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Leselupe.de > Humor und Satire
Nur noch lächerlich
Eingestellt am 15. 11. 2010 11:56


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Verwandte, vor allem alternde Familienmitglieder, können peinlich sein. Vor allem ungewollte. Was, zum Beispiel, würden Schimpansen sagen, wenn sie wüssten, dass wir Menschen sie für unsere nächsten Verwandten halten? Vermutlich würden sie uns empfehlen, die biblische Schöpfungsgeschichte doch lieber wieder wörtlich zu nehmen.
Schon in der Jugend des Alters, zu Beginn des so genannten Ruhestands und ein paar weitere Jahre innerhalb des Renten- oder Pensionsalters, nahmen bei mir gewisse Tölpelhaftigkeiten spürbar zu, die mich der Lächerlichkeit preisgaben.
Dabei habe ich mir in meinem Lebensmittelalter (so um die Vierzig) immer vorgestellt, einst jene Altersweisheit zu besitzen, die ich jüngeren Zeitgenossen als Lebenshilfe anbieten und die mich allein deswegen gegen Lächerlichkeit immun machen könnte.
Nun können die eigenen Alterserscheinungen mindestens so lästig sein wie die ungewollter Verwandter. Wenn ich da an meinen korinthenkackerischen Onkel Herbert denke, der, je älter er wurde, immer alles noch viel besser wissen wollte. Er war nur angeheiratet, spielte sich aber auf, wie der ältere Bruder meiner Mutter, obwohl er nur der jüngere Bruder der Schwester meines Vaters war.
Onkel Herbert hätten auch Affen bestimmt nicht verwandtschaftlich nahe stehen wollen. Dabei sah er ihnen sehr ähnlich. Sein behaarter Brustkorb, dessen Haarbewuchs von Jahr zu Jahr zunahm, wurde nur noch von dem Pelz auf seinem Rücken übertroffen, während das Haupthaar seiner speckig schweißglänzenden Glatze immer nachhaltiger Platz einräumte. Am Strand ragte sein Schädel wie ein Ei aus einem wollhaarigen Nest. Als er vor drei Jahren starb, glich er rein äußerlich weit mehr unseren nächsten Verwandten unter den Primaten als jungen Menschenartigen, die heute dazu neigen, ihre Körperbehaarung per Rasur radikal zu entfernen.
Mein Haupthaar hält sich stellenweise recht gut, aber mich plagen dafür Vergesslich- und Ungeschicklichkeiten.
„Neulich stand ich mit altersgemäß hohem Blasendruck auf der Herrentoilette eines Cafès, konnte gerade noch rechtzeitig den Reißverschluss aufreißen, fand dafür aber den Unterhoseneingriff nicht. Hatte am Morgen die Unterhose einmal mehr falsch herum angezogen. Da ich mit offenem Hosenstall ins Cafè zurückkehrte, sah sich eine ältere Dame, die gerade ein Stück Sahnetorte zum Mund führte, veranlasst - vermutlich wegen ihrer Schwerhörigkeit – sehr lautstark anzumerken: „Junger Mann, ihr Hosenstall…!“ Das brachte mir die Aufmerksamkeit nahzu aller Kaffeehausbesucherinnen ein.
Morgens fällt mir regelmäßig der Bürstenaufsatz von der elektrischen Zahnbürste. Und habe ich den dort sicher befestigt, stürzt das Zahnpastawürstchen, das meine altersgelben Zähne schneeweiß färben soll, ins Waschbecken.
Beim Abtrocknen nach dem Duschen, landet das Handtuch im noch nicht gänzlich leer gelaufenen Duschbecken und zum Frühstück tropft mir Honig vom Brötchen auf die Hose. Spätestens dann guckt meine Frau mich an mit ihrem auffordernden „Was-hast-du-denn-heute-schon-wieder-vergessen-Blick“.
„Nein, Schatz, diesmal habe ich daran gedacht: Wir haben uns heute vor 25 Jahren das erste Mal gesehen.“ Kopf schüttelnd stöhnt sie auf: „Erstens war das vor 24 Jahren und zweitens sind wir heute vor 23 Jahren zusammengezogen.“ Eilt in die Küche und kommt mit einem Spülmittel getränkten Lappen zurück, mit dem ich mir umgehend den Honig von der Hose entfernen soll.
Wirklich unangenehm wird es jedoch erst, wenn unser inzwischen in einer Studentenbude wohnender Sohn mit seiner keineswegs unattraktiven Freundin bei uns übernachtet und beide morgens mit am Frühstückstisch sitzen.
Zu meiner Entschuldigung murmele ich vor mich hin, nach meiner Erfahrung neigten alle Rentner zum Schlabbern. Ich könnte mich doch meistens noch auf mein Gedächtnis verlassen. Dabei sehe ich großzügig über das Grinsen meiner Frau hinweg und erzähle zum Beweis meines Erinnerungsvermögens von unserem Urlaub vor fünf Jahren, den wir auf Kreta in der Pension von Jannis verbrachten.
„Also, Liebling…“, wenn meine Frau mich schon Liebling nennt, „…erstens waren wir vor fünf Jahren auf Sizilien und der Wirt auf Kreta, dort waren wir vor vier Jahren, hieß Elenie und war eine Frau. Jannis jedoch hieß Kostas und war unser Wirt in der Taverne auf Santorini.“
Um die Situation zu retten, beginne ich zu lachen und die Freundin meines Sohnes lächelt mich an. „Ich mag dich, weil du über deine Vergesslichkeit lachen kannst.“
Dankbar lache ich weiter. „Das tut mir richtig gut, Silke.“
Ihr Lächeln bekommt etwas Bemühtes. „Silke? Das war zwar die vorletzte Freundin deines Sohnes, ich heiße Lena, doch so lange dein Sohn sich das merken kann…!“
Der verdrehte die Augen und murmelte. „Hoffentlich, Papa, werde ich später nicht so peinlichwie du“, griff sich an die Gesäßtasche, dann an den Kopf und stöhnte: „Oh, Silke, ich hab mein Portemonnaie vergessen…!“
Lena streichelt ihm nicht sonderlich zärtlich über den Kopf. „Ach, Liebling…, „

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 15. 11. 2010 11:56
Version vom 16. 11. 2010 13:58

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Hallo donkys freund,
deine Kritik trifft mich heftig. Aber ich werde den Text natürlich überarbeiten.
Mal sehen, was ich noch rausreißen kann.
Dennoch Dank
Karl
__________________
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