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Leselupe.de > Humor und Satire
Nur rasch nach 'ner Bluse sehen...
Eingestellt am 12. 05. 2002 00:06


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Lambertus
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Registriert: May 2002

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Gott erschuf Adam und Eva nach seinem Ebenbild; er entsandte sie ins Paradies mit dem Auftrag: “Gehet hin und mehret Euch” - Diese ersten beiden Menschen waren Ideale, Ebenbilder Gottes, ohne SchwĂ€chen, ohne verborgene Geheimnisse. Adam wusste alles von Eva, und Eva wusste alles von Adam, und das Paradies umgab sie.

Doch als Gott irgendwann mal wieder vorbeischaute, wurde er Ă€rgerlich: Das Paradies war zweigeteilt, rechts Adams Revier, links das von Eva. - Beide wollten nichts, aber auch gar nichts voneinander wissen. - Gott ĂŒberlegte, sah sich um, bemerkte einen riesigen Eisberg und erkannte die Eisberg-Theorie, nach der nur der siebente Teil des Eisbergs ĂŒber dem Wasser schwimmt.

Da beschloss Gott ein Update des Menschen. Alles, worin sich Adam und Eva ergĂ€nzten, kam in den sichtbaren oberen Teil, - der grĂ¶ĂŸere Teil mit den vielen GegensĂ€tzen kam ins verborgene Innere von Adam und ebenfalls von Eva. - Nach dem letzten Enter-Klick des Updates fielen Adam und Eva ĂŒbereinander her und mehrten sich, wie es die Spitze des Eisberges von ihnen verlangte. Als sich der große unsichtbare Teil muckte, begann die Zerstörung des Paradieses. DafĂŒr brauchte man ( = Mann) damals schon einen Schuldigen, nĂ€mlich den schwĂ€cheren, also - Eva. Man (= Mann) erfand die ominöse Apfelgeschichte, und damit begann zugleich die Diskriminierung der Frau.

An diese meine neo-biblische Erkenntnis wurde ich erinnert, als bei einem Stadtbummel Luise sagte, sie wolle “nur mal rasch nach einer Bluse sehen”. - Welche Katastrophen sich dahinter verbergen, kann ein Adam, der nur das eine bessere Siebtel von Eva kennt, in seiner vollen Tragweite unmöglich erahnen.

Es hĂ€tte doch wirklich ein schöner Tag werden können... Meine bessere HĂ€lfte war zu einem Klassentreffen gefahren, ich also solo. Peter und Luise hatten den netten Einfall, dass wir uns am Nachmittag in der Stadt treffen könnten; Peter hĂ€tte gern meine Beratung beim Kauf einer Digital-Kamera, anschließend könnten wir einen kleinen Altstadt-Bummel machen, und zum Abendessen wollten Peter und Luise mich zu meinem Lieblings-Italiener “Da Gina” einladen. Dann wollten wir uns noch gemeinsam im Kino einen tollen Film ansehen; welchen spielt hier keine Rolle, - es kam sowieso nicht dazu.

Wir trafen uns also verabredungsgemĂ€ĂŸ vor einem großen DĂŒsseldorfer Foto-GeschĂ€ft. Peter hatte schon akribisch recherchiert, welche Kamera fĂŒr ihn wohl am ehesten in Frage kĂ€me. Nachdem wir das gute StĂŒck mal in die Hand genommen hatten, der VerkĂ€ufer fachkundig unsere offenen Fragen beantwortet hatte, nickte ich den Kauf ab. Nun wurde noch zĂ€h um den Preis gefeilscht, dann war der Kauf getan. Ein - wie ich meine - sittlich einwandfreier Vorgang.

Dass so etwas auch ganz anders verlaufen kann, sollten wir wenig spÀter erfahren...

Eine Vorwarnung kam von Luise, als wir wieder auf die Straße traten: “Jetzt hast du in knapp 20 Minuten ĂŒber zweitausend Mark ausgegeben...” Daraus klang kein Vorwurf, nur fassungslose Verwunderung... Sollte das bedeuten, dass man in so kurzer Zeit eben nicht so viel Geld einfach so ausgibt...? - Wahrscheinlich sollte es das...

