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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 07. 04. 2008 00:11


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ViktorS
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2008

Werke: 3
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Seit sechzig Tagen war sein PC nun eingeschaltet und Online.
MĂŒhsam schleppte er sich aus seinem sĂŒffigen Bett, vorbei an Dutzenden Pizzaschachteln und setzte sich wieder vor den flackernden Bildschirm. Wie immer blinkten seine ganzen Chatprogramme und seine Tastatur lauerte nur auf seine Finger. Viele Online-Kontakte kannten ihn nur als erfolgreichen GeschĂ€ftsmann. In Wirklichkeit war davon nicht mehr viel ĂŒbrig geblieben. Er war nur noch eine bemitleidenswerte Kreatur, gefangen in einer virtuellen Welt.
Alle Online-Kontakte bekamen erst einmal die ĂŒbliche, „Hallo wie geht es?“, Heuchelei zugesandt. Jeden Tag ĂŒberwand er mit solchen hohlen Phrasen. Doch seit acht Tagen fehlten ihm zwei seiner wichtigsten Kontakte. Diese hatte er irgendwann in einer anderen Welt kennen gelernt. Beide hatten ihm diese anonyme virtuelle Welt gezeigt und beide hatten ihm auch geholfen, nachdem es passiert war. Allerdings hatten sie seit acht Tagen nicht mehr geantwortet. Er fragte sich natĂŒrlich, ob er irgendetwas falsch gemacht hatte, verdrĂ€ngte diese Gedanken aber, sobald er sich wieder seine Finger wund tippte.
Mittlerweile waren schon drei Stunden vor dem Monitor vergangen. Plötzlich tauchte zwischen dem ĂŒblichen Gelaber etwas auf, das ihn aus seiner Lethargie riss. Jemand fragte ob er schon die Sache von Birgit und Klaus gehört hatte. Diese beiden Namen verwirrten ihn und ein Schauer lief ihm ĂŒber den RĂŒcken. Erst konnte er sie seinen beiden vermissten Bekannten zuordnen und dann tauchten langsam zwei reale Gesichter, vor seinem inneren Auge, auf. „Nein!“, lautete seine Antwort, „Was ist denn mit ihnen?“. Lange kam keine Antwort, doch dann, „Beide sind bei einem Autounfall gestorben. Ich muss dann mal in die KĂŒche, mein Essen ist fertig. TschĂŒss.“.
Wie aus einem bösen Traum erwacht, starrte er in den Bildschirm. Er rieb sich die Augen, versuchte es zu verdrĂ€ngen, doch er konnte nicht. Eine gewaltige Bilderflut stĂŒrmte auf ihn ein. Worte dröhnten in seinem Kopf. „Dann geh doch zu deiner Mutter!“, er sah eine Frau durch eine AutotĂŒr verschwinden. Auch das quietschen von Reifen hörte er. Benommen ließ er sich auf sein Bett fallen und gab den Kampf dagegen auf.
Wieder war er zu seiner Sarah gerannt und wieder hatte er sie zu spĂ€t erreicht. Mit weit aufgerissenen Augen hatte er in ihr eingedrĂŒcktes Gesicht gesehen und warmes Blut war durch seine HĂ€nde, auf den kalten Asphalt, geflossen. Voller Angst hatte er eine Hand auf ihren Bauch gelegt, doch dort hatte sich nichts mehr bewegt.
Er hörte sich schreien und spĂŒrte noch immer die Kehle von dem Trunkenbold, der sein bisheriges Leben auslöschte, in seinen HĂ€nden. Doch war es nur ein Kissen. Immer wieder schlug er darauf ein. Wut, RachegelĂŒste und Verzweiflung durchströmten seinen Körper. Dann wurde er ohnmĂ€chtig.
Als er langsam wieder zu sich kam, fĂŒhlte er sich leer. Er sah sich in seiner Wohnung um und ihn kotzte alles an.
„Du hast auch noch uns.“ Hatten Birgit und Klaus gesagt, als er schon einmal all seine Kraft verloren hatte. Er konnte sich nicht gegen dieses Verlangen wehren und wollte es auch nicht mehr. Irgendetwas zog ihn zu seinem Fenster, das er schon ewig nicht mehr geputzt hatte. Er öffnete es und warf einen Blick in die lockende Tiefe. Ein Ă€lteres PĂ€rchen auf dem Gehweg sah auf, als er sich auf das Fensterbrett setzte. Doch es war ihm egal. Er holte tief Luft und beugte sich langsam nach vorne. Ein GefĂŒhl der Erleichterung wurde mit jedem Zentimeter stĂ€rker. Er sah auch einen Pizzaboten in seinen Hauseingang stĂŒrmen, doch auch das war nun nicht mehr wichtig. Seine Augen schlossen sich langsam und er spĂŒrte einen warmen Windhauch in seinem Gesicht. Er glitt von dem Fensterbrett.
Irgendein dummer Reflex lies es nicht zu, das er so einfach davon kam. Als er seine Augen öffnete, baumelte er wie ein nasser Sack am Fensterbrett. Er konnte nicht loslassen und die anfĂ€ngliche Erleichterung wich der blanken Angst. Wirre Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Er machte sich Sorgen, um das Grab seiner Frau und seine SteuererklĂ€rung. Als er Schreie unter sich hörte, wollte er nur noch wieder zurĂŒck, sich in seine virtuelle Welt flĂŒchten, doch das ging nicht so einfach. Er strampelte verzweifelt und versuchte sich hoch zu ziehen. Seine nackten FĂŒĂŸe rissen an der rauen Hauswand auf. Eine rote Spur der Verzweiflung floss an der warmen Hauswand herab.
Ihm fiel nun auf, das er in dreckiger UnterwĂ€sche an der Hauswand hing und war peinlich berĂŒhrt. So wollte er nicht sterben. Er hörte seine Frau die ihm, „ Ich liebe dich, mach nicht so einen Scheiß“, ins Ohr flĂŒsterte. Ein leises Echo ,seines alten Ehrgeizes, kehrte in ihn zurĂŒck und er nahm sich vor alles zu Ă€ndern. Duschen, Wohnung aufrĂ€umen und wieder arbeiten gehen, schwebten ihm vor. Eine kalte BerĂŒhrung riss ihn aus seinen Gedanken. Der Pizzajunge hatte die TĂŒr aufgebrochen und versuchte ihn nun wieder in seine Wohnung zu zerren. Er sah in das entschlossene Gesicht von Benjamin und brachte seine letzte Kraft auf. Langsam schob er sich nach oben, seinem neuen Leben entgegen. Benjamins Gesicht entwich jedoch die anfĂ€ngliche Entschlossenheit und war nun schmerzverzerrt. Langsam glitt er wieder nach unten. Benjamins HĂ€nde waren von den ganzen italienischem Essen fettig geworden. Beide sahen sich mit entsetzten Gesichtern an, wollten aber nicht aufgeben. Er rutschte von der Hauswand ab und diese Kraft reichte aus, um ihn aus Benjamins HĂ€nden zu reißen. Benjamin schrie, „Es tut mir Leid!“.
Verzweiflung und Angst machten sich in ihm breit und es wurde langsam alles dunkel. Die entsetzten Schreie hörte er schon nicht mehr, als sein Körper krachend auf dem Gehweg landete. Er war schon offline.

