns geholt! Gott hat uns dafĂŒr vier neue Schwestern und BrĂŒder geschenkt. Ach, Vater! Ich kann es nicht glauben, dass unser Gott so grausam ist. Zwei gute Freunde habe ich verloren. Jetzt bin sehr traurig darĂŒber.“
"Das musst Du nicht! Sicher leben sie jetzt in einer anderen Welt weiter. Denn dass es andere Welten gibt, das wissen wir."
xxx
Der Sonnenaufgang war bezaubernd. Golden strahlte es aus dem dunklen Universum.
In diesem Moment – glĂ€nzten die Goldfische golden wie noch nie. Anmutig, als schwebten sie unter der spiegelglatten OberflĂ€che des Teiches.
"Weist Du Josef
 in diesen Momenten – glaube ich auch an so etwas wie einen Gott.
Ein Gott, verantwortlich fĂŒr ALLES, was im Universum existiert.
Einer, der weder gut noch böse ist. Einer, dem es einfach egal ist, wie sich alles entwickelt.
Die Evolution spielt sich nicht nur auf unserer Erde, sondern in Milliarden von Galaxien im gesamten Universum ab.“
„Ich mache uns jetzt einen starken Kaffee. Du kannst in der Zeit die Fische fĂŒttern."
"Waren beim letzten Besuch nicht einige von ihnen krank oder hatten einen Pilz?"
"Eine Flasche Medizin in den Teich und alle sind wieder gesund."
"Anmutig, wie sie so im Wasser schweben“, meinte Josef, „und es sind sogar schon wieder einige mehr!"
xxx
Langsam wurde es hell, wÀhrend das Wasser noch angenehm warm war und wir schwerelos umher schwommen.
„Seht mal! Zwei Götter sind es heute – und sie blicken uns geradewegs an!“
„Gleich tauchen sie sicher ihre HĂ€nde hinein!“
„Den HĂ€nden der Götter können wir nicht entgehen!“
„Vielleicht ist die Zeit gekommen,...“
„...uns zu anderen Welten zu fĂŒhren.“
xxx
"Also, der Fischreiher hat zwei geholt. Da hab ich in der Zoohandlung vier Junge gekauft.
Aus diesen seelenlosen, sterilen Zuchtbecken. – Ach, sieh‘ dort! Die zwei Großen habe ich von Detlef, aus seinem traumhaften Naturteich! Er ĂŒberlĂ€sst alles der Natur. Kein FĂŒttern – keine Medikamente."
Leicht ungeschickt öffnete Josef den Eimer. Und zum ersten Mal in meinem nicht mehr ganz jungen Leben hörte ich ihn fluchen, als der offene Eimer mit Fischfutterflocken auf die Terrassenbretter knallte.
Ich musste laut lachen. Es war wohl ein wenig Zuviel des Weines heute Nacht, so wie sich der Eimer zur HĂ€lfte in den Teich entleerte.
xxx
Ein KNALL – wir zuckten zusammen, als plötzlich eine Unmenge an Fischfutter ins Wasser eintauchte.
So viel, dass sich unsere Welt fĂŒr einen Moment verdunkelte.

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TaugeniX
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Es ist eine unglaublich schwere Aufgabe, das "GottesgesprĂ€ch" der zwei hohen Intellektuellen niederzuschreiben. Mir selbst wĂŒrde ich es niemals zutrauen. Also muss ich auch bei der Kritik den Ball flach halten.

Eines nur möchte ich erwĂ€hnen: das vermutliche Vorhandensein des Lebens oder auch beseelten und denkenden Lebens außerhalb der Erde ist kein Argument im Streit um Gottes Sein.

Die armen Fische haben mir gefallen. In meiner Muttersprache (russisch) gab es in den Sowjetenzeiten einen Witz:

Der junge Fisch kommt vom Unterricht im "wissenschaftlichen Materialismus" und zerschmettert die "fĂŒnf Gottesbeweise". Darauf meint seine Oma: "Ist ja gut, Kindchen. Aber wechselt denn das Wasser?"

Noch etwas: ich wĂŒrde versuchen, die Fische deutlicher anders reden zu lassen, als die Menschen. - Gerade, weil sie das gleiche denken. - Weißt Du, wie bei Kafka: KĂ€fersprache, MĂ€usesprache...
__________________
Was uns obliegt, ist nicht die Lust des Lebens, auch nicht einmal die Liebe, die wirkliche, sondern lediglich die Pflicht. Th. Fontane

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Rehcambrok
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Elektro,
deine Geschichte war mir schon Anfang des Jahres im 'Fantasie und MĂ€rchen' Forum aufgefallen. Da ich aber auch noch neu war, habe ich weder gewertet noch einen Kommentar abgegeben. Es ist sehr Anspruchsvoll geschrieben. Falls es nicht zu schmerzlich ist, sollte das Vorwort etwas tiefer blicken lassen!

LG Rehcambrok

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aligaga
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@Ali liest diesen Text als Kindergeschichte.

Im Vorspann ist leider völlig unklar, was der Prtogaonist eigentlich wirklich treibt - sitzt er permanent vor dem PC, wie es heißt, oder arbeitet er nachts in einer Sternwarte, obwohl er zur gleichen Zeit auch im Garten spazieren geht und mit einem GlĂ€ubigen (oder Atheisten) diskutiert?

Beim Vermenschlichen von Tieren, insbesondere von Fischen, sollte man achtgeben, den Viechern ihre Arteigenheiten nicht wegzufantasieren - reizvoll sind solche Übertragungen doch nur, wenn die tierischen Eigenschaften vermenschlicht werden, nicht umgekehrt. Goldfische gehören zur Familie der Cypriniden und sind tagaktive SichtfĂ€nger. Sie gehen in der DĂ€mmerung ins "Bett" und halten Nachtruhe auf dem GewĂ€ssergrund; SchwĂ€rme bilden sie dabei nicht aus.

NatĂŒrlich wird behauptet werden, dass es beim eigenen Gartenteich ganz anders wĂ€re. Aber das stimmt nicht. In der Nacht ist es natĂŒrlicher Weise in einem Teich (oder Aquarium) stockfinster. Und wenn ein Licht angezĂŒndet wird, ist die Nacht futsch.

An den "Schuppen" herbeigezogen ist auch die Sicht der Fischerln, bei dem Wesen, das immer wieder auf sie zugriffe, handele es sich um einen "Gott". De facto betrachtet der Goldfisch jedes Landwesen, das ihm zu nahe kommt, als RĂ€uber, der Leib und Leben bedroht und vor dem man tunlichst flieht. Das mĂŒssen keine Menschen sein - eine Katze oder ein Rabe genĂŒgen auch. Oder ein Keschernetz.

Wie @Taugenix richtig bemerkte - die Gottesfrage ist in einer Kurzgeschichte nicht zu beantworten; das hier angebotene "Paralleluniversum" weist so viele handwerkliche Fehler auf, dass es nicht ernst genommen werden kann. Auch Kindergechhichten sollten, wo möglich, authentisch sein.

@Ali hĂ€lt fĂŒr den einfachsten und besten "Gottesbeweis", dass es hienieden jede Menge Teufelchen gibt. Ohne Pendant könnten die nicht existieren ...

AmĂŒsiert

aligaga



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Wipfel
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Registriert: Feb 2008

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Kommentare: 728
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Gottesbeweis

Was der Teufel dazu meint guckst du hier:

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