Wir schlenderten die Schadowstraße entlang und kamen zu dem großen Neubau eines gerade wieder eröffneten bekannten Textil-Kaufhauses, ein wahrer Glaspalast. Und in diesem Augenblick passierte es...! - Luise sagte: “Oh... ich will hier nur mal rasch nach ‘ner Bluse sehen...” - Das Unheil begann.

Wir drei betreten also das imposante neue Kaufhaus.

Kindliche Vorfreude in Luises Augen ob all der vielen schönen Dinge?? - Fehlanzeige! Aus Luise wird augenblicklich eine zu allem entschlossene Frau, Kampfeslust liegt in ihrem Blick. Diese Arena will sie als Siegerin verlassen!

Gleich rechts - sĂ€uberlich auf hellen Holztischen gestapelt - liegen modische Herren-Hemden. In Windeseile hĂ€lt Luise zwei - drei - vier dem verdutzten Peter vor die Brust und meint: “Dies hier - das wĂŒrd’ dir stehen... - Aber blaue hast du eigentlich genug.” - Und packt sie wieder weg. “Du solltest mal hellere, freundlichere Farben tragen... - Schau doch mal dahinten nach.”

“Ich hab’ genug Hemden,” meint Peter gequĂ€lt, “weiße, gelbe, beige, hellgrĂŒne...”

“Aber alle mit so unmodernen Kragen.” Luise wĂŒhlt weiter, Peter wĂŒhlt nicht mit, und deshalb meint sie pikiert: “Na, wenn du nicht willst... Ich dachte nur, weil wir mal hier sind... Man kann sich ja mal was Neues kaufen.” Ab zur Rolltreppe, wir brav hinterher. Erster Stock: Damen-Blusen/Blazer/Röcke...

Sogleich hat Luise diverse Teile in der Hand, breitet sie aus, legt sie wieder zusammen und erklĂ€rt uns dazu: “Oh.... Feincord ist wieder groß im Kommen.” - Aha!

“Suchst Du eine Bluse aus Feincord?” fragt Peter verwundert.

“Ach Quatsch! - Nur eine, die zu meinem Joop-KostĂŒm passt.” Peter sieht mich ratlos an. Joop-KostĂŒm...? - Ja, Junge, nicht ich, sondern du bist gefragt, - das ist Deine Frau!

Plötzlich eilt Luise quer ĂŒber den Gang und kramt aus einem StĂ€nder eine ganz merkwĂŒrdige Bluse heraus, eine mit zwei kurzen Hosenbeinen.. Peter ist leicht genervt. “Das ist aber keine Bluse, das sind Shorts...” - Luise: “Mensch, mach - mich - nicht - verrĂŒckt...!!”

Endlich stehen wir in einem Gang aus StĂ€ndern voller richtiger Blusen. Luise beginnt, sie einzeln durchzublĂ€ttern, - hin und her, vorwĂ€rts und rĂŒckwĂ€rts, nimmt eine ‘raus, schĂŒttelt den Kopf und hĂ€ngt sie wieder ‘rein, hĂ€lt eine andere hoch und fragt laut in den Saal: “Pah... sieht ja panne aus! Wer soll denn so ‘was anziehen?!” - Wir wissen es auch nicht.

Endlich, Luise hat etwas gefunden. “Die hier, die ist genau richtig, so eine suche ich! - Aber das Muster ist ja grauenhaft...” Und hĂ€ngt sie wieder weg. - “Ich suche eine CĂŽtelĂ©-Bluse, eben so eine Hemdbluse, “ erlĂ€utert sie uns, was uns kaum klĂŒger macht. Hemd oder Bluse, - ja was denn nun?

Der hilfsbereite Peter holt von einem Tisch mit Stapeln von Textilien ein StĂŒck und eilt damit zu Luise. ‘Tu’s nicht, bitte tu’s nicht.!’ will ich noch sagen, zu spĂ€t... “Was soll ich denn damit?! - Das ist doch ‘n simples T-Shirt... Hast aber auch null Ahnung! Lass mich man lieber...” - Wir lassen sie lieber... Peter versucht derzeit, das T-Shirt wieder zusammen zu legen; als es dabei eher die Form einer PudelmĂŒtze fĂŒr Gartenzwerge gewinnt, legt er es gestresst auf den Stapel zurĂŒck.

