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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Nur noch eine Woche zu leben?
Eingestellt am 10. 08. 2002 23:35


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Imke Christiansen
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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Im Laufe der Jahre gibt es viele Dinge, die einen beschäftigen.
Fragen tauchen auf – die Suche nach Antworten. Ebenfalls Sehnsüchte, Hoffnungen und doch gleichzeitig die Angst, alles nicht rechtzeitig zu schaffen. Die Angst, das dieses Leben zu kurz ist, um das zu erreichen, was man sich noch vorgenommen hat.
Man strebt nach Reichtum, Macht und Erfolg. Dass man dafĂĽr den ein oder anderen Mitbewerber oder Kollegen vernichtend in die Knie zwingt, wird gerne in Kauf genommen.
Das Herz verhärtet, die Gefühle haben Dollarzeichen.

Nehmen wir hier einmal die Frage: Was wĂĽrdest du machen, wenn du wĂĽsstest, dass du nur noch eine Woche zu leben hast?

Wie wäre die Antwort eines Milliardärs darauf?
Vielleicht so?
„Mit Geld kann ich mir alles kaufen! Ich habe in dieser Woche Termine bei den angesehensten Ärzten! Einer wird für viel Geld schon etwas finden, das mir hilft! Für mein Leben ist mir kein Cent zu schade!“

Hoffnung? Vielleicht verzweifelte Hoffnung?

...und wie wäre die Antwort eines Normalbürgers?
Vielleicht so?
„Die Reichen sind es, denen alles gegeben wird und die sich die besten Ärzte leisten können.
Ich habe noch eine Woche und ich habe Angst. Meine Familie –die Frau, zwei kleine Kinder – wie werden sie ohne mich zurecht kommen? Geld für eine Lebensversicherung hatte ich nie. Was wird ohne mich sein? Diese eine Woche wird die längste meines Lebens werden – jede Stunde werde ich voller Sorgen leben, voller Verzweiflung und Hoffnung, dass die Ärzte sich geirrt haben. Was kann ich ändern? Ich bekam nie die Chance, ein Vermögen anzuhäufen, um meine Lieben abzusichern. Und was ist mit mir? Ich möchte leben – ich möchte meine Kinder groß werden sehen, will ihr Lachen hören und sie auf ihrem Weg helfen begleiten. Warum gerade ich?“

Verzweiflung? Wut? Hilflosigkeit?

...und wie wäre die Antwort eines vierjährigen Kindes?

„Mama hat gesagt, dass der liebe Gott mich so gerne hat, dass er mich zu sich holen möchte. Sie sagte, dass es im Himmel viele Engel gibt, die mit mir spielen werden. Und auch, dass dort andere Kinder sind, die sich um mich kümmern. Aber was ist mit Mama und Papa? Sie werden traurig sein, wenn der liebe Gott mich holt.
SCHAU! Dort ist ein Schmetterling! Sehen so die Engel aus?“

„Schau! Dort ist ein Schmetterling!“ Ist das nicht Leben? Leben erkennen und Leben leben? Nicht an Geld zu denken, sondern die Schönheit der kurzen Momente genießen, wie man sie in jedem Augenblick ERLEBEN kann? Es gibt noch mehr als Geld und Verantwortung. Es gibt mehr als die Verpflichtung anderen gegenüber.
Es gibt das Leben selber!
„Schau! Dort ist ein Schmetterling!“
Siehst du ihn?

__________________
Imke Christiansen

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flammarion
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oh,

imke, deine geschichte ist zum heulen schön! bekommt 10 punkte und n ehrenplatz in meiner sammlung. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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bosbach46
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Todesnähe

hallo Imken,
dein Text trifft mich ins Mark. Aber keineswegs schmerzhaft, sondern eher als würde dein Schmetterling um mich her tanzen. Was ich jetzt schreibe, kommt nicht aus meinem hohlen Kopf, sondern ist Erfahrung: Todesnähe schafft Heiterkeit. Das Grün der Bäume wird grüner, die roten Lippen meiner Frau werden wie Kirschen und das Lachen meiner Tochter klingt, wie ein Lied. Je mehr die eigene Endlichkeit sich als Gedanke aufdrängt, desto intensiver werden die Facetten, die das Leben bietet. Natürlich wird auch der Abschiedsschmerz größer. Also, dein Text ist gut. J.B.
__________________
J. Bosbach

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