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Leselupe.de > Kurzprosa
Österreich
Eingestellt am 25. 05. 2005 15:35


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nachtfalter
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Österreich
Österreich ist ein familienfreundliches Land. In der Selbstmordstatistik(welche sich inzwischen zuungunsten Finnlands verschoben hat)nach Ungarn an zweiter Stelle stehend ist das Bundesland Salzburg am stäksten vertreten,was mich auch nicht wundert. Der gesellschaftspolitische Stand der Dinge ist immer noch: Untertanenhaft, Haft, haften, nicht gewohnt, Freiheiten zu haben ( siehe Vienna Bikes),insgeheim aufmüpfig, boshaft und schadenfroh, seh leicht neidisch. Rückenschmerzen sind weit verbreitet. Sie sind eine Volkskrankheit und die Orthopäden machen gute Geschäfte. Die Nervenärzte auch. In Österreich gilt als normal, wer auf Befragen das Datum weiß.Wenn ich bedenke, wie oft ich das Datum nicht weiß.
Vom Flughafen ist Richtung Wien auf der Autobahn ein Plakat zu sehen: Erdäpfelsalat bleibt Erdäpfelsalat, damit die in der EU das gleich wissen. Die Verhunzung der Sprache schreitet sowieso voran. Wem fällt das noch auf?
Erstens: Eine Frau braucht nicht immer einen Arbeitsplatz.Zweitens: Sie hat sowieso immer einen, im Haushalt.Es fällt nicht unbedingt auf, wenn sie kein Geld hat.
Doch was das Geld verdienen und bezahlen betrifft, ist eine gewisse Rollenumkehr zu beobachten.

Ich bin in wien aufgewachsen. Lange Zeit habe ich keinen Wiener Dialekt hören können, ohne in eine mir unerklärliche Depression zu verfallen. Die Leute haben einander in diesem Idiom die ärgsten Dinge gesagt.Allein schon deswegen, wenn einmal die Straßenbahn nicht gekommen ist.Eine Frau hat beim Fleischhauer unter den aufgehängten, entzwei geteilten Schweinehälften stehend von ihrer Unterleibsoperation erzählt. Wien unverträglich. Ich weiß nicht, ob es das wo anders auch noch gibt. Und dabei dieser tragische Ton, diese nachtragende Resignation, die das Gesagte immer begleitet hat.
Wie ich dann wieder nach Wien gekommen bin, ist es besser gewesen. Fremd genug, um beim Hören der Alltagssprache nicht mehr in Melancholie zu verfallen. Vielleicht, weil sich die Sinne erholt haben davon, als ob die Wahrnehmung nun auf einer anderen Frequenz stattfinden würde. Im öffentlichen Raum läßt man besser kein Papierl fallen. Man wird dann höchstwahrscheinlich zurechtgewiesen und nicht zimperlich.

Wir Österreicher sind nicht nur gemein und hinterhältig. Wirt sind auch ausgesprochen hilfsbereit. In Sarajewo fährt jetzt die ehemalige 46er Tram aus Ottakring, welche die Stadt Wien verschenkt hat. Für Nachbar in Not ist außerordentlich viel gespendet worden. Wir sind kein armes Land. Wir haben auch arme Leute. Von denen wird vor den Wahlen geredet, das sind die "kleinen Männer".

Sucht eine ortsfremde Person in der Straßenbahn eine Adresse und fragt darnach, so sind zweierlei Reaktionen möglich: Entweder keine oder es ergehen sich eine, dann zwei oder drei Personen von heftigen Handbewegungen, oben, unten, rechts, links andeutend in der Anweisung, wie die gesuchte Adresse am besten zu finden sei. Die Erklärenden sind sich dabei nicht einig. Aber es ist irgendwie rührend. Man bedankt sich, flüchtet und versucht sein Glück, indem man aussteigt.

M.Sch.

__________________
MargareteSch.

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sohalt
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Zuungunsten der Finnen verschoben - heißt das, dass die uns schon wieder abgehängt haben, die Finnen? Ts. Frechheit.

.. in wien aufgewachsen. Wien klein? Absicht?

Wirt sind auch ... Wir sind auch.

Mir gefallen die Beobachtungen besser als die Behauptungen, aber erstere dafür auch wirklich gut. Besonders den Schluß find ich schön.

Kleine inhaltliche Anmerkungen:
Das mit der Sprache. Die Erdäpfelsalatbewahrer siehst du ja eher kritisch (mein ich zumindest herauszulesen), aber die "Sprachverhunzung", die ja genau diese dann immer ins Treffen führen, stört dich auch. Oder liegt die echte Sprachverhunzung eventuell ganz woanders? (Ich glaube nämlich, dass es das ist, was du eigentlich andeuten willst, richtig?) Das könnte man vielleicht noch genauer ausführen.

Die "kleinen Männer". Ich glaube nicht, dass damit, wie du schreibst, die Armen gemeint sind, nicht die wirklich Armen, die Sandler zB, die wir ja durchaus auch haben. Ich denke, kleiner Mann meint eher den zu kurz gekommen Kleinbürger, als der zumindest meint, dass er zu kurz gekommen ist. Viel interessantere Zielgruppe für die Politik, würd ich meinen.

Überhaupt, in diesem Absatz schwingt so etwas von "die eigenen Leute zuerst" mit, auch wenn's vermutlich mehr so in Richtung "Wir helfen, wenn's gut ausschaut, aber in Wahrheit ist es uns wurscht, wenn neben uns die Leute verrecken" gehen soll.

Ich weiß, dass es gefährlich ist, sich in einer Textkritik auf Untertöne zu konzentrieren, die man ja schließlich selbst hineinliest, aber da dieser Text, scheint mir, ja sehr auf Untertöne ausgerichtet ist, fand ich das diesmal legitim. Ich hoffe, es stört dich nicht, ich will das ja nicht kritsieren, aber es interessiert dich vielleicht, wie es beim Leser ankommt.

lg
sohalt
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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de différence entre les hommes. (Pascal)

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herb
???
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mir haben auch vor allem die Beobachtungen gefallen.
Die kleinen Gehässigkeiten der Literaten untereinander (sitzen die nicht in Kaffeehäusern rum?) hätte ich noch gern erwähnt.
Auf einer anderen Literaturseite entdecke ich immer wieder, dass die Österreicher eine Gruppe gegen die Nichtöstereicher
bilden, Dann gehen die Gehässigkeiten nach außen. Grins, hier muss ich das erst mal beobachten.

Gruß aus Berlin

herb
__________________
hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

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sohalt
Routinierter Autor
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Aber geh, das mit den Kaffeehäusern ist doch nur mehr ein Klischee..
Naja. Nicht, dass ich es beurteilen könnte. Ich kenne ja keine Schriftsteller. Aber in Kaffeehäusern bin ich öfter und die meisten Leute dort haben keine Notziblöcke.

Na, Nachtfalter, wollen wir eine Clique bilden und gegen die anderen motzen? (Danke für die Anregung, Herb.)

lg
sohalt
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allerleirau
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mia san mia ...

oh, nachtfalter, oh sohalt...
gewähret mir die bitte und lasst mich sein
im motzerbund die dritte....
aber, bittschön, motzen möcht i net, i möcht meckern, granteln und stänkern, wenn schon ...
auf gar keinen fall lass i mir den erdäpfelsalat nehmen, gell, selbst wenn derselbige aus pannonischen grumbirn hergestellt wurde, oder den schmarrn aus ebendenselbigen zur paradeissoß.
i könnt mir ja im lebn net vorstellen, einen krossen schweinebraten im kirbischen hexameter zu genießen, und der wildgans, der war ja wohl alles andere als ein kaffeehausliterat. aber nachdem der celan und die bachmann jo aa in an wiener kaffeehaus angfangen haben, können die obigen wohl net die schlechtesten gwesen sein, ...
.....na na....die verhunzungen kommen schon von draußen, ....
__________________
die ewigkeit? ein kreis, um den ein fisch so lange schwimmt, bis dieser kreis ein ende nimmt. K.A.Maly

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