Version vom 07. 04. 2008 00:11

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Rumpelsstilzchen
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Ahem!

Wie wĂ€re es mit Korrektur lesen (lassen) vor dem Einstellen? WĂŒrde mir die MĂŒhe und Dir den Frust der Klinikeinweisung ersparen.
Gute Besserung!

Unverkrampft verdampft
__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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MarenS
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Hmpf...da wÀren noch ein paar...

...vorbei an Dutzenden Pizzaschachteln...

Wie immer blinkten seine ganzen Chatprogramme... Das ist vom Ausdruck her ziemlich ĂŒbel! Ich schlage statt dessen vor: sĂ€mtliche

Diese hatte er irgendwann in einer anderen Welt kennen gelernt. Beide hatten ihm diese anonyme virtuelle Welt gezeigt und beide hatten ihm auch geholfen, nachdem es passiert war. Allerdings hatten...

Insgesamt holperig und die vielen hatten stören mÀchtig.
Ich denke du kannst ohne Probleme die einfache Vergangenheit wÀhlen z.B.: Er lernte die beiden irgendwann in einer anderen Welt kennen. Sie waren es auch, die ihm den Weg in die virtuelle Welt zeigten usw.

Das Benjamins HĂ€nde vom italienischen Essen fettig geworden waren ist hahnebĂŒchen!....du kannst gut schreiben, dass seine Kraft nachließ, denn einen erwachsenen Mann wieder in ein Fenster zu ziehen dazu bedarf es schon enormer KrĂ€fte und die muss der arme Pizzabote, der wohl auch noch ein halber Junge war und den du eben noch die TĂŒr aufbrechen ließt, nicht unbedingt gehabt haben.
Achja, war das ein Pizzabote oder war war es "sein" Pizzabote?
Woher sollte ein fremder Pizzabote, die richtig WohnungstĂŒr kennen? Ein Mietshaus, das hoch genug ist um sich zu Tode fallen zu lassen hat ja pro Etage auch mehrere Wohnungen.


Achje, ich fÀnde bestimmt noch mehr aber ich denke das reicht erstmal. Lies selber noch einmal und hinterfrage alles, ob es hieb- und stichfest ist.

GrĂŒĂŸe von Maren

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