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Leselupe.de > Ungereimtes
Obdachlos
Eingestellt am 29. 08. 2004 10:41


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Wolf-Wolle
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Obdachlos


Geh’ nicht vorbei, wer du auch bist,
komm’, schau’ mich an, sag’ was du siehst.
Bin ein Clochard, hab’ keinen Sou,
doch braucht’ ich dringend neue Schuh’.
Auch meine Kleider sind verschlissen,
den Mantel hat ein Hund zerrissen,
der letzte Woche an mir hing,
g’rad als ich ein paar Fische fing.
Der PĂ€chter meint’, es wĂ€r’ sein Teich,
und selber sei er auch nicht reich.
So ging das gute StĂŒck in Fetzen,
zum GlĂŒck konnt er mich nicht verletzen.
Wenn ich nicht bald was neues find’,
erfriert mein Leib im kalten Wind.


Geh’ nicht vorbei, wer du auch bist,
komm’, schau’ mich an, sag’ was du siehst.
Bin nur ein Tramp, hab’ keinen Cent,
und noch dazu nicht viel gepennt.
Der Sheriff jagt mich aus der Stadt
und alle, die so fett und satt,
sie klatschen Beifall, finden’s gut,
wodurch mein letztes bisschen Mut,
dahinschmilzt in der Sommersonne,
denn als er wegnahm meine Tonne,
verlor ich nicht nur einen Ort,
an dem ich schlief, nein, ich war dort
schon wie zu Hause, es war mein.
Wo werde ich wohl morgen sein?


Geh’ nicht vorbei, wer du auch bist,
komm’, schau’ mich an, sag’ was du siehst.
Seit langem leb’ ich auf der Straße,
schief ist mein Mund, mir lÀuft die Nase,
hab’ in der Tasche keinen Pfennig.
Du nennst mich Penner, oh, das kenn’ ich.
Ich bin doch faul und arbeitsscheu
und nur dem Alkohol noch treu,
an meinem Elend selber Schuld,
der Staat hat viel zu viel Geduld,
mit solchen Typen, so wie mich.
Wie’s dazu kam, das fragst du nich‘.
Wen int’ressiert schon mein Befinden,
nur eins willst du, ich soll verschwinden.


Bin obdachlos und hab’ kein Geld,
doch nicht nur das ist’s, was mir fehlt.
Ich werd’ gestoßen und getreten,
hab’ nicht mal einen Platz zum Beten.
Ich schlafe hart auf kalter Erde
und wĂŒnscht’, dass es doch besser werde.
Ich hab’ kein Heim, kein eigen Dach,
lieg’ stundenlang des nachts nur wach,
aus Angst, dass mir was weggenommen,
was ich zuvor vom MĂŒll bekommen.
Kein Weib, kein Kind und keine Liebe,
was nĂŒtzt’s, wenn ich am Leben bliebe?
Bin doch schon jetzt so gut wie tot
und kĂ€mpf’ um jedes StĂŒckchen Brot.
Verfilzt mein Haar, verlaust die Sachen,
die ZĂ€hne will mir Keiner machen.
Ich seh’ grad aus wie ein Gespenst,
das du nicht mehr beim Namen nennst
und hab es selbst schon lang vergessen,
wie ich als Mensch am Tisch gesessen.

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Duisburger
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2002

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Hallo WW,

handwerklich gibt es nichts zu meckern.
Saubere Reimen, gute Metrik, flĂŒssig zu lesen.

Inhaltlich kann ich dem Werk wenig abgewinnen. Altbekanntes in neuem Gewand.
Urteil aus Sicht des Clochards,
Urteil aus Sicht des Passanten.
Punkt.

Ene wirkliche, tiefgehende lyrische Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt. Das Werk scheint angesichts der Aneinanderreihung der Ansichten kĂŒnstlich in die LĂ€nge gezogen.
Ich erwartete schon nach der zweiten Strophe nichts neues, nichts weiterfĂŒhrendes. Ich behielt recht.

Hier wĂ€re weniger mehr gewesen, hĂ€tte das Thema kĂŒrzer und lyrischer auf den Punkt gebracht werden können.

lg
Uwe


__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10343
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Hallo Wolf-Wolle,

dies ist ein Monolog, der aber nicht von einer Person gehalten wird, sondern von 3 Personen, denen in verschiedenen StÀdten auf der Erde dasselbe Schicksal zuteil geworden ist.
Es ist auch nicht nur ein Monolog, sondern alle drei sprechen dieselbe Bitte aus, nÀmlich dass sie endlich einmal jemand anschauen sollte. Wie berechtigt ist das!
Die Wiederholung dieser ersten zwei Zeilen in den ersten Strophen bringen eigentlich schon die ganze Aussage.
Und ich denke, der Text wĂ€re wirkungsvoller, wenn Du den langen letzten Teil ganz wegließest.

Liebe GrĂŒĂŸe von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Wolf-Wolle
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 24
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Hi Uwe,

Hm, vielleicht hast du sogar recht mit der LĂ€nge.
Mir gefÀllt es dennoch so, weil es auch emotional
die leute anspricht. Vielleicht etwas kitschig, nun ja.
Ich hab noch ein gedicht zu dem Thema, "Die Pennerkarriere".
Muss ich allerdings noch etwas ĂŒberarbeiten ehe es hier eingestellt werden kann.

Liebe GrĂŒĂŸe

wolf

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mirami
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Wolf-Wolle,

mich spricht dein Gedicht sehr an. Es klingt in meinem Ohr wie eine sanfte schwermĂŒtige Weise aus alter Zeit. Gekonnt zeichnest du ein romantisch-melancholisches Kolorit im Stil eines Vagabundenliedes. Die benutzten Klischees finde ich in dieser Art Dichtung ausgesprochen passend eingesetzt. Sie schaffen eine bezaubernde AtmosphĂ€re und es gelingt dir, sie ĂŒber die LĂ€nge des Textes, von Strophe zu Strohe aufrecht zu erhalten ohne langweilig zu werden. Klasse rĂŒbergebracht, mein Kompliment! Ich finde dein Werk nicht zu lang, im Gegenteil, keine Zeile dĂŒrfte fehlen.

LG
mirami

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Wolf-Wolle
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 24
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Danke an alle, die dies Gedicht gelesen haben.
Alle haben recht, auf eine gewisse Art und Weise.
Ich habe mich entschlossen, das Gedicht mit den letzten beiden Versen als eine Einheit, also als ein neues Gedicht in meine Sammlung aufzunehmen, mit dem Jahr 2004. Daneben behalte ich die lange Fassung, die schon ein paar Jahre alt ist, weil dieses Gedicht zu jenen gehört, bei dem ich noch immer beim Lesen einen Kloß im Hals verspĂŒre, sorry.

Liebe grĂŒĂŸe Wolf

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