Luise: “Die mĂŒssen hier doch noch woanders Blusen haben... Eine höher vielleicht, bei den Designern.” Also zur Rolltreppe, nĂ€chster Stock... Was Damen-Blusen in der Damen-Abteilung von Damen-Blusen in der Designer-Abteilung unterscheidet, wird uns nun klar durch Luises kritische Kommentierungen: “Bescheuerte Farbe. - Unmögliche Form - Viel zu kurz - Ich denk’, das ist total unmodern. - So was trug meine Großmutter zu Weihnachten. - Sieh dir den Preis an! Die haben se wohl nicht mehr alle! - Der reinste Fummel. - Passt hinten und vorne nicht. - Blöde Aufschrift! Ich lauf doch nicht Reklame fĂŒr die. - Die hier ginge ja, aber diese lĂ€cherlichen Metall-Knöpfe...! - Die hier ist wohl eher ‘was fĂŒr Karneval!” - Und fĂŒgt schließlich und endlich erlösend hinzu: “Nee, ich hab’ keine Lust mehr. Hat sich erledigt...“ - Sie geht zur Rolltreppe. Aufatmen, es geht abwĂ€rts... Bis in den ersten Stock. Aber da wieder stracks zurĂŒck zu den Blusen-StĂ€ndern...!

“Neulich hatten die so eine im Prospekt“, erinnert Luise sich und beginnt erneut, die Blusen-StĂ€nder durchzublĂ€ttern. Ein Blusenkauf ist halt nicht so eine einfache Sache wie der Kauf einer profanen Digital-Kamera. Das aufwendig renovierte Textilhaus wollte dem wohl auch Rechnung tragen, und richtete im ersten Stock eine Bar mit Barhockern und einigen Tischen zum Relaxen ein. - Das war wohl gut gemeint, quasi als MĂ€nner-ParkplĂ€tze, - aber die RealitĂ€t sieht nun anders aus: Alle PlĂ€tze belegt von Frauen, ein/zwei MĂ€nner vielleicht dazwischen.

Peter und mir wird warm, der RĂŒcken meldet sich, wir schlendern gelangweilt und gĂ€hnend auf und ab. Zum x-ten Mal lĂ€uft uns die gleiche VerkĂ€uferin ĂŒber den Weg, - sie, mit ihren vielen Facetten des LĂ€chelns: unverbindlich-distanziert am Anfang, dann freundlich-vertraut, dann aufmunternd, jetzt nur noch mitfĂŒhlend...

Ich sehe, wie Luise eine oben quer ĂŒber einen StĂ€nder gehĂ€ngte Bluse nimmt und sich anhĂ€lt. “Halt, die habe ich mir gerade erst ‘rausgehĂ€ngt !“ schreit eine Fremde auf. Luise grinst nur: “Mag sein, aber jetzt hab’ ich sie...” - Und eilt vor einen Spiegel, betrachtet sich unter wilden Verrenkungen mit vorgehaltener Bluse darin: von links, rechts, vorn, schrĂ€g links nach hinten, schrĂ€g rechts nach hinten, - und zurĂŒck damit in den StĂ€nder. Ein suchender Blick nach der empörten Fremden, - sie ist weg. Luise lĂ€chelt befriedigt: Na gut, wenn ich das Ding nicht will, sollst du es auch nicht haben... Weiter geht die Suche. -

An einem Pfeiler steht ein ledernes Zweier-Sofa. - Aber darauf hockt bereits jemand. Oder...? Nein, ist doch eine Puppe, dieser Ă€ltere bewegungslose Herr mit Hut und Stock! - Doch keine Puppe; der Alte hĂŒstelt... Die VerkĂ€uferin kommt wieder vorbei, lĂ€chelt diesmal schon betrĂŒbt, schaut mit uns achselzuckend zu dem Alten auf dem Sofa hinĂŒber, als wolle sie tröstend andeuten: ‘Der sitzt schon seit gestern da...’

FĂŒr solche liebevollen Aufmunterungen sind wir dankbar. Wir lĂ€cheln zurĂŒck. Und prompt hören wir Luise fragen: “Na, macht’s Spaß...? - Eure alberne Anmache...” - Wo haben Frauen eigentlich ĂŒberall Augen?

Ich sehe auf die Uhr und erschrecke, habe ich doch bei Gina fĂŒr 18:30 Uhr einen Tisch bestellt. Dies hatte ich Peter abgenommen, weil ich im “Da Gina” bekannt bin. - Griff zum Handy und bescheidene Frage an Luise: “Wie lange meinst du....”

“Hetz mich nicht! - FĂŒnf Minuten wirst du ja noch Zeit haben!”

Ich verschiebe den Termin auf 19:30 Uhr. “Mio signore... Nessun problema”, meint Gina. Kein Problem, - glĂŒckliche Gina! - Mit Kino wird’s dann wohl nichts mehr.

Gerade hebt Luise wieder eine Bluse hoch, dieses Teil - ich möchte schwören - zum fĂŒnften Mal. HĂ€ssliche Kampfparolen aus dem Geschlechterkrieg tauchen in mir auf. Ich will nicht mehr! Bei Lukas 11, 10 steht zwar: ‘...und wer da sucht, der findet’ - Aber nein, fĂŒr Luise gilt das nicht. Sie sucht, ohne finden zu wollen, - Widersinn aus dem unteren Teil des Eisbergs.

FrĂŒher in der Schulzeit hatten wir alle Spitznamen: Karl war Kalle, Peter war Pit, mich rief man Kuddel, nur Luise - aus gutem Hause, etwas etepetete, zurĂŒckhaltend und sehr eigenwillig - behielt ihren damals völlig unmodernen und viel bewitzelten Namen. Aber aber, - wie der von uns ausgesprochen wurde...! Lang gezogen, jede Silbe ĂŒbermĂ€ĂŸig betonend: “Luu - ii - sÀÀ”. - Diese Pein hat sie bis heute nicht vergessen.

Daran muss ich nun denken und frage mich zugleich, was diesen WĂŒhlrausch bei Luise wohl auslöst. - Ist es die posthistorische Suche nach dem verlorenen Paradies, vielleicht wegen des ominösen Apfels... - Es war doch gar nicht so, Luise! - Eva hatte in Wahrheit gar keine Schuld. Also Luise, hör’ mit der WĂŒhlerei auf...! Kein Einkaufs-Paradies schafft das Ur-Paradies zurĂŒck! - Als habe sie meine Gedanken erraten, kommt sie aus der Blusen-Straße auf uns zu und verkĂŒndet: “Ach - an sich brauche ich auch gar keine Bluse... - ‘ne Lederjacke wĂ€re eigentlich wichtiger...”

WĂ€hrend sich Peter augenblicklich in den berĂŒhmten chinesischen Professor ‘Wat nu?’ von der UniversitĂ€t der Ratlosigkeit verwandelt, platzt mir der Kragen. Ich schleudere der Dame alle Gemeinheiten der Welt entgegen, indem ich ebenso Ă€rgerlich wie mahnend sage: “Lu-i-sĂ€...”

Sie kuscht. Nur ein vorwurfsvoller Blick ob solcher Gemeinheit, dann meint sie erklĂ€rend: “Diese Unmengen hier, diese Wahnsinns-Auswahl, - das erschlĂ€gt einen ja. - Ich kann viel besser in kleineren Boutiquen kaufen, - und ohne Euch. - Außerdem, die haben ja alles schon Herbstsachen, obwohl wir erst gerade August haben. - MĂŒssen die sich auch nicht wundern, wenn sie nix verkaufen!”

Wie zur BestĂ€tigung erwartet uns draußen ein herrlicher, sonnenreich beginnender Abend. Und erst erleichtert, dann recht fröhlich machen wir uns auf zu “Da Gina”, - froh, großes Ungemach ĂŒberstanden zu haben. Peter freut sich ĂŒber seine neue Kamera, und ich freue mich nun riesig aufs Essen. Eine Bluse fĂŒr Luise ließ sich leider nicht finden...

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niclas van schuir
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Lambertus,
willkommen im Klub der Beobachter und Beschreiber. Ich vollziehe nach und schmunzel heftig vor mich hin. Werde deinen Beitrag meiner Frau zum Lesen geben.
Gruß Niclas

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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na,

ein glĂŒck, daß bei der dußligen blusensucherei die kamera nicht verlorenging. lg
__________________
Old Icke

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tommix
Hobbydichter
Registriert: May 2002

Werke: 0
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Wunderbar...

...einmal die herrlich ironische Einleitung. Und dann die humorige Beschreibung des Blusen-Nichtkaufs. Wahrlich aus dem Leben gegriffen. - Habe mich köstlich amĂŒsiert!!!

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