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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Ober-, Mittel-, Unterschicht
Eingestellt am 06. 12. 2006 10:23


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Penelopeia
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Der Gebrauch dieser drei Worte ist nicht totzukriegen. Fast jeder fĂŒhrt sie im Munde oder denkt sich die Einteilung der Gesellschaft auf solch simple Art.
Weitere Begriffe nebeln in der NÀhe der populÀren Begriffstrias: Elite, Proletariat, Masse...

Wenigen scheint unbehaglich bei diesen drei Worten; sie verzichten dann auf deren Nennung oder leugnen gleich ganz die Existenz von Schichten (ich erinnere mich dunkel an einen bekannten SPD-Politiker).

Wo liegt die Ursache fĂŒr das „Durchhaltevermögen“, fĂŒr die erstaunliche ZĂ€higkeit, fĂŒr die also nach wie vor große Beliebtheit der unscharfen, jedoch scharf klassifizierenden und "abwĂ€rts" beleidigenden, verunglimpfenden Begriffe? Warum schaffen es diese pseudowissenschaftlichen und asoziologisch-asozialen Totschlag-"Termini" immer wieder bis in die Diskussionen von Feuilleton und Funk?

Die Ursache liegt wohl in der allgemeinmenschlichen Eigenschaft, Wirklichkeit aus einer verkĂŒrzten, nĂ€mlich ich-bezogenen Perspektive wahrzunehmen. Wir kommen zwar nicht umhin, ĂŒberall in der Natur und der menschlichen Gesellschaft Hierarchien zu sehen und zu akzeptieren. Aber immer suchen wir dabei nach unserem Platz. Klar, dass wir den an möglichst hoher Stelle sehen möchten. Je höher wir uns verorten können, je grĂ¶ĂŸer die Zahl der unter uns Stehenden – oder Vegetierenden –, umso krĂ€ftig-wohler unser Selbstbewusstsein. Wir schöpfen aus dem Blick nach unten Kraft. Nicht aus dem nach oben. Wem der Gebrauch dieser drei Worte am meisten nĂŒtzt, wem er die meiste Kraft verleiht, dĂŒrfte klar sein.

Bringt es etwas, Schichten ĂŒberhaupt zu leugnen? Ich denke nicht. Das ist – siehe den erwĂ€hnten Politiker, dessen Name mir unter all seinen arroganten Selbstgerechtigkeiten verschĂŒtt ging – nichts weiter als das stumme Weiterdenken der Begriffe. Und die unauffĂ€llig-heimliche, unheimliche FortfĂŒhrung genau der Politik, die zu einer weiteren Differenzierung, Schichtung, Spaltung der Gesellschaft fĂŒhrt.

Wir können gut auf die Begriffe Ober-, Mittel-, Unterschicht verzichten. Sie implizieren einen Eigenanteil an der jeweiligen Situation, der so nicht existiert. Sie exkulpieren vor allem jene Mitglieder unserer Gesellschaft, die hauptverantwortlich sind fĂŒr die Situation. (WeitlĂ€ufige Zitate spare ich mir. Ich will nur Michael Hartmann erwĂ€hnen, der die ZusammenhĂ€nge zwischen Leistung und sozialer Herkunft sehr deutlich gezeigt hat.)
Vor allem: diese Begriffe diskreditieren universelle menschliche Werte. Sie sind Teile eines reaktionÀren, inhumanen Vokabulars.

Genaugenommen gibt es keine Schichten: die Anzahl der Schichten entspricht der Anzahl der Menschen...

Da wir aber, im Interesse der gesellschaftlichen VerstĂ€ndigung, nicht ohne Vereinfachungen auskommen, sollten wir bei der Verwendung von „Schichtenmodellen“ um eindeutige Attribute bemĂŒht sein.

Man könnte z.B. sprechen von Schichten mit hohem, mittlerem, niedrigem und Nulleinkommen. Eine Erfassung der Menschen nach Einkommensgruppen wÀre damit vollzogen, aber keine Wertung nach sehr gut, mittelgut, schlecht. (Unter dem Aspekt der Umweltbelastung wÀren nach vorstehender Einteilung die Nullverdiener die wertvollsten Menschen, also die Oberschicht oder Elite. Sie fahren die wenigsten Kilometer, setzen i.d.R. die geringsten Emissionen frei, verbrauchen die geringsten Mengen an Strom, Gas, Kohle etc.)
Wir könnten mit solcher Einteilung aber eine Bewertung der Gesellschaft als Ganzes vornehmen und uns die Frage stellen, ob es Sinn macht, eine VergrĂ¶ĂŸerung der Einkommensunterschiede hinzunehmen oder ihr gar Vorschub zu leisten. Wir könnten ZusammenhĂ€nge entdecken zwischen wachsenden Einkommensunterschieden und sozialen Spannungen...

Abschließend noch zwei kleine Beispiele fĂŒr die UnschĂ€rfe der Begriffe von Ober-, Mittel-, Unterschicht:

Ein Bekannter (und Freund) von mir ist Straßenmusiker. Er beherrscht ungefĂ€hr zweihundert Songs. Über die Geschichte des Blues kann er ganze BĂ€nde erzĂ€hlen. In der Oper war er noch nie. Gemessen an seinem Einkommen ist er "Unterschicht". Gemessen an seinem Wissen ĂŒber Blues und Country Elite. Wo soll ich ihn einordnen mit den gĂ€ngigen Begriffen?

Ein weiterer Bekannter (kein Freund) ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer einer mittelstĂ€ndischen Firma. Er hat einen Schrank voller Klassik-CDs in seinem Haus. Wie oft er in der Oper war, kann ich nicht sagen. Einige Dutzend teurer Karten dĂŒrften durch seine und seiner Frau HĂ€nde gegangen sein. Eine unvoreingenommene Einstellung zu Musik habe ich bei ihm nicht bemerkt. Ich wĂŒrde sogar soweit gehen, und sagen, er habe von Musik nur höchst partiell Ahnung. Ein Instrument spielt er nicht. Er kommt also, verglichen mit dem „Unterschichten“-Straßenmusiker, nicht mal auf den zweihundertsten Teil an Blues- und Countrysongs. Unter diesem Aspekt wĂ€re er nicht "Unterschicht", sondern Null.














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HFleiss
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Ober-, Mittel-, Unterschicht

Penelopeia, nicht das Benennen eines Zustandes schafft den Zustand. (Ich gebe dem Kind keinen Namen, also existiert es nicht?) Das von dir angefĂŒhrte Musikbeispiel geht ja nun völlig daneben, denn nicht das Wissen um bestimmte Dinge (hier die Musik) fordert die Einteilung in "Schichten" heraus, sondern die tatsĂ€chlich zur Fristung des Lebens eingenommenen materiellen Mittel. Was einer weiß, spielt immer weniger eine Rolle, solange er sein Wissen nicht vermarkten kann. Denn darauf kommt es an: Kann er sich verkaufen?

By the way, genaugenommen ist sogar die Einteilung in Schichten unkorrekt. Sprechen wir doch lieber von Klassen, das wÀre auch gesellschaftspolitisch der korrekte Begriff.
Aber da wÀren wir ja schon wieder beim Kampf der Klassen, aber der ist gottseidank lt. Beschluss der SPD abgeschafft worden. Wenn nÀmlich niemand sich wehrt, gibt es auch keinen Kampf - logisch. Da hat die SPD wohl recht.

Gruß
Hanna

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Mirko Kussin
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Hi Penelope ...ich schreib einfach mal meine Anmerkungen in den Text rein. Inhaltlich und stilistisch sind mir da ein paar Sachen aufgefallen ...


Der Gebrauch dieser drei Worte ist nicht totzukriegen. Fast jeder fĂŒhrt sie im Munde oder denkt sich die Einteilung der Gesellschaft auf solch simple Art.
Weitere Begriffe nebeln in der NÀhe der populÀren Begriffstrias: Elite, Proletariat, Masse...

Wenigen scheint unbehaglich bei diesen drei Worten; sie verzichten dann auf deren Nennung oder leugnen gleich ganz die Existenz von Schichten (ich erinnere mich dunkel an einen bekannten SPD-Politiker).

Wo liegt die Ursache fĂŒr das „Durchhaltevermögen“, fĂŒr die erstaunliche ZĂ€higkeit, fĂŒr die also nach wie vor große Beliebtheit der unscharfen, jedoch scharf die zweifache Wiederholung von "scharf" finde ich nicht so dolle klassifizierenden und "abwĂ€rts" beleidigenden, verunglimpfenden Begriffe? Warum schaffen es diese pseudowissenschaftlichen und asoziologisch-asozialen Totschlag-"Termini" ich glaube den Begriff asoziologisch gibt es nicht, denn auch ein a-soziale Verhalten ist immer noch ein soziologisches Verhalten. Sobald ich in einer Gruppe lebe, verhalte ich mich soziologisch. immer wieder bis in die Diskussionen von Feuilleton und Funk? Feuilleton und Funk ist ein Begriffspaar, was so nicht zusammen passt

Die Ursache liegt wohl in der allgemeinmenschlichen Eigenschaft, Wirklichkeit aus einer verkĂŒrzten, nĂ€mlich ich-bezogenen Perspektive wahrzunehmen. Wir kommen zwar nicht umhin, ĂŒberall in der Natur und der menschlichen Gesellschaft Hierarchien zu sehen und zu akzeptieren. Aber immer suchen wir dabei nach unserem Platz. Klar, dass wir den an möglichst hoher Stelle sehen möchten. Die Aussage ist unter soziologischen Gesichtspunkten schlichtweg falsch Je höher wir uns verorten können, je grĂ¶ĂŸer die Zahl der unter uns Stehenden – oder Vegetierenden –, umso krĂ€ftig-wohler unser Selbstbewusstsein. Wir schöpfen aus dem Blick nach unten Kraft. Nicht aus dem nach oben. Wem der Gebrauch dieser drei Worte am meisten nĂŒtzt, wem er die meiste Kraft verleiht, dĂŒrfte klar sein.

Bringt es etwas, Schichten ĂŒberhaupt zu leugnen? Ich denke nicht. Das ist – siehe den erwĂ€hnten Politiker, dessen Name mir unter all seinen arroganten Selbstgerechtigkeiten verschĂŒtt ging das ist zu wertend formuliert – nichts weiter als das stumme Weiterdenken der Begriffe. Und die unauffĂ€llig-heimliche, unheimliche FortfĂŒhrung genau der Politik, die zu einer weiteren Differenzierung, Schichtung, Spaltung der Gesellschaft fĂŒhrt.

Wir können gut auf die Begriffe Ober-, Mittel-, Unterschicht verzichten Wenn diese Begriffe, wie du weiter oben erwĂ€hnst eine Abgrenzungs- und damit Selbstdefinitionsfunktion haben, können wir eben nicht so einfach darauf verzichten . Sie implizieren einen Eigenanteil an der jeweiligen Situation, der so nicht existiert. Sie exkulpieren vor allem jene Mitglieder unserer Gesellschaft, die hauptverantwortlich sind fĂŒr die Situation. (WeitlĂ€ufige Zitate spare ich mir. Ich will nur Michael Hartmann erwĂ€hnen, der die ZusammenhĂ€nge zwischen Leistung und sozialer Herkunft sehr deutlich gezeigt hat.) FĂŒr die Leser, die Michael Hartmann nicht kennen, bzw nicht gelesen haben, ist dieser Verweis nicht förderlich. Ich kenn ihn auch nicht.
Vor allem: diese Begriffe diskreditieren universelle menschliche Werte. Warum? Sie sind Teile eines reaktionÀren, inhumanen Vokabulars. Auch hier wieder, der Begriff reaktionÀr ist mir zu wertend

Genaugenommen gibt es keine Schichten: die Anzahl der Schichten entspricht der Anzahl der Menschen... Die Aussage ist auch wieder nicht ganz korrekt. Man mag sich ĂŒber den Begriff "Schichten" streiten und die Soziologie redet lieber von Millieus, aber sie bestreitet keinesfalls, dass es solche gesellschaftlichen Klassifizierungen gibt

Da wir aber, im Interesse der gesellschaftlichen VerstĂ€ndigung, nicht ohne Vereinfachungen auskommen, sollten wir bei der Verwendung von „Schichtenmodellen“ um eindeutige Attribute bemĂŒht sein.

Man könnte z.B. sprechen von Schichten mit hohem, mittlerem, niedrigem und Nulleinkommen. Eine Erfassung der Menschen nach Einkommensgruppen wÀre damit vollzogen, aber keine Wertung nach sehr gut, mittelgut, schlecht. (Unter dem Aspekt der Umweltbelastung wÀren nach vorstehender Einteilung die Nullverdiener die wertvollsten Menschen, also die Oberschicht oder Elite. Sie fahren die wenigsten Kilometer, setzen i.d.R. die geringsten Emissionen frei, verbrauchen die geringsten Mengen an Strom, Gas, Kohle etc.)
Wir könnten mit solcher Einteilung aber eine Bewertung der Gesellschaft als Ganzes vornehmen und uns die Frage stellen, ob es Sinn macht, eine VergrĂ¶ĂŸerung der Einkommensunterschiede hinzunehmen mit den inkommensunterschieden machst du jetzt, so ganz nebenbei, noch ein weiteres Fass auf, auf das du aber gar nicht weiter eingehst. oder ihr gar Vorschub zu leisten. Wir könnten ZusammenhĂ€nge entdecken zwischen wachsenden Einkommensunterschieden und sozialen Spannungen... Naja, das ist ja keine neue Erkenntnis

Abschließend noch zwei kleine Beispiele fĂŒr die UnschĂ€rfe der Begriffe von Ober-, Mittel-, Unterschicht:

Ein Bekannter (und Freund) dies EinschĂŒbe in Klammern finde ich in Reportagen / bzw Kommentaren immer schwierig: du solltest dich entscheiden. Entweder man hat nen Bekannten, oder nen Freund. Freund und Bekannter ist tautologisch. von mir ist Straßenmusiker. Er beherrscht ungefĂ€hr zweihundert Songs. Über die Geschichte des Blues kann er ganze BĂ€nde erzĂ€hlen. In der Oper war er noch nie. Gemessen an seinem Einkommen ist er "Unterschicht". Gemessen an seinem Wissen ĂŒber Blues und Country Elite. Wo soll ich ihn einordnen mit den gĂ€ngigen Begriffen? Das ist dem Leser relativ egal

Ein weiterer Bekannter (kein Freund) ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer einer mittelstĂ€ndischen Firma. Er hat einen Schrank voller Klassik-CDs in seinem Haus. Wie oft er in der Oper war, kann ich nicht sagen. Einige Dutzend teurer Karten dĂŒrften durch seine und seiner Frau HĂ€nde gegangen sein. Eine unvoreingenommene Einstellung zu Musik habe ich bei ihm nicht bemerkt. Ich wĂŒrde sogar soweit gehen, und sagen, er habe von Musik nur höchst partiell Ahnung. Ein Instrument spielt er nicht. Er kommt also, verglichen mit dem „Unterschichten“-Straßenmusiker, nicht mal auf den zweihundertsten Teil an Blues- und Countrysongs. Unter diesem Aspekt wĂ€re er nicht "Unterschicht", sondern Null.

Dein Text ist zu schwammig. Er weiß nicht so recht wo er hin will. Du kritisierst diese Einteilung der Schichten, zeigst aber keine LösungsvorschlĂ€ge oder Alternativen. Das ist fĂŒr den Leser wenig hilfreich. Hin und wieder stellst du Aussagen in den Raum und lĂ€sst den Leser damit ziemlich alleine. Wie unterteilst du persönlich die Gesellschaft, wĂ€re zum Beispiel ein spannender Aspekt gewesen.
So liest sich das Ganze sehr anklagend. Aber dein Argumentationsniveau ist sehr gering. Du kommentierst einen Sachverhalt, der dir sehr am Herzen liegt (was man aus dem Text rauslesen kann), aber ĂŒber den du dich wenig schlau gemacht hast. Das ist schade.

Gruß Mirko
__________________
"I am only what you made me - I am a reflection of you"
Charles Manson

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Penelopeia
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Hallo Hanna,

es handelt sich um kein leichtes Thema, ich weiß. Meine Denke ist sicher auch nicht sehr verbreitet. Daher nochmal in Kurz- und Klarform: fĂŒr mich existieren keine Schichten. Jedenfalls nicht nach vorgegebenem Vokabular. Ich meine, dieser Sprachgebrauch verletzt universelle menschliche Werte. Anders formuliert: er negiert die Gleichheit der Menschen als Teilnehmer am gesellschaftlichen Prozess.
Hilfreicher - und eindeutiger - wÀre es, von Schichten im Zusammenhang mit bestimmten Attributen, also Merkmalen zu sprechen.

Der Straßenmusiker will sich vielleicht gar nicht weiter vermarkten. Er ist - in den Augen der Etablierten - ein Hungerleider. FĂŒr mich ist er "Elite". So sehr mich das Wort ankotzt. Sein Einkommen interessiert mich recht wenig. MĂŒsste ich ihn einer "Schicht" "zuschlagen", kĂ€me nur die Schicht der Geringverdiener in Frage. Habe ich damit eine Wertung vorgenommen, wie es der offizielle - und von vielen Mittel- bis Oberschichtlern geliebte - Sprachgebrauch tĂ€tigt? Ich hoffe nicht.

Deinem Vorschlag einer Einteilung in Klassen stimme ich zu. Der Klassenbegriff verhehlt nicht die gegensÀtzlichen Interessen, vernebelt auch nicht grundsÀtzliche Lebensmotive. Er bewertet nicht eine soziale Schicht, sondern alle. Ich vermute, er wird eine Renaissance erleben...

LG

P.


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Penelopeia
AutorenanwÀrter
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Hallo Mirko,

danke fĂŒr die Antwort, ich kann allerdings nicht sehr viel damit anfangen.

die zweifache Wiederholung von "scharf" finde ich nicht so dolle

Der Bezug wechselt!

asoziologisch-asozialen Totschlag-"Termini" ich glaube den Begriff asoziologisch gibt es nicht, denn auch ein a-soziale Verhalten ist immer noch ein soziologisches Verhalten. Sobald ich in einer Gruppe lebe, verhalte ich mich soziologisch.

Das Adjektiv "asoziologisch" kann man konstruieren, und zwar aus dem PrĂ€fix "a" fĂŒr "nicht" und dem Attribut "soziologisch". Du hast natĂŒrich Recht, es ist selten zu lesen...
Die Soziologie ist die Wissenschaft unseres Sozialverhaltens. In einer Gruppe verhalte ich mich höchstens (a)sozial, nicht soziologisch.

Feuilleton und Funk ist ein Begriffspaar, was so nicht zusammen passt

"Feuilleton" steht hier stellvertretend fĂŒr die Klatschpresse. Von Massen- und EdelblĂ€ttern. "Funk" fĂŒr die elektronischen Medien.

Die Ursache liegt wohl in der allgemeinmenschlichen Eigenschaft, Wirklichkeit aus einer verkĂŒrzten, nĂ€mlich ich-bezogenen Perspektive wahrzunehmen. Wir kommen zwar nicht umhin, ĂŒberall in der Natur und der menschlichen Gesellschaft Hierarchien zu sehen und zu akzeptieren. Aber immer suchen wir dabei nach unserem Platz. Klar, dass wir den an möglichst hoher Stelle sehen möchten. Die Aussage ist unter soziologischen Gesichtspunkten schlichtweg falsch

Warum?

Bringt es etwas, Schichten ĂŒberhaupt zu leugnen? Ich denke nicht. Das ist – siehe den erwĂ€hnten Politiker, dessen Name mir unter all seinen arroganten Selbstgerechtigkeiten verschĂŒtt ging das ist zu wertend formuliert –

Ja, ich werte.

Wir können gut auf die Begriffe Ober-, Mittel-, Unterschicht verzichten Wenn diese Begriffe, wie du weiter oben erwÀhnst eine Abgrenzungs- und damit Selbstdefinitionsfunktion haben, können wir eben nicht so einfach darauf verzichten .

Ich schlage anderes Vokabular vor!


Sie implizieren einen Eigenanteil an der jeweiligen Situation, der so nicht existiert. Sie exkulpieren vor allem jene Mitglieder unserer Gesellschaft, die hauptverantwortlich sind fĂŒr die Situation. (WeitlĂ€ufige Zitate spare ich mir. Ich will nur Michael Hartmann erwĂ€hnen, der die ZusammenhĂ€nge zwischen Leistung und sozialer Herkunft sehr deutlich gezeigt hat.) FĂŒr die Leser, die Michael Hartmann nicht kennen, bzw nicht gelesen haben, ist dieser Verweis nicht förderlich. Ich kenn ihn auch nicht.

Man sollte ihn kennen. Oder man ignoriert gezielt wesentliche Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Kann ja sein...


Vor allem: diese Begriffe diskreditieren universelle menschliche Werte. Warum? Sie sind Teile eines reaktionÀren, inhumanen Vokabulars. Auch hier wieder, der Begriff reaktionÀr ist mir zu wertend

Hier hÀtte ich schÀrfer werden können. Stimmt.

Genaugenommen gibt es keine Schichten: die Anzahl der Schichten entspricht der Anzahl der Menschen... Die Aussage ist auch wieder nicht ganz korrekt. Man mag sich ĂŒber den Begriff "Schichten" streiten und die Soziologie redet lieber von Millieus, aber sie bestreitet keinesfalls, dass es solche gesellschaftlichen Klassifizierungen gibt

Hier habe ich ein bisschen wittgensteinisch parodiert...

Freund und Bekannter ist tautologisch.

Sind alle deine Bekannten deine Freunde?


Gemessen an seinem Wissen ĂŒber Blues und Country Elite. Wo soll ich ihn einordnen mit den gĂ€ngigen Begriffen? Das ist dem Leser relativ egal

Mir nicht.


Dein Text ist zu schwammig. Er weiß nicht so recht wo er hin will. Du kritisierst diese Einteilung der Schichten, zeigst aber keine LösungsvorschlĂ€ge oder Alternativen.

Ich schrieb: "Man könnte z.B. sprechen von Schichten mit hohem, mittlerem, niedrigem und Nulleinkommen. Eine Erfassung der Menschen nach Einkommensgruppen wÀre damit vollzogen, aber keine Wertung nach sehr gut, mittelgut, schlecht."

Ist das kein Vorschlag?

P.

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dubidu
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Liebe Pen,

ich hatte ein Ă€hnliches GefĂŒhl wie Mirko beim Lesen deines Textes. Du negierst Begriffe, die zweifelsfrei existieren, doch m.E. semantisch fehlbesetzt sind und stellst fest, dass diese Begriffe eigentlich doch existieren, wir sie aber neu definieren sollten. Sehr widersprĂŒchlich!

Wir, die Medien, und Pen zufolge alle Schlechtmenschen nutzen die Schichtbegriffe immer dann, wenn sie aus unserer Sicht hilfreich sind.
Pen hat Recht, unter bestimmten Bedingungen kann ein nach wirtschaftlichen Kriterien kategorisierter Unterschichtler ein kultureller Oberschichtler sein.

Ich habe beispielsweise auch keine Probleme damit, wenn mich selbsternannte Gutmenschen aufgrund meiner "angeblichen" Überheblichkeit in die Rubrik geistig-moralische Unterschicht stecken. Und ich habe auch kein Problem damit, die Dinge beim Namen zu nennen.

Und ich habe den Grund nicht verstanden, warum wir aus Ă€sthetischen GrĂŒnden einen Begriff leugnen sollten, der in anderen LĂ€ndern nicht nur von der High Society genutzt wird.

Viele GrĂŒĂŸe
das dubidu
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Die TollkĂŒhnheit des Schreibers und sein spontanes BedĂŒrfnis nach Wahrheit mĂŒssen allemal grĂ¶ĂŸer